Dallas Mavericks, Gedanken, Miami Heat

NBA-Finals: Gedanken zu Spiel 2

Es gibt NBA-Spiele, die sind NBA-Spiele. Und es gibt NBA-Spiele, die verdeutlichen, warum Basketball (für uns) der genialste Sport auf der Welt ist. Das zweite Finalspiel zwischen den Dallas Mavericks und Miami Heat war eines der zweiteren Sorte. Streng genommen ein Spiel, das in die Annalen des Basketballs eingeht. Nicht mehr, nicht weniger. 95-93 hieß es am Ende für die Texaner. Dabei war dies kein konventioneller 2-Punkte-Sieg, der im Zuge einer spannenden Crunchtime zu Stande kam, sondern einer der besonderen Sorte. Fünf (!) Minuten vor Ende lagen die Mavericks mit 15 (!) Punkten zurück; Dwyane Wade schien einen Sahnetag erwischt zu haben, gar Mike Bibby traf seine offenen Würfe und Dirk Nowitzki hatte erneut einen schweren Stand gegen Udonis Haslem und Joel Anthony. Alles, was danach, in den letzten fünf Minuten des Spiels, geschah, war – wie man heutzutage so schön sagt – legend … wait for it … ary. Auszeit Carlisle – und eine Dallas-Truppe wie neu. Auf einmal ein Kollektiv, das verteidigt, Plays durchspielt, Würfe trifft – und es tatsächlich schafft, in bester Cinderella-Story-Manier zurückzukommen. Wie gesagt, ein Sieg der eben ganz besonderen Sorte. Auch in Spiel zwei war Go-to-Guys-Redakteur Jan Karon live von der Partie und kommentiert wenige Stunden danach die Geschehnisse:

• Es ist eine schier unfassbare Ironie des Schicksals, dass Dirk Nowitzki den spielentscheidenden Wurf mit links nimmt – und trifft. Und es ist noch viel ironischer, dass dies gerade gegen Chris Bosh passiert. Der Hintergrund: Nachdem der Sehnenriss im linken Mittelfinger Nowitzkis publik wurde, konfrontierte ein Journalist Chris Bosh mit der Frage, ob eine Verletzung an der schwachen, an der Stützhand beim Wurf den Werfenden behindere. Bosh antwortete höhnisch mit einem Grinsen im Gesicht, dass wenn der Werfende zwei oder drei Schläge auf jene Hand bekomme, es sicherlich behindere. Eine zynische Aussage, wohlwissend dass dies sicherlich der Wahrheit des Sportalltags entspricht, aber man es vielleicht nicht in dieser Form äußern sollte. Dass gerade Nowitzki im letzten Spielzug gegen Bosh – und nicht gegen Haslem oder Anthony, die das ganze Spiel über erneut einen hervorragenden Job gemacht haben – mit der linken Hand den Gamewinner trifft, ist die einzig richtige Antwort. Chapeau.

• Die Binsenweisheit mental toughness is to physical like four is to one bewahrheitet sich. Und das auf zweierlei Ebene: Einerseits direkt auf das Spielgeschehen umgemünzt, wo die Überathleten um James und Wade in der spielentscheidenden Phase gegen eine kompakte Dallas-Defense nichts entgegenzusetzen zu hatten und Dallas auf Grund von Kaltschnäuzigkeit und Abgezocktheit gewann, andererseits aber möglicherweise auch auf den weiteren Verlauf der Serie bezogen. Denn man muss sehen, wie Miami, welches ein 2-0 nahezu in der Tasche hatte, auf diesen Rückschlag reagiert. Nicht dass eine Zwei-Punkte-Niederlage gegen Dallas im zweiten Spiel die Welt bedeuten würde, aber unter den Umständen, wie sie zu Stande kam, ist sie durch und durch bemerkenswert. Für die Moral und Psyche der Mannschaft war solches Versagen in der Schlussphase sicherlich durchaus ein Genickbruch – und für Dallas wiederum ein ganz wichtiges Erfolgserlebnis, dass dem Glauben an die eigenen Stärken Auftrieb verleihen und der Mannschaft einen ordentlich Schub Selbstvertrauen geben sollte. Rein mental-psychisch betrachtet müssten die Texaner als glasklarer Gewinner aus diesem Spiel gehen, was für den weiteren Verlauf der Serie nicht irrelevant erscheint.

• Wenn Dallas die Finals gewinnen und man mich nach einem MVP der Serie fragen würde, wäre dies meines Erachtens nach bisher Shawn Marion. Nicht Dirk Nowitzki, der bisher wie gesagt grandios verteidigt wird und noch nicht auf seinem A-Level auftrumpfen konnte, aber Marion. Der schon abgeschriebene Routinier, einst gescholten und als Nash-Profiteur dargestellte Small Forward, der aber bis dato eine herausragende Serie spielt. In den beiden Spielen brachte er es auf durchschnittlich 18 Punkte, 9 Rebounds, 3.5 Assists und einen true Shooting-Wert jenseits der 55%-Marke. Dazu selbstredend seine Clutchness in der Schlussphase heute sowie exzellente Verteidigung gegen James. So sehr der Auserwählte der vielleicht talentierteste Basketballer auf dem Planeten sein mag, so sehr konnte Marion ihn bisher limitieren. Viel wichtiger noch: Er alleine hielt die Mavericks heute im dritten und vierten Viertel im Spiel.

• Meine Vermutung nach Spiel 1, Peja Stojakovic könnte in dieser Serie keinen Einfluss haben und sich als nutzlos erweisen, bestätigt sich nach Spiel 2: Carlisle zog die Konsequenz aus dem schwachen Aufspielen des Serbens in der ersten Finalbegegnung sowie der ungünstigen Matchups, die sich für ihn stellen, und ließ Stojakovic im zweiten Spiel lediglich fünf Minuten ran.

• So sehr ich Miamis Line-Up zu Spielende in meinen ersten Gedanken gelobt habe, so sehr muss heute Dallas’ Finish in höchsten Tönen hervorgehoben werden. Was nämlich das sogenannte „Closen“ von Spielen angeht, macht den Mavericks in der Postseason bisher kein Team etwas vor. Erneut bewies man, wie nervenstark und konsequent man in spielentscheidenden Situationen agieren kann, und machte diesmal sogar das Unmögliche möglich. Allgemein ist die Crunchtime Dallas’ (unser Redakteur Julian Barsch wies in seinem Artikel explizit darauf hin) ein Prunckstück der Texaner: In der Postseason erzielt man in siegreichen Spielen 6.3 Punkte mehr als der Gegner im letzten Viertel; insgesamt hat man lediglich fünf mal das Schlussviertel verloren. Weitet man diese Statistik auf die letzten fünf Spielminuten aus, fällt sie wohlgemerkt noch krasser aus.

• Was auch immer Spoelstra dazu getrieben hatte im letzten Spielzug nicht zu foulen – obwohl man noch ein „foul to give“ hatte und somit Dallas effektive Zeit zum Ausführen des letzten Angriffs enorm hätte dezimieren können –, es war falsch. Viel kurioser noch: Nowitzki selbst sagte nach dem Spiel, dass er nicht wusste, dass die Heat noch ein Foul hätten begehen können, ohne ihn an die Linie zu schicken – und er nur aus seinem Glauben heraus, man habe kein Foul mehr, den Gamewinner so früh nahm. Wissend, dass die Heat ohnehin foulen würde, wäre solch früher Abschluss (Miami blieben mehr als drei Sekunden für den letzten Wurf) schwachsinnig. Aber wie man so schön sagt: wer trifft, hat Recht.

/edit: Hierbei lag mir eine falsche Quelle vor, wie im Nachhinein glücklicherweise aufgezeigt wurde. Im Eifer des Gefecht las ich auf der twitter-Seite von HPbasketball, dass Nowitzki nicht davon gewusst hätte, dass die Heat noch ein “foul to give” hatten. Der genaue Wortlaut: “Dirk: If I’d have known they had a foul to give, I would have gone sooner.” Dieser Fehler kam wohl dadurch zu Stande, dass Hardwood sich bei der Presseonferenz verhört hatte. Hier sagte Nowitzki im Detail: “I actually drove a little earlier that I would have, knowing they had a foul to give, I made a move, and the foul never came”. Im Nachhinein wurde der Tweet auf twitter, facebook und unter unseren Lesern berechtigt. Im Eifer des Gefechts, beim Schreiben des Artikels unmittelbar nach dem Spiel hielt ich die sonst zuverlässige HPbasketball-Seite für eine vertrauensvolle Quelle und bekam nicht mehr mit, dass es korrigiert wurde. Passiert, zum Glück habt ihr uns darauf hingewiesen.

 

• Abgesehen von dem angesprochenen psychischen Aspekt, der auf Seiten der Mavericks nun deutlich gestärkt sein sollte, bleibt Miami in meinen Augen der Favorit. Was man über weite Phasen des Spiels geboten hatte, bestärkte mich in meinem Eindruck, dass die Heat eigentlich diese Serie gewinnen sollten. Dallas blieb über weite Strecken erschreckend schwach: 19 Turnover, aus denen 31 Heat-Punkte resultierten, beim Stand -15 kamen Nowitzki, Terry und Kidd auf 9/30 FG, 1/7 3P FG und neun Turnover. Dass James heute relativ blass blieb, aber Wade und Bibby einfach mal kurzerhand in die Bresche sprangen, zeigt, wie individuell stark die Heat sind. Dass man sich einen 15-Punkte-Rückstand so kurz vor dem Ende nehmen lässt, ist hingegen rational betrachtet ein Unding und – hands down! – auf Fahrlässig- und Überheblichkeit zurückzuführen. Wie gesagt bin ich etwas ungewiss, wie Spoelstra & Co. diesen mentalen Knacks verdauen werden, aber grundsätzlich bleibt Miami für mich der Favorit in dieser Serie.

• Was am Ende des Spiels durch Jason Terrys Kopf geisterte, weiß nur er selbst. „Jet“ muss sich gewissermaßen selbst an die Nase greifen, weil er den Ausgleich der Heat in Form des Dreiers von Mario Chalmers verschuldete, indem er beim Einwurf der Heat (Stand: 93-90 für die Mavericks) mal eben seinen Gegenspieler VÖLLIG aus den Augen verlor und offen wie ein Scheunentor schießen ließ.

Terry nach dem Spiel: „This Team doesn’t surprise me, though“. Talking about the Mavs. Nuff said. Ich bin heiß auf Spiel 3!

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6 comments

  1. Alex

    Leider ein “nur guter” Artikel, da der erste Abschnitt mit einer seltsamen Wortwahl, einem seltsamen Satzbau und keinem guten Deutsch höheres verhindert;)

    Inhaltlich jedoch absolut zufriedenstellend=)

    Go Mavs (wenn ihr mir schon den Schlaf raubt:P)

  2. Agent

    Alex schrieb:
    Leider ein “nur guter” Artikel, da der erste Abschnitt mit einer seltsamen Wortwahl, einem seltsamen Satzbau und keinem guten Deutsch höheres verhindert;)

    Inhaltlich jedoch absolut zufriedenstellend=)

    Go Mavs (wenn ihr mir schon den Schlaf raubt:P)

    disliiiiiiiiikeeeeeeeee

  3. Holger

    Viel kurioser noch: Nowitzki selbst sagte nach dem Spiel, dass er nicht wusste, dass die Heat noch ein Foul hätten begehen können, ohne ihn an die Linie zu schicken – und er nur aus seinem Glauben heraus, man habe kein Foul mehr, den Gamewinner so früh nahm. Wissend, dass die Heat ohnehin foulen würde, wäre solch früher Abschluss (Miami blieben mehr als drei Sekunden für den letzten Wurf) schwachsinnig. Aber wie man so schön sagt: wer trifft, hat Recht.

    Hey, sagt er in dem Interview nicht genau das Gegenteil? Das er früher zum Korb gezogen ist als er es normalerweise gemacht hätte weil er genau wusste dass sie noch ein foul to give hatten – um nach dem Foul (gibt ja dann nur Einwurf) noch selber genug Zeit für eine guten Wurf zu haben? Bosh hats dann halt übel verpatzt …
    Hätte Dirk nicht gewusst, dass die Heat noch ein foul to give hatten, wäre er ja erst recht in letzter Sekunde zum Korb gezogen.

  4. Holger

    “We talked about it, they had a foul to give,” Nowitzki explained. “I actually drove a little earlier than I would have, knowing they had a foul to give, and made a move, and the foul never came.”
    http://www.mavsfastbreak.com/2011/06/03/miraculous-mavs-beat-the-heat/

    so ists auch im video auf nba.com .. aber kräht morgen kein hahn mehr nach!
    viel wichtiger ist jawohl BEAT THE HEAT… das gibt hoffentlich das momentum das dallas für die wichtigen wichtigen heimspiele benötigt!

  5. Jan Karon

    |Author

    Ist berichtigt. 🙂 Vielen Dank nochmal für die Verweisung drauf.

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