Gedanken, Sacramento Kings

Verlassen die Könige Sacramento?

Die Ursprünge der derzeit in der kalifornischen Hauptstadt beheimateten Franchise der Sacramento Kings liegen an der Ostküste, genauer gesagt in Rochester, New York. Die Rochester Royals traten 1949 der NBA bei, konnten jedoch in Rochester trotz eines Titels im Jahre 1951 letztlich nicht genug Gewinn erwirtschaften, weshalb die Franchise 1957 nach Cincinnati, Ohio, umsiedelte und fortan den Namen Cincinnati Royals trug. 1972 zog man nach Kansas City um und benannte das Team in Kansas City Kings um. Auch dort jedoch war die wirtschaftliche Situation auf lange Sicht nicht zufriedenstellend, und so gab es einen weiteren Ortswechsel: Seit 1985 ist die Franchise in Sacramento beheimatet, das Team trägt den Namen Sacramento Kings.

Nach einer langen Durststrecke zwischen Mitte der 1980er- und Mitte der 1990er-Jahre (nur eine Playoffteilnahme in der Saison 1995/1996) konnte man sich Ende des alten Jahrtausends als regelmäßiger Playoffkandidat etablieren und erreichte zwischen 1999 und 2006 achtmal in Folge die Postseason. In der Saison 2001/2002 schrammte man mit einer 3-4-Niederlage gegen die Los Angeles Lakers in den Conference Finals denkbar knapp am Finale und einem wahrscheinlichen Titel vorbei. Zudem gewann das Team in diesen Jahren durch seinen spektakulären und offensiv orientierten Basketball viele Fans im ganzen Land.

Seit 2006 jedoch konnte man die Playoffs nicht mehr erreichen (und wird sie diese Saison zum fünften Mal in Folge verpassen), und der Anziehungsfaktor einstiger Stars wie Chris Webber ist trotz viel versprechender junger Spieler wie Tyreke Evans und DeMarcus Cousins ebenfalls nicht mehr gegeben. Die Zuschauerzahlen gingen zurück, und auch wenn dies natürlich zu einem großen Teil auf den mangelnden sportlichen Erfolg der Mannschaft zurückzuführen ist, so wurde auch der Spielort der Kings, die ARCO Arena (inzwischen Power Balance Pavilion), als ein Problemfeld ausgemacht.

Nicht nur aus Sicht der Maloof-Familie, die hauptsächlich die Kontrolle über die Franchise besitzt, ist die Halle veraltet (und zusätzlich mit 17317 Sitzplätzen die kleinste in der NBA). Man hofft schon seit Jahren darauf, ein neues Heim für die Kings zu finden, größer und günstiger gelegen. Im Jahr 2006 jedoch entschieden sich die Wähler in Sacramento gegen einen Entwurf, der eine Steuererhöhung zur Mitfinanzierung einer neuen Halle vorsah. Daraufhin schaltete sich die NBA ein, und man konzentrierte sich auf das Cal-Expo-Messegelände als möglichen neuen Standort. Doch im Jahr 2010 zerfielen auch diese Pläne. NBA-Commissioner David Stern und die Liga überließen danach die Maloofs und die Kings wieder ihrem Schicksal bei der Suche nach einem geeigneten Ort für eine neue Spielstätte.

Immer wieder in den vergangenen Jahren gab es auch Gerüchte darüber, dass das Scheitern der Versuche die Maloofs dazu veranlassen könnte, die Kings endgültig in eine andere Stadt zu verfrachten. Doch Ende Februar 2011 wurde allen klar, dass es dieses Mal tatsächlich dazu kommen könnte, dass in Sacramento bald kein NBA-Team mehr zu Hause sein wird. Eigentlich muss ein Antrag auf einen Franchise-Umzug bis spätestens 1. März bei der NBA eingehen, doch die Maloofs erreichten eine Verlängerung dieser Frist bis zum 18. April. Schon Mitte Februar verriet David Stern, dass Anaheim in Orange County, Kalifornien, der wahrscheinlichste Kandidat für eine mögliche neue Heimat der Kings sei.

Nun will man dies in Sacramento natürlich nicht einfach so hinnehmen. Lokale Geschäftsleute starteten eine Kampagne, um die Maloofs umzustimmen, und immerhin war daraufhin das Heimspiel gegen die Los Angeles Clippers am 28. Februar ausverkauft (die Kings gewannen 105-99). Doch in den lokalen Medien werden die Chancen, dass die Franchise in der kalifornischen Hauptstadt bleibt, als eher schlecht angesehen, und auch Kevin Johnson, der Bürgermeister von Sacramento, sagte kürzlich:

“The likelihood of them leaving is probably greater than them staying, but it’s not a done deal. There is still time on the clock.”

Es steht also nicht gut um ein Verbleiben der Kings in Sacramento. Zu viele Rückschläge haben die Maloofs wohl bei den Versuchen einstecken müssen, eine neue Halle für ihr Team zu bauen bzw. einen geeigneten Ort dafür zu finden. Spätestens am 18. April werden wir wissen, ob das Kapitel NBA-Basketball in Sacramento (vorerst) abgeschlossen ist.

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