NCAA Previews 11/12

College Preview: Louisville Cardinals

Louisville Cardinals, Big East

2010/2011: 25-10; NCAA Tournament: Second Round.


So schnell kann es gehen. Obwohl Rick Pitino und seine Jungs als Nummer vier der Southwest Region im NCAA Tournament gesetzt waren, sollte die zweite Runde bereits die letzte sein. Gegen Kenneth Faried und die Morehead State University hieß es am Ende 61 – 62. Ein ernüchternder Abschluss für Preston Knowles, Peyton Siva und Co. Mit 25 – 10 bzw. 12 – 6 innerhalb der Conference belegten die Cardinals den vierten Platz in der überragenden Big East. Nicht nur die Bilanz, sondern auch die Tatsache, dass in der zweiten Hälfte der Saison mit Pittsburgh, St. John’s, Syracuse, Notre Dame und Uconn echte Spitzenteams bezwungen werden konnten. Auffällig ist, dass der Champion aus Connecticut sogar gleich zweimal den Kürzeren zog. Aber auch Niederlagen gegen West Virginia, Cincinnati und Providence zeichneten ein Bild einer nicht besonders konstanten Mannschaft. Dies bewiesen sie dann auch zum Start der March Madness.

Wer ging?

Vor allem der Verlust von Preston Knowles und Forward Terrence Jennings wird bemerkbar sein. Knowles stand 30 Minuten pro Spiel auf dem Feld und war Top-Scorer. Den Cardinals werden aber nicht nur die 14.6 Punkte fehlen. Der Guard trat auch als Passer (3.1 APG) und Rebounder (4 RPG) in Erscheinung. Zwar war die Feldwurfquote mit 37.9 Prozent unterdurchschnittlich, allerdings sollten die 100 getroffenen Dreier bei einer Quote von 38.3 Prozent ein Loch hinterlassen.

Sein Kamerad Terrence Jennings entschied sich überraschend für die NBA Draft, was sich im Nachhinein als böser Fehler erwies. In Louisville wusste jeder die 9.6 Punkte, 5.2 Rebounds und 1.9 Blocks pro Spiel zu schätzen, den NBA Scouts reichte dies aber nicht, um ihn auszuwählen. Ein weiteres Jahr unter Pitino hätte womöglich seine Chance auf die NBA am Leben erhalten und auch für die Cardinals eine tiefere und erfahrenere Rotation garantiert.

Außerdem verließ Power Forward George Goode nach vier Jahren das Team. In seiner letzten Saison durfte er für 8 Minuten pro Spiel auf das Parkett und erzielte 2.9 Punkte.

Wer kam?

Gleich vier ESPNU Top 100-Talente fanden den Weg nach Louisville. Allen voran Top 30-Guard Wayne Blackshear. Mit knapp zwei Metern besitzt dieser Gardemaß für den Flügel. Ausgestattet mit einer beachtlichen Athletik sorgt Blackshear für ein Highlight nach dem anderen. Die Balance und Power, welche der Chicago-Native verkörpert, hilft ihm speziell im Fastbreak und beim Drive zum Zylinder. Auch wenn der Wurf noch etwas wacklig daher kommt, eigentlich eine Stärke der Cardinals (36.2 3P% als Team), wirkt der Freshman physisch bereit für das College-Level. Auf der Zwei und Drei stellt Blackshear eine wirklich solide Alternative zu den bereits erfahreneren Akteuren dar. Diese wird er aber erst im nächsten Jahr unterstützen können. Aufgrund einer Verletzung an der rechten Schulter wird das Talent die gesamte Saison verpassen.

Chane Behanan soll als Big Man für Unterstützung unter den Körben sorgen. Der mit 2.04 Meter etwas klein geratene Vierer versteht es, mit Kontakt in der Zone abzuschließen. Durch die gute Fußarbeit und Athletik entstehen keine Probleme beim Scoren in Korbnähe. Sein Sprungwurf ist bis in die Mitteldistanz sicher und die Ausführung scheint mehr als passabel. Im Post scheint das Talent eine größere Affinität zum Face-Up zu haben, wobei vor allem das Spiel mit dem Rücken zum Korb stark verbessert werden muss. Gerade seine Masse sollte ihm das erleichtern. An dieser Stelle treten aber immer wieder Probleme auf, da Behanan bei Zeiten einige Kilos zu viel auf den Rippen hat. Trotz alledem ist der Forward eine sehr gute Verstärkung für den Pitino-Clan und sollte ein wichtiger Baustein in den nächsten Jahren für die Cardinals sein.

Mit 2.11 Meter ist Zach Price ein großer, athletischer Center, der rekrutiert wurde. Als siebtbester Center des Jahrgangs zeichnet Price ein guter Instinkt in der Defense vor allem beim Blocken aus und die Vielseitigkeit in der Offense, am Brett sowohl mit links, als auch mit rechts abschließen zu können. Seine Stärken liegen jedoch am defensiven Ende, denn sein Blockverhalten ist mit dem Adjektiv „klug“ wohl am besten beschrieben. So befördert er den Ball nur sehr selten in die vierte Publikumsreihe. Viel mehr versucht es Price, sofort den nächsten Angriff einzuleiten. Obwohl der Hakenwurf beidhändig konstant sein Ziel trifft, muss der Freshman noch viel an seinen Bewegungen arbeiten. Zeitweise wirken die Bewegungsabläufe noch sehr roh. Beim Rebound tritt Price zwar in Erscheinung, wird sich aber auch dort noch verbessern müssen. Mit seiner Größe und Athletik ist noch viel Potential, insbesondere in diesem Bereich, vorhanden.

Der Inbegriff eines Slashers. Kevin Ware fehlt es an so einigen Attributen wie einem konstanten Distanzwurf oder einem durchgängig sicheren Ballhandling. Allerdings gibt es kaum einen Spieler, der im Fastbreak oder beim Drive mit solch einer Athletik auf Ringniveau abschließen kann. Trotzdem muss der Shooting Guard sein Hauptaugenmerk für sein Freshman-Jahr auf die Verbesserung seiner Wurffähigkeiten richten.

An Talent mangelt es bei Angel Nunez nicht im geringsten. Der Flügel ist mit einer soliden Athletik, einem guten Distanzwurf und hervorragender Größe sowie Spannweite ausgestattet. Seine Bewegungen wirken sehr rund und flüssig, was das Gesamtpaket abrundet. Doch Nunez schafft es leider nicht, diese Fähigkeiten konstant abzurufen. Es fehlt teilweise noch an physischer und mentaler Stärke. Wenn er es schafft, darin Fortschritte zu machen, werden Pitino & Co. eine Menge Spaß an ihm haben.

Wer bleibt?

Der grobe Kern des Teams besteht weiterhin und ist mit einer gewaltigen Portion Erfahrung ausgestattet. Von Junior-Guard Peyton Siva wird der nächste Schritt erwartet. Es ist nicht abzustreiten, dass seine Rolle für die Mannschaft von enormer Bedeutung ist, allerdings ist in seinem Spiel noch Raum für Verbesserung. Mit 5.2 Assists gehörte die Nummer drei zu den besseren Passern der Liga, allerdings sollte das Scoring in seinem Reifeprozess an erster Stelle stehen. 9.9 Punkte bei einer Dreierquote von 27.2 Prozent und einer Freiwurfquote von 68.1 Prozent sind solide, aber nicht das, was für ihn möglich ist.

Als Führungsspieler wird auch Kyle Kuric diese Saison in Erscheinung treten müssen. Über die Jahre hat sich der Senior ständig verbessert und letzte Saison dann mit 10.8 Punkten mehr als doppelt so viel, wie im Jahr davor aufgelegt. Seine 44.9 Prozent von jenseits der Dreipunktelinie bedeuten den Topwert im Team. All das macht ihn zu einem der Leader für diese Saison. Pitino erwartet vor allem von Kuric, dass er seine Kameraden anführt und sowohl auf als auch abseits des Feldes Wortführer ist. Daran muss der Flügel allerdings noch arbeiten. Im Scherz sagte sein Head Coach über ihn: “He’s barely said three words to me in three years.“ Auch wenn er im Spaß übertreibt, zeigt dies ganz gut, wo Kuric ansetzen muss.

Auch Guard Chris Smith startet in seine letzte Saison als Universitäts-Spieler. An Erfahrung mangelt es den Cards also nicht. Nach seinem Transfer von Manhattan nach Louisville überzeugte Smith mit ca. 40 Prozent von Downtown, einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Rebounds (4.6 im Schnitt) und einer soliden Feldwurfquote (45.8 Prozent). Vervollständigt wird die Guard-Rotation von Sophomore Elisha Justice, der bereits letztes Jahr 10 Minuten pro Abend spielen durfte. Pitino erhofft sich auch von ihm eine Leistungssteigerung.

Im Frontcourt ist insbesondere die Rückkehr von Rakeem Buckles zu nennen. Seine Bedeutung wird nach dem Abgang von Jennings steigen. Die Zahlen von knapp sieben Punkten und sechs Rebounds wird der Junior nochmal übertreffen. Ob er als Big Man wirklich die Verantwortung übernehmen kann, wird ein entscheidender Faktor für das nächste Jahr werden.

Entlasten soll ihn Center Gorgui Dieng, welcher sehr unkonstant agierte und trotz seiner 2.11 Meter nur 4.4 Bretter abgriff. Wenn sich der Senegalese steigert, kann ihm eine deutlich wichtigere Rolle zukommen. Dies gilt aber als sehr unwahrscheinlich.

Stärken/Schwächen

Wie bereits genannt ist die Erfahrung ein wichtiger Aspekt. Viele wichtige Stützen kehren zurück und die solide Freshman-Class stopft die Löcher, die von Jennings und Knowles hinterlassen wurden. Es bestehen keine Zweifel, dass Behanan, Price & Co. gute Ergänzungen sind. Das Team hängt sehr an dem Distanzwurf und ist allgemein sehr sprungwurflastig, was durch gute Quoten aber nicht zum Problem wird. Auch da Peyton Siva eine gute Übersicht bewiesen hat, und diese nutzend seine Shooter gekonnt in Szene setzen kann. Seine Entwicklung wird entscheidend dafür sein, wohin die Reise für dieses Programm geht.

Zweifel sind aber zurecht am Rebound-Verhalten des Teams zu äußern. Im Endeffekt ist es relativ egal, welcher der Big Men es schafft, den nötigen Impact zu haben. Doch mindestens einer muss sich gehörig steigern bzw. eine gute Freshman-Spielzeit abliefern. Das System, dominiert von Distanzwürfen, kann nicht ohne gutes Rebounding funktionieren. In diesem Fall ist es sogar noch wichtiger, als es grundsätzlich schon ist, wie unser Redakteur Fabian Thewes es bereits genauer erläutert hat.

Ausblick

Und wieder hat Rick Pitino eine schlagfertige Truppe zusammen gestellt. Sein System, Spieler zu rekrutieren, die nicht auf ein One-and-done aus sind, scheint zu fruchten. Zwar gibt es noch einige Fragezeichen, dennoch bestehen keine Zweifel, dass die Cardinals erneut die Spitze der Big East angreifen werden. Die Abgänge konnten kompensiert werden und vor allem im Backcourt bzw. auf dem Flügel ist der Kader sehr tief und qualitativ hochwertig besetzt. Es ist zu erwarten, dass wir, wie fast jedes Jahr, ein starkes Louisville erwarten können. Das Ziel wird es dieses Jahr sein, im NCAA Tournament souveräner aufzutreten und das Potential in Erfolge umzumünzen.

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