Charlotte Hornets, Gedanken

Bobcats have blown it up!

Photo: RMTip21 (Lizenz)

Nach Wochen und Monaten der Ungewissheit ist es nun doch geschehen: die Charlotte Bobcats schenken die Saison offiziell ab, indem sie ihr Gesicht, ihren Franchise Player, All-Star Small Forward Gerald Wallace in Richtung Portland ziehen lassen. Wallace ist dabei kein Franchise Player vom Format eines Tim Duncan, aber wer ist das schon? Wallace war der wertvollste Spieler im Team der Bobcats, die im letzten Jahr immerhin die Playoffs erreichen konnten. Dass die Franchise Player zu dieser Trading Deadline verfügbar sind, sah man nicht zuletzt bei Carmelo Anthony und Deron Williams. Doch während Denver respektive Utah noch mit guten Gegenwerten ausgestattet wurden, erhalten die Bobcats von den Portland Trailblazers die auslaufenden Verträge von Joel Przybilla und Sean Marks sowie mit Dante Cunningham ein Talent, das sich ebenfalls im letzten Vertragsjahr befindet und im nächsten Jahr bezahlt werden will. Zudem sind noch zwei Erstrundenpicks für die Bobcats im Paket vorzufinden.

Doch damit nicht genug. Die Bobcats verschenkten zudem noch Center Nazr Mohammed an die Oklahoma City Thunder für den auslaufenden Vertrag von Morris Peterson, der erst im Sommer zusammen mit Cole Aldrich nach Oklahoma City getradet wurde, und den talenterten, aber oft verletzten Forward DJ White, der noch bis 2012 einen Vertrag besitzt.

Die Bobcats geben also letztlich spielerische Klasse ab, um ihre Ausgaben zu senken, und sammeln dazu Draftpicks ein, um sich durch die Talentauswahl im Juni zu verstärken. Faktisch bekommen die Bobcats für ihren Franchise Player nur die recht wertlosen Draftpicks aus Portland, ein verheißungsvolles Talent selbst ist in keinem der beiden Trades  vorhanden. Die Bobcats haben sich – mal wieder – unter Wert verkauft. Zudem kommt, dass man mit einem vollen Kader von 15 Spielern in die Trading Deadline ging und fünf Spieler aufnahm, aber nur zwei abgab. Die Folge: Die Bobcats müssen drei Spieler entlassen. Wen es trifft, ist hier noch nicht abzusehen. Ironisch es wäre, wenn man mit Przybilla, Marks und Peterson gleich wieder drei Spieler entlassen würde, für die man getradet hätte. Spielerisch bieten Peterson und Marks überhaupt keinen Mehrwert für die Bobcats. Dass Joel Przybilla über die Saison gehalten werden kann, ist auch unwahrscheinlich. Wenn dieser bei einem Buyout noch auf Geld verzichten würde, wären die Bobcats sicherlich nicht abgeneigt.

Das Team stand vor den Trades 1,5 Spiele hinter den Indiana Pacers auf Platz 9 im Osten. Dass man den Kader nun so auseinanderreißen muss, obwohl man wirtschaftlich nach diesem Move in noch viel größere Probleme kommen wird, ist eigentlich nicht einleuchtend. Man ist nicht so abgeschlagen, dass es sinnlos wäre, Gerald Wallace weiterhin zu halten. Die Bobcats werden in keinem Deal einen schlechten Vertrag mit los. Sicherlich hat man versucht, Stephen Jackson in der Liga anzubieten. Vielleicht scheiterte hier ein Deal daran, dass Jackson sich im letzten Spiel verletzte und dessen Gesundheitszustand unklar blieb. Aber weder die Verträge von Tyrus Thomas, Boris Diaw, DeSagana Diop, Matt Carroll oder Eduardo Najera konnten abgegeben werden, um für weitere finanzielle Entlastung zu sorgen. Stattdessen stehen die Bobcats zur neuen Saison wohl bei einer Payroll von 50 Millionen Dollar, ohne einen Starting Center im Team zu haben. Kwame Brown und Joel Przybilla werden Free Agents. Dazu müssen die zwei Erstrundenpicks von 2011 bezahlt werden. Das Team kann sich also voraussichtlich auch nicht über die Free Agency verstärken. Einen Gefallen tat man sich mit dem Deal sicherlich nicht. Der Zeitpunkt scheint falsch abgepasst worden zu sein, da man den Großteil des Teams über diese Saison hinaus gebunden hat.  Ein Push in Richtung Playoffs wäre sicherlich einen Versuch wert gewesen. Wenn man im darauffolgenden Jahr das Unterfangen aufgibt, hätte man zumindest die Verträge von Diaw, Najera und Carroll mit Ablauf der Saison aus den Büchern. So haben die Bobcats schon 11 Spieler für 2011/12 fest unter Vertrag.

Letztlich wird man wieder tief in die Lottery wandern und darauf hoffen, dass die Draftclass 2012 besseres Talent enthält als die kommende Draftclass. Kein zukunftsträchtiges Szenario.

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