Dallas Mavericks, Gedanken

Carlisles Rotations-Cleverness?

„Die Dallas Mavericks werden in dieser Saison die Meisterschaft nicht gewinnen.“ Mit diesen vollmundigen Worten hatte ich einen am 28. März erschienenden Gedanken auf Go-to-Guys eingeleitet, der den Namen “Carlisles Rotations-Roulette” trug. Nun, mit etwas Glück (oder Pech – je nach Betrachtungsweise) könnte ich in diesem Punkt zumindest Recht behalten. Ansonsten haben mich die Dallas Mavericks – und auch Coach Carlisle, um den es auch hier wieder gehen soll – Lügen gestraft. Neben der Overperformance der Rollenspieler (man denke nur an den Dreier-Regen in der Serie gegen die Lakers) hat es dabei Rick Carlisle geschafft, eine potente Rotation zu finden, die ihren Namen auch verdient.

Vorab: Carlisle coacht wirklich gut, hat einen Gameplan für das Spiel, der in den Vorrunden auch immer aufzugehen schien. War das die ganze Saison über der Fall? Wieso konnte er meine Ausführungen widerlegen? Dazu sei nochmals in Kurzform angemerkt, unter welchen Umständen der vorherige Gedanke entstand: Die Dallas Mavericks hatten in 71 Spielen 18 verschiedene Starting-Lineups angeboten, zum Ende der Saison waren es gar 22 in 81 Partien. Erst in der letzten Partie gegen New Orleans lief die Starting Five der Playoffs auf. Zum Zeitpunkt des Gedankens sollten Beaubois, Brewer und Stojakovic eingegliedert werden, es stand weiterhin offen, ob Stojakovic oder Marion starten sollten, Beaubois hatte vielleicht zwei gute Regular Season-Spiele absolviert. Dennoch stehen die Mavs in den Finals. Wie fand Carlisle die passenden Rotationen?

1. Konstanz

22 Starting Lineups in der Regular Season. In der Postseason? EINE Starting Lineup, keine einzige Veränderung. Kidd – Stevenson – Marion – Nowitzki – Chandler liefen in bisher allen Playoffpartien als Erste Fünf auf. Dieses Lineup startete in der regulären Saison genau vier Mal zusammen. Wie hoch war also die Wahrscheinlichkeit, dass Carlisle schon vor der Saison wusste, dass so seine Lineup für die Playoffs aussehen sollte? Demnach war es mir auch bisweilen unmöglich zu erkennen, dass Carlisle a) eine feste Rotation gefunden hat und b) diese sich als funktionsfähig erweist.

Letztlich plädierte ich in meinen Gedanken genau darauf, eine Rotation zu etablieren. Das tat Rick Carlisle – und hielt daran auch fest. Die mithin herausgebildeten Automatismen griffen in den Playoffs perfekt, sodass man in einem “perfect storm” drei Serien gewinnen konnte.

2. Die Verletzung Rodrigue Beaubois’

Seien wir ehrlich: Rodrigue Beaubois war zu keinem Zeitpunkt ein Bestandteil des Teams, sondern ein Fremdkörper, der von den Fans zum Heiland hochstilisiert, von Carlisle ausprobiert und eingesetzt wurde. Demnach sehe ich die Verletzung Beaubois’ als eher glücklichen Umstand für die Mavericks an.
Stevenson, der nun ein wesentlicher Teil der Rotation und ein gewinnbringender Teil des Ganzen ist, war zu diesem Zeitpunkt komplett aus der Rotation genommen worden, um Beaubois Minuten zu geben. Schon vor der Verletzung Beaubois’ im letzten Saisonspiel hatte Carlisle in eben jenem Spiel 82 die Startaufstellung ein weiteres Mal geändert und wohl eingesehen, dass der kleine Franzose dem Team nicht helfen kann. Ein Benching Beaubois’ war letztlich hilfreich für das Team. Dass dieser sich noch verletzt und ganz ausfällt, erleichterte es Carlisle auch sicherlich, eine Entscheidung zu fällen.

3. Die Nichtberücksichtigung Corey Brewers

Diese Entscheidung war Carlisles bester Move in den Playoffs, auch wenn die Fans und Jan Karon (der die Spiele der Finals auf Go-to-Guys begleitet: Spiel 1 | Spiel 2 | Spiel 3) diesen nun vermehrt fordern. Corey Brewer ist ein unerfahrener Swingman, der bis zu dieser Postseason kein einziges Playoffspiel absolviert hat – und zudem über keinen Wurf verfügt. Ja, Brewer verteidigt sicherlich um Welten besser als Stojakovic, dessen Rolle auch schon merklich gekürzt wurde, aber die Defense der Mavericks ist in den Finals kein so großes Problem wie die Offense.

Die Mavericks haben vermehrt Probleme, gute Würfe zu kreieren – und dann kdoch kreierte, offene Würfe zu treffen. Selbst Dirk Nowitzki kann nicht mehr an die überragenden Leistungen (lies: Quoten) anknüpfen. Wie soll Brewer hier als Teil der Offense eingebunden werden? Der Gegenspieler Brewers würde mit Sicherheit zum Doppel gegen den ballführenden Spieler von Brewer wegrotieren und diesen offen am Perimeter stehen lassen. Der eventuell vorhandene defensive Impact, den Brewer hätte (sicherlich verteidigt er besser als Stojakovic, aber wie sieht das dann konkret gegen LeBron James oder Dwyane Wade aus? Sammelt er genau so schnell Fouls wie Ian Mahinmi?), verliert sich in der Offensive wieder.

Zudem ist er im Team noch gar nicht angekommen. Alle Automatismen müssten neu erlernt werden. Wenn man Brewer hätte integrieren wollen, hätte dies allerspätestens ab Spiel 1 gegen die Portland Trailblazers passieren müssen. Das Problem dabei wäre gewesen, dass man auf ein Mal eine 10-Mann-Rotation gehabt hätte, abweichende Spielzeiten für Stojakovic, Marion, Terry und Stevenson inbegriffen. Von daher sollte man lieber an seinen bestehenden Rotationen festhalten und hier kleine Adjustments vornehmen.

4. Variabilität

Das Faszinierendste in diesen Playoffs ist die Komplementbildung der Mavericks auf den jeweiligen Positionen. Dadurch, dass die Spieler allesamt nur vereinzelte Stärken haben, in diesem Bereich aber überdurchschnittlich gut sind, müssen die Schwächen kaschiert werden. Carlisle hat bewusst (oder durch Verletzungen gezwungen) sehr gute Komplementspieler auf den jeweiligen Positionen gefunden, die sich gegenseitig ergänzen.

Auf der Position des Point Guards hat man mit Jason Kidd einen der besten Spielmacher und Passer, dessen Penetration aufgrund des Alters aber nicht mehr vorhanden ist. Backup JJ Barea ist jedoch für seine Vorstöße in die Zone des Gegners bekannt. Auf der Zwei verteidigt DeShawn Stevenson sehr gut und kaschiert damit die Schwäche Jason Terrys, der wiederum ein (in den Playoffs überraschend) guter Shooter ist. Dasselbe trifft auf Small Forward für das Pärchen Shawn Marion und Peja Stojakovic zu. Stojakovic ist der Shooter, während Marion seine Aufgabe vor allem defensiv wahrnimmt, auch wenn er in den Finals bisher offensiv einen überraschenden Impact hatte. Einzig auf der Position des Centers haben Chandler und Haywood in etwa dieselben Stärken, auch wenn Haywood noch physischer als Chandler verteidigt. Offensiv sind beide letztlich unbrauchbar, stellen jedoch den defensiven Anker der Mavs für 48 Minuten. Dirk Nowitzkis reißt den Großteil der Minuten auf Power Forward ab, während Shawn Marion die wenigen Rest-Minuten abgreift.


Gerade diese Variabilität verändert das Spiel, macht es schneller, wenn Barea das Feld betritt, oder sorgt für Spacing, wenn Stojakovic oder Terry von der Bank kommen. Das bedeutet, dass sich die Defense des Gegners immer wieder neu formieren muss und ist ein Schlüssel des Erfolges der Mavericks.

Zusammenfassung

Um meine schon leidlich verbrannte Haut ein wenig zu retten, möchte ich zu Bedenken geben, dass gerade die Verletzungen Butlers und Beaubois’ die Tiefe der Mavericks von 12 auf 10 Spieler reduzierten und diese Verletzungen aufgefangen werden konnten. Gerade die Butler-Verletzung wog in der Postseason bisher nicht so schwer (auch wenn er nun in den Finals schmerzlich vermisst wird), weil vor allem Peja Stojakovic die Lichter ausschoss, der mit Butlers Fitness aus der Rotation gefallen wäre. Die gelobte Tiefe der Mavericks war also gar nicht so ausschlaggebend für den Run (eingesetzt wurden im Prinzip nur neun Spieler), sondern vielmehr die Komplementspieler, die sich ergänzten, die Verletzung von Beaubois, die Nichtberücksichtigung Brewer – und die Konstanz in den Rotationen Carlisles.

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3 comments

  1. Eastwood

    Sehr guter Artikel Dennis!

    Stimme mit dir so ziemlich überein. Die Verletzung Butlers war bis zu den Finals übertriegen ausgedrückt fast schon ein Glücksfall. Man kann zwar nicht abschätzen wie die Playoffs mit ihm gelaufen wären, aber Peja war zumindest in der Lakersserie der X-Factor für das Team. Nichtsdestotrotz fehlt tough juice den Mavs ohne Ende. Er ist meiner Meinung nach der perfekte Mann um Wade zu stoppen. Mit BronBron kommt die Dallas Defense ja eigentlich ganz gut klar, aber Wade ist absolut nicht zu stoppen. Natürlich auch deswegen, weil Stevenson offensiv einfach zu schwach ist und deshalb nicht genügend Minuten bekommt um diesen zu verteidigen. Butler dagegen ist offensiv ne Waffe und spielt brutal gute Defense. Bin mir absolut sicher, dass die Serie ganz anders laufen würde, wenn Butler fit wäre.
    Ist zwar nicht direkt das Thema, aber ich musst das loswerden 😆

    Das Thema Brewer ist aber auch sehr interessant. Ich persönlich bin auch dafür ihn wenigstens mal auszuprobieren. Stojakovic hat der Lakersserie eigentlich nur schwache Spiele abgeliefert. So wie es zur Zeit aussieht, setzt RC nicht mehr auf ihn und deshalb würde es sich eigentlich anbieten Brewer mal etwas Einsatzzeit zu geben. Ich habe ihn so in Erinnerung, dass er sich auch mal zum Korb zieht und auch einen einigermaßen guten Wurf aus der Mitteldistanz hat. Die Drives fehlen den Mavs, denn außer Barea zieht eigentlich keiner zum Korb. Man kann natürlich nicht hoffen, dass er Topleistungen abliefert, aber schlechter als Peja kann man zur Zeit ja nicht auftreten. Ich hoff schon seit 3 Spielen, dass er sich mal fängt und einen Dreier trifft, aber da kommt irgendwie gar nichts mehr. So leids mir tut, aber irgendwann muss man was ausprobieren. Es geht doch letztendlich um zuviel um weiter zu hoffen.

    PS. Ich hoff du behälst nicht Recht mit deiner ersten Aussage 😉

  2. andi79

    Also bei Stoja sehe ich etwas anderes. Ok gegen LA hat er ordentlich getroffen und dadurch seine Aufstellung gerechtfertigt. Aber seit dem kam nichts mehr und ich glaube Brewer kann zumindest nicht schlechter spielen. Und ist er wirklich so ein schlechter Werfer? Stojas Wurfquote gegen Miami ist so unterirdisch.
    Die verletzung von Beaubois war vielleicht wirklich garnicht so schlecht. Zumindest hat er in der Siason eher schwach gespielt. Stevenson gefällt mir da weitaus besser.
    Butler fehlt meiner Meinung ganz klar. Egal ob offensiv oder defensiv würde er Dallas stärker machen.

  3. andi79 schrieb:
    Also bei Stoja sehe ich etwas anderes. Ok gegen LA hat er ordentlich getroffen und dadurch seine Aufstellung gerechtfertigt. Aber seit dem kam nichts mehr und ich glaube Brewer kann zumindest nicht schlechter spielen. Und ist er wirklich so ein schlechter Werfer? Stojas Wurfquote gegen Miami ist so unterirdisch.

    Ich verstehe nicht, wie man Corey Brewer fordern kann, aber dann kein genaues Profil des Spielers vor sich hat. Peja Stojakovic rechtfertigt offensiv alleine schon seine Aufstellung, weil er für Spacing sorgt. Selbst wenn Stojakovic keinen einzigen Wurf im Spiel nehmen würde, hätte er offensiven Impact: Er bindet nämlich einen Flügelverteidiger an sich, und kreiert somit Platz für die anderen Spieler auf dem Feld, weil ein Doppeln durch Stojakovic’ Gegenspieler nicht möglich ist.

    Corey Brewer ist in diesem Sinne der Anti-Peja. Er wirft in dieser Saison keine 27% von Downtown, hat in seiner gesamten karriere auch nur ein Mal an 35% gekratzt. Von 16-23 feet (der lange Zweier) sind es nie mehr als 34% gewesen. Das heißt, dass die Mavs offensiv mit Brewer maximal 3 gegen 5 (der Center ist offensiv ja auch impotent) spielen. Und das gegen die Defense der Miami Heat.

    Butlers defensiver Einfluss fehlt ohne Frage. Ob er offensiv aber das Doppeln von Dirk so konsequent bestrafen könnte, wie Peja das anfangs getan hat, ist fraglich. Stojakovic hat schon in der ersten Runde in drei Spielen mindestens 50% von draußen geworfen, auch mal 5 von 10 Dreiern. Gegen LA war er nur ein Spiel off, in der OKC-Serie wurden seine Minuten gekürzt. Ich will keinesfalls andeuten, dass Stojakovic einen ähnlichen Einfluss wie Butler haben könnte, aber Spacing und Spot-Up-Shooting hätte Butler nicht geboten – und das ist neben Nowitzki sehr wichtig.

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