Awards

Coaches Curse?

Auszeichnungen nehmen im Alltag der NBA eine übergeordnete Rolle ein, das weiß jeder. Während einer Saison finden zu jeder Zeit unzählige Diskussionen darüber statt, welcher Spieler welchen Award verdient oder eben nicht verdient hat. Wird LeBron James zum dritten Mal hintereinander zum wertvollsten Spieler der laufenden Saison gekürt? Ist Kevin Garnett oder Dwight Howard der Defensivspieler des Jahres? Es wird debattiert und diskutiert, Kandidaten gestärkt und wieder fallengelassen, unzählige Rankings erstellt, gelöscht oder wieder neu zusammengesetzt – immer der Laune und Werten eines Redakteurs ausgesetzt. Haben die Schreiberlinge das Recht, ihre Meinung auch mal kontrovers zu vertreten? Natürlich haben sie das. Außerden wäre die reguläre Saison ziemlich langweilig, wenn man nichts in dieser Art zu lesen hätte. In gewisser Weise würde ohne diese „Berichterstattung“ (in Ermangelung eines besseren Wortes) die eigentliche Wahl am Schluss der Saison wahrscheinlich keine große Akzeptanz genießen, wenn die Wähler, das heißt die Journalisten, im Laufe einer Saison ihre Vorstellungen nicht publiziert und damit irgendeine Form von Kompetenz oder kritische Auseinandersetzung mit dem Thema gezeigt hätten.

Über eine ganz bestimmte Auszeichnung wird meist jedoch gar nicht diskutiert und wenn, dann wirklich nur am Rande. Ich spiele auf die Vergabe des Coach of the Year Awards an. Die NBA ist eine Liga der Spieler, keine Frage. Insofern ist es auch nachvollziehbar, dass ESPN, Yahoo und weitere sportinteressierte Institutionen das Verlangen der Fans nach großartigen Storys über die Stars des Basketballcourts befriedigen wollen. Seitenlange Auslassungen über taktische Glanzleistungen vom Mann an der Seitenlinie sind schlicht und ergreifend nicht „mainstream“ genug, um damit breites Interesse, Klicks und damit auch Geld zu generieren. Symptomatisch ist, dass die Vergabe dieser Auszeichnung wahrlich kein Ruhmesblatt für die Kompetenz der Schreiberlinge ist, wenn man die Titelträger der vergangenen Jahre beobachtet und schaut, was aus ihnen geworden ist.

Eine Bestandsaufnahme

Was haben Avery Johnson, Sam Mitchell, Byron Scott und Mike Brown gemeinsam? Sie sind vier der letzten fünf Titelträger des Coach of the Year Awards, doch wurden sie alle spätestens ein paar Jahre später schon wieder entlassen. Da liegt die Vermutung, dass dieser Award mit einem Fluch belegt ist, gar nicht mehr so fern, wenn man davon ausgeht, dass es eine Auszeichnung für exzellentes Coaching sein soll. Denn wieso sollten sie  kurze Zeit später entlassen werden, wenn sie für ihre (scheinbar?)  exzellente Arbeit gar ausgezeichnet worden sind? Das Problem ist, irgendjemand (der Wähler) muss entscheiden, was exzellentes Coaching ist und was nicht. Möglicherweise liegt genau hier der Hund begraben. Während beispielsweise für den MVP-Award die einzelnen Kriterien immer neu diskutiert und in Frage gestellt werden, gerade auch während einer Saison, um eine Entwicklung über einem längeren Zeitraum zu beobachten und die Kriterien selbst vielleicht  auch eine Entwicklung durchschreiten, passiert in Sachen Trainer des Jahres fast nichts.  Es entsteht der Eindruck, dass es in dieser Hinsicht der Mehrzahl der wahlberechtigten Journalisten genauso wie den meisten Fans geht: Sie schreiben dieser Auszeichnung keine große Bedeutung zu, machen sich im Laufe der Saison wenig Gedanken, schauen am Ende  kurz auf die Bilanzen der Teams, vergleichen sie noch mit der Vorsaison und entscheiden sich dann spontan für einen Kandidaten. Wo ist hier die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema bereits im Laufe einer Saison?

Um sich besser klar zu machen, nach welchen Kriterien die Entscheidung getroffen  wird,  werfen wir mal einen näheren Blick auf die zwei Titelträger der letzten fünf Jahre, die entlassen worden sind: Avery Johnson und Sam Mitchell, deren Teams zwei komplett unterschiedliche Situationen unterlagen.

Season ▾CoachTmGWLW-L%
2009-10Scott BrooksOKC825032.610
2008-09Mike BrownCLE826616.805
2007-08Byron ScottNOH825626.683
2006-07Sam MitchellTOR824735.573
2005-06Avery JohnsonDAL826022.732

1. Avery Johnson (2005-2006)

Photo: NBANets (Lizenz)

Beginnen wir mit Avery Johnson, der in der Saison 2005/2006 für sein Coaching ausgezeichnet wurde. Gab es geeignetere Kandidaten? Johnson führte das Team zu einer 60:22 Bilanz, was die drittbeste Bilanz aller NBA-Teams bedeutete. Nur die San Antonio Spurs (63:19) und Detroit Pistons (64:18) schnitten besser ab. Aber wieso bekam Avery Johnson den Award und nicht seine Kollegen Larry Brown von den Pistons oder Gregg Popovich von den Spurs? Das Schlüsselwort heißt “Überraschung” und die Öffentlichkeit  liebt spannende Überraschungen. Während die Pistons nach zweimaligen Finalseinzug (darunter der Titel gegen Los Angeles 2003/2004) und die Spurs nach drei Titeln (1999, 2003 und 2005) als klare Titelfavoriten in die Saison gingen, hatten die Mavericks niemand wirklich ernsthaft auf der Rechnung, obwohl sie bereits in der Vorsaison 58 Siege in der regulären Saison erzielten. Ein weiterer Grund war, dass Avery Johnson ein absoluter Neuling auf der Trainerbank war und er es trotzdem schaffte, die angeblich “zu soften” Mavericks umzukrempeln. In der Saison 2003/2004 zählten sie noch zu den schlechtesten Defensivteams der NBA, zwei Jahre später kratzten sie in Sachen defensive Effizienz zumindest an den Top 10, während die offensive Effizienz (bestes Team) erhalten blieb. Macht dies eine Coaching-Leistung per se schon zur besten der NBA? Man könnte einwenden, dass Johnson von den defensiven Schwächen seines Vorgängers (Don Nelson) und von den aus dessen offensiver und schneller Spielweise generierten Vorurteilen profitierte. Die Mavericks zogen jedenfalls in die Playoffs ein und schlugen interessanterweise gerade die Spurs. Ob dies an Avery Johnsons strategischen Fähigkeiten lag (größere Rolle für Devin Harris gegen Tony Parker) oder an einen famos aufspielenden Dirk Nowitzki, lässt sich endgültig natürlich nicht klären. Dass er dann nach den missratenen Playoffs der beiden Folgesaisons entlassen worden ist, gehört wohl einfach zum Geschäft dazu. Heute coacht er die New Jersey Nets, bisher mit wenig Erfolg (17:37 Bilanz).

2. Sam Mitchell (2006-2007)

Die Auszeichnung von Sam Mitchell gehört sicherlich zu den zweifelhaftesten der jüngeren Historie. Die damalige 47:35 Bilanz der Raptors ist vielleicht in Anbetracht des durchschnittlichen Kaders keine schlechte Leistung, aber gerade Mitchell profitierte von diesem Überraschungsdasein seines Teams nach der miserablen Vorsaison (27:55 Bilanz) und der Tatsache, dass die Raptors Teil der Eastern Conference  sind. Die Eastern Conference gewann damals nur 42% der Spiele. Dass die 47 Siege der Raptors zum Gewinn des Divisionstitels ausreichten, belegt diesen Klassenunterschied noch zusätzlich.

Photo: kris247 (Lizenz)

Gab es geeignetere Kandidaten? Ja, die gab es. Allen voran Jerry Sloan, der es schaffte, nach dem Abgang von Malone und Stockton relativ schnell wieder das Team auf Kurs zu bringen. Die Jazz holten 51 Siege im starken Westen, holten ebenfalls den Divisionstitel. Was sprach für Mitchell und gegen Sloan? Scheinbar entschied wirklich die Verbesserung von 20 Siegen im Vergleich zur Vorsaison das Rennen. Dass Jerry Sloan im Anschluss seine Jazz noch in die Conference Finals führte und die Raptors in der ersten Runde an den Nets scheiterten, sei nur  mal so am Rande erwähnt. Man kann es wohl Ironie der Geschichte nennen, dass Jerry Sloan – einer der meistgeschätzten Trainer im Basketballsport – nie die Auszeichnung zum CotY erhielt. Möglicherweise zeigt gerade diese Tatsache am besten, dass bei der Vergabe Fehler gemacht werden und kurzfristige Erfolge ohne Beachtung des Kontextes zu hoch bewertet werden. Die Raptors gewannen in der Folgesaison jedenfalls nur noch 41 Spiele, spielten aber im Prinzip denselben Basketball mit denselben Spielern, nur mit weniger Siegen. Mitchell wurde Anfang der Saison 2008/2009 entlassen. Heute arbeitet er als Assistenztrainer bei den New Jersey Nets – unter  Avery Johnson.

3. Zwischenergebnis

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wähler ihre Entscheidung in der Regel an  vordergründig zwei unterschiedlichen Bedingungen knüpfen, die sowohl kumulativ als auch alternativ vorliegen können.

Erstens: Das Team ist die Überraschung der Saison, niemand erwartete eine gute oder überragende Bilanz, somit ist es eine Art “Cinderella Story” wie beispielsweise auch die Magic 1999/2000 (41:41 Bilanz), die ohne den verletzten Grant Hill zumindest noch eine ausgeglichene Bilanz aufstellten und in die Playoffs einzogen. Doc Rivers sicherte sich so den Award.

Zweitens: Das Team hat eine überragende Bilanz, dominiert die Liga in ganzer Breite, ein Beispiel wären die Cavs  2008/2009 unter Coach Mike Brown (66:16 Bilanz), so dass den Wählern praktisch nichts anderes übrig blieb, als diesem Coach den Titel zu geben.

Es wurde deutlich, dass gerade der Überraschungsgedanke eine zentrale Rolle bei der Vergabe der Auszeichnung spielt, ebenso eine (deutliche) Verbesserung des Teams in Sachen Bilanz. Doch ist dieser recht oberflächliche Ansatz der Richtige? Das führt zur Frage, welche Kriterien man zu Rate ziehen sollte, um zu entscheiden, welcher Trainer der geeignetere Kandidat ist.

Probleme mit Kritieren und Lösungsvorschläge

Photo: lubright (Lizenz)

Wie gerade festgestellt, richten die Wähler ihre Entscheidung vordergründig anhand ihrer Erwartungen, die sie vor einer Saison an das jeweilige Team gehabt haben. Das Problem an dieser Denkweise ist, dass Kandidaten, die nachweislich über einen längeren Zeitraum konstant gute Arbeit geleistet haben, übergangen werden. Jerry Sloan wurde schon genannt. Ein weiterer Name belegt diese Problematik möglicherweise noch stärker: Phil Jackson. Der Zen-Master gehört ohne Frage zu den besten drei Coaches der NBA-Historie, wurde jedoch nur in der außergewöhnlichen Bulls-Saison 1995/1996 (72 Siege) für seine Arbeit ausdrücklich ausgezeichnet. Wie kann das eigentlich sein? Die Auszeichnung zum Coach des Jahres scheint somit nicht auf denjenigen zu fallen, der wirklich der beste Coach ist, was interessanterweise ein starker Widerspruch zu anderen Auszeichnungen darstellt. Während beispielsweise bei der Auszeichnung zum Verteidiger des Jahres wirklich die beste Verteidigerleistung gesucht wird, ist beim CotY eine schöne, spannende oder überraschende Story gefragt. Andererseits scheint es auch sehr langweilig zu sein, immer den besten Coach zu wählen. Gerade dieser Gedankengang führt so zu mancher Ungerechtigkeit.

Das größte Problem bleibt wohl, dass die journalistische Zunft  in der Breite zu wenig Fachwissen hat, um wirklich kompetent eine Trainerleistung beurteilen zu können. Außerdem sehen sie einen Trainer nur während einer Begegnung, nicht aber in den Trainingssessions, obwohl dies unbestreitbar ebenso zu den zentralen Tätigkeiten zählt. Selbst in Auszeiten hat man trotz breiter Berichterstattung der Medien oftmals keinerlei oder nur sehr beschränkt Einblick, was dort besprochen wird, geschweige denn welcher Spielzug angesagt wird.  Das bedeutet, dass auch ein solcher fehlender Einblick in die konkrete Arbeit eines Coaches Fehler bei der Wahl begünstigt. Bei der Bewertung von Leistungen der Spieler verhält es sich  im Gegensatz dazu gänzlich anders. Da sehen wir, wie sie spielen und bewerten sie danach. Für Außenstehende ist dort die Leistungsgrundlage sehr viel greifbarer als es beim Coaching der Fall sein kann. Somit stelle ich einfach mal die Frage, ob eine Wahl durch Journalisten überhaupt zweckmäßig ist, um eine gerechte Wahl zu fördern. Ist das Wahlverfahren durch Journalisten der eigentliche Fluch des Awards? Doch welche Alternativen existieren?

1. Lasst die Spieler entscheiden?

Ein Ansatz könnte so aussehen, dass die Spieler entscheiden, welcher Trainer in einer Saison aus ihrer Sicht den besten Job gemacht hat. Die Spieler sind als “Adressat” der Arbeit des gegnerischen Trainers, der natürlich versucht, die Leistung der gegnerischen Spieler durch seine Entscheidungen zu beeinflussen, näher am Geschehen dran und garantieren so einen tieferen Einblick. Man müsste es in der Art ausgestalten, dass Spieler nicht ihren eigenen Coach wählen dürfen, sondern eine persönliche  Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 angeben, woraus dann der Coach des Jahres ermittelt wird. Einwenden könnte man jedoch, dass auch den ein oder anderen Spieler mangelnde Kompetenz und Einblick vorzuwerfen ist. Außerdem  ist der Spielplan so dicht und die Belastung beziehungsweise der Druck, der auf die Spieler  lastet, so groß, dass der etwas tiefere Einblick nicht ausreicht, um ein solches Wahlverfahren zu rechtfertigen. Bliebe noch eine andere Möglichkeit:

2. Lasst die Trainer selbst entscheiden?

Ein interessanter Vorschlag wäre es, die Trainer selbst entscheiden zu lassen, wer es aus ihrem Kreis am meisten verdient hat. Auch hier müsste man es so konstruieren, dass die Trainer nicht sich selbst wählen dürfen, sondern ausschließlich drei Namen aus anderen Teams in einer Rangfolge vorschlagen müssen, woraus dann der Sieger ermittelt wird. Wer soll eine Coachingleistung qualifizierter beurteilen können als die Protagonisten selbst? Sie sind in diesem Bereich ausgebildet und können so ein inhaltlich deutlich fundierteres Urteil fällen.

Lieber Leser, Ihre Meinung ist uns wichtig. Welche Lösung gefällt Ihnen am besten? Oder soll alles so bleiben, wie es ist? Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge.

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4 comments

  1. Matthias Drecoll

    Hey, sehr schöner Artikel, spricht mir aus der Seele. Ich hatte auf eurer Facbookseite das Thema in Bezug auf den Artikel zur MVP-Vergabe (https://go-to-guys.de/Wordpress/2010/12/22/wirklich-wertvoll/) schonmal in einem Kommentar angerissen.

    Mein Vorschlag wäre nicht nur die Wahlberechtigten zu verändern, sondern auch den Zeitpunkt. Schließlich wird bei der Fussball-WM der beste Spieler/Torwart etc. auch nicht nach der Gruppenphase gewählt, sondern erst zum Finale!

  2. Fabian Thewes

    |Author

    Matthias Drecoll schrieb:

    Mein Vorschlag wäre nicht nur die Wahlberechtigten zu verändern, sondern auch den Zeitpunkt. Schließlich wird bei der Fussball-WM der beste Spieler/Torwart etc. auch nicht nach der Gruppenphase gewählt, sondern erst zum Finale!

    Erstmal Danke für den Kommentar. 🙂

    Zur Sache: Ich würde den Zeitpunkt nicht ändern, weil aus meiner Sicht dann die Gefahr relativ groß ist, dass die Leistung des Trainers des Teams, welches den Titel gewinnt, zu hoch eingeschätzt (also überbewertet?) wird und die Arbeit von Coaches, die aus mittelmäßigen Teams vergleichbar großartiges heraus holen, schlechter gesehen wird als sie wirklich ist. Denn selbst der beste, von mir aus auch ein perfekter Trainer kann mit einem mittelmäßigen Team keinen Titel gewinnen. Außerdem sind die Awards zumindest bisher immer Awards für die reguläre Saison gewesen. Beim MVP gibt es zum Beispiel als Gegenstück für die Playoffs den Finals-MVP. Gerade die Auszeichnung zum Finals MVP unterstreicht das Problem, was ich gerade angerissen habe. Bis auf eine einzige Ausnahme (Jerry West) kam der MVP immer aus dem Siegerteam. Beim CotY könnte es genauso aussehen. Würden wir damit nicht ein neues Problem schaffen? Das einzige Element, was da entgegen steuern könnte, wäre das Modell (du befürwortest das ja auch), dass die Trainer selbst den CotY wählen, denn vielleicht ist die Haltung hier bei den Wählern – im Vergleich zu den Jorunalisten – nicht ganz so ausgeprägt. Aber selbst dann sehe ich die Gefahr immernoch gegeben. Daher würde ich den Zeitpunkt nicht ändern.

    P.S.: Phil Jackson scheint zwar den Nachteil zu haben, dass die Playoffs nicht in die Wertung eingeflossen sind, jedoch hat er ja 11 Ringe, was den Schmerz sicherlich zumindest ein wenig abschwächt. 😉

  3. Matthias Drecoll

    Mit Sicherheit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei einer nach hinten verlagerten Wahl der Trainer des Titelträgeres auch den Award bekommt. Mal davon abgesehen, dass das vielleicht gar nicht so falsch wäre, denke ich, dass bei einer Wahl durch die Trainer trotzdem auch die Leistungen der Trainer bei eher mittelmäßigen Teams berücksichtigt werden würden. Ich sehe den Vorteil einer späteren Wahl eben darin, dass auch die Ergebnisse der Playoffs (immerhin ein sehr wichtiger Bestandteil der Saison, für einige Teams gar das einzig interessante) mit einbezogen werden. So wird vermieden, dass Trainer von dominierenden Teams der Reg. Season, welche dann aber in den Playoffs versagen den Award bekommen (z.B. Mike Brown und die Cavs). Desweiteren kann das für Trainer von Überraschungsteams gar förderlich sein, denn in meinen Augen hat die Playoffserie von Scott Brooks und seinen Thunder letzte Saison gegen die Lakers ihm in seiner Anerkennung sicher nicht geschadet.

    Btw: Bei der MVP-Vergabe haben die Spieler von mittelmäßigen Teams auch nie wirklich eine Chance auf den Award…

    P.S. Es geht mir nicht um die persönliche Freude von Phil Jackson, sondern um die Veränderung der aktuellen Farce Coach of the Year, wo die wirklich guten Trainer (z.B. Jerry Sloan und Phil Jackson haben zusammen weniger Awards als das aktuelle Trainer Duo der Nets) übergangen werden 😉

  4. Fabian Thewes

    |Author

    Matthias Drecoll schrieb:
    Mit Sicherheit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei einer nach hinten verlagerten Wahl der Trainer des Titelträgeres auch den Award bekommt. Mal davon abgesehen, dass das vielleicht gar nicht so falsch wäre, denke ich, dass bei einer Wahl durch die Trainer trotzdem auch die Leistungen der Trainer bei eher mittelmäßigen Teams berücksichtigt werden würden. Ich sehe den Vorteil einer späteren Wahl eben darin, dass auch die Ergebnisse der Playoffs (immerhin ein sehr wichtiger Bestandteil der Saison, für einige Teams gar das einzig interessante) mit einbezogen werden. So wird vermieden, dass Trainer von dominierenden Teams der Reg. Season, welche dann aber in den Playoffs versagen den Award bekommen (z.B. Mike Brown und die Cavs). Desweiteren kann das für Trainer von Überraschungsteams gar förderlich sein, denn in meinen Augen hat die Playoffserie von Scott Brooks und seinen Thunder letzte Saison gegen die Lakers ihm in seiner Anerkennung sicher nicht geschadet.
    Btw: Bei der MVP-Vergabe haben die Spieler von mittelmäßigen Teams auch nie wirklich eine Chance auf den Award…

    Ich denke alles hängt von der Entscheidung ab, wie wichtig uns die RS überhaupt ist. Das jetztige System ist so aufgebaut, dass sämtliche Awards sich allein auf die RS beziehen, doch was ist falsch daran? Wenn wir einen Award auf die Playoffs hinaus ausdehnen, müssen wir es nicht bei jedem tun? Was ist daran fair, wenn ein Spoelstra nach dem Titelgewinn CotY wird, wenn er “nur” eine überragende Truppe trainieren muss, die sich zwar nicht von selbst coacht, er aber vielleicht im Zweifel mal nicht so einen guten Job machen muss wie andere Trainer, denen weitaus schlechteres Spielermaterial zur Verfügung steht? Seien wir doch mal ehrlich: Playofferfolg ist nur mit einem bestimmtem Spielermaterial möglich. Der Artikel hat belegt, dass mit dem jetztigen System insbesondere Überraschungsteams privilegiert werden. Wenn wir deine zeitliche “Reform” umsetzen, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass gute Playoffteams und Contender privilegiert werden. Ist das wirklich besser? Für mich ist es das Ersetzen eines Problems durch ein anderes.

    Daher macht es aus meiner Sicht mehr Sinn, zunächst zu versuchen, die journalistische Wähler durch die Trainer zu ersetzen. Möglicherweise reicht das ja schon aus, um bestimmte “Fehler” im Wahlverhalten zu minimieren, um Fälle wie Sam Mitchell auszuschließen? Vielleicht wäre Mike Brown von den Coaches gar nicht zum CotY gewählt worden. Warum komplizierter machen, wenn man die Ziele auch in weniger Schritten umsetzen kann? Diesbezüglich gehen wir beide auf zwei unterschiedlichen Wegen an die Sache: Du möchtest sozusagen “an der Wurzel anpacken”, durch die zeitliche Verschiebung die Defintion des Awards (gemeinst ist: Award nicht nur für die RS) verändern. Ich möchte nicht so tief ansetzen, sondern nur das Verfahren verändern.

    Falls sich herausstellen würde, dass ein einzige Reform im Wahverfahren nicht ausreicht, könnte man ja immernoch entscheiden, weitere Schritte einzuleiten oder nicht?

    P.S. Es geht mir nicht um die persönliche Freude von Phil Jackson, sondern um die Veränderung der aktuellen Farce Coach of the Year, wo die wirklich guten Trainer (z.B. Jerry Sloan und Phil Jackson haben zusammen weniger Awards als das aktuelle Trainer Duo der Nets) übergangen werden

    Deswegen habe ich ja auch diesen Artikel geschrieben. 🙂 Meine Worte im “P.S.:” waren nur ein kleiner Hinweis darauf, dass mir gestern noch klar geworden ist, dass im Ring für den Coach ebenfalls eine Art Coaching-Auszeichnung steckt, denn nicht ohne Grund bekommen ja nicht nicht die Spieler einen Ring (egal tief der Platz in der Rotation ist), sondern auch ausdrücklich die Trainer und das wohl ganz bewusst. Als ich den Artikel schrieb, war ich noch nicht auf diesen Gedanken gekommen, aber ich denke dass es sich genau so verhält. Damit hätten wir also eine Art indirekte Coachingauszeichnung für die Playoffs. Schade ist natürlich, dass Trainer, die ihre möglicherweise schlechtplazierten Teams ins Finale führen (und vorher nach der RS nicht CotY geworden sind) leer ausgegangen sind, obwohl man dann vielleicht annehmen könnte, dass sie die beste Coachingleistung gebracht haben. Aber welches System ist perfekt? Letztendlich passieren immer wieder Ungerechtigigkeiten bei einer solchen Wahl, eine 100%ige Akzeptanz eine Wahlentscheidung kann es nie geben, weil es sich eben um Meinungen handelt. Das Ziel kann es nur sein, “offensichtliche Fehler” zu minimieren.

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