Draft, Oklahoma City Thunder, Phoenix Suns, Redaktions-Roundup

Redaktions-Roundup #10

Go-to-Guys heißt Euch zur zehnten Runde des Redaktions-Roundups willkommen. Diese Artikelreihe wird sich immer wieder mit aktuellen Themen rund um die NBA und NCAA beschäftigen, die keinen ganzen Artikel wert sind, aber Erwähnung finden sollten. Unsere Redakteure kommentieren das zeitnahe Geschehen kritisch und geben mitunter einen Ausblick, was sie von dem behandelten Thema erwarten.

Besser spät als nie

Harrison Barnes wurde bereits vor seiner Freshman-Saison in den Himmel gelobt. Er kam als erster Freshman in der Geschichte der NCAA der Ehre zuteil, ein Pre-Season All-American zu werden. Sowohl bei Scout.com als auch in den ESPNU 100 wurde der 18-Jährige als Topspieler seines Jahrgangs gehandelt. Viele Universitäten unterbreiteten dem Small Forward ein Stipendium, seine Wahl fiel aber letztendlich auf die University of North Carolina. Die Erwartungshaltung zu Beginn dieser Spielzeit war riesig, was sich negativ auf seine Leistung auswirken sollte. Schnell wurde klar, dass der 2.03 Meter große Barnes noch nicht so weit war. Bis zum 26. Januar diesen Jahres erzielte er 11.8 Punkte im Schnitt, was die Vermutung erhärtete, dass Barnes den Erwartungen nicht standhalten könne. Doch der Sieg gegen NC State am 29. Januar sollte der Start zur Besser-spät-als-nie-Kampagne werden. 19.4 Punkte und 6.6 Rebounds bei einer Feldwurfquote von über 50 Prozent pro Spiel sind aller Ehren wert. In dieser Phase gab es nur eine Niederlage im Duell der Rivalen gegen Duke. Ausgerechnet in diesem Spiel erwischte Barnes mit 9 Punkten keinen guten Tag, was aber auch zeigt, wie wichtig er in dieser Form für die Tar Heels ist. Dieser plötzliche Leistungsanstieg wirft aber auch Fragen auf: Sollte er mit 18 Jahre nicht noch eine zweite Saison am Chapel Hill verbringen? Kann diese Leistung jetzt konstant gehalten werden? Inwiefern wirkt sich dieser positive Trend auf seine Draftaussichten aus?

Julian Barsch: Eigentlich deutete bei Harrison Barnes alles auf ein One-and-done hin, aber mittlerweile ist es gar nicht mehr so abwegig, dass er ein weiteres Jahr für UNC aufläuft. Allerdings wäre es fatal, schon jetzt Tipps oder Prognosen abzugeben. Zuerst sollte man sehen, wie sich Barnes und seine Teamkollegen im März schlagen. Wenn er auch unter größerem Druck und landesweiten Medieninteresse diese Leistung konstant abrufen kann, ist es relativ wahrscheinlich, dass sein Weg direkt in die NBA führt. Es sei denn, die Jungs entscheiden sich, den Tar Heels treu zu bleiben und nächstes Jahr um die Meisterschaft mitzuspielen. Denn auch Big Men John Henson und Tyler Zeller haben das Ziel, gedraftet zu werden. Doch mit den für 2011 rekrutierten Spielern sollten sie einer der Contender auf den nationalen Titel sein. Die Talente James McAdoo und P.J. Hairston gehören zu dem Besten, was die Jahrgangsklasse 2011 zu bieten hat. Zusammen mit Henson und Zeller würde McAdoo eines der stärksten Big Men Trios der Liga bilden. Barnes bekommt auf dem Flügel Unterstützung von Hairston, Leslie McDonald und Reggie Bullock, außerdem spielt Freshman-Point Guard Kendall Marshall seit dem Abgang von Larry Drew II enorm stark auf. Ein Harrison Barnes in Kombination mit diesen Spielern würde sofort zu der Creme de la Creme des College Basketballs gehören.

Natürlich würde auch die Draft-Wertung wieder ansteigen, allerdings sollte keiner erwarten, dass er sofort wieder als Nummer eins in Betracht gezogen wird. Allein die fehlende Konstanz wird ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Viel wird davon abhängen, was Barnes in der March Madness fabrizieren wird. Von einem überraschenden, tiefen Run wird sein Ansehen bei den Scouts der NBA-Teams aber nur profitieren.

Ich persönlich hoffe auf eine Rückkehr von Barnes, Henson und Zeller, damit sie alle zusammen noch einmal einen Angriff auf den Titel starten können. Auch für die persönliche Entwicklung sehe ich nur Vorteile, allerdings haben alle drei, durch den schwach besetzten Draft, deutlich höhere Chancen, früh gedraftet zu werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Barnes nicht in die NBA wechselt und bei seinem Talent wird es am Ende keinen großen Unterschied machen, ob er nun dieses oder nächstes Jahr wechselt, doch viele der NCAA- und UNC-Fans würden es lieber sehen, wenn er sich gegen das Geld und für seine Entwicklung entscheidet.

Scott Brooks, Time to Change?

Die Oklahoma City Thunder sind Erster ihrer Division und auf dem Weg, ihre 50 Siege aus der Vorsaison zu wiederholen. Es wird schwierig, den Thunder den Heimvorteil in der ersten Runde noch zu nehmen, weil sämtliche dahinter platzierten Teams das ein oder andere größere Problem haben (ob Verletzungen, Tradegerüchte oder Trainerwechsel). Trotz dieser eigentlich sehr positiven Augangssituation macht sich so langsam eine Art Frust bei der Anhängerschaft breit. Frust  über zu viele Spiele, die man aufgrund mangelnder Konzentration und Leistung in der Verteidigung  entweder abgeschenkt oder nur mit Glück oder Können in der Offensive gewonnen hat. Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei Comboforward Jeff Green, der von Scott Brooks weiterhin als Starter auf der Position des Power Forwards aufgeboten wird, obwohl die Thunder regelmäßig am Anfang einer Begegnung vom Gegner vorgeführt werden. Insbesondere die eigene Zone ist alles andere als ein Sperrgebiet für den Gegner, und Jeff Green trägt durch seine Schwächen in der Mann-zu-Mann-Verteidigung und beim Rebound keinen geringen Anteil daran. Nicht ohne Grund taucht sein Name immer wieder bei Tradegerüchten auf. Ist die Zeit gekommen, die Starting-Five der vergangenen zwei Jahre auseinander zu reißen?

Fabian Thewes: Zunächst möchte ich Jeff Green ein Kompliment machen. Obwohl er gelernter Small Forward ist, hat er sich über die ganzen Jahre in OKC nie darüber beschwert, dass er sich jeden Abend in der Zone aufreiben muss. Green ging immer motiviert zur Sache und ließ niemals Einsatz vermissen. Das alleine verdient Achtung. Trotzdem muss ich die oben aufgeworfene Frage mit Ja beantworten. Die Zeit ist reif für einen Wechsel auf der 4 und dafür gibt es gute Gründe:

Die Thunder gehören zu den Teams der NBA, deren erste Fünf die Spiele im Schnitt gar verliert (-3 auf 100 Ballbesitze), was zeigt, dass bei der Besetzung etwas nicht stimmt. Wenn man Spiele der Thunder analysiert, landet man dabei letztendlich immer beim Frontcourt. Nenad Krstic ist zwar auch keine Wucht, doch ist es Jeff Green, der sich Abend für Abend gegen Leute wie Zach Randolph, Dirk Nowitzki, Pau Gasol, Paul Millsap, Blake Griffin, LaMarcus Aldridge, Kevin Love, David West, Kevin Garnett, Chris Bosh, Luis Scola oder David Lee behaupten muss und dabei meist zweiter Sieger ist. Beispielsweise holt er nur 13.7% der möglichen Defensivrebounds, zum Vergleich: bei Shooting-Guard Thabo Sefolosha sind es bereits 16.4%. Scott Brooks betont zwar, dass es die Strategie der Thunder sei, als Team die Rebounds zu holen. Doch darf dann die Frage erlaubt sein, weshalb man überhaupt zu diesen ungewöhnlichen Schritt genötigt wird. Offensichtlich, weil Teile des Teams, Green natürlich eingeschlossen, in diesem Bereich ungeheure Probleme haben und dies kompensiert werden muss.

Des Weiteren hat Jeff Green auch nicht den Körper, um im Post effektiv dagegen halten zu können. Die Power Forward Position ist – neben der des Point Guards – sicherlich die in der Breite best besetzte Position in der NBA. Dabei dann einen Spieler wie Green fast 38 Minuten pro Spiel (davon ca. 30 auf der 4) aufzubieten, könnte man als  ziemlich fahrlässig bezeichnen. Insbesondere dann, wenn mit Serge Ibaka ein Power Forward im Roster steht, der sich von seinen Anlagen her sehr viel besser mit Nenad Krstic oder Nick Collison ergänzt und damit ein geeigneterer Kandidat wäre. Seine Block- und Reboundfähigkeiten wären da zu nennen. Selbst in der Offensive ist Ibaka  kaum schlechter. Das Argument, dass Green durch seine Wurffähigkeiten besser Platz für Russell Westbrook und Kevin Durant schafft, ist ein Scheinargument. Ibaka trifft die Würfe zwischen zehn und 23 feet besser als Green, normiert auf dieselbe Spielzeit versucht er es aus dieser Distanz sogar häufiger. Allenfalls Greens Fähigkeit, mal ab und zu einen Weitdistanzwurf einzustreuen, hebt ihn von Ibaka ab. Ob seine Dreierquote von 30% dem Gegner wirklich Angst macht, darf trotzdem bezweifelt werden. Ein Wechsel auf der 4 hätte außerdem keine Umstellungsprobleme zur Folge, denn während der Verletzung von Jeff Green durfte Ibaka bereits starten. Übrigens gewannen die Thunder von diesen sieben Spielen sechs. Wie würden Sie entscheiden?

Defense! Defense!

In den ersten Saisonmonaten war die Defense der Phoenix Suns alles andere als vorzeigbar (Go-to-Guys berichtete). Doch nach ihrem Achtungserfolg letzten Freitag in Salt Lake City gegen Sloan-lose Jazz hatte man die Gegner über die letzten zwölf Spiele bei  42.4 FG%, 31.0 3FG%, 37.7 Punkte in der Zone pro Spiel und somit bei nur 92.3 PPG gehalten, was jeweils zu den besten drei Werten ligaweit gehört. Kurz: Die Suns waren in besagtem Zeitraum eines der besten Verteidigungsteams der Liga. Woher kommt der Wandel vom schlechtesten Team in Sachen defensive Effizienz zum Verteidigungsbollwerk?

Jonathan Walker: Vorweg: Die zwölf Spiele, von denen acht gewonnen wurden, waren eindrucksvoll. Doch nun müssen die Suns diese Leistung erst einmal annähernd halten. Der Grund für die starke Verbesserung am eigenen Korb sind die Neuzugänge Marcin Gortat und Mickael Pietrus. Während der dritte im Bunde, Vince Carter, offensiv zwischen Genie und Wahnsinn schwankt und defensiv ebenfalls keine Offenbarung ist, sind seine Teamkameraden mittlerweile nicht nur körperlich, sondern auch spielerisch in Phoenix angekommen. Gortat bringt regelmäßig Double-Doubles von der Bank und ist allein beim Rebounding schon ein gewaltiges Upgrade gegenüber Lopez, Frye und Warrick. Auch beim Shotblocking stellt er eine größere Präsenz dar als die genannten. In Sachen Postverteidigung war er vom ersten Tag an der beste Mann im Kader. Der Pole stopft allein schon ein großes Loch in der vormals löchrigen Defense der Suns.

Pietrus hingegen ist neben Hill und Dudley ein weiterer starker Verteidiger auf dem Flügel, zudem der athletischste des Trios. So kann er im Gegensatz zu Dudley jeden Typ Scorer auf dem Flügel verteidigen und den 38-jährigen Grant Hill entlasten. Beide Spieler geben dem Team darüber hinaus eine Härte, die es vorher schmerzlich vermissen ließ. Da Pietrus, ähnlich wie Dudley, durch seinen Dreier auch offensiv gut ins Offensivsystem passt, findet sich Carter in einer seiner Offnights schnell auf der Bank wieder, womit dann eine wandelnde defensive Schwachstelle weniger auf dem Feld ist. Außer der Verstärkung durch den Trade halfen vereinfachte Verteidigungsrotationen sowie ein allgemein verbessertes Zusammenspiel in der Defense. Letzteres ist man schon aus der Vorsaison gewohnt, wo die Suns ihre Verteidigung in der zweiten Hälfte der Saison ebenfalls auf ein Playoff-taugliches Level anhoben.

Inzwischen hat man sich im Ranking der defensiven Effizienz von Platz 30 auf Platz 25 hochgearbeitet. All das gibt im Lager der Phoenix Suns momentan Hoffnung auf das Erreichen eines Playoffplatzes, welches im Grunde auch alles andere als unberechtigt ist. Allerdings bekamen diese Hoffnungen am Sonntag direkt wieder einen Dämpfer, als die Suns zuhause gegen die Kings verloren – und dabei Werte weit abseits der Top-Performance der vorherigen Spiele zuließen. Kein Beinbruch, aber ein folgenreicher Ausreißer nach oben und in Anbetracht der Tabellensituation doppelt schmerzhaft. Die beiden verbleibenden Spiele vor dem All-Star Break gegen die Jazz und Mavericks könnten eine Vorentscheidung sein, ob noch eine Chance auf eine Wiederholung des Märchens vom letzten Jahr besteht – oder eben doch nicht.

Ihr habt Fragen?

Ihr habt selbst auch eine Frage zum aktuellen Geschehen in der NBA oder NCAA? Euch interessiert unsere Meinung zu einem Thema oder ihr wollt etwas erläutert haben? Dann fragt einfach nach. Unsere Redakteure werden versuchen, jede Frage – so sie denn ernstgemeint ist – zu beantworten. Ihr werdet namentlich in einer der nächsten Ausgaben des Redaktions-Roundups erwähnt. Ihr erreicht uns über die „Fragen und Vorschläge“-Funktion, sowie auf den Pinnwänden von Facebook oder studiVZ.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

3 comments

  1. Steffen

    Schöne Zusammenfassung. Überhaupt sehr gute Artikel auf konstant hohem Niveau in den letzten Wochen (zu der Zeit davor weiß ich leider nichts 🙂 ) … das musste mal gesagt werden. Weiter so!

  2. Jonathan Walker

    Danke für das Lob, Steffen.

    Du kannst übrigens alle unsere Artikel im Archiv finden. Entweder nach Monaten sortiert, oder nach dem Inhalt. Beides findest du auf der linken Seite. Falls dir die Artikel eines Redakteurs besonders zusagen, kannst du auch einfach auf den Namen rechts oben klicken. Da unsere Artikel oft zeitlos geschrieben sind, ist der eine oder andere sicher noch lesenswert für dich. 😉

  3. Stevo

    Erstmal ein Lob für die tollen Eintrage.

    Meine Fragen:
    Für wie wahrscheinlich haltet ihr es, dass es spätestens 2012 in New York zur nächsten Vereinigung einer Super-Troika kommt?
    Was haltet ihr davon, dass die Kings zumindest für 2011/12 nach Anaheim umziehen wollen? Eine Perspektive für die Zukunft, oder nur kurzer Marktwechsel?
    Zuguterletzt: Sind die Knicks eigentlich blöd, soviel für Anthony geben zu wollen, wenn er sowieso im Sommer wohl kommt? Denn diese Saison wird auch mit ihm nichts mehr gerissen…

Schreibe einen Kommentar