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Die Top 10 der College-Freshmen

Es gibt wieder Frischfleisch zu bestaunen, in der besten Uni-Liga der Welt. Die diesjährige Freshman Class überzeugt sowohl mit einer großen Quantität als auch mit einer außergewöhnlichen Qualität. Viele neue Akteure werden die College-Welt bevölkern und versuchen den erfahreneren Spielern zu zeigen, wo es lang geht. Dabei konnte sich, wie fast jedes Jahr, John Calipari die besten Jünglinge angeln, doch nicht nur der Kentucky Wildcats Head Coach arbeitete akribisch an der Zukunft seiner Schützlinge. Wer sich die besten Talente schnappen konnte und welche überhaupt die besten zehn dieses Recruiting-Jahrgangs sind, werdet ihr im Folgenden erfahren.

1. Anthony Davis, Kentucky Wildcats, Power Forward

32 Punkte, 22 Rebounds und 7 Blocks. Beeindruckende Zahlen für ein Spiel. Noch sehr viel beeindruckender ist es aber, wenn diese Statistiken über eine gesamte Saison abgerufen werden können. Genau das gelang Anthony Davis in seiner Senior-Saison an der Perspectives Charter School.
Der Big Man ist enorm variabel, wird in der Defensive beim Rebound dominieren und offensiv mit seinem facettenreichen Skillset zu überzeugen wissen. Er kann das Pick and Roll konsequent verteidigen, was ihm die Möglichkeit gibt, auch mal kleinere Gegenspieler zu übernehmen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass seine laterale Geschwindigkeit überdurchschnittlich ausgeprägt ist und er somit auch am Perimeter verteidigen kann. Aufgrund seines qualitativ hohen Ballhandlings kann er auch mal den Ballvortrag übernehmen. Außerdem zeigen 7 Blocks pro Spiel, dass man den All-American immer im Hinterkopf haben sollte, wenn man am Ring abschließen will.
Sein Sprungwurf wird auf dem College-Level zwar noch etwas verbessert werden müssen, dennoch sollte man ihn nicht frei am Perimeter verweilen lassen. Von nun an sollte sich Davis darauf fokussieren, die physischen Gegebenheiten im Kraftraum zu entwickeln. Zwar besitzt der 18-Jährige eine außergewöhnliche Körperspannweite, diese wird ihm aber ohne genügend Muskelmasse nur wenig helfen. Wenn es ihm gelingt, diese aufzubauen, sollte es kaum eine Möglichkeit geben, ihn bereits in seiner Freshman-Saison zu stoppen.

2. Austin Rivers, Duke Blue Devils, Shooting Guard

Austin Rivers ist der perfekte Spieler für Coach K und die Blue Devils. Bereits als Freshman wirkt der Guard sehr reif, sowohl in seiner Spielweise, aber auch mental kann er dominant und Anführer sein. Immer wieder fordert der 19-Jährige, insbesondere in der Crunchtime, den Ball, um das Ergebnis des Spiels entscheidend zu beeinflussen. ESPN nennt ihn einen „cold-blooded assassin“, was seine Fähigkeiten unter diesem Gesichtspunkt noch einmal verstärkend beschreibt. Der zweitbeste Spieler im Jahrgang besitzt einen ausgezeichneten Distanzwurf, welchen er mit Vorliebe aus dem Dribbling nimmt. Allgemein ist Rivers der Typ von Spieler, der sich seinen eigenen, und den Wurf für andere, sehr gut kreieren kann. Insbesondere mit dem Jab step schafft er sich Räume, die dann eiskalt ausgenutzt werden. Athletisch befindet sich der Combo-Guard auf einem hohen Level, was das Komplettpaket abschließt. Schon jetzt ist klar, dass sein Spiel perfekt für die NBA ist, somit auch in der NCAA höchstens auf Seiten der Gegner für Probleme sorgen wird. Austin Rivers wird seinen Vater, Celtics-Coach Doc Rivers, stolz machen und ein starkes Jahr an der Duke University absolvieren.
Schwächen sind jedoch vor allem dann zu beobachten, wenn Rivers gezwungen wird, über links zu agieren. Hier kann er nicht mit der ihm sonst eigenen Aggressivität auftreten, sondern verlässt sich meist auf einen Jumper. Dieser Teil seines Spiels sollte im Fokus der Entwicklung stehen.

3. Michael Kidd-Gilchrist, Kentucky Wildcats, Small Forward

Ein weiteres Top-Talent, welches in Lexington seine Karriere fortsetzen wird. Der an Nummer eins gesetzte Small Forward des Jahrgangs ist schon jetzt eine physische Naturgewalt und wird in der NCAA nur wenige Akteure vorfinden, die ebenso viel entgegenzusetzen haben. Mit der nötigen Toughness und einem kaum zu stoppenden Drive ist sein Offensivspiel zwar noch etwas roh, verspricht aber enormes Steigerungspotential. Auf sich aufmerksam macht Kidd-Gilchrist vor allem defensiv, wobei seine Reboundstärke und die Fähigkeit, sich mehrerer Positionen effektiv anzunehmen, hervorstechen. Der Sprungwurf ist solide, jedoch muss dieser aber insbesondere von Downtown verbessert werden, was auch eine kleine Optimierung der Wurfhaltung beinhalten sollte.
Kidd-Gilchrist definiert sich nicht über Punkte und die Offense, sondern viel mehr, dass sein Kontrahent so wenig Einfluss wie nur möglich auf das Spiel hat. Coach Calipari wird nicht nur aufgrund dieser Mentalität Gefallen an dem Jungen finden, trotz alledem ist es ein mehr als positiver Nebeneffekt, der das Arbeiten erleichtert und die Potenz des Teams steigert. Schlussendlich wird der Freshman aber von Anfang an dominieren und sofort zeigen, warum er einer der Top 3 in der ESPNU 100 ist.

4. Bradley Beal, Florida Gators, Shooting Guard

Shooting Guard Bradley Beal muss sich in keinster Art und Weise vor seinen Kontrahenten verstecken, ganz im Gegenteil. Der Florida Gators-Recruit steht auf einer Stufe mit Rivers und Gilchrist. Dies konnte der Gatorade National Basketball Player of the Year schon des Öfteren unter Beweis stellen. Im Duell gegen Top 5-Point Guard B.J. Young, seines Zeichens Arkansas Razorback-Recruit, gewann sein Team mit 76:58, wobei vor allem die Vorstellung Beals überragend war.
Neben einem sensationellen Distanzwurf verfügt der 1.95 Meter große Allrounder über einen starken Zug zum Korb und die nötige Toughness, um dort auch mit Körperkontakt abzuschließen. Der 18-Jährige bewegt sich auch abseits des Balles sehr gut und zeigt Intelligenz auf dem Spielfeld. Dabei erzwingt er die Aktionen nicht, weiß aber dennoch, wann es Zeit ist, um das Spiel zu „übernehmen“. Des Weiteren ist der All-American an beiden Enden des Spielfeldes eine Gefahr für den Gegner, da er es versteht, Offensivfouls zu ziehen und bei Zeiten den Ball von der Weakside kommend per Block ins Publikum zu schmettern. Durch die Wahl zum Spieler des Jahres tritt Beal in die Fußstapfen von Kobe Bryant, LeBron James, Greg Oden und Vorjahressieger Brandon Knight.

5. Quincy Miller, Baylor Bears, Power Forward

Miller wird für jeden auf dem Feld ein enorm schweres Matchup darstellen. Seine Mischung aus Größe, Athletik und Basketball-IQ machen es enorm schwer, ihn auszurechnen.
Trotz seiner 2.11 Meter kann der Forward bisweilen als Ballhandler fungieren, wobei er, einmal Tempo aufgenommen, kaum zu stoppen ist. Der Wurf von beyond the arc ist zwar relativ sicher, benötigt aber noch einiges an Arbeit, auch was die Haltung betrifft. Teilweise übertreibt es Miller und verlässt sich zu sehr auf das Perimeter-Spiel, was seinem Rebounding und der Freiwurf-Rate schadet.
Am defensiven Ende des Spielfelds hilft der Top 3-Power Forward seinem Team als Shotblocker oder beim Rebound, ist überall auf dem Feld präsent und ein ständiger Unruheherd. Zusammen mit Perry Jones III. und Deuce Bello wird Miller das athletischste Trio der gesamten NCAA bilden, was vor allem den Unterhaltungsfaktor bei Spielen der Baylor Bears in enorme Höhen treiben wird. Der Danny Manning-Vergleich von ESPN zeigt, wie sehr Experten davon überzeugt sind, dass Miller ein sehr talentiertes Prospect ist.

6. James McAdoo, North Carolina Tar Heels, Power Forward

Endlich wieder ein guter, alter Big Man. Dies soll natürlich keine Anspielung auf das Alter von James McAdoo sein, viel mehr ist diese Aussage auf den Spielstil abgezielt, den der Power Forward auszuüben pflegt. Immer richtig positioniert, mit beiden Händen stark beim Abschluss, guter Rebounder mit sehr hohem Basketball-IQ, der das Spiel versteht. Dazu überzeugt der 2.07 Meter große McAdoo mit einem ausgereiften Face-Up Game, wodurch er seinem Spiel eine weitere Komponente hinzufügen kann.
Natürlich ist McAdoo noch kein perfekter Spieler und hat noch Aspekte in seinem Spiel, die verbessert werden müssen. So benötigt der 18-Jährige ein besseres Ballhandling und außerdem fällt es ihm schwer, in Drucksituationen den richtigen Pass zu spielen. Dies wird vor allem zu Problemen führen, wenn der Gegner Double-Teams auf ihn ansetzt. Nicht zu vergessen ist natürlich der athletische Aspekt, der bei dem aus Norfolk, Virginia stammenden Talent in zufriedenstellendem Maße vorhanden ist. In dem sehr stark besetzten Kader der Tar Heels wird McAdoo eine wichtige Rolle spielen und ein wichtiger Bestandteil des Teams von Coach Roy Williams sein.

7. Marquis Teague, Kentucky Wildcats, Point Guard

Der beste Point Guard in der 2011er Recruiting Class geht an die Kentucky Wildcats. Marquis Teague, Bruder von Hawks-Point Guard Jeff Teague, soll in die Fußstapfen von John Wall und Brandon Knight treten, was der sehr begabte Playmaker vor eine große Aufgabe stellt, die dieser jedoch lösen könnte.
Sein auf Schnelligkeit und Athletik aufgebautes Spiel passt hervorragend in die Dribble-Drive Motion von Coach Calipari, was ihm die Möglichkeit geben sollte, sich spielerisch voll zu entfalten. Insbesondere in Transition und im Eins-gegen-eins ist es fast unmöglich, ihn vom Korb fernzuhalten, wo er es dann immer wieder schafft, mit Kontakt abzuschließen oder Freiwürfe zu ziehen. Gerade diese gehören zu Teagues absoluten Vorlieben, da er an der Linie zu leben scheint. Auch die Mitspieler profitieren von seinen Fähigkeiten, da es ihm immer wieder gelingt, mehrere Kontrahenten auf sich zu ziehen und den freien Mann zu finden. Dies gelingt am Besten, wenn sich Teague in Open-Court Situationen befindet, in denen er sich sichtlich wohl fühlt.
Was ihm noch zum kompletten Spieler fehlt, ist ein sicherer Distanzwurf. Ohne diesen wird es nämlich problematisch, da viele NCAA-Teams mit einer Zone versuchen werden, ihm den Drive zu erschweren. Da er noch nicht an diese Form der Defense gewöhnt ist, werden gewisse Lernprozesse von Nöten sein, um effektiv sein zu können. Wenn es aber zu dieser Entwicklung kommen wird, und davon ist auszugehen, werden wir nächste Saison noch mehr Spaß haben, als es eh schon der Fall sein wird.

8. Adonis Thomas, Memphis Tigers, Combo Forward

Der Begriff des Tweeners ist in Fachkreisen grundsätzlich eher negativ behaftet, da es nie wirklich gut sein kann, keine richtige Position zu haben. Doch für Adonis Thomas könnte sich dies, zumindest am College, als Vorteil herausstellen. Mit ungefähr 2.01 Meter hat der zukünftige Memphis Tiger nicht gerade das Gardemaß für einen Forward und schon garnicht für die Vier.
Allerdings besitzt Thomas ausgereifte physische und athletische Anlagen, die es ihm ermöglichen werden, Small Forwards zu „überpowern“ und Power Forwards einfach durch seine Schnelligkeit stehen zu lassen, wobei ihm der Wurf fehlt, um am Perimeter ebenfalls ein Faktor sein zu können. Schnelle Entscheidungen in Transition zu fällen gehört noch zu seinen Schwächen, was auch auf das relativ schwache Ballhandling zurückzuführen ist. Speziell die Tatsache, dass der am achtbesten gehandelte Spieler des Jahres mit einer enorm hohen Energieleistung und Aggressivität spielt, macht ihn für einen College-Head Coach sehr schmackhaft. Thomas ist die Art Spieler, die du in der NCAA brauchst, um wirklich Erfolg zu haben. Zwar verbindet man mit den Anlagen und Gegebenheiten einige minder positive Aspekte, jedoch sollte ihn das nicht davon abhalten, die Tigers zu altem Ruhm zu führen.

9. Myck Kabongo, Texas Longhorns, Point Guard

Point Guard Myck Kabongo ist das Herzstück dieses Longhorn-Jahrgangs. Mit seiner atemberaubenden Geschwindigkeit wird keine Defense im Land vor ihm sicher sein. Er gilt als bester purer Point Guard dieser Freshman-Class, sieht immer den freien Mann, welchen er bevorzugt per Durchstecker anspielt. Obwohl Kabongo den Dreier gut trifft und seinen Kontrahenten somit keine Wahl lässt, ihn frei stehen zu lassen, basiert sein Spiel auf dem unwiderstehlichen Drive zum Zylinder.
Dabei sollte er aber versuchen, nicht zu überdrehen, was oftmals zu Ballverlusten führt. Außerdem muss der Playmaker an seinen Entscheidungen arbeiten, wenn er gedoppelt wird, da dort noch Komplikationen entstehen.
Defensiv kann sich der 18-Jährige ebenfalls zu einer wichtigen Stütze der Longhorns entwickeln. Durch die Athletik schafft es Kabongo fast immer vor dem Mann zu bleiben, was vor allem in Duellen gegen Teams mit starken Point Guards wie Kentucky oder Villanova der Fall wäre (falls man auf diese trifft). Head Coach Rick Barnes wird über diese Verpflichtung sehr erfreut sein, vor allem, da es zu den Stärken des Kanadiers gehört, die Spielphilosophie des Trainers perfekt umzusetzen, auf dem Parkett als Anführer zu agieren.

10. LeBryan Nash, Oklahoma State Cowboys, Small Forward

Es ist ungewöhnlich, dass sich ein hoch gehandeltes Talent für eine eher weniger bekannte Uni entscheidet, doch genau das tat LeBryan Nash mit seiner Wahl, der Oklahoma State University. Physisch gehört der 19-Jährige zur absoluten Elite, was ihn mit seiner Athletik zu einem enorm schweren Matchup macht. Mittlerweile konnte der aus Dallas stammende Small Forward seinen Distanzwurf deutlich verbessern, sein Perimter-Spiel steht trotz alledem nur an zweiter Stelle, da er bevorzugt in der Zone agiert. Sein körperliches Spiel sollte auch auf dem nächsten Level für Aufsehen sorgen, da es für ihn kein Problem sein wird, gegen ältere Akteure zu spielen, wobei er für einen High School-Senior schon relativ alt ist. So war Nash schon sehr früh körperlich weit entwickelt, was ihn immer verfolgt hat. Es war nie wirklich von Nöten besonders hart zu arbeiten bzw. sich einen Vorsprung zu ermöglichen, da dies physisch von Grund auf gegeben war. Für die Cowboys soll Nash in der nächsten Saison der absolute Leader sein, gerade dort muss dieser dann aber ansetzen.
Die Körpersprache wird immer wieder bemängelt und ein Anführer muss seinen Kameraden, insbesondere auf dem Parkett, immer ein Vorbild sein. Diese Aufgabe gilt es zu erfüllen, um das enorme spielerische Potenzial verwirklichen zu können. Das einzige Hindernis auf dem Weg zum Erfolg ist Nash selber. Nun stellt sich die spannende Frage, ob er den Weg gehen kann. Die Antwort darauf kann nur der Forward selber geben und zwar nächste Saison.

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2 comments

  1. TJ

    Die ersten zwei Spieler gerade mal angeguckt, wäre schön wenn bei jedem Spieler noch die größe stehen würde, damit man die besser einordnen kann.

    Meint ihr Rivers wird mal besser als Reddick oder Morrison? Spielt er bessere Verteidung als die beiden was ist der Unterschied zwischen den dreien, wodurch hebt sich Rivers da hervor? Sah für mich jetzt nur aus wie ein Shooter, der es aber Recht schwer haben könnte gegen größere, athletischere Gegenspieler, die er in der NBA mit Sicherheit haben wird

  2. Julian Barsch

    Natürlich sollte man keine voreiligen Vorhersagen treffen, aber Rivers muss schon viel falsch machen, um sich in eine Reihe mit Morrison und Reddick stellen zu müssen. Zwar ist er athletisch nicht auf dem Niveau eines Derrick Rose, aber wer ist das schon. Seine Athletik ist sehr gut ausgebildet und auch in der NBA mindestens guter Durchschnitt. Da werden keine Probleme entstehen. Dazu ist er ca. 1.95 Meter groß. Außerdem ist Rivers nicht annähernd so eindimensional wie Reddick. Er versteht es hervorragend, in Korbnähe zu punkten und ist zusätzlich noch aus der Distanz eine enorme Gefahr. Das macht es verdammt schwer, ihn effektiv zu verteidigen. Der größte Unterschied zu den beiden genannten Akteuren dürfte aber sein, dass er sich seinen eigenen Wurf kreieren kann. Ich sage nicht, dass Rivers eine All-Star Karriere haben wird, insbesondere weil niemand weiß, wie er sich bis dahin entwickelt und welche Leistungen er in der NCAA abliefert. Aber die Wahrscheinlichkeit ist doch sehr hoch, dass er deutlich besser wird. Und zu der Defense: Rivers gilt nicht als Lockdown-Defender, kann seinen Gegenspieler aber konsequent verteidigen. Bisher ist die D also nicht als Schwachstelle in seinem Spiel aufgefallen.

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