Denver Nuggets, Draft, Portland Trail Blazers, Redaktions-Roundup

Redaktions-Roundup #9

Go-to-Guys heißt Euch zur neunten Runde des Redaktions-Roundups willkommen. Diese Artikelreihe wird sich immer wieder mit aktuellen Themen rund um die NBA und NCAA beschäftigen, die keinen ganzen Artikel wert sind, aber Erwähnung finden sollten. Unsere Redakteure kommentieren das zeitnahe Geschehen kritisch und geben mitunter einen Ausblick, was sie von dem behandelten Thema erwarten.

This was Sparta

Die Spartans der Michigan State University sind eines der stolzesten und erfolgreichsten Basketballprogramme der letzten Jahre. Seit 1998 nahm man jedes Jahr am NCAA-Tournament teil und errang über diesen Zeitraum eine Meisterschaft und insgesamt sechs Final-Four-Teilnahmen. Auch in der letzten Spielzeit kam die Truppe von Coach Tom Izzo unter die letzten vier Mannschaften des „Big Dance“. Ein Ende der Erfolgsstory war nicht in Sicht. Auch für diese Saison wurden die Spartans als eines der besten Teams der NCAA angesehen und von vielen Experten sogar an Position 2 der Pre-Season-Polls geführt. Nach nun 23 Spielen stehen aber schon 10 Niederlagen auf dem Konto von Michigan State. Dies ist eine sportliche Talfahrt, die am letzten Sonntag in einer bösen 56-83 Klatsche gegen den Conference-Konkurrenten Wisconsin gipfelte. Deshalb muss die Frage gestellt werden: Können die Spartans diese Saison noch einmal das Ruder herumreißen und einen Platz im Tournament ergattern? Oder ist dieser Zug nun abgefahren?

Tobias Berger: Für mich ist Michigan State diese Saison ganz klar nur noch NIT-Material. Dem Selection-Committee fehlen ganz einfach die Argumente, um eine Einladung der Spartans zum Tournament zu rechtfertigen. Auf der Habenseite stehen nur drei Siege gegen gute Teams. Man bezwang Washington, Minnesota und Wisconsin. Allerdings waren all diese Spiele zu Hause im Breslin Center und damit weniger wertvoll als auf des Gegners Parkett errungene Wins. Gegen andere gerankte Mannschaften wie Syracuse, Texas oder Connecticut verlor man ausnahmslos und konnte keinen weiteren Achtungserfolg landen. Man hat also schon wenig, was für eine Einladung spricht. Schlimmerweise spricht noch viel mehr dagegen:

Nach nun elf Spielen in der Big Ten Conference verließ man schon ganze sechs Mal als Verlierer den Platz. Das ergibt dieselbe Conference-Bilanz, wie sie der nächste Gegner aus Penn State aufweist. Dies spricht nicht unbedingt für die Qualität von MSU. Hinzu kommt, dass die Formkurve der Spartans seit Mitte Januar sprichwörtlich in den Keller gefallen ist. Aus den letzten sechs Spielen konnte man lediglich eins für sich entscheiden. Darunter unter anderem die oben schon angesprochene Klatsche gegen Wisconsin und eine noch viel peinlichere, herbe Niederlage gegen Iowa. Eine Mannschaft, die noch nicht einmal eine positive Bilanz über dieses Jahr aufweisen kann.

Um noch einmal eine Chance auf das Tournament zu haben, müsste MSU wohl ab jetzt jedes weitere Spiel der Saison (inklusive Partien bei Ohio State, Minnesota und gegen Purdue) gewinnen und wäre selbst dann auf ein extrem wohlwollendes Komitee am Selection Sunday angewiesen, welches noch den Final-Four-Ritt aus dem Vorjahr im Kopf haben müsste. Oder aber man gewinnt das Conference-Tournament am Ende der Saison, setzt sich gegen alle anderen Konkurrenten aus der Big Ten durch und qualifiziert sich direkt für den „Big Dance“. Beides halte ich für nahezu ausgeschlossen. Michigan State blüht das selbe Schicksal, welches North Carolina letztes Jahr ereilte: das NIT!

LMA 2.0

Sein Sprungwurf ist gut, allerdings ist sein Spiel zu soft. Neben der Toughness fehlt die Masse und die Fähigkeit, Rebounds am Fließband zu sammeln. Das Talent ist vorhanden, allerdings muss er es umsetzen. Es wurde viel über LaMarcus Aldridge gesprochen, die Erwartungshaltung war hoch. Jeder erhoffte sich eine Menge von dem 2.11 Meter großen Power Forward. Neben Brandon Roy blieb ihm immer nur die Rolle als zweite Geige, für die er aber eigentlich wie geschaffen war. Trotzdem blieb er hinter den Erwartungen zurück, konnte nicht umsetzen, was man ihm zutraute. Den Sprung auf das nächste Level blieb ihm verwehrt, bis jetzt! Während der Abstinenz von Brandon Roy stieg die Leistung des Texaners stark an. 21.6 Punkte und 9.1 Rebounds pro Spiel bedeuten Career-Highs. Die letzten fünf Spiele waren bezeichnet für die enorme Entwicklung, die Aldridge genommen hat: 26.8 Punkte (darunter zwei Spiele mit 40 oder mehr Punkten), 9.6 Rebounds und zwei Blocks legte der 25-Jährige im Schnitt auf. Dass die Blazers aus den letzten fünf Spielen nur die drei gewinnen konnten, in denen Aldridge 20 Punkte oder mehr erzielt hat, ist ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig er für das Team ist. Er durfte sich sogar berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme am All Star Game machen, doch leider waren die Trainer nicht der Meinung, dass er es verdient hätte. Jedoch ist alleine die Tatsache, dass sein Name mehrmals in dieser Diskussion gefallen ist, ein großer Fortschritt.

Julian Barsch: An diesem Punkt ist aber die Frage, ob Aldridge die erste Option in einem Team sein kann, das mehr als nur die erste Runde der Playoffs erreichen will. Genau das denke ich nicht. Für die Blazers wäre es von größerer Bedeutung, wenn ein Center (wie zum Beispiel Greg Oden), der unter dem Korb punktet und Platz für seine Mitspieler schafft, vorhanden wäre. Davon würde Aldridge profitieren und solch ein Big Men-Tandem wäre nur sehr schwer aufzuhalten. Vor allem defensiv wird Hilfe in der Zone benötigt. Die notwendige Präsenz lässt LMA aber vermissen und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er diese im Laufe seiner Karriere noch entwickelt. Dennoch ermöglicht dieser Leistungsanstieg neue Variationen für Nate McMillan und seine Schützlinge, außerdem hilft es, die Verletzungen einigermaßen aufzufangen.

Wie es in Oregon weitergeht, ist ungewiss. Klar, das Team hat Talent und ist jung. Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft. Doch dieses Prädikat prangt schon seit Jahren über der Franchise und die Leistungsträger haben, insbesondere aufgrund von Verletzungen, einen Rückschritt gemacht. Doch die Entwicklung des LaMarcus Aldridge macht Hoffnung und vielleicht schauen die Bewohner Portlands ja doch in eine erfolgreichere Zukunft.

Carmelo Endstory – bitte

Die Gerüchte reißen einfach nicht ab: Carmelo Anthony sollte laut irgendwelcher „Quellen“ in einem Trade zu den Los Angeles Lakers verschifft werden, wobei die Denver Nuggets im Gegenzug Andrew Bynum erhalten sollten. Das Management der Lakers dementierte umgehend diesen Trade und zeigte an, dass Bynum nicht getradet wird. Da man von den letzten Transaktionen der Lakers im Vorhinein nichts in der Presse lesen konnte, entspricht das Statement des Front Offices wohl der Wahrheit.

Die letzte Eilmeldung berichtet darüber, dass Carmelo Anthony doch eine Extension in Denver unterschreiben würde, wenn man keinen Deal bis zur Trading Deadline finalisieren könnte. Hierbei spielen wohl vor allem monetäre Absichten Anthonys mit hinein. Eine Extension würde Anthony drei weitere Vertragsjahre mit einem Gehalt von insgesamt bis zu 65 Mio. Dollar einbringen, sollten die bestehenden Verträge im CBA unangetastet bleiben.

Dennis Spillmann: Die schlimmste Farce der Saison (vielleicht zusammen mit dem Brief Dan Gilberts) geht in eine weitere Etappe. Das Melo-Drama erreicht seine Klimax, indem ein potenter Contender angeblich in das Rennen um den Small Forward einsteigt. Letztlich wird sich auch diese Geschichte als ein (Internet-)Gerücht herausstellen. Zum einen wird die Tradepolitik der Los Angeles Lakers nie publik, bis eine Meldung erscheint, die einen endgültigen Trade bekanntgibt. Zum anderen wäre so ein Trade für die Lakers sportlich auch nicht sinnvoll. Bynum ist sicherlich der Spieler mit dem geringeren Gesamt-Impact und – nimmt man noch die Verletzungsanfälligkeit hinzu – damit ein schlechterer Spieler als Carmelo Anthony. Allerdings haben die Lakers ihre Scoring Option auf dem Flügel mit Kobe Bryant bereits. Inside ist dies Pau Gasol. Um ein funktionierendes Teamkonstrukt zusammenzustellen, ist ein Defensivanker, der zudem gut reboundet, blockt und vorne über raffinierte Post Moves verfügt, einfach wichtiger als ein weiterer Elite-Scorer auf dem Flügel. Die Lakers müssten sich zudem erst wieder finden und würden zu so einem späten Zeitpunkt einen eventuellen Threepeat wohl eher nicht gefährden wollen.

Ich bin des gesamten Theaters um Carmelo Anthony überdrüssig. Es interessiert mich schlicht auch nicht mehr, was nun mit Anthony passiert. Geht er nach New York? New Jersey? Bleibt er gar in Denver? Mir ist es letztlich egal. Diese Omnipräsenz in den Medien ist weder gute Promo für Melo noch für die NBA. Die vergangene Offseason bzw. die Vorbereitung auf diese war schon anstrengend genug, aber Carmelo toppt gar dies. Während es bei der Spekulation der vergangenen Saison zumeist nur Indizien dazu gab, ob und wenn ja, wohin LeBron James, Dwyane Wade und Co. wechseln, gibt es bei Anthony gefühlt so viele Tradevorschläge wie zur sonstigen gesamten NBA. Die Trading Deadline ist nur noch die Melo Deadline. Die Einseitigkeit und Fokussierung auf dieses eine Thema ist ermüdend. Ich werde keine weiteren Meldungen zu dieser Thematik verfolgen.

Ihr habt Fragen?

Ihr habt selbst auch eine Frage zum aktuellen Geschehen in der NBA oder NCAA? Euch interessiert unsere Meinung zu einem Thema oder ihr wollt etwas erläutert haben? Dann fragt einfach nach. Unsere Redakteure werden versuchen, jede Frage – so sie denn ernstgemeint ist – zu beantworten. Ihr werdet namentlich in einer der nächsten Ausgaben des Redaktions-Roundups erwähnt. Ihr erreicht uns über die „Fragen und Vorschläge“-Funktion, sowie auf den Pinnwänden von Facebook oder studiVZ.

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3 comments

  1. Hassan Mohamed

    @Tobias

    Was waren die Gründe, weshalb die Spartans vor der Saison so hoch einschätzt worden sind? War es in Deinen Augen zu dem Zeitpunkt bereits unberechtigt oder spielen sie derzeit einfach nicht ihrem Talent entsprechend?

    Zum Anthony-Beitrag:

    Ich frage mich, wieso Anthony gesagt haben soll, dass er die Extension vielleicht doch unterschreibt, falls er nicht getradet wird? Welchen Vorteil gewinnt er dadurch? Damit macht er die Sache doch nur noch komplizierter (falls es denn tatsächlich seine Worte gewesen sind; der Presse muss man ja leider immer mit einer gewissen Skepsis entgegentreten). Die Aussage wäre absolut kontraproduktiv!

    Der einzige “Grund”, der mir einfällt, wäre ein “Image-Ding”. Wenn er die Aussage nicht getätigt hätte, die Nuggets ihn über die Deadline hinaus behalten und er dann die Extension unterschrieben würde, käme der Vorwurf der Gier (nach Geld). Mit dieser Aussage würde er dem entgegenwirken. Ansonsten sehe ich keine Vorteile für diese Aussage…

  2. Tobias Berger

    |Author

    @ Hassan

    Viele Experten schätzten MSU so hoch ein, weil sie als Final-Four-Team zur nächsten Saison quasi nur den Abgang des Senior Forwards Raymar Morgan zu beklagen hatten und somit nur einen Rotationsspieler ersetzen mussten. Kein zu schwieriges Unterfangen, wenn man sich ansieht, dass Morgan jetzt in Israel spielt und nicht in der NBA (auch wenn er für die Wizards in der Summerleague antrat). Hinzu kam, dass die Spartans ihren Run im Tournament ab der zweiten Runde ohne ihren besten Spieler Kalin Lucas vollführt haben, der sich gegen Maryland verletzte. Lucas stand zur neuen Spielzeit wieder gesund zur Verfügung. Rein vom Papier her hat diese Preseason-Bewertung also schon Sinn gemacht.

    Nur hat man ausgeblendet, dass der Ritt durch das NCAA-Tunier etwas glücklich war. Man kann sich ja mal alle Spiele vom Ergebnis her ansehen. Zum einen ging man dem Mitfavorit Kansas aus dem Weg und hatte im Sweet Sixteen “nur” Northern Iowa vor der Brust. Zum anderen errang man ansonsten nur knappe Siege gegen mittelmäßige Teams. Alle gewonnenen Tournamentspiele gegen New Mexico State, Maryland und Tennessee waren One-Possession-Games. Außerdem fehlt es MSU ein wenig an Toptalent. Keiner der Spartans wird dieses Jahr in der ersten Runde gehandelt.

    Dennoch könnte das Team besser sein. Das Tournament ist bei dem Kader eigentlich ein Muss. Coach Izzo sollte sich da einiges an Kritik gefallen lassen.

  3. Tobias Berger

    |Author

    http://basketball.realgm.com/wiretap/211734/Korie_Lucious_Picks_Hoiberg_Iowa_State

    Bei MSU brennt weiterhin der Baum. Da man gegen Ohio State und Purdue Niederlagen einstecken musste, ist man dem Tournament keinen Schritt näher gekommen.

    Und jetzt will auch noch ein verdienter Spieler die Spartans verlassen. Korie Lucious, Starter im letztjährigen Final Four, transferiert lieber zu den Iowa State Cyclones als weiter unter Tom Izzo zu spielen. Deren Coach Fred Hoiberg habe wohl mehr Verbindungen zur NBA.

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