NCAA Previews 11/12

College Preview: Wisconsin Badgers

Wisconsin Badgers, Big 10

2010-11: 25-9; NCAA Tournament: Sweet Sixteen.

Seit 10 Jahren ist Coach Bo Ryan nun schon bei den Wisconsin Badgers im Amt und hat über diesen Zeitraum bewiesen, dass er einer der besten seines Fachs ist. Sein Arbeitszeugnis weist eine Vielzahl von Erfolgen auf. 333 Partien bestritt die Mannschaft aus Madison mit ihm an der Seitenlinie. Aus rund 73% dieser Spiele ging man siegreich hervor. Ein Saisonabschluss unter den Top 4 der Big Ten Conference, die unter anderem auch Ohio State, Michigan State oder auch Purdue beherbergt, schien immer schon vorprogrammiert zu sein. Jedes Jahr reichte es recht souverän für das Erreichen des NCAA Tournaments, musste man sich in der hinter uns liegenden Dekade doch nur einmal mit einem zweistelligen Seed zufrieden geben. Dabei kann Ryan kaum auf wirkliche Starspieler zurückschauen, die er coachen durfte. Der einzige Alumni, der diesen Titel bedingt verdienen könnte, ist Devin Harris. Als bester Badger der letzten Jahre muss der 2007 an #29 von den Phoenix Suns gedraftete Forward, Alondo Tucker gelten. Der Star war das System. Wisconsin spielt nicht schön und spektakulär, aber methodisch und effizient. Man spielt hart und verteidigt mit Leidenschaft. Die Vermeidung eigener Fehler ist immer die oberste Prämisse. Bo Ryan versteht es wie kein anderer, das zur Verfügung stehende Spielermaterial bis zum Äußersten auszunutzen.

Wer ging?

Die Badgers verlieren ihre drei Starter auf den großen Postionen. Die Seniors Jon Leuer, Keaton Nankivil und Tim Jarmusz verlassen alle die Mannschaft aus Wisconsin. Hierbei ist Power Forward Jon Leuer der herbste Verlust. In seiner Recruitingclass von 2007 wurde er als nur #23 der ans College wechselnden Vierer gesehen. Der Big Man entwickelte sich aber stetig und mauserte sich in der letztjährigen Spielzeit zu einem All Big Ten Spieler. Er ist einer dieser modernen großen Scorer, die das Faceupgame lieben. Er trifft sicher aus der Mitteldistanz und sogar von hinter der Dreierlinie, kann aber auch – mit ordentlichem Handling ausgestattet – seinen Weg zum Korb finden. Seine Quoten (47% FG / 37% 3er / 84% FT) und sein Punkteschnitt von rund 18 Punkten machten ihn im letzten Jahr zu einem der besten und effektivsten Big Man-Volumescorer des Landes. Dies bemerkten auch die Milwaukee Bucks und drafteten den Local Hero, der in der NBA in eine Stretch Four Rolle hineinwachsen soll, an #40. Leuer spielt wegen des Lockouts übrigens zur Zeit in Deutschland bei den Frankfurt Skyliners.

Keaton Nankivil war Leuers Partner im Frontcourt. Etwas weniger talentiert, war er dennoch extrem wichtig für das Team. Der Forward war mit durchschnittlich 9,7 Punkten der drittbeste Scorer und außerdem auch der beste Shotblocker der Badgers. Seine Effektivität steht mit einer Trueshootingpercentage von 63,6% auch außer Frage.

Tim Jarmusz war der Starter auf der Drei und wohl der unauffälligste Spieler in der Starting Five. Nur 3 Würfe pro Partie nahm er, aber füllte seine Rolle als Spieler Marke „Three and D(efense)“ mit Bravour aus. 2,6 seiner Schüsse im Spiel waren 3er und er netzte dabei respektable 36% seiner Distanzwürfe ein.

Wer kam?

Coach Ryan kann in der neuen Saison gleich mehrere neue Spieler in seine Rotation einbauen. Zum einen wird Center Evan Anderson Spielzeit erhalten. In der letzten Spielzeit hatte er nur eine kleinere Chancen hinter Nankivil oder Leuer signifikante Zeit auf dem Parkett zu erhalten. Deshalb entschied man sich dazu, ihn zu redshirten und somit die Saison aussetzen zu lassen, um sich als Spieler entwickeln zu können. Dies hat Anderson getan. Er ist mit seinen 210 cm Körpergröße eine echte Kante unter dem Brett. Offensiv wie defensiv könnte er, von der Bank kommend, mit seiner Länge und Masse ein wichtiger Rollenspieler von der Bank.

Toprekrut in diesem Jahr war Forward Jarrod Uthoff. Er war die #90 im ESPNU Ranking und könnte als Energizer ein netter Auswechselspieler werden. Der Big Man ist ein guter Athlet, kämpft immer mit vollem Einsatz und besitzt auch einen soliden Midrangejumper. Es fehlen nur noch Gewöhnung an den Collegelevel und ein paar Stunden im Kraftraum, um physischer spielen zu können.

Mit Frank Kaminsky konnte man einen weiteren Vier Sterne Big Man zur eigenen Recruitingclass hinzufügen. Auch ihm fehlt es ein wenig an Stärke im Oberkörper, aber er kann durch ein tolle Kombination aus Größe und Skill auf sich aufmerksam machen. Er ist 2,08m groß, aber kann, ähnlich wie Alumni Jon Leuer, auf ein großes Arsenal an Waffen in der Offensive zurückgreifen. Er ist sehr agil, kann unter dem Korb scoren, aber auch aus dem Face-Up punkten. Seine Spielzeit sollte aber begrenzt sein, ob der großen Konkurrenz auf seiner Position.

Die Freshman Guards George Marshall, Traevon Jackson und Jordan Smith werden ebenfalls an den Campus nach Madison wechseln. In Bo Ryans Rotationsplanungen sollten sie aber keine Rolle spielen.

Wer blieb?

Die Badgersfans können sich freuen. Dass sich Jordan Taylor für noch ein Jahr College entschieden hat, kann von ihnen nicht ausgelassen genug gefeiert werden. Der Point Guard wird in seinem Seniorjahr der beste Aufbau des Landes sein, schon allein, weil er es vielleicht schon letztes Jahr war. Ja, vor Champ Kemba Walker oder Lotterypick Brandon Knight! Warum? Statistisch legte eine wahre Sahnesaison hin. Dabei muss man allerdings genauer hinschauen, um dies zu erkennnen. Klar 18,1 Pkt / 4,1 Reb / 4,7 Ast sehen gut aus, aber lassen nichts wirklich Großartiges erahnen. Aber ein Blick auf die Advanced Stats bringt noch eine andere Note zu diesen ohnehin schon guten Zahlen. Taylor spielte zuverlässig wie ein schweizer Uhrwerk und traf unglaublich wenige Fehlentscheidungen. Er hatte die zweitgeringste Turnoverquote aller Spieler der Collegelandschaft. Weltklasse wenn man bedenkt, dass Taylor über 90% aller möglichen Minuten abgerissen hat. Für jeden Ballverlust brachte er 3,83 Vorlagen an den Mann. Dies ist die vierthöchste Ast/TO Ratio der NCAA Geschichte. Durch diese Werte schoss auch sein Offensivrating durch die Decke. Unter den Spielern mit einer Usagerate von bis zu 24% liegt er in dieser Kategorie an Platz zwei und auch wenn man alle anderen NCAA Basketballer mit einbezieht steht der Aufbau noch an Platz 21. Außerdem führt Jordan Taylor die Nation klar in der Statistik “Value Add over replacement” an. Diese Zahlenspielerei ersetzt Taylor in allen Angriffen mit einem fiktiven Rollenspieler, der normalerweise der neunte oder zehnte Mann im Team wär. So kann man berechnen, welchen individuellen Impact ein Spieler in der Offense hat. Spielt der Point Guard, sind die Wisconsin Badgers 9,46% besser als ohne ihn. Nächster in dieser Statistik unter den Rückkehrern ans College wäre im Übrigen Buckeye Jared Sullinger mit einer offensiven Teamverbesserung von 6,44%. Taylor wird eine grandiose Saison spielen, die Mitspieler richtig einzusetzen wissen und besser machen sowie wieder als echter Floorgeneral Bo Ryans verlängerter Arm auf dem Feld sein.

Den größten Sprung dürfte der Sophomore Shooting Guard Josh Gasser machen. Im letzten Jahr lieferte er schon ordentliche Leistungen ab. Auch ihm wurde zuallererst eingebläut, sorgfältig mit dem Leder umzugehen. So brachte auch er es auf eine 2,4 Ast/TO Ratio. Außerdem explodierte Gasser im Spiel gegen die damalige #17 Northwestern im letzten Jahr und legte das erste Freshman Triple Double in der Big Ten seit einem gewissen Magic Johnson im Jahre 1977 aufgelegt. Im Scoring war er hinter Leuer, Taylor und Nankivil nur vierte Kraft. In dieser Saison wird sich dies aber ändern, da seine Zähler dringend gebraucht werden. Der Dreier muss noch verbessert werden (30% 3er), aber den geforderten Sprung wird Gasser wegen seines jetzt schon hohen Basketball IQs meistern.

Die Starterposten im Frontcourt werden Small Foward Ryan Evans, Power Forwards Mike Brusewitz und Center Jared Berggren einnehmen. Junior Ryan Evans strahlt offensiv kaum Gefahr aus (traf 10/11 nur 33-106 FG), aber kann im Rebound zupacken sowie auf hohem Niveau verteidigen und so wertvoll für das Team werden. Brusewitz geht ebenfalls in seine Juniorseason und wird als undersized Vierer auflaufen. Er reboundet vor allem offensiv, kann im Lowpost oft gegen größere Gegenspieler punkten und hat sogar den Dreier im Repertoire. Jared Berggren ist die einzige wirklich verbleibende Postpräsenz im Kader. Deswegen sollte seine Spielzeit von letztjährigen 7 Minuten im Schnitt auf Starterminuten ansteigen. Der Junior Center wird mit seiner Länge und Beweglichkeit unter den Brettern dringend benötigt. Er gilt als der Spieler in der Mannschaft, der mit den meisten Post Moves dienen kann.

Stärken/Schwächen

Wisconsin spielt schon seit Jahren dasselbe funktionierende System und ist damit schon eine Dekade lang erfolgreich gewesen. Der langsame und oft langweilig erscheinende Defensivbasketball erfordert nicht unbedingt Toptalente. Es reicht, wenn man kluge Spieler in seinen Reihen hat, die eine festgeschriebene Rolle mit Enthusiasmus ausfüllen wollen. So wird man die schwerwiegenden Abgänge von Leuer und Nankivil verschmerzen können. Dass die vorgegebene Taktik von Coach Ryan eingehalten wird, kann als sicher angenommen werden, hat man doch einen der, wenn nicht sogar den, besten Point Guard der NCAA in seinen Reihen. Taylor ist der perfekte Strippenzieher im Hintergrund und wird die Maschinerie am Laufen halten. Die Spieler der Starting Five sind alle erfahren und wissen, wie man klug verteidigt und smarten Basketball spielt.

Die Probleme des Teams liegen ganz klar in der Athletik. Wieder einmal verfügt man über wenige starke Athleten. Die tollen Springer oder furchteinflößenden Kraftpakete werden bei Badgersspielen eher auf der Gegenseite zu finden sein. Deswegen wird es kaum Entlastung durch einfache Fastbreak Punkte oder ähnliches geben. Die eigenen Sets müssen zwingend funktionieren. Das baut jedes Spiel einen enormen Druck auf, den vor allem Taylor als erste Offensivoption schultern werden muss. Die Frage nach (Scoring-)Entlastung bleibt selbst nach Gassers erwartetem Sprung offen.

Ausblick

Coach Ryan weiß, dass Offense nur Eintrittskarten verkauft und die Verteidigung auf lange Sicht Erfolg bringt. Genau deshalb werden wir wie gewohnt Badgers sehen, die ihren Gegner mit harter Arbeit niederkämpfen werden wollen. Dies wird für viele Siege reichen, aber ab einem gewissen Punkt im NCAA Tournament wird größere Firepower und vermehrte individuelle Klasse zu mehr fehlen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar