Gedanken, Playoffs

Wünsch dir was?

Am Ende der regulären Saison und kurz vor den Playoffs findet meist dieselbe Diskussion in Fankreisen statt: Welchen Gegner erwartet mein Team, wenn man dieses oder jenes Spiel verliert/gewinnt? Wird man lieber Dritter oder Vierter? Welchen Gegner hätte man am liebsten? Und die angeblich “wichtigste” Frage lautet wohl: Wen will man unter allen Umständen aus dem Weg gehen?

Ob sich die Teams selbst ebenfalls diese Fragen stellen, geschweige denn Einfluss auf die Setzliste nehmen (also z.B. Niederlagen billigend in Kauf nehmen, um eine bestimmte Position zu erhalten) ist nicht  mit absoluter Sicherheit geklärt. Sicher ist allenfalls, dass sich die Anhänger der Franchises ausgiebig darüber unterhalten und die möglichen Kontrahenten bis ins Detail auseinander genommen und verglichen werden. Am Ende wird manchmal gar darüber philosophiert, ob es nicht aus bestimmten Matchupgründen Sinn machen würde, das ein oder andere Spiel abzuschenken. Es wäre allzu menschlich, wenn sich so manch ein Spieler insgeheim ähnlichen Gedanken hingeben würde. Aber ist das überhaupt wünschenswert?


Quelle: ESPN Playoff-Predictions

Ein Zeichen von Schwäche?

Wenn man diese Diskussionen auf den verschiedenen Plattformen verfolgt, stelle ich selbst mir die Frage, ob man so etwas überhaupt nötig hat. Gemeint ist Folgendes:  Wäre es nicht ein Zeichen von Schwäche, wenn sich Teams, die sich als Ziel auf die Fahnen geschrieben haben, etwas Großartiges zu erreichen, bestimmte Gegner mehr wünschen als andere? Wenn ein Contender wirklich die Meisterschaft holen möchte, muss man dann nicht so oder so in der Lage sein, jeden möglichen Gegner auf dem Weg zum Titel auszuschalten? Spielt es wirklich eine entscheidende Rolle, wenn beispielsweise die Dallas Mavericks erst in den Conference Finals auf die Los Angeles Lakers treffen und nicht bereits in Runde 2?

Letztes Jahr schonte der Coach der San Antonio Spurs, Gregg Popovich, ein paar wichtige Spieler, weil er mutmaßlich in der ersten Runde am liebsten auf die Dallas Mavericks treffen wollte (was dann ja auch geschah). Das deutliche Aus in der  zweiten Runde gegen die Phoenix Suns (4:0) kam trotzdem. Vor kurzer Zeit bestätigte Coach Karl von den Nuggets, dass er dieses Jahr in der ersten Runde lieber auf die Dallas Mavericks als auf die Oklahoma City Thunder treffen möchte. Was sagt solch ein Verhalten über ein Team aus?

Eine Mannschaft, die von den eigenen Qualitäten überzeugt ist, braucht sich diese  oder ähnliche Fragen nicht zu stellen. Sie identifiziert sich mit einer aus der Setzliste oder aus früheren Erfolgen resultierenden Favoritenstellung und handelt danach. Das bedeutet: Sie versucht einfach, die höchste Position in der Playoffsetzliste zu erreichen, konzentriert sich auf ihr eigenes Spiel, fängt nicht an zu rechnen, schaut nicht auf die Ergebnisse der Kontrahenten. Kurz, aber prägnant formuliert: Eine Franchise nimmt eben das, was kommt und schreckt nicht davor zurück. Sie macht einfach ihr Ding. Wer dies nicht beherrscht, wird einer Contenderrolle nicht gerecht und sollte realisieren, dass ein solches Team eher auf einer Stufe mit Teams wie den Hornets, Grizzlies oder Nuggets steht als mit den Lakers, Spurs, Celtics oder Heat. Denn zum Contender-Dasein gehört es auch, mit einem bestimmtem Selbstverständnis in die Playoffs zu ziehen.

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