NCAA Previews 11/12

College Preview: Duke Blue Devils

Duke Blue Devils, ACC

2010/11: 35-5; NCAA Tournament: Sweet Sixteen.

“Enttäuschend” ist das Wort, das die Saison 2010/2011 der traditionsreichen Duke Blue Devils am treffendsten beschreibt. Nachdem man im Vorjahr zum ersten Mal seit neun Jahren die Championship holen konnte, galt man die gesamte Spielzeit über als Topfavorit auf den erneuten Titel, nur um in der Sweet Sixteen gegen eine Mannschaft aus Arizona auszuscheiden, die in diesem Spiel Feuer fing, wie selten ein direkter Gegner der Blue Devils. Selbst die Tatsache, dass mit Kyrie Irving ein Dukie #1 Pick wurde, kann da nicht trösten, da man vom Point Guard viel zu wenig hatte. Nach acht überzeugenden Spielen verletzte er sich und konnte erst zum Tournament hin wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Was bleibt Duke nach dieser Saison und welche Rolle spielen sie in der kommenden Spielzeit?

Wer ging?

Kaum ein Team muss eine solch große Umstrukturierung bewältigen wie das Team um Coach Mike Krzyzewski. Mit dem ACC Player of the Year Nolan Smith, #1 Pick Kyrie Irving und Second Round Draft Pick Kyle Singler verließen nicht nur die spielerisch stärksten, sondern auch die erfahrenen Führungsspieler die Universität. Eigentlich reicht auch schon ein Blick auf die Mannschaften, in denen sie vermutlich auflaufen werden: Cleveland Cavaliers, Portland Trail Blazers und Detroit Pistons – alle drei finden den Weg in die stärkste Liga der Welt. Damit müssen 57% aller Duke Punkte, 59% der Assists und 55% aller Feldwürfe, die im Tournament erzielt wurden, neu verteilt werden.

Wer kam?

Glücklicherweise bekommt man fähigen Neuzugang, wobei Austin Rivers sicher der klangvollste Name ist. Rivers gehört nicht nur zu den populärsten, sondern auch zu den talentiertesten High School Spielern des letzten Jahres und ist praktisch der perfekte Duke Student. Der Sohn des Boston Celtics Head Coach Doc Rivers besitzt alle Grundlagen, ist technisch hervorragend ausgebildet und bringt ordentlich Spielverständnis mit. Ohne Zweifel wird er bereits in seiner ersten Saison positiven Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft ausüben können, insbesondere mit seiner Fähigkeit, auf verschiedenste Weisen zu punkten. Hinzu kommt, dass seine Größe ihm erlaubt als Shooting Guard zu spielen und er durch sein versiertes Ballhandling auch als Point Guard eingesetzt werden kann. Sollte er von Anfang an überzeugen können, ist der Weg „One-and-Done“, so wie ihn Kyrie Irving vor ihm eingeschlagen hat, nicht unwahrscheinlich.

Die weiteren Neuankömmlinge sind weit weniger spektakulär als Rivers, stellen aber dennoch sinnvolle Ergänzungen dar. Aus dem zweiköpfigen Plumlee-Frontcourt wird ein Dreigestirn, da nun auch der jüngste der Brüder zum Team gehört. Marshall Plumlee ist 6’11, spielt Center und wird sich um seine Spielzeit mit seinen Brüdern streiten müssen. Quinn Cook füllt den Backcourt auf und hat durchaus Chancen auf Spielzeit, wenn er beweisen kann, dass er als Aufbau von Hilfe sein kann. Zuletzt kommen Michael Gbinije (6’6) und Alex Murphy (6’8) als Small Forwards hinzu, die sich um Spielminuten von der Bank streiten werden. Muprhy kann aufgrund seiner Größe wohl sogar, ähnlich wie Ryan Kelly, auf beiden Forward Position agieren, wohingegen Gbinije aufgrund der ihm attestierten Reife zunächst den Vorteil als Backup auf der 3 haben wird.

Wer bleibt?

Auch wenn die drei besten Perimeter Scorer das Team verlassen haben, wird Duke keine Probleme haben, Korbgefahr von den Außenspielern auszustrahlen. Die beiden Junior Seth Curry und Andre Dawkins werden mehr Spielzeit und –anteile bekommen, um die Blue Devils weiterhin zu einem der gefährlichsten Perimeter Teams der Liga zu machen. Besonders der jüngere Bruder von Stephen Curry scheint prädestiniert für ein Breakout Jahr zu sein, da seine Scoring Instinkte hervorragend zur größeren Rolle in der Offensive passen. In der verletzungsbedingten Abwesenheit Irvings musste er auch die Rolle des Organisators übernehmen und konnte überzeugen, sodass er vermutlich auch in diesem Jahr als Notlösung aushelfen muss. Dawkins ist, wie Curry auch, ein hervorragender Distanzschütze (42,7% Dreier), verfiel seinem Talent allerdings auch noch allzu oft, sodass Unkonstanz und Passivität häufig sein Spiel begleiteten. In der kommenden Saison wird seine Rolle über die des Spot-up Shooters hinausgehen,  womit die Konstanz von Dawkins ein X-Faktor über den Erfolg der Blue Devils wird.

Tyler Thornton komplimentiert den Backcourt und konnte schon als Verteidiger überzeugen. Der Sophomore ist nomineller Aufbauspieler und könnte seine Chance in einem Team aus Off-Guards nutzen, wenn er beweist, dass er in der Lage ist, die Duke Offensive zu leiten.

Für den Starterposten des Small Forwards, der durch Singlers Abgang zu vergeben ist, bieten sich gleich mehrere Kandidaten an. Neben den zwei schon genannten Freshmen Gbinije und Murphy, die zunächst den Kürzeren ziehen werden, stehen der athletische Josh Hairston und der Hybrid Spieler Ryan Kelly schon in den Startlöchern. Hairston kommt jetzt in sein zweites Jahr und ist sehr unerfahren, bekam aber zum Ende der letzten Saison vermehrt Einsatzzeit. Mit Sicherheit wird er zur neuen Spielzeit eine größere Rolle bekommen, allerdings ist der Sprung von sechs Minuten pro Spiel zu einem Starter in einem Duke Team doch sehr groß. Sein Konkurrent Kelly geht in sein drittes Jahr und ist damit weitaus (spiel-) erfahrener. Eigentlich ist Kelly der geborene Stretch 4 und sollte mit seinen 6’11 Körpergröße sowie mangelnder Hüftbeweglichkeit sowie Seitenschnelligkeit gar nicht erst auf dem Perimeter eingesetzt werden, allerdings könnte seine Wurfgefahr doch dafür sorgen, dass er als Small Forward aushelfen muss. Zwar warf er im letzten Jahr nur 32% von der Dreierlinie, spielte aber mit seinem Perimeter-lastigem Spiel eine wichtige Rolle in der Duke Offense, sodass gemutmaßt wird, ob der Teamkapitän (neben Miles Plumlee und Seth Curry) nicht tatsächlich auch dauerhaft zur Lösung auf der 3 werden kann. Eine weitere Möglichkeit, mit der Coach Krzyzewski offensichtlich plant, ist mit den drei Guards Rivers/Dawkins/Curry zu starten, womit ein offensives Feuerwerk praktisch schon garantiert wäre.

Den Center Spot werden sich wohl die (zwei älteren) Plumlee Brüder teilen. Mason, der jüngere der beiden, spielte bereits in seiner Sophomore Saison die meisten Big Man Minuten und erledigte seine Arbeit zufriedenstellend. Das Rebounden, seine Präsenz als Shotblocker und Blocksteller, sowie Restverwerter in der Offensive machen ihn nicht nur zum besten Duke Big Man, sondern außerdem zu einem interessanten Spieler für NBA Teams. Sein Bruder Miles ist ein Jahr älter und spielt in etwa wie sein Bruder, mit der Ausnahme, dass er alles ein wenig schlechter kann. Besonders in der Offensive verliert er zu häufig den Ball und schließt zu ineffektiv ab. In seiner Rolle als Kapitän und Veteran sollte er in seiner Wichtigkeit dennoch nicht unterschätzt werden.

Stärken/Schwächen?

Auch wenn es ausgelutscht klingt, aber Coach Mike Krzyzewski ist, trotz Austin Rivers, der Star von Duke. Mit den nächsten zwei Siegen, die er einfährt, überholt er seinen Mentor und College-Legende Bob Knight mit 902 Division I College Siegen und ist damit dann Spitzenreiter in dieser Kategorie. In diesem Jahr muss er erneut Möglichkeiten finden, wie er die Schwächen seines Kaders kaschieren kann, um einen Basketball zu spielen, der den Stärken der Spieler entspricht. Doch gibt es wirklich jemanden, der daran zweifelt, dass er das hinbekommt?

Die wichtigste aller Fragen wird in dieser Saison das Playmaking sein. Duke besitzt keinen reinen Aufbauspieler mit Klasse, dafür mit Dawkins, Rivers und Curry drei Off-Guards, deren Stärke das Punkten ist. Jeder der Spieler ist so gut, dass er Spielzeit sehen muss, aber keiner dazu ausgebildet, die Offensive zu leiten. Für die meisten Gegner werden wohl auch schon die Offensiv-Schemata reichen, die Coach K ausarbeiten wird, aber ob das für Tournament Spiele reichen wird, bleibt abzuwarten.

Auch das Inside-Out Game, das im Championship Jahr 2010 mit Zoubek erfolgreich gespielt wurde, wird nicht erfolgreich gespielt werden können. Bereits im letzten Jahr litt die Duke Offense an diesem fehlenden Aspekt. Zur kommenden Spielzeit wird man auf die weitere Entwicklung von Mason Plumlee angewiesen sein, der als Einziger das Potenzial hat, ein effizientes Spiel mit dem Rücken zum Korb zu spielen. Krzyzewski weiß ebenfalls um das Problem und bemüht sich um dessen Lösung, indem der Ball häufiger nach Innen gespielt werden soll.

“The last couple of years, we’ve been a perimeter team, but this year, our big guys need to touch the ball,” he said. “They’re good enough to play with anyone in the country.” – Mike Krzyzewski

Die Perimeter-Verteidigung könnte in diesem Jahr ebenfalls für Probleme sorgen. Dawkins wirkte mehr als überfordert, als Curry im Arizona Spiel verletzt pausieren musste, Rivers und Hairston sind unerfahren. Letztlich muss die Einstellung stimmen, um hier das fehlende Talent auszugleichen.

Dukes überragende Stärke wird sicherlich wieder einmal im Perimeter-Scoring liegen. Vom Haupttrio Dawkins/Rivers/Curry ist jeder sehr variabel und kann auf jede Weise punkten. Besonders die Wurfstärke aus der Distanz und die Fähigkeit durch das Bewegen abseits des Balles zu Punkten zu kommen, eröffnet dem ballführenden Spieler ein einfaches Spiel. Hinzu kommen aus dem Frontcourt jeweils ein fähiger Pick and Roll Spieler (einer der Plumlee Brüder), sowie ein Stretch 4 Big Man, der das Spielfeld öffnet (Ryan Kelly). Die Mischung an zueinanderpassenden Spielertypen macht es der gegenüberstehenden Verteidigung verdammt schwer, erfolgreich zu agieren.

Ausblick

Das hier aufgeführte Schwächen-Stärken Verhältnis soll nicht in die Irre führen. Duke besitzt wieder einmal genug Talent, um im Tournament weit zu kommen. Mit dem erfahrenen Coaching und der allgemein hervorragenden Organisation besteht im K.O. Modus natürlich auch die Möglichkeit, ganz vorne mitzumischen. Nichtsdestotrotz gibt es zu diesem Zeitpunkt Mannschaften, die ernsthaftere Ansprüche stellen dürfen im Final Four anwesend zu sein.

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