Dallas Mavericks

Des Butlers letzte Dienstleistung?

Eigentlich ist die Führungsriege der Dallas Mavericks nicht für ihre Geduld bekannt. Sobald General Manager Donnie Nelson und Besitzer Mark Cuban eine Möglichkeit sehen, die Mannschaft zu verstärken, wird keine Mühe und Geld gescheut, die Hebel in Bewegung zu setzen, um mit einem verbesserten Team angreifen zu können. Nach dem Scheitern in den Western Conference Finals 2002/2003 wurde die Struktur erfolgreich durch die Verpflichtungen von Antawn Jamison und Antoine Walker auseinandergerissen und nach der erfolgreichsten Regular Season der Vereinsgeschichte 2006/2007, mit anschließendem Playoff Aus in Runde 1, erhoffte man sich den nötigen Schritt Richtung Championship durch einen Tausch von Devin Harris gegen Jason Kidd. Mit dem verletzungsbedingten Saisonende Butlers und einer darauffolgenden Niederlagenserie, bei der die Mavericks ohne Nowitzki und Butler nur zwei von acht Spielen gewinnen konnten, sahen viele Beobachter schon einen Folgetrade als sicher. Schließlich galt Butler, mit seinem auslaufenden Vertrag, schon seit Saisonbeginn als Trade Asset, insbesondere seitdem Chandler, der eigentlich als neuer „Dust Chip“ geholt wurde, überzeugen konnte. Weshalb wird dennoch gezögert und wer sind die Alternativen auf dem Tauschmarkt?

Ist ein Trade notwendig?

Offensichtlich ist die Führungsriege der Mavericks nicht davon überzeugt, handeln zu müssen. So katastrophal die Bilanz der Mannschaft während des Ausfalls der beiden Starting Forwards auch war, sieht man die Ursache weniger im Ausfall von Butler. Nach dessen Operation und dem (vermutlich) damit verbundenen Saisonende, ließ Cuban verlauten, man werde erst warten, bis die Verletzten Rodrigue Beaubois und Dirk Nowitzki wieder fit sind und schauen, ob dieses Team erfolgreich spielen kann, bevor irgendwelche Trades vollzogen werden. Natürlich kann dies auch als Bluff gesehen werden, schließlich spricht recht wenig dafür, dass das Team trotz des Ausfalls des drittbesten Scorers weiterhin mit den Ligabesten mithalten kann. Dennoch gibt es gute Gründe dagegen.

Butler passte nicht ins Offensiv-System der Mavericks, dass neben Kidd ein ausgeprägtes Spiel abseits des Balles verlangt. Weder schaffte er es gut, sich durch Cuts leichte Punkte in Korbnähe zu erarbeiten, noch zog er wirklich viele Freiwürfe oder versenkte genügend Dreier, um wirklich effizient zu sein. Trotz steigender Formkurve schien der Offensivfluss immer ins Stocken zu geraten, sobald der Small Forward den Ball bekam. Das Isolationsspiel, in dem er sich am wohlsten fühlt, war ähnlich schwach wie schon letzte Saison und trug seinen Teil zur Berechenbarkeit der mitteldistanzlastigen Offensive der Mavericks bei. Sein schwaches Offensive Rating von 99 in einem Team, dessen Rating 107.8 beträgt, deutet darauf hin, dass Caron Butler seiner Rolle offensiv nicht gerecht wurde. Die Defensivarbeit war unbestreitbar gut, wird jedoch von Shawn Marion und DeShawn Stevenson aufgefangen werden können. Die Verpflichtung von Peja Stojakovic gibt dem Kader noch etwas Größe auf dem Flügel, wodurch der 1,96m große Stevenson sich nicht ständig gegen den größeren Flügelspieler aufreiben muss. Nowitzki, der nun wieder häufiger isoliert werden kann, und der zurückkehrende Rodrigue Beaubois werden große Teile der Scoring-Verantwortung Butlers übernehmen können.

Geht man nun, so wie das Management der Mavericks, davon aus, dass man ohne Butler weiterhin gut spielen kann, fällt es schwer, das entstandene Teamgefüge wieder auseinanderzureißen. Besonders Dallas hat in den letzten Jahren erfahren müssen, welche Folgen kurzfristige Mid-Season-Trades für die darauffolgenden Playoffs hat. Im letzten Jahr scheiterte man in der ersten Runde mit zwei ausgetauschten Rotationsspielern, bereits zwei Jahre davor hatte der Tausch von Harris gegen Kidd das gleiche Ergebnis zur Folge. Ein Trade zu einem so späten Zeitpunkt wird erst dann vollzogen, wenn man sich mit diesem Trade entweder langfristig verstärken kann, oder schon in dieser Saison, dafür aber deutlich.

Trotzdem haben die Verantwortlichen schon verlauten lassen, sich weiterhin umzusehen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man das Alter der wichtigsten Spieler betrachtet. Nowitzki, Marion, Terry und Kidd sind alle schon in den Dreißigern und werden Jahr für Jahr Leistung abbauen, weshalb jedes erfolglose Jahr als ein verlorenes angesehen werden kann. Da auch an Talenten, bis auf Beaubois, nichts Nennenswertes im Kader zu finden ist, muss versucht werden, das Beste aus der derzeitigen Generation rauszuholen. Durch das Auslaufen des Vertrages von Butler geht womöglich eine letzte große Chance verloren, sich entscheidend zu verstärken, da mit Chandler, der ebenfalls einen auslaufenden Vertrag besitzt,  langfristig geplant wird. Einzig der Vertrag von Jason Terry bliebe damit als Verhandlungsmaterial übrig, der wiederum in der kommenden Saison ausläuft.

Zusammengefasst bedeutet dies Folgendes: Die Mavericks fühlen sich durch den Ausfall Butlers erstmal noch nicht gezwungen zu handeln, da man offensichtlich davon ausgeht, diesen Ausfall abfangen zu können. Trotzdem ist man sich bewusst, dass es mit dem jetzigen Kader nicht für den ganz großen Coup reichen wird. Deshalb hält man die Augen offen und bemüht sich um sinnvolle Verstärkungen, die bereits dieses Jahr helfen können.

Wer sind die Trade-Kandidaten?

Ein Spieler, der direkt einen positiven Einfluss auf das Spiel von Dallas von haben soll, muss ins Konzept des Offensivsystems passen. Mit Kidd als primären Ballführer haben die Mavericks eine Offensive auf die Beine gestellt, die vor allem aus viel Ballbewegung besteht. Damit eine gute Eingliederung entstehen kann, sollte der Butler-Ersatz seine Stärken im Off-Ball Spiel haben und gleichzeitig auch den Ball effizient verwerten können. Denn trotz des guten Starts in die Saison liegen die Mavericks nur im Mittelfeld, wenn es darum geht, eine effiziente Offensive zu spielen. Zudem sollte man davon ausgehen, dass Cuban bereit ist, das nötige Kleingeld zu bezahlen, und schlechte Verträge aufzunehmen, um den anderen Teams einen Tausch auch schmackhaft zu machen. Das gilt allerdings nur für Trades, welche die Mavericks sofort und zweifellos verbessern würden. Seit einigen Wochen geistern nun in Trade-Gerüchten die Namen einiger Wing-Spieler, die als möglicher Ersatz gehandelt werden. Go-to-Guys wirft einen Blick auf die Tauglichkeit dieser und auf die Wahrscheinlichkeit eines Trades.

Wer könnte helfen?

Gerald Wallace

Für Wallace spricht eindeutig seine Fähigkeiten abseits des Balles. Seine Verteidigungsarbeit ist wertvoll in der On- als auch Off-Ball Defense und sein ausgezeichnetes Rebounding würde den Mavericks vor allem in der Verteidigung helfen. In der Offensive genügen ihm wenige Ballbesitze (im Schnitt knapp 21% Usage Rate), in denen er effizient den Abschluss finden kann. Dabei bekommt er den Ball meist in der Bewegung und zieht Freiwürfe oder schließt unterm dem Korb ab. Sein Distanzwurf ist zwar nicht gut, wird aber auch nur spärlich eingesetzt, da er sich dessen bewusst ist. Zudem kann er auch als Power Forward spielen, wodurch eines der Probleme der Mavericks gelöst wäre. In der aktuellen Saison erzielen die Bobcats 6 Punkte mehr pro 100 Possessions als ohne ihn, obwohl er bisher eher schwach spielt. Das zeigt, dass er in seiner Rolle, die er auch in Dallas ausfüllen soll, für seine Mannschaft produktiv sein kann.

Vor einigen Wochen kursierte das Gerücht, dass die beiden Parteien über einen Tausch von Butler, Draftpicks oder Dominique Jones für Gerald Wallace diskutieren. Da es letztendlich zu keinem Deal kam, muss davon auszugehen sein, dass die Bobcats dies ablehnten. Doch auch wenn Verhandlungspartnern erzählt wird, dass weder Jackson noch Wallace für einen Salary Dump zu haben ist, halten sich Gerüchte, dass Owner Michael Jordan einen der beiden in einem Deal loswerden will, der Gehaltseinsparungen bringt. Bei dem Angebot aus Dallas würde die Franchise aus Charlotte direkt mindestens zwei Jahre Gehalt aus Wallaces Vertrag sparen. Ob man aber die wichtigste Stütze des Teams, der einen fairen Vertrag besitzt, abgeben will und damit für die kommenden Jahre die Playoffteilnahme aufgibt, ist fraglich.

Tayshaun Prince

Prince ist zwar kein effizienter Scorer, wie es Wallace ist, spielt aber ebenso gut Off-Ball. Seine Usage Rate ist seit Beginn seiner Karriere unter 20% (mit Ausnahme von dieser Saison), er kann aber dennoch, wenn es nötig ist, im 1 gegen 1 punkten. Als Veteran weiß er, wie er seinem Team am besten helfen kann, was sich auch in seinen +/- Werten der letzten Jahre niederschlägt. Neben seinem soliden Distanzwurf ist er auch in der Lage, die stärksten Wing Spieler zu verteidigen und begeht mit dem Ball, wie abseits des Balles, kaum Fehler.

Aus der Sicht der Mavericks ist Prince besonders interessant aufgrund seines Vertrages. Dieser läuft ebenfalls in dieser Saison aus, weshalb ein Tauschgeschäft für Dallas mit keinerlei Risiko verbunden wäre. Um den Pistons einen Tausch Prince gegen Butler schmackhaft zu machen, müsste allerdings noch ein kommender Draft Pick hinzu. Detroit, die mit Prince ohnehin nicht verlängern werden, hätte deshalb Geld gespart und gleichzeitig die Möglichkeit auf ein neues Talent. Ein kleiner Trade, der beiden Seiten helfen würde.

Wer könnte nicht helfen?

Stephen Jackson

Jax vermag es weder Off-Ball zu spielen, noch effizient zu scoren. Wäre das nicht schon schlimm genug, fühlte er sich in jedem Team, in dem er bisher spielte, als erste Option. Seine Karriere-Usage-Rate beträgt 24,5% und war in keiner seiner Spielzeiten an einem Wert angekommen, der ihn effizient und für sein Team produktiv machen konnte. Hätte er diese Macke nicht im Kopf, könnte er mit seiner guten Verteidigung und seinem guten Dreipunktewurf durchaus helfen. Allerdings ist es im Alter von 32 Jahren durchaus zu bezweifeln, dass ein Spieler eine derartige Lernentwicklung zeigt, die es brauchen würde, um aus Jackson einen passenden Fit für die Mavericks zu machen.

Die einzige Möglichkeit, dass es zu einem Deal mit den Texanern kommen könnte, wäre also in Verbindung mit Gerald Wallace. Dafür müsste zumindest Jason Terry in den Deal miteingebunden werden. Da auch Jacksons Vertrag noch drei Jahre lang läuft, müsste Mark Cuban sein Portmonee ganz weit öffnen, was ziemlich unwahrscheinlich ist, bei einem Upgrade, das höchstens marginal vorhanden sein wird.

Andre Iguodala

Da über den Shooting Guard der Sixers gesagt wird, er sei in seiner Paraderolle, wenn er als zweite oder dritte Option agieren darf,  kann man oberflächlich sagen, dass Iguodala ein guter Fit sei. Allerdings spielt „AI“ nicht erst seit dieser Saison in genau dieser Rolle und kann bisher kaum positiven Einfluss auf die Teamoffense vorweisen. In der aktuellen Saison hat er die siebthöchste Usage Rate seines Teams, das jedoch ohne ihn auf dem Platz offensiv mehr Punkte erzielt als mit ihm. Ähnliches konnte man in den Spielzeiten beobachten, als Andre Miller mit ihm auf dem Platz stand. Dabei ist Iguodala wirklich am besten in eben jener Rolle, nur scheint er damit keinen positiven Effekt zu haben. Er vermag es nicht effizient zu punkten, da er weder aus der Distanz werfen kann noch durch Off-Ball Bewegung zum Korb agieren kann.

Zwar kann man durchaus davon ausgehen, dass der Shooting Guard die Mavericks verbessern könnte, allerdings nicht in der Form, die es rechtfertigt, Andres Vertrag zu finanzieren. Da dieser vermutlich noch vier Jahre läuft, wären die Kosten für Owner Cuban zu hoch, für einen direkten Tausch Butler gegen Iguodala.

Richard Hamilton

Dass Hamilton überhaupt auf einer Liste der möglichen Kandidaten steht, ist seinem schlechten Vertrag geschuldet, den die Pistons in der ganzen Liga anbieten. Viele werden denken, dass „Rip“ mit seiner Art, abseits des Balls um Blöcke zu laufen, gut zu den Mavericks passen wird. Eigentlich täuscht das nur darüber hinweg, dass er nur mittelmäßig gut abschließen kann und dafür auch eine große Zahl an Ballbesitz braucht (Karriere Usage Rate von 26,9%). Selbst zu seinen besten Zeiten erreichte sein Spiel nur durchschnittliche Quoten, mittlerweile sind selbst diese gesunken. Auch in den anderen Bereichen bringt er Dallas keinen Mehrwert, da er weder verteidigen kann noch eine Lücke im Kader schließt. Für diejenigen, die der Meinung sind, dass ein Tausch Butler für Hamilton besser ist als nicht zu handeln, dem muss vor Augen geführt werden, dass Cuban in diesem Fall mehr als 12 Millionen Dollar (plus die entsprechenden Luxury Tax Summen) über die folgenden beiden Spielzeiten aus eigener Tasche draufzahlen müsste. Selbst wenn er annimmt, dass Hamilton ein Upgrade darstellen würde, wären Mehrausgaben in dieser Größenordnung nicht einmal vom spendierfreudigen Owner der Mavericks zu erwarten.

Ist Carmelo Anthony eine Option?

Vermutlich nicht. Ohne Zweifel wäre ein Spieler der Klasse eines Anthony eine Verstärkung, doch hier stellt sich die Frage der Realisierbarkeit. Selbst wenn man ein entsprechendes Paket aus Talent und auslaufendem Vertrag zusammenstellen könnte, das die Nuggets akzeptieren würden, müsste man die Sicherheit haben, dass Anthony eine Extension unterschreibt, die ihn für mehrere Jahre an den Verein bindet. Von diesem wird aber berichtet, er hätte sich auf die Ostküste festgelegt. Auch wenn Mark Cuban die Gerüchte neu entfacht, ist auch ein “Renten” Anthonys unwahrscheinlich. Dabei soll ein Trade mit den Nuggets gemacht werden, bei dem Anthony aber keine Extension unterschreiben muss. Das Risiko, dass das Vergnügen mit Anthony dann bei einem halbjährigem Intermezzo bleibt, ist zu hoch, um Rotationsspieler sowie auslaufende Verträge und Talent abzugeben.

Fazit

Die Mavericks können der kommenden Trading Deadline erstaunlich entspannt entgegenblicken. Nachdem Nowitzki wieder zur Mannschaft zurückgekehrt ist, holte man aus den vergangenen acht Spielen sieben Siege. Da während diesen Spielen entweder Brian Cardinal oder Sasha Pavlovic starteten, darf man gespannt sein, welche Auswirkungen es haben wird, wenn Peja Stojakovic und Rodrigue Beaubois zurückkehren werden. Mit dieser dazugekommenen Klasse auf dem Flügel dürfte sich auch wieder etwas Konstanz einfinden. Nebenbei wird man sich nach sinnvollen Verstärkungen umschauen, die ohne Druck beurteilt werden können. Sollten Spieler im Tausch für Butler verfügbar sein, die der Mannschaft helfen können, wird General Manager Donnie Nelson alles dafür tun, einen solchen Tausch abzuschließen und Teambesitzer Mark Cuban seinen Teil beitragen, um die Finanzierung möglich zu machen.

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1 comment

  1. nocke79

    Freue mich über jeden Mavericks-Blog, dnake.

    Wallace wäre super, ist aber wohl leider unwahrscheinlich.

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