Los Angeles Clippers

Trikot wechsle dich: Kaman-Style

Es ist bald wieder soweit. Die alljährliche Version des “Bäumchen wechsle dich”-Spiels der NBA steht bevor und einige Namen kursieren wieder oder werden zum ersten Mal in den Medien der US-amerikanischen Sportseiten genannt. Dort heißt es dann immer wieder vielsagend, dass “Sources” oder sonst wer wüssten, was dieses oder jenes Team vorhabe und welche Spieler nun zu haben sein sollen. Ebenfalls geht es immer wieder heiß her und es wird erzählt, Spieler XY habe den Verein gebeten ihn doch zu Team XY zu schicken, da er es bei seinem aktuellen Arbeitgeber nicht mehr aushalte.

Seit Beginn der Saison beherrscht natürlich ein Name die Gazetten in dieser Richtung und das ist Denver Nuggets Star Carmelo Anthony, der scheinbar nicht mehr in der Mile High City bleiben und gerne an die Ostküste – bevorzugt zu den Knickerbockers aus New York – geschickt werden möchte.  Dieses Thema jedoch ist schon ziemlich ausgekaut und daher geht es heute um einen anderen Spieler, den man in Deutschland ganz gut kennt. Es handelt sich um einen deutschen Nationalspieler, der nicht Dirk Nowitzki heißt. Wir reden hier von Center Chris Kaman, der für die Los Angeles Clippers spielt, sofern er fit ist.

Die Situation der Los Angeles Clippers

Kaman, an guten Tagen ein Spieler, der locker 18 Punkte und neun Rebounds auflegen kann, scheint bei den Clippers nicht mehr so hoch im Kurs zu stehen. Nach seiner Top Saison im Vorjahr, welche mit der Berufung ins NBA All-Star Team gekrönt wurde, hat ihn mal wieder das Verletzungspech gepackt und er konnte bisher nur mickrige zehn Spiele – von 48 möglichen – für die Clippers absolvieren. Während dieser Zeit spielte sich DeAndre Jordan immer mehr ins Rampenlicht und zeigte den Verantwortlichen der Clippers auf, dass er ziemlich gut zu Franchise Spieler Blake Griffin passt, sowohl, was die Fähigkeiten als auch das Alter betrifft. Und da Jordan im Sommer auch einen neuen Vertrag haben will, ist es nur legitim, dass die Clippers sich umschauen und sehen wollen, was sie für Kaman bekommen können.

Immerhin klafft auf der Position des Small Forward noch immer ein großes Loch, das Neuverpflichtung Ryan Gomes bisher nicht schließen konnte. Auch Rookie Al-Farouq Aminu wird noch einige Zeit brauchen, bevor er sich in der Liga etabliert hat. Deswegen kursieren immer mehr Gerüchte, dass Kaman zu haben ist, sollten sich die Clippers dadurch auf dieser Position verstärken können.

Das Problem dabei?

Ganz einfach, den richtigen Spieler zu finden, der sowohl von den Fähigkeiten zu Blake Griffin und Eric Gordon passt, auch vertraglich sinnvoll wäre (immerhin muss man diesen Sommer DeAndre Jordan verlängern, wobei auch Eric Gordon eine Vertragsverlängerung fordern dürfte) und damit dem Team hilft, während er dennoch die Finanzen der Clippers nicht übermäßig strapaziert.

Mögliche Tradepartner

Schauen wir uns überblicksartig mal ein paar Möglichkeiten an, die für die Los Angeles Clippers sinnvoll wären:

Da wäre zum einen die Möglichkeit mit den Philadelphia 76ers zu traden, die ja scheinbar Andre Igoudala anbieten würden, wenn es für sie Sinn ergibt.

Chris Kaman und Ryan Gomes
für
Andre Igoudala und Spencer Hawes

Die Clippers bekämen einen Small Forward, der gut verteidigt und sich zudem am wohlsten fühlt, wenn er nicht die erste Option in der Offensive ist. Das Problem hierbei ist jedoch, dass Igoudala weder ein guter Distanzschütze ist noch mit einem Vertrag glänzt, der so einfach zu verdauen ist.

Für die Sixers wäre Kaman eine Verbesserung auf der Center Position, wo er dann, gemeinsam mit Elton Brand, einen Frontcourt bilden könnte, welcher vor einige Jahren schon einmal gut in Los Angeles funktionierte.


Zum anderen wäre da Gerald Wallace von den Charlotte Bobcats.

Chris Kaman und Ryan Gomes
für
Gerald Wallace und Eduardo Najera

Die Clippers bekommen ihren Small Forward und nehmen den bis 2012 dotierten Vertrag von Bankspieler Najera an und die Bobcats verbessern ihren Frontcourt mit Kaman und erhalten einen soliden Spieler mit Ryan Gomes.

Wie Igoudala ist Wallace jedoch auch ein Small Forward, der nicht unbedingt gut aus der Distanz werfen kann und eher zum Korb zieht, wodurch er die Räume für Griffin und Gordon nicht unbedingt vergrößern würde.


Es gäbe allerdings auch eine größere Variante:

Wie schon zu Beginn geschrieben, scheint Carmelo Anthony unbedingt aus Denver weg zu wollen. Angeblich nur in Richtung Osten, aber sollte er sich für die Clippers und eine Vertragsverlängerung in L.A. entscheiden, dann wäre dies eine Möglichkeit:

Chris Kaman, Al-Farouq Aminu, Randy Foye, Craig Smith, Rasual Butler, 2012 Timberwolves First Round Pick, 2013 Clippers First Round Pick
für 
Carmelo Anthony, Chris Anderson, Al Harrington, Renaldo Balkman

Ein absoluter “Blockbuster Deal”, wie die Amerikaner das so gerne nennen, aber für einen Spieler wie Anthony – mit Vertragsverlängerung – müsste man halt auch tiefer in die Tasche greifen.

Die Clippers wären damit ein ernstzunehmendes Team im Westen, während die Nuggets viel Geld sparen und gute Draft Picks bekommen würden, durch die sie ihren Neuaufbau einleiten könnten.


Außerdem gibt es Überlegungen, die Spieler zu den Clippers transferieren würde, deren Verträge auslaufen.

Hierbei sind zunächst die Detroit Pistons zu nennen. Diese befinden sich im Niemandsland der NBA und brauchen Hilfe unter den Brettern.

Chris Kaman und Ryan Gomes
für
Tayshaun Prince und Chris Wilcox

Die Clippers bekämen den perfekt passenden Tayshaun Prince, der jedoch einen auslaufenden Vertrag hat und im Sommer gehen könnte bzw. einfach von den Clipper verpflichtet werden könnte, wenn er wirklich für diese spielen will.

Die Pistons würden sich unter den Brettern verstärken, dabei jedoch mehr Gehalt annehmen und das ist aktuell eher schwer vorstellbar, mit dem immer noch andauernden Verkauf der Franchise.


Die Rockets haben mal wieder Yao Ming für die Saison verloren und besitzen einige interessante Spieler.

Chris Kaman für Shane Battier, Jordan Hill und Chase Budinger
Ryan Gomes für DPE, resultierend aus Yao Mings Verletzung

Das wäre also ein zweigeteilter Trade, indem erst Kaman für die drei Spieler nach Houston geht und dann auch noch Gomes, um den Clippers etwas mehr an Gehalt einzusparen und den Rockets einen Ersatz für Battier und Budinger zukommen zu lassen.

Photo: jeffbalke (Lizenz)

Shane Battier würde man, genauso wie Tayshaun Prince, die perfekte Option auf Small Forward ertraden, da er solide verteidigt, in der Offensive den Ball nicht in den eigenen Händen benötigt und seine offenen Sprungwürfe trifft, was mehr Raum für Griffin und Gordon bedeuten würde. Das Problem, genauso wie bei Prince, ist jedoch, dass auch er einen auslaufenden Vertrag hat und dadurch im Sommer ohne Gegenwert gehen könnte.

Mit Jordan Hill bekäme man noch einen guten, jungen Spieler der sowohl für Jordan als auch für Griffin den Backup mimen könnte und zudem noch einiges an Talent hat. Budinger wäre dann noch eine nette Zugabe oben drauf, die recht kostengünstig ist.

Die Rockets hätten dadurch einen richtigen Center, den sie neben Scola stellen könnten und der ihnen auch einige Punkte bringen dürfte.


Als letztes wäre dann noch die Option mit den Oklahoma City Thunder, die schon seit Ewigkeiten nach einem geeigneten Center suchen.

Chris Kaman und Ryan Gomes
für
Jeff Green, Morris Peterson, Cole Aldrich, future First Round Pick(Clippers)

Die Clippers hätten mit Green einen sehr guten Small Forward, der auch vom Alter her recht gut passt, zudem noch einen Nachwuchsmann auf den Positionen des Center und Power Forward, ihren eigenen Draft Pick zurück und noch einiges an Geld gespart.

Dieses bräuchte man im Sommer jedoch nicht nur für die Verlängerungen von DeAndre Jordan und Eric Gordon, sondern auch für Green selbst, denn dieser wird ein restricted Free Agent und dürfte, unter dem aktuellen CBA, sicherlich nicht mit weniger als fünf Jahren und ca. $40 Millionen Dollar zufrieden zu stellen sein.

Die Thunder bekämen endlich einen Center, der diesen Namen auch verdient hat, und zudem noch einen Spieler, der für Punkte unter dem Korb sorgen und dadurch Durant entlasten könnte.

Mit Ryan Gomes käme dann noch ein Spieler, der von der Bank aus kommen, beiden Forward Positionen spielen und mit seiner ordentlichen Verteidigung helfen könnte.

Fazit

Wenn man sich nun einmal die Optionen ansieht, dann muss man aus Clippers-Sicht schon festhalten, dass es zwar Möglichkeiten gibt, diese aber nicht unbedingt als perfekt anzusehen sind. Die einen sind zwar wirklich gut, aber nicht unbedingt die besten Schützen, die anderen bringen alles mit, sind aber vertraglich so aufgestellt, dass sie im Sommer schon wieder weg sein könnten und die größere Option ist sehr vage und würde eine Menge kosten.

Zu sagen ist dann natürlich auch noch, dass es die Verletzungsprobleme vom deutschen Nationalspieler erheblich schwerer machen, etwas Gutes für ihn zu bekommen. In den letzten dreieinhalb Saisons hat Kaman gerade einmal 160 von möglichen 294 Partien bestritten und gilt daher als ziemlich verletzungsanfällig. Deswegen ist es auch nicht so einfach einen adäquaten Deal abzuschließen, sofern man nicht extra noch etwas drauflegt oder längerfristige Verträge von ungewollten Spielern annimmt.

Als Fazit zu den Gerüchten um Chris Kaman ist aufzuzeigen, dass trotz all dieser Gerüchte Kaman eher nicht noch während der Saison das Trikot und damit den Arbeitgeber wechselt.

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2 comments

  1. Onur

    Super Artikel 🙂
    Allerdings würde ich den Trade mit den Thunder ausschließen, da Green, wenn auch offensiv nicht gerade überragend – muss aber auch nicht, gibt ja Durantula -, wohl kaum von Sam Presti aufgegeben wird. Immerhin ist er der “Glue Guy” der Mannschaft, gut verteidigt und Durant, sowie Westbrook super komplementiert. 🙂

    Aber wie gesagt – toller Artikel und sehr schön geschrieben.
    Grüße

  2. Fabian Thewes

    Guter Artikel.

    @Onur: Jeff Green verteidigt auf der 4 alles andere als gut. Er hat nicht die Stärke um im Post dagegen zu halten. Des Weiteren ist er ein sehr schwacher Rebounder. Ich sage nicht, dass er sich nicht anstrengen würde, denn das tut er, aber er zeigt regelmäßig, dass die Thunder ohne ihn besser spielen als mit ihm. In einer Conference mit so zahlreich guten Frontcourtspielen schadet Green mehr als das hilft, so traurig das auch klingt.

    @Autor:
    Zum Trade mit den Thunder: Dass die Thunder auch noch den wertvollen Pick der Clippers reinschmeißen sollen, finde ich ein bisschen zuviel des Guten. Wenn Kaman jetzt gezeigt hätte, dass er wieder fit ist und an alte Leistungen anknüpfen kann, würde ich es nachvollziehen. Aber so? Ein Pick der Clippers – geschützt oder nicht – gehört immer zu den wertvollsten Dingen, die du als Franchise in der Hand haben kannst, das hat die (erfolglose) Vergangenheit dieser Franchise häufig genug gezeigt. Den Pick der Thunder würde ich unter Umständen für diesen Deal noch opfern – den Pick der Clippers erst, wenn Kaman vor der Deadline noch was zeigt. Da das wohl unwahrscheinlich ist, glaube ich nicht an eine Umsetzung, die du vorschlägst.

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