Sacramento Kings

Das verflixte zweite Jahr?

Was individuellen Erfolg angeht, so hätte die Karriere von Tyreke Evans kaum besser beginnen können. Der Guard wurde in der 2009er-Draft an vierter Stelle von den Sacramento Kings ausgewählt, die ihm damit immerhin den Vorzug vor dem großen spanischen PG-Talent Ricky Rubio gaben.

Erfolgreicher Start

Das Vertrauen der kalifornischen Franchise schien sich jedoch rasch auszuzahlen, denn Evans (der ein Jahr für die University of Memphis Basketball gespielt hatte) wurde gleich zu Beginn der Saison zwei Mal in Folge als Rookie des Monats in der Western Conference ausgezeichnet. Während des All-Star-Wochenendes überzeugte Evans beim Rookies-Sophomores-Spiel mit 26 Punkten, 6 Rebounds, 5 Assists und 5 Steals und wurde dafür mit dem MVP-Titel belohnt. Einen Monat später gelang dem jungen Mann in einem Spiel gegen die Toronto Raptors mit 19 Punkten, 10 Rebounds und 10 Assists gar sein erstes Triple Double.

Dass ein solcher Spieler am Ende der Saison zum Rookie des Jahres gewählt wird, darf kaum überraschen (Evans verwies Stephen Curry und Brandon Jennings auf die Plätze). Noch außergewöhnlicher mag freilich die Tatsache anmuten, dass der aus Chester, Pennyslvania stammende Kings-Guard mit seinen 20,1 Punkten, 5,3 Rebounds und 5,8 Assists pro Spiel erst der vierte Rookie in der Geschichte der NBA war, dem jeweils mindestens 20 Punkte, 5 Rebounds und 5 Assists pro Partie gelangen. Die Namen der anderen drei Spieler, die dies erreichten, zeigen, in welch exklusiver Gesellschaft sich Tyreke Evans mit dieser Leistung befindet, handelte es sich doch um keine Geringeren als LeBron James (2003/04), Michael Jordan (1984/85) und Oscar Robertson (1960/61). Es sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, dass die Kings in ihren letzten Spielen der Saison 2009/2010 ihr Augenmerk hauptsächlich darauf zu legen schienen, Evans’ 20/5/5-Schnitt sicherzustellen – bedenkt man freilich, dass es sportlich für die Mannschaft ohnehin um nichts mehr ging (die Playoffs waren längst außer Reichweite), so mag man dies mit einer gewissen Nachsicht beurteilen.

Sand im Getriebe

Die Schwierigkeiten in Evans’ zweiter Spielzeit begannen schon vor dem eigentlichen Saisonstart. Im Juli sprach die NBA eine Ein-Spiel-Sperre gegen Evans aus. Dieser war im Mai wegen einer Geschwindigkeitsübertretung verhaftet worden und verlor daraufhin für 30 Tage seinen Führerschein. Auch auf dem Parkett läuft es für den Basketballer in seiner zweiten Saison nicht so, wie er und sein Team sich das wohl vorgestellt hatten. Ein Blick auf die Statistiken mag das verdeutlichen: In der Saison 2009/2010 machte Evans im Schnitt 20,1 Punkte bei Quoten von 45,8% aus dem Feld (25,5% bei den Dreiern) sowie 74,8% an der Freiwurflinie. Diese Saison (bis zum All-Star-Wochenende) steht der Guard zwar durchschnittlich ein kleines bisschen länger auf dem Feld (37,8 gegenüber 37,2 Minuten pro Spiel), punktet jedoch weniger (18,3) und wirft v.a. schlechter (41,1% aus dem Feld, wobei er immerhin seine Dreierquote auf 29,1% verbessern konnte). Der oberflächliche Eindruck einer Verschlechterung bestätigt sich auch bei einem Blick auf die normierten Statistiken: Evans’ “True Shooting Percentage” ist von 52,9 auf 48,1 gefallen, die “Effective Field Goal Percentage” von 47,3 auf 43,5. Was den PER-Wert angeht, so liegt Tyreke Evans mit 14,8 (letzte Saison: 18,2) gar unter dem Ligaschnitt von 15. Das “Offensive Rating” ist von 107 auf 98 gefallen, und bei den “Win Shares” fiel Evans von 5,4 auf 1,5.

Erklärungsansätze

Im Folgenden soll nun versucht werden, einige Gründe für Evans’ Probleme zu finden.

Verletzung(en)

Schon im November 2010 gab es erste Berichte über gesundheitliche Probleme bei Tyreke Evans. Neben Gelenkproblemen plagte ihn “Plantar Fasciitis” im linken Fuß (grob gesagt eine Fersenentzündung, die wohl bereits schon auf dem College auftrat). Es handelt sich dabei um ein bei Basketballern relativ häufig vorkommendes Problem – in unterschiedlich starker Art und Weise litten darunter u.a. Spieler wie Peja Stojakovic, Tim Duncan, Rajon Rondo oder Joakim Noah, um nur einige wenige zu nennen. Die Verletzung ist nicht nur schmerzhaft und hinderlich bei so ziemlich jeder Bewegung auf dem Basketballfeld, es ist auch eine, deren Behandlung nicht unbedingt einfach ist. Gut ist es in jedem Fall, den betroffenen Fuß zu schonen, wovon bei einem professionellen Sportler allerdings nicht die Rede sein kann, solange er aktiv ist und keine Auszeit nimmt. Anfang Dezember hofften Evans und die Kings offenbar noch auf baldige Besserung. Einige Wochen später gab es dann die Überlegung, es mit einer Laserbehandlung zu versuchen, die Tyreke Evans freilich für rund drei Monate außer Gefecht gesetzt hätte. Im Januar schließlich war zu vernehmen, dass Evans zunächst auf eine Operation verzichten würde. Auch wenn der Guard der Kings nur wenige Spiele aufgrund dieser Verletzung verpasste, so war sie doch schlimm genug, um ihn von der Teilnahme am All-Star-Wochenende (wo er beim Spiel Rookies–Sophomores hätte auflaufen sollen) abzuhalten. Die neueste Meldung in der Angelegenheit war die, dass Evans es mit einer Stoßwellen-Therapie versuchen und mindestens drei Wochen ausfallen wird. Ein Ende der Probleme scheint vorerst jedenfalls nicht in Sicht, und gerade ein Spieler, der offensiv so sehr von seinem Zug zum Korb lebt wie Tyreke Evans, ist von einer Verletzung dieser Art natürlich besonders beeinträchtigt.

Erhöhte Aufmerksamkeit der Gegner

Der zuletzt angesprochene Sachverhalt führt direkt zu einem weiteren Problem Evans’ in dieser Saison. Nach seinem erfolgreichen Start in der NBA ist der amtierende Rookie des Jahres natürlich stärker in den Fokus der gegnerischen Teams gerückt. Die stärkste offensive Waffe des Guards ist (wie erwähnt) sein Zug zum Korb, der Geschwindigkeit, Kraft und Finesse vereint. Doch zunehmend versuchen Gegner, seinen Weg zum Korb zuzustellen, um ihn auf diese Weise seines effektivsten Spielzuges zu berauben. Evans selbst ist sich dieser gegnerischen Taktik durchaus bewusst, und er weiß, dass es für ihn in Zukunft darauf ankommen wird, sich beim Spiel abseits des Balls zu verbessern:

“Just on the break, they’re getting back and taking away the paint,” Evans said. “They try to get me to give the ball up early and get the ball out of my hands. Every chance I get, I try to attack. But I’m kicking out more often this year because the double-teams are coming more quickly.”

Veränderte Rolle im Team

In der Saison 2010/2011 wird Tyreke Evans deutlich mehr als SG eingesetzt denn als PG; im Jahr zuvor war dies noch nicht so. Beno Udrih, der 2009/2010 meist den Backup für Evans gab, ist in der aktuellen Spielzeit zumeist der PG der Startformation. Zweifelsohne ist es angemessen, Evans’ Zukunft eher auf der Zwei als auf der Eins zu sehen. Ihm fehlen insgesamt die Übersicht, das Ballhandling und das Spielverständnis, um ein herausragender PG zu werden (vgl. hierzu auch diesen Artikel). Sein Potenzial als SG ist eindeutig größer, und das scheint glücklicherweise auch Paul Westphal, der Trainer der Kings, so zu sehen. An diese veränderte Rolle wird sich Evans aber erst noch gewöhnen und lernen müssen, effektiv zu sein, auch wenn er nicht ständig den Ball in den Händen hat. Beno Udrih ist zudem kaum der richtige Partner an seiner Seite, da der Slowene ebenfalls eher ein Scorer als ein Spielmacher ist. Mittelfristig sollten sich die Kings (sei es nun via Trade, Free Agency oder Draft) um einen „klassischen“ PG bemühen, der den Ballvortrag übernehmen und idealerweise zusätzlich anständig verteidigen kann.

Abzuwarten bleibt zudem, wie sich das fraglos noch verbesserungswürdige Zusammenspiel zwischen Tyreke Evans und DeMarcus Cousins (in Sacramento schon als “Reke DMC” bezeichnet) entwickelt. Wenn Cousins ein so dominanter Post-Spieler werden kann, wie er das in seiner ersten Saison zumindest in einzelnen Spielen bereits andeuten hat können, dann wird dies natürlich auch Räume für seine Mitspieler öffnen. Um diese ideal zu nutzen, müsste Evans allerdings über einen besseren Wurf verfügen als er das momentan noch tut. Er nimmt dieses Jahr mehr Mitteldistanzwürfe und Dreier als in seiner ersten Saison. Doch obwohl er im Sommer an seinem Wurf gearbeitet hat und dieser auch insgesamt runder aussieht, sind die statistisch erfassbaren Verbesserungen bisher eher marginal (seine Dreierquote von unter 30% beispielsweise bleibt unterdurchschnittlich).

Fazit

Tyreke Evans hat in seiner zweiten Saison mit Verletzungen zu kämpfen und sieht sich mit Gegenspielern konfrontiert, die zunehmend besser auf seine Stärken und Schwächen eingestellt sind. Zudem muss er mit seiner neuen Rolle als primärer Zweier ebenso zurechtkommen wie mit der Tatsache, dass das Mannschaftsgefüge sich mit der Ankunft von DeMarcus Cousins signifikant verändert hat. Dies sind zumindest einige der Gründe dafür, warum Evans in seinem zweiten Jahr in der NBA bislang nicht die Fortschritte machen konnte, die man sich von einem so talentierten Spieler erhofft.

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1 comment

  1. Amar'e

    wie immer informativ reke evans leistungsabfall erörtert!

    guter artikel.

    em, könntet ihr auch einen ähnlichen artikel über stephan curry schreiben, er hat ja auch diese saison leistungstechnisch abgebaut…im vergleich dazu was er letztes jahr um das ASG rum gebracht hat…

    vermutlich:

    neue mitspieler: david lee usw.

    hauptsächlich neues spielsystem – kein run n’ gun mehr…

    unzählige verletzungen, besonders an seinen knöcheln…

    gruß

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