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New York’s Finest

North Carolina, Kentucky, UCLA, Indiana, Ohio State & Co. Allesamt Top-Programme des College-Basketballs. Doch wenn man nach einem erfolgreichen College aus dem Basketball-Mekka New York sucht, findet man (bis auf Syracuse, das außerhalb liegt) praktisch nichts. Allerdings gab es dort auch schon viel bessere Zeiten. Bis in die 90er war die St. John’s University äußerst erfolgreich. Teilnahmen an der March Madness galten als selbstverständlich und die Siegesquote lag bei 70 Prozent. Durch den deutlichen Sieg gegen Duke am 30. Januar 2011 haben die Red Storm wieder für Aufsehen gesorgt und mit dem neuen Coach Steve Lavin wollen sie an die alten Erfolge anknüpfen.

Geschichte

Das Jahr 1952 ist das wohl wichtigste in der Geschichte der St. John’s Red Storm. Nachdem North Carolina State, Kentucky und Illinois geschlagen wurden, konnte der Einzug in das finale Spiel um die NCAA-Krone bejubelt werden. Gegen die Kansas Jayhawks hatten der frühere All-American Bob Zawoluk und sein Team allerdings keine Chance. 63:80 hieß es am Ende der Partie, die das einzige Auftreten im Finale des Final Fours bleiben sollte. 1985 setzte es noch eine deftige Niederlage im nationalen Halbfinale gegen die Georgetown Hoyas um Patrick Ewing.

Damals schon dabei war Chris Mullin, der die Niederlage aber auch nicht verhindern konnte. Jedoch gewann der fünfmalige NBA-All Star den John R. Wooden Award für den besten Spieler der Saison. Der Goldmedaillen-Gewinner von 1992 war neben Mark Jackson der mit Abstand berühmteste und beste Spieler in der Geschichte der St. John’s Red Storm. Um die Erfolgsgeschichte der Red Storm besser auszudrücken, helfen ein paar Fakten: Mit 1686 Siegen ist das Basketballprogramm der St. John’s University das siebterfolgreichste der NCAA. Es qualifizerte sich 27 Mal für das NCAA Tournament, sechs Mitglieder der Organisation sind in der Hall of Fame zu finden und insgesamt wurden 59 Spieler in die NBA entlassen. Im Jahr 2008 feierte das Basketballprogramm 100-jähriges Jubiläum.

In Gedenken an St. John’s fallen immer die Namen Chris Mullin und Mark Jackson, die beiden erfolgreichsten und bekanntesten Spieler, die diese Universität jemals besucht haben. Mullin konnte größere Erfolge aufweisen, allerdings zogen sie zusammen im Jahr 1985 in das Final Four ein. Für die jüngeren Basketballfans sollte vor allem der Name Ron Artest eine Bedeutung haben. Bis ins Jahr 2002 waren die Red Storm konstant in der March Madness vertreten. Seitdem blieb der Erfolg aus. Die Bilanz von 2003 bis zur Saison 2009/10 beträgt 83-118, was, wie nur unschwer zu erkennen ist, nicht einmal annähernd in dem Bereich von 50% liegt. Die beiden Head Coaches Kevin Clark und Norm Roberts hatten große Probleme, ihre Teams auf die Siegerstraße zu führen. Es wurden Fehler gemacht, was zur Folge hatte, dass die St. John’s Red Storm (fast) von der College Basketball-Karte verschwunden sind.

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Photo: iccsports (Lizenz)

Diesem tristen Dasein soll aber ein Ende bereitet werden. Mit Steve Lavin warben die Verantwortlichen den ehemaligen Head Coach der UCLA an. Seine ersten Erfahrungen machte der Kalifornier als Assistent bei den Purdue Boilermakers. Daraufhin wechselte er an die UCLA und arbeitete zuerst ebenfalls als Assistent, wobei er 1995 die Meisterschaft gewann. Ein Jahr darauf wurde Lavin in seiner ersten Saison als Head Coach der UCLA zum Rookie Coach of the Year ernannt. 2001 wurde ihm dann eine noch größere Ehre zuteil, als er die Auszeichnung für den Pacific-10 Coach of the Year erwarb. Nach Ende seiner Amtszeit bei den Bruins unterschrieb er einen langjährigen Vertrag bei ABC und ESPN, um dort als NCAA-Experte zu arbeiten.

Seine Fähigkeit, talentierte Spieler anzuwerben, stand bei seiner Verpflichtung im Fokus. Hier nur ein Ausschnitt der Spieler, die er in Kalifornien an Land ziehen konnte: Baron Davis, Trevor Ariza, Matt Barnes und Dan Gadzuric. Mittlerweile spielen sieben seiner Recruits in der NBA. Wenn man seine Bilanz genauer betrachtet, wird klar, warum man ihn an der St. John’s unter Vertrag genommen hat: In sieben Jahren an der UCLA erzielten seine Bruins eine Bilanz von 145-78 und zogen bis auf eine Ausnahme immer in das NCAA Tournament ein.

Schon jetzt hat der 46-Jährige maßgeblichen Einfluss auf die Zukunft des College Basketballs an der St. John’s. Für die Saison 2011/12 hat er schon neun neue Spieler rekrutiert, darunter sechs aus der ESPNU Top 100-Liste. Hervorzuheben sind Dom Pointer (Grade: 95, SF #8), Jakarr Sampson (Grade: 95, SF #9) und Norvel Pelle (Grade: 93, PF #14). Die Liste der rekrutierten Spieler ist lang, und gespickt mit Toptalenten.

Obwohl der jetzige Kader bei Weitem nicht so talentiert ist, konnte das Team um Topscorer Dwight Hardy schon vier „gerankte“ Unis besiegen (Georgetown, Notre Dame, Duke und Connecticut). Der Sieg über Duke im Madison Square Garden war natürlich der spektakulärste und aufsehenerregendste. Nachdem Duke zur Halbzeit bereits mit 21 Punkten zurück lag, war es ein leichtes Spiel für Lavins Schützlinge. Auch der deutliche Sieg gegen Connecticut unterstrich die Ambitionen der New Yorker. Der Fokus liegt aber ohnehin auf den nächsten Jahren. Mit neuen Verstärkungen wollen sich die Red Storm endlich wieder ihren Platz in der Spitze des College Basketballs erkämpfen. Top Programme wie Duke, North Carolina, Kentucky und Kansas haben sich mittlerweile einen großen Vorsprung herausgearbeitet und eine Menge Respekt verdient. Noch hat St. John’s den Vorteil, unterschätzt zu werden. Jedoch werden die Medien und Trainer bereits vor der nächsten Saison abschätzen, wie stark dieses Team wirklich ist. Spätestens nach einigen weiteren Siegen gegen vermeintliche Contender kann sich keiner mehr auf den Überraschungsmoment verlassen.

Dass die Big East eine der besten Conferences der NCAA ist, erschwert das Vorhaben natürlich enorm. In der zweiten Hälfte der Saison geht es konstant gegen Teams wie Syracuse, Georgetown, Notre Dame, Pittsburgh, Villanova und Connecticut. Keine andere Division hat so viele Top Teams auf einmal vorzuweisen. Das wird eine weitere besonders schwierige Aufgabe für den neuen Head Coach und seine jungen Spieler.

Erfolgreiche Zukunft?

Man sollte meinen, es wären bereits mehr als genug Spieler rekrutiert, allerdings ist die Verteilung noch nicht zufriedenstellend. Die drei besten Spieler sind allesamt Small Forwards. Zwar sind sie auf ihrer Position nicht gebunden, aber es fällt auf, dass es eine klare Überbesetzung auf dem Flügel gibt. Währenddessen ist noch kein einziger Center rekrutiert worden. Momentan steht mit Dele Coker nur ein Center im Kader, allerdings ist es als Senior seine letzte Saison. Dementsprechend besteht hier noch dringender Nachholbedarf. Auch der aktuelle Starting Point Guard Paris Horne ist ein Senior.

Somit sind die beiden wichtigsten Positionen noch nicht ausreichend besetzt. Um aber zurück in die Spitze der NCAA zu gelangen, braucht es unbedingt einen guten Point Guard, der die Philosophie des Trainers aufs Spielfeld bringt und seine Mitspieler in Szene setzt. Am Beispiel North Carolina und Larry Drew konnte man sehen, was passiert, wenn dieser Zustand nicht gegeben ist. Auch der Fakt, dass Kyrie Irving nach acht Spielen verletzt ausfiel und die Duke Blue Devils seitdem nicht mehr die gleiche Gefahr ausstrahlen, unterstreicht die enorme Bedeutung eines guten Point Guards. Inwiefern Kevin Clark (Junior) und Cameron Edison (Freshman) an dieser Stelle helfen können, ist ungewiss, allerdings haben beide zumeist ein „Did not play“ im Spielberichtsbogen stehen.

Auf in den Kampf

Es wird keine leichte Aufgabe für Steve Lavin und die St. John’s Red Storm. Der Head Coach wird im Fokus stehen und seine Aufgabe mehr als gut erfüllen müssen. Es steht noch Vieles in den Sternen und am Ende wird es wahrscheinlich eine Menge an Kampf benötigen, um die hohen Erwartungen und Ziele zu erfüllen. An die Erfolge aus der Vergangenheit anzuknüpfen, sie sogar zu übertreffen, das ist der Traum, den es zu bewahren gilt. Eine Kompletterneuerung des Kaders (neun Spieler verlassen das Team) wird dem Team neue Kraft geben und mit der Unbeschwertheit vieler junger, hungriger Akteure soll die erhoffte Zukunft möglichst schnell zur Gegenwart werden.

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7 comments

  1. Julian Barsch

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    Ich bin mit den Rankings sehr zufrieden, aber Duke und San Diego State sollten nicht so weit vorne sein. Allerdings stimme ich sonst vollkommen damit überein. Insbesondere St. John’s musste endlich rein!

  2. Guwan

    Und auch von mir ein Kompliment für dich, Julian!

    Mehr solcher gelungenen Artikel bitte 😉

    Vielleicht etwas zu meinen Louisville Cardinals, die du bei den Top Teams der Big East wohl vergessen hast 😛

    Würde mich sehr freuen.

    Salve, Guwan.

  3. Julian Barsch

    Vielen Dank!

    Nächstes Mal werden die Cardinals auch einen Platz bekommen 😉
    Außerdem steht die March Madness vor der Tür und da werden wir natürlich drüber berichten. Da wird es noch einiges zu lesen geben, vielleicht auch über Louisville!

  4. Das Pfaff

    Also das war ja mal gestern eine Frechheit!
    Rutgers wurde der Sieg mit vier (4!) Fehlentscheidungen genommen…
    Tut mir sehr leid aber St. John’s hat leider meine Sympathie verloren!

  5. Julian Barsch

    |Author

    Natürlich war das unglaublich was die Schris da am Ende fabriziert haben, aber die Spieler der St. John’s können da auch nichts für… 😉

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