Memphis Grizzlies, Oklahoma City Thunder

Sündenbock Russell Westbrook?

Am Samstag Abend spielte sich in Memphis, Tennessee, etwas ab, was es diese Playoffs schon häufiger zu bestaunen gab: das Verspielen eines hohen Vorsprungs. Ob in Los Angeles, Portland, Chicago, Philadelphia oder jetzt auch in Memphis. Fast überall konnten Favoriten oder Underdogs einen zweistelligen Vorsprung nicht über die Zeit retten. Dass dies zum Basketball gehört, braucht man wohl niemandem ausführlicher zu erklären. Die Geburtsstunde des Basketballs war wohl auch die Geburtsstunde der Aufholjagden. Das Momentum wechselt in Sekundenschnelle und kurze Zeit später steht der Spielstand plötzlich auf dem Kopf. In vielleicht keiner anderen Sportart passieren diese Umschwünge wohl so häufig wie im Basketball. Wahrscheinlich zeichnet gerade das diese Sportart aus. Typisch ist ebenso, dass irgendwem die Schuld für das Verspielen eines komfortablen Vorsprungs zugewiesen wird. Gesucht ist ein Sündenbock, der den Kopf hinhalten soll, wenn der vermeintlich sichere Sieg – aus welchen Gründen auch immer – weggeworfen wird.

Russell Westbrook – der Hauptverantwortliche?

Samstagabend führten die Thunder im dritten Viertel zwischenzeitlich mit 16 Punkten und es sah somit alles danach aus, als ob sie sich den Heimvorteil zurückholen würden. Nach einem kurzen Run der Grizzlies am Anfang des vierten Viertels waren es jedoch nur noch sieben Punkte. Scott Brooks nahm verständlicherweise eine Auszeit für Oklahoma City. Die Thunder schlugen nach Körben von James Harden und Kevin Durant (nach Vorlagen von Russell Westbrook) zurück und sicherten sich so wieder eine 11 Punkte Führung. Auszeit Memphis. Und nun nahm das Unheil in Form von Russell Westbrook seinen Lauf. Unzählige erfolglose Alleingänge ohne einen einzigen Pass reihten sich aneinander.

Wir erinnern uns: Es war sicherlich nicht das erste Mal, dass Russell Westbrook in seinen “hauseigenen” Heromode schaltete und es völlig in die Hose ging (siehe Spiel 4 bei den Denver Nuggets in Runde 1). Der Status “Sündenbock” drängt sich aufgrund dieser Performance des Jungstars geradezu auf. Doch macht man es sich nicht zu leicht, einen Spieler für diesen einfallslosen Basketball zur Veranwortung zu ziehen? Greift eine Anklage Westbrooks nicht zu kurz? Denn dass ein einziges Element eines Systems die alleinige Schuld für ein Problem trägt, ist doch recht unwahrscheinlich. Hätte Coach Brooks eingreifen und den Spielmacher auf die Bank setzen müssen? Oder schuf er vielleicht gar nicht die Voraussetzungen, damit Westbrook auf dem Court funktionieren und seine beste Leistung abrufen kann?

Im Folgenden sind sämtliche Angriffe der Thunder zusammengestellt, damit sich unsere Leser ein eigenes Bild machen können:

Empfohlen sei an dieser Stelle auch der Kommentar von den Kollegen von www.dailythunder.com, die jeden Angriff der Thunder einzeln durchgegangen sind.

Ich habe mir diese knapp acht Minuten immer und immer wieder angeschaut und mit jedem weiteren Mal möchte ich weniger Russell Westbrook die Schuld in die Schuhe schieben, sondern Coach Scott Brooks. Es ist offensichtlich, dass die Thunder große Probleme in der Offensive hatten. Trotzdem steht die meiste Zeit Defensivspezialist Thabo Sefolosha auf dem Feld und nicht James Harden. Sefolosha hat keinen zuverlässigen Wurf und bringt somit kein Spacing. Er kann auch nicht für andere kreieren. Coach Hollins von den Grizzlies erkannte dies sofort und konnte so Shooting Guard OJ Mayo gegen Russell Westbrook stellen, wodurch der kleine Conley den offensiv limitierten Sefolosha verteidigen durfte; ohne Gefahr zu laufen, dass ein Mismatch entsteht. Des Weiteren fällt auf, dass praktisch keine Bewegung im Spiel der Thunder stattfindet. Symptomatisch ist die Possession mit 4:20 auf der Uhr, als Kevin Durant unten am Perimeter steht und keine Anstalten macht, sich aktiv am Spielgeschehen zu beteiligen. Es fällt auch auf, dass Sefolosha unten rechts in der Ecke steht und von den Grizzlies bewusst total freigelassen wird, um einen weiteren Defender in Ringnähe zu haben, falls Westbrook es auf eigene Faust versuchen sollte, was dann ja auch geschah (nicht getroffener Jumper von Westbrook nach dieser Isolation). Das ist schlicht und ergreifend schlechtes Coaching.

Oder doch Scott Brooks?

Der Coach der Thunder, Scott Brooks, äußerte sich selbst nach der unglücklichen Niederlage folgendermaßen:

“Wir müssen  in Sachen Attackieren des Korbes einen besseren Job machen. Die Stärke unseres Teams ist das Herausholen von Freiwürfen. Wir schafften es nicht, häufig an die Freiwurflinie zu kommen […].”

Hier darf dann mal die Frage aufgeworfen werden, wie die Thunder gegen Ende der Partie penetrieren wollen, wenn zum einen Franchiseplayer Kevin Durant von Defensivspezialist Tony Allen zugestellt wird, und zum anderen die Zone aufgrund den offensiven Limitierungen von Thabo Sefolosha dicht gemacht werden kann. Es ist kein Zufall, dass in der Verlängerung, als Harden endlich wieder aktiv am Geschehen teilnehmen durfte, er zweimal Nick Collison (der offensiv potenter als Kendrick Perkins ist) einsetzen konnte. Jeweils ein Korberfolg und Freiwürfe waren die Folge.

Im Gegensatz dazu macht die Starting-Unit um Westbrook, Sefolosha, Durant, Ibaka und Perkins es den Gegnern teilweise extrem leicht, sie zu verteidigen. Auch das sieht man nicht das erste Mal in den Playoffs. Laut www.basketballvalue.com macht die Starting-Five der Thunder in den Playoffs gerade einmal 100 Punkte pro 100 eigenen Ballbesitzen. Zum Vergleich: wenn Harden anstatt Sefolosha auf dem Feld ist, sind es ganze zehn Punkte pro 100 Ballbesitze mehr. Das ist der Unterchied, wenn Spacing und eine weitere effiziente Offensivoption wie James Harden vorhanden ist. Um diese statistische Differenz zu illustrieren: der Unterschied zwischen der Offensive der Cleveland Cavaliers und den Heat, Spurs oder Nuggets (die drei besten Offensivmannschaften der NBA) sind ebenfalls zehn Punkte (in der regulären Saison). Zwar ist das Team mit Harden defensiv statistisch deutlich anfälliger, doch bei nur zehn erzielten Punkten im vierten Viertel ist es offensichtlich, auf welcher Seite des Courts das Spiel verloren wurde.

Abseits des Sefolosha/Harden-Problems erstaunt mich persönlich auch, wie wenig Einfluss Scott Brooks durch angesagte Plays genommen hat. Er hätte klarere Spielzüge ansagen, mithin mehr Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen müssen. Der ein oder andere schlägt vielleicht vor, in solchen Situationen Westbrook rauszunehmen und den klassischeren Point Guard Eric Maynor zu bringen. Dazu möchte ich Folgendes sagen: Bis dahin hat Eric Maynor ein sehr schwaches Spiel gemacht und hatte praktisch keinen Impact auf das Spiel der Thunder. Ferner war er defensiv noch deutlich schlechter als Westbrook, der dieses Mal ausnahmsweise mal ein gutes Spiel in der Verteidigung gemacht hat. Nein, Maynor in ähnlich schwierigen Situationen wie am Samstag zu bringen und Westbrook auf die Bank zu verbannen, halte ich nicht für die Lösung. Brooks hätte dafür sorgen können, dass Westbrook besser funktioniert, doch er versäumte es.

Fazit

Scott Brooks trug selbst einiges zu dieser Niederlage bei. Man kann natürlich nicht abstreiten, dass Westbrook den ein oder anderen Fehler gemacht hat. Aber die Kritik allein an ihm festmachen zu wollen, geht deutlich zu weit. Wie im Kommentar von dailythunder.com angemerkt wurde: Westbrook hat keinen Einfluss darauf, dass seine Mitspieler sich nicht bewegen. Er hat kann nichts dafür, dass die Grizzlies Thabo Sefolosha komplett ignorieren können und so defensiv leichtes Spiel haben. Es ist die Aufgabe von Scott Brooks, die von Memphis kreierten Mismatches auf beiden Seiten des Courts aufzudecken und Lösungen zu finden. Doch er ließ sich von seinem Gegenüber auscoachen, nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Dass Brooks selbst noch ein verdammt junger Coach ist, der noch einiges zu lernen hat, konnte man am Samstag ein weiteres Mal sehen. Falls er es nicht schaffen sollte, von nun an bessere Entscheidungen zu treffen, sollte die Frage erlaubt sein, ob nicht ein erfahrener Coach für ein unerfahrenes Team möglicherweise die bessere Wahl ist.

Brooks hat den Vorteil, dass der Erfolgsdruck bei dieser noch so jungen Franchise sehr gering ist. Doch das wird nicht ewig halten. Der Druck steigt stetig an. Die Thunder haben die meisten Puzzlestücke für einen Contenderstatus zusammen, das sollte außer Frage stehen. Diese Saison kommt vielleicht noch zu früh. Doch die nächste Saison wird eine Schlüsselsaison, insbesondere für Scott Brooks. Spätestens dann muss er sich an Erfolgen messen lassen – wie jeder andere Coach einer ambitionierten Franchise auch.

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17 comments

  1. Amar'e

    sehr gute analye, verdeutlicht das problem der thunder in engen spielen…wusste nicht genau, woran es liegt..zumeist hört man nur von westbrooks fehlentscheidungen…allerdings muss man die niederlagen anders betrachten…

    danke für den artikel…wie immer ein lesegenuss

  2. Fabian Thewes

    |Author

    Danke für das Kompliment. 🙂

    Dass es mit Harden für Thabo offensichtlich besser läuft, zeigte gestern auch die zweite Halbzeit, als Harden das ein oder andere mal schön für seine Mitspieler kreieren durfte (!). Thabo durfte beim gestrigen Thriller nur 15 Minuten ran, Harden 49. Eigentlich dürfte Thabo nicht mal starten, weil in dieser Serie fast nutzlos ist, doch diese deutliche Spielzeitveschiebung in Richtung Harden ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

    Zu Westbrook: Russell war auch letzte Nacht wieder gezwungen, viel auf eigene Faust zu unternehmen, auch weil Kevin Durant sich lange Zeit ein wenig versteckte (Kompliment da auch an Tony Allen, der da einen großartigen Job macht). Diese “Iso-lastige” Offense kann oder darf einfach nicht das Ziel dieser Franchise sein. Dieses Team muss viel mehr den Ball und sich selbst bewegen, gerade gegen Ende einer Partie. Spätestens nächstes Jahr muss die Offensive umgestaltet werden. Sonst sehe ich nicht, wie dieses Team etwas großartiges erreichen kann. Scott Brooks mag ein toller Motivator sein, zu den größten Strategen gehört er sicherlich nicht. Er gibt bestimmten Spielern zu viel Kredit (Thabo), hat gewisse Skrupel die Rotation aufgrund bestimmter Matchups zu verändern. Gerade in den Playoffs, wo man immer und immer wieder gegen die selben Teams mehrmals hintereinanderspielt, kann das schnell zum Nachteil werden. Man darf gespannt sein, ob er sich dort in naher Zukunft weiterentwickeln kann.

  3. Alex A.

    Hhhm nachdem ich das hier durchgelesen habe, bin ich plötzlich für die Thunder als nächten Gegner für die Mavs. Hab in den Playoffs nur zwei ihrer Spiele gesehen, beide jedoch aus der ersten Runde als man klare Siege gegen die Nuggets einfahren konnte. Dachte deshalb, die werden ein sehr harten Brocken weil Durant und Westbrook kaum zu stoppen sein werden. Jetzt hört sich das so an, als ob das Team noch nicht soweit ist nach der Krone zu greifen und tatsächlich Probleme in der Offense bekommen kann.
    Sehr guter Artikel, zeigt einem wirklich gut, was für Probleme/Stärken/Schwächen das Team und ihr Coach haben. Danke Fabian

  4. Fabian Thewes

    |Author

    @Alex:

    Aus Sicht der Mavs würde ich ebenfalls die Thunder als Gegner bevorzugen. Westbrook kann man sehr gut mit einer guten Zonenverteidigung aus dem Spiel nehmen (siehe die Duelle in der RS), gegen Durant hat man mit Marion einen bulligen Defender, gegen den Durant schon häufiger seine Probleme hatte. Und Nowiktzi ist ein Alptraummatchup für Serge Ibaka, der große Probleme gegen Shooting-BigMen hat.

    Die Grizzlies wären aufgrund ihrer guten Perimeter- und Pick&Roll Defense der deutlich unangenehmere Gegner, wenn man sich anschaut, auf welche Weise die Dallas Mavericks die Lakers auseinander genommen haben.

    Das, was die Thunder aber so gefährlich macht, ist diese gewisse Unberechenbarkeit. Talenttechnisch (im Sinne von Potenzial) sind sie fast jedem NBA-Team überlegen. Doch ob sie es auch abrufen können, das ist die Frage. Ich würde mit 4:2 trotzdem auf die Mavericks tippen.

    Je nach dem zu welchem Matchup es kommen wird, wird hier auf http://www.go-to-guys.de sicherlich eine ausführliche Analyse zu finden sein. 😉

  5. Smido83

    Wieder mal ein sehr interessanter Artikel. Ich habe letzte Nacht dieses ellenlange und unglaublich spannende Spiel gesehen und eigentlich lief es fast das gesamte Spiel über kaum ansers! Wohin mit dem Ball? Zu Westbrook, der soll mal sehen wie er’s macht! Einzig das man sehr früh komplett auf Hardem gesetzt hat änderte sich im Spiel der Thunder!

    Am Ende entschied dann Durant in der 3. OT das Spiel, indem er hinten seine Stärken ausspielte und sich vorne endlich mal etwas zutraute! Troz 35 Punkten gefiel er mir jedoch eigentlich nicht wirklich in diesem Spiel. Auch der etwas verletzte Ibaka brachte noch mal Bewegung ins Spiel sowie der oben bereits erwähnte Harden! Ergebnis? 14 Punkte in der 3. OT! Klar, der Verlust von Connely und Mayo bei den Grizzlies trug auch zur Niederlage bei, jedoch war es für mich wichtiger, dass vor allem Durant sich mehr zutraute und Ibaka auch mehr Bewegung ins Spiel brachte!

    Jedoch macht mir bisher eigentlich keine der beiden Mannschaften als Gegner für die Mavericks wirklich Angst! Defensiv konnte man bisher sowohl die athlethisch und physisch überlegenen Blazers, als auch die größenmäßig und auch spielerisch überlegenen Lakers dominieren! Obendrein sind auch die Offensivquoten, speziell die Wurf- und Assiststatistiken, sehr gut! Von daher sollte man gegen beide Mannschaften der Favorit sein und sollte, wenn alles normal läuft das Conference Final gewinnen!

    Ich hätte da noch mal eine kleine Bitte. Könntet ihr mit eurem Fachwissen vieleicht noch mal die Serie der Mavericks gegen die Lakers genau aufschlüsseln? Denn ich fand die Leistug der gesammten Mannschaft in diesen Spielen (habe alle 4 live gesehen) überragend und würde dazu gerne mal eure statistisch und faktisch fundierte Meinung lesen. Woran lag es genau, dass die Lakers erstens ihre Führungen nicht verteidigen konnten bzw. nicht ins Spiel fanden und 2. die Mavericks ihnen in fast allen Bereichen überlegen waren!

    Danke schonmal im Voraus! 😀

  6. Hassan Mohamed

    Scott Brooks und Russell Westbrook für Rick Adelman und Rajon Rondo – bist Du dabei, Fabian? 😉

    Ein Trainer, der weiß, wie man eine Offense zum Laufen bringt und ein Aufbauspieler, der nicht überdreht und hauptsächlich darauf bedacht wäre, Kevin Durant, James Harden und Serge Ibaka in ihren Sweet Spots zu bedienen.

  7. Amar'e

    @ Hassan,

    are u serious???

    einen nicht scorenden point guard??? Das würde mit einem schießenden 2er funktionieren… OKC hat zu wenige scorer, aber rondo ist OKC ist schon eine geile vorstellung!

    man könnte ja aus den thunder das zweite boston machen, mit durant als star… rondo rüber, Allen rüber und KG rüber…im gegenzug westbrook und keine ahung…

    aber jetzt mal im ernst. OKC ist nur so gut, weil sie mit westbrook einen “scorenden”, genauer einen zum korb ziehenden point guard haben! westbrook ist mit verantwortlich, das die thunder so erfolgreichen basketball gespielt haben (diese und letzte saison).

    allerdings ist er auch dafür verantwortlich das die thunder momentan so spielen..seit ein paar wochen/monaten…

    wie gesagt, die schuld liegt bei der offensive und dem mangeldem ball movement, besonders in der entscheidenden phase…

    gruß Amar’e

  8. Hassan Mohamed

    Amar’e schrieb:

    einen nicht scorenden point guard??? Das würde mit einem schießenden 2er funktionieren…

    There’s a man with a beard…

    Natürlich würde man in solch einem Fall nicht Thabo Sefolosha in der Startaufstellung lassen, sondern James Harden “befördern” und dessen Minutenzahl zusätzlich hochschrauben. Der Schweizer würde zum Mann für Spezial(verteidigungs)aufgaben werden. Vorteilhaft wäre, wenn Presti sich in solch einem Fall um einen Scorer (Guard/Forward) von der Bank bemühen würde.

    Eigentlich interessiert mich nur, ob Fabian jetzt vielleicht einen gänzlich anderen Typen von Point Guard für das Team bevorzugen würde. Ich weiß, dass er grundsätzlich Westbrook für den besseren Spieler hält. (Stand: einige Monate in der Vergangenheit)

  9. Fabian Thewes

    |Author

    @Hassan:

    Ich würde den Deal nicht machen, weil ich glaube, dass Rondo ein wenig überschätzt ist. Natürlich gehört er zu den besten/kreativsten Aufbauspielern der NBA, auch die Defense ist erstklassig, jedoch habe ich den Westbrook/Harden Backcourt noch nicht aufgegeben. Immer wieder zeigen die beiden, dass sie sehr gut zusammen passen könnten, wenn man sie denn lässt, worauf ich zu Scott Brooks zu sprechen komme.

    Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass er nicht mehr der richtige Coach für die Thunder ist. Mit ihm wird das Team keinen weiteren Schritt nach vorn machen (der nächste Schritt heißt legitimer Contenderstatus), dafür hat er in den diesjährigen Playoffs zu viel Mist gemacht. Angefangen mit der sinnfreien (SG)Rotation oder mit seinem unflexiblen und isolastigen Offensivsystem. Unabhängig davon, ob die Thunder heute Abend nach der 3:2 Führung (und den 13-Punkte-Vorsprung in Game 6) noch rausfliegen sollten oder nicht, sollte er rausgeschmissen werden, so leid es mir tut. Ich bin wirklich kein Fan davon, nach Misserfolgen auf den Trainer einzuschlagen, aber die, die Spiele der Thunder diese Saison aufmerksam verfolgt haben, werden mir recht geben, dass eine Veränderung Sinn macht. Ich betone nochmal: ich halte einen Trainerwechsel unabhängig vom Erreichen des Conference Finals für notwendig.

    Ein kurzer Blick zurück: Als die Franchise zum Bodensatz der Liga gehörte und nur durch (theoretisches) Talent, nicht durch Klasse überzeugte, war er als Coach eine gute Wahl. Er hat die Jungspunde motiviert wie kein Zweiter, hat für den ein oder anderen Entwicklungsschritt gesorgt. Junges Team, junger Coach, das passte einfach. Das Team erreichte letzte Saison, ziemlich überraschend, 50 Siege. Diese Saison waren es gar 55 Siege und nach jetztigen Stand die zweite Playoffrunde. Scottie Brooks ist keineswegs ein schlechter Coach, stattdessen halte ich ihn für ziemlich durchschnittlich. In-Game-Entscheidungen sind bei ihm recht unglücklich und bisher hat er es einfach nicht geschafft, eine Offensive zu installieren, die auch in der Crunchtime funktioniert. Ist dafür nicht insbesondere der Coach verantwortlich?

    Jetzt müsste man natürlich schauen, welche Kandiaten in Frage kommen könnten. Dein Vorschlag mit Rick Adelman gefällt mir ganz gut, auch wenn ich bei ihm noch meine Zweifel habe, ob er mit diesem Kader sein typisches System aufziehen kann, denn bei den Kings oder Rockets trugen die Big Men meistens sehr viel zum Spielaufbau bei (Thunder haben leider keine wirklich guten Passer im Frontcourt). Ich traue ihn durchaus zu, adss er ein neues System, mit viel Ball Movement, aber passend für die Thunder entwickeln kann. Jeff van Gundy wird auch immer genannt, wenn es gilt neu freigewordenen Stellen zu besetzen. Ich glaube jedoch nicht, dass er nochmal coachen will. Ein anderer Kandidat wäre Jerry Sloan, von dem ich unglaublich viel halte. Hier stellt sich wohl das selbe Problem, wenn auch aus anderen Gründen. Will Sloan nochmal coachen?

    Noch einmal zurück zu Russell Westbrook. Ich denke er ist der richtige PG für das Team, gerade auch weil James Harden tolle Fähigkeiten als facilitator hat. Die beiden haben bisher einfach viel zu wenig Spielzeit zusammen gesehen. Oder siehst du Gründe, Hassan, warum ein Backcourt bestehend aus Russ und Harden nicht funktionieren soll? Ich denke einfach, dass man sehr viel mehr aus den Qualitäten der beiden Spieler herausholen kann.

  10. Hassan Mohamed

    Es gibt keinen Grund für mich zu sagen, dass der Backcourt nicht funktionieren könnte. Aber ich frage mich, ob der Backcourt bzw. die komplette Startaufstellung mit einem Aufbauspieler vom Schlage Rondo vielleicht besser funktionieren würde. Du hattest kürzlich die Spielanteile (in Form der USG%) von Harden an der Seite von Durant und Westbrook kritisiert. Natürlich spielt hier der Coach auch eine Rolle, aber ich denke, dass das Ganze in derselben Situation (sprich unter demselben Coach) mit einem Rondo statt einem Westbrook automatisch besser aussehen würde. Auch der positive Einfluss auf den Frontcourt (Ibaka, Durant, Perkins – in dieser Reihenfolge) dürfte bei Rondo höher sein als bei Westbrook, da er in Sachen Spielgestaltung und dem Bedienen der Mitspieler Westbrook fraglos voraus ist.

    Es ist nicht meine Absicht, Westbrook schlecht darzustellen. Ich mag den Spieler, insbesondere sein Selbstbewusstsein und seine Energie. Auch mag er individuell vielleicht besser als Rondo sein (bspw. für eine Rolle wie Derrick Rose sie in Chicago hat), aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass OKC insgesamt mit Rondo besser “klicken” würde. Noch besser…immerhin befindet man sich kurz vorm WCF, was bereits eine starke Teamleistung ist.

  11. Fabian Thewes

    |Author

    Es ist vielleicht ein bisschen blöd, weil ich jetzt Game 7 auf meiner Seite habe (und ein Spiel sollte ja keine Argumentationsgrundlage sein). Trotzdem: So wie der Backcourt heute funktioniert hat, stelle ich es mir vor. 😀

  12. Hassan Mohamed

    Eigentlich nicht blöd. Meine Aussage:

    Hassan Mohamed schrieb:
    […] mit einem Aufbauspieler vom Schlage Rondo […]

    Westbrook mit zwölf Würfen und 14 Assists – das war ein Spiel im Rondo-Mode. 😉

  13. Fabian Thewes

    |Author

    Nur, dass er noch Scoring bringt, falls es das Team braucht. Auch gestern hat er 15 Angriffe selbst abgeschlossen; die eigenen Versuche, die in einem Turnover endeten, nicht eingerechnet. Wann macht das Rondo, der durchschnittlich gerade mal 10 Würfe nimmt und gefühl nie an die FT Linie geht (aus gutem Grund)? Selbst gestern hat Westbrook selbst wieder deutlich mehr Gefahr ausgestrahlt (ich meine nicht durch Korbvorlagen) als es Rondo jemals könnte.

  14. Smido83

    Ich schreibe die Frage jetzt einfach mal hier. Wolltet ihr nicht noch einen ausführlichen Bericht zur Serie der OCT gegen die Mavericks schreiben? Ich warte schon sehnsüchtigst! Alleine dieses Spiel heute Nacht…

  15. Fabian Thewes

    |Author

    Hallo Smido83,

    ja, das wollten wir und das wollen wir noch immer. 🙂

    Nach den ersten beiden Spielen werde ich eine Art Bilanz ziehen und diskutieren, welche Probleme die beiden Teams haben (gerade die Thunder hatten in Spiel 1 einfach keinen Zugriff), und wie sie sich möglicherweise lösen lassen. Aber gerade Spiel 2 wird die Richtung des Artikel bestimmen. Der Grund: Falls die Dallas Mavericks heute Nacht nämlich mit 2:0 in Führung gehen sollten (ich persönlich gehe davon aus, die matchups passen einfach aus Sicht von Dallas), wird der Schwerpunkt wohl auf Oklahoma City gelegt. Motto: “Irgendwie muss man die Mavericks doch knacken können.” 😉

    Samstag (wahrscheinlich Abends) wird der Artikel rausgehen. Viel Spaß noch bei Spiel 2.

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