Los Angeles Lakers

Motivationsprobleme – oder nicht gut genug?

Photo: RMTip21 (Lizenz )

Fragte man vor der Saison nach dem Topfavoriten auf den Titel für die laufende Saison, standen die Los Angeles Lakers bei den Experten meist ganz oben auf der Liste. Verständlich – konnte der 17-malige Meister aus Kalifornien doch die letzten beiden Meisterschaften für sich entscheiden. Doch nachdem über die Hälfte der regulären Saison gespielt ist (Stand 03.02.2011), sind einige dunkle Wölkchen am Himmel über LA sichtbar. Nur die fünftbeste Bilanz der Liga und bereits sieben Niederlagen mehr auf dem Konto als die Konkurrenz aus San Antonio. Haben die Lakers nur Probleme, sich für die reguläre Saison zu motivieren, was nach zwei Titelgewinnen in Folge durchaus verständlich wäre? Oder sind die Probleme doch tiefergehend und die Lakers haben ihre Dominanz der Vorjahre eingebüßt? Zwei Sichtweisen auf den bisherigen Saisonverlauf der Lakers.

Zurücklehnen und Relaxen

Allen, die insgeheim hoffen, die Lakers hätten in dieser Saison nachgelassen und seien schwächer als in den vergangenen Jahren, sei gesagt: Ihr seid auf dem Irrweg. Das Team aus Los Angeles ist immer noch das Team, das es in den Playoffs zu schlagen gilt – und sogar noch besser als das Team im Vorjahr!

Zahlen lügen nicht

OK, die Bilanz von 34-15 ist etwas schlechter als die Bilanz zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (damals 38-11). Aber mal von der reinen Bilanz abgesehen, erzielen die Lakers im Schnitt 103,4 Punkte pro Spiel und damit mehr, als in der letztjährigen Meistersaison (2009/10: 101,7 PPG) – gleichzeitig erzielen die Gegner in dieser Saison im Schnitt nur 96,6 Punkte gegen die Lakers und damit weniger als in der letzten Saison (2009/10: 97,0 PPG).

Zudem wirft man mit 47,1% aus dem Feld deutlich besser als in der Vorsaison (45,7%), man ist mit 36,6% von der Dreierlinie deutlich erfolgreicher als 2009/10 (34,1%) und auch die Freiwurfquote liegt um 2% über dem Wert des Vorjahres (2009/10: 76,5%, diese Saison 78,5%). Auch die anderen Statistiken zeichnen keinen Leistungsabfall der Lakers, im Gegenteil. Die Reboundzahlen sind identisch mit denen des Vorjahres, man spielt im Schnitt 2 Assists mehr als in der Vorsaison (aktuell 22,1 pro Spiel) und auch die durchschnittliche Korbdifferenz von 6,8 Punkten pro Spiel – ein Top4 Wert aktuell in der Liga – ist deutlich besser als die Differenz von 4,7 Punkten pro Spiel in der Vorsaison.

Ein weiterer Aspekt ist die Bank der Lakers, die wesentlich stärker geworden ist und in dieser Saison 30,4 Punkte pro Spiel beisteuert  (2009/2010: 25,3 Punkte pro Spiel).

Das Personal

Und wo wir beim Thema Bank sind: Die Lakers  haben eine ihrer Schwachstellen der Vorsaison durch hervorragende Verpflichtungen ausgemerzt. Steve Blake und Matt Barnes sind klare Upgrades zu ihren Vorgängern und immer für produktive 20 Minuten pro Partie gut. Zudem konnte der Rest des Teams das Niveau größtenteils halten – oder sogar steigern. Lamar Odom spielt eine sehr gute Saison und scored fast 5 Punkte mehr pro Partie als in der Vorsaison. Pau Gasol ist immer noch ein 18 Punkte/10 Rebounds Spieler mit einer Feldquote von über 50%. Kobe Bryant spielt mit knapp 33 Minuten zwar mittlerweile über 5 Minuten weniger pro Partie als in der Vorsaison, erzielt auf 36 Minuten normiert aber sogar 2,5 Punkte mehr pro Spiel als im Vorjahr und konnte seine Feldquote um einen Prozentpunkt auf 46,5% steigern. Der wiedergenesene Andrew Bynum spielt ebenfalls weniger Minuten als in der Vorsaison, legt aber mit 16,5 Punkten und 11 Rebounds pro Partie – normiert auf 36 Minuten – weiterhin sehr gute Zahlen auf.

Der Record

Einige werden nun entgegenhalten, dass Zahlen schön und gut sind – es am Ende aber auf die Tabelle ankommt – und die Lakers da nun einmal schlechter dastehen als im Vorjahr.

Man sollte allerdings bedenken, dass die derzeitige Bilanz von 33-15 immer noch für Platz 2 im Westen reicht. Natürlich ist der Abstand zu den San Antonio Spurs, mit sieben Niederlagen mehr auf dem Konto, riesen groß. Allerdings spielen die Spurs eine absolute Ausnahmesaison. Nur sechs weitere Teams in der NBA-Geschichte hatten nach 48 Spielen eine Bilanz von 40-8 oder besser. Und der Record der Spurs ist gerade deshalb so gut, weil sie die Teams schlagen, die man schlagen muss. Die Bilanz der Spurs gegen Teams, die 50% oder weniger ihrer Spiele gewinnen konnten: 21-1!

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Und genau in diesen Spielen – gegen die eher schwachen Gegner – haben die Lakers dieses Jahr ihre Probleme. So verlor man Heimspiele gegen die Indiana Pacers und die Milwaukee Bucks, kassierte gegen die Memphis Grizzlies vor heimischer Kulisse eine empfindliche 19-Punkte-Klatsche, verlor ebenfalls im Staples Center gegen das schlechteste Team der Western Conference, die Sacramento Kings, und auch im Spiel gegen den Stadtrivalen, die Los Angeles Clippers, setzte es eine Niederlage. Diese Spiele sind jedoch völlig ohne Aussagekraft, wenn es um das wirkliche Leistungsniveau der Lakers geht . Es ist der mangelnde Fokus, die fehlende Motivation, wenn es gegen die Kleinen der Liga geht. Aber wer glaubt ernsthaft daran, dass es den Lakers in den Playoffs an der Motivation fehlen wird? Niemand – und das zu Recht.

Fazit

Die Kalifornier werden in den Playoffs wieder das Team sein, das man aus den Vorjahren kennt: Nämlich der Topfavorit auf den Titel! Die Lakers sind einfach zu gut besetzt und in der Lage, eine sehr gute zweite Saisonhälfte zu spielen, um dann auch durch die Playoffs zu rollen. Das Team aus Los Angeles hat es selbst in der Hand aus dem „Repeat“  einen „Threepeat“ zu machen.

Los Angeles – Wir haben ein Problem

Die Aufregung in Los Angeles ist groß. Sehr groß sogar. Bei den Lakers träumte man vor der Saison vom „Threepeat“ – von drei Meisterschaften in Folge. Doch langsam reift die Einsicht, dass es in dieser Saison nicht zu einem erneuten Titelgewinn reichen könnte. Die Lakers sind in der Krise.

Zahlen lügen nicht

Derzeit können die Lakers nur die fünftbeste Bilanz der Liga aufweisen und haben bereits sieben Niederlagen mehr auf dem Konto als die San Antonio Spurs. Zwar reicht das derzeit noch zu Platz 2 im starken Westen, allerdings ist dieser Platz alles andere als sicher. Die Dallas Mavericks, als derzeit drittplatziertes Team, haben ebenfalls 15 Niederlagen auf ihrem Konto. Auf Rang 4 folgen die Oklahoma City Thunder  mit 2 Niederlagen mehr als die Los Angeles Lakers. Und auch die fünftplatzierten Hornets aus New Orleans liegen nur 3 Niederlagen hinter den Lakers. So hat man sich das in Los Angeles sicher nicht vorgestellt und man hinkt den eigenen Ansprüchen derzeit meilenweit hinterher.

Erst Recht, wenn man berücksichtigt, dass die Lakers bis heute den leichtesten Spielplan aller NBA Teams spielen durften. Wirft man einen Blick auf den „Strength of Schedule“ (SOS), ein Wert, der die durchschnittliche Siegquote der gegnerischen Teams angibt, liegt dieser bei den Lakers bei gerade einmal 46,6%. Zum Vergleich – die Konkurrenten im Westen haben bis zu diesem Zeitpunkt allesamt einen schwereren Spielplan spielen müssen und stehen trotzdem vor den Lakers, oder aber sind in Schlagdistanz, was die Tabellenpositionen angeht. So hatten die San Antonio Spurs den bisher viertschwersten Spielplan der gesamten Liga (SOS 51,8%), zusammen mit den New Orleans Hornets (ebenfalls SOS 51,8%). Den drittschwersten Spielplan spielte das Team aus Oklahoma (SOS 52,1%). Den schwersten Spielplan der gesamten NBA hatten bisher die Dallas Mavericks mit einem SOS von 53,2%.  Während die Lakers also die erste Saisonhälfte eher gegen einfachere Gegner bestreiten durften, setze sich die Konkurrenz in der eigenen Conference mit wesentlich härteren Gegnern auseinander. In der zweiten Saisonhälfte ändert sich dieses nun. Auf die Lakers warten sehr viele harte Brocken, während der Spielplan für die Konkurrenz nun etwas einfacher wird.

Die reinen Statistiken zeigen zwar auf den ersten Blick, dass die Lakers sowohl mehr Punkte erzielen als auch weniger Punkte kassieren als in der Vorsaison, doch hat diese Medaille zwei Seiten. Die Offensive ist unbestritten deutlich besser und effizienter geworden, was sich auch im Offensive Rating zeigt (erzielte Punkte bei 100 Ballbesitzen). Derzeit scoren die Lakers über 112 Punkte bei 100 Ballbesitzen – Ligabestwert und eine Steigerung von 4 Punkten im Vergleich zur Saison 2009/10. Defensiv hingegen zeichnet sich ein anderes Bild. Zwar erzielen die Gegner weniger Punkte als im Vergleich zur letzten Saison – dieses ist jedoch eher dem etwas langsameren Tempo geschuldet, welches die Lakers dieses Jahr anschlagen. Auf 100 Ballbesitze kassieren die Lakers mit 105,1 Punkten sogar mehr Punkte als in der Vorsaison (2009/10 103,7). Außerdem verteidigt das Team aus Los Angeles die Dreipunktewürfe schwächer als im Vorjahr. Man gewährt dem Gegner mit 20,5 Dreierversuchen pro Spiel nicht nur 1,5 Dreier mehr pro Spiel – der Gegner trifft mit 34,1% auch besser als im Vorjahr. In der Saison 2009/10 waren nur 32,7% der gegnerischen Versuche hinter der Dreierlinie erfolgreich – Ligabestwert!

Und man sollte, wie oben erwähnt, berücksichtigen, dass die bisherige Datenbasis vor allem auf Spielen gegen eher schwächere Gegner beruht. Die harten Brocken, also die Teams, die durch gute Defense überzeugen, oder aber durch effizientes Scoring, warten erst noch auf die Lakers.

Das Personal

Der Kader der Lakers scheint auf den ersten Blick tiefer zu sein als das Meisterteam aus dem Vorjahr. Auf den zweiten Blick kann man jedoch  zu einer durchaus anderen Einschätzung kommen. Die Verpflichtung von Matt Barnes war zweifelsohne eine Bereicherung im Spiel der Lakers. Und auch Steve Blake kann man durchaus als Verstärkung einschätzen, auch wenn er die Erwartungen nicht ganz erfüllt hat. Lamar Odom und Shannon Brown sorgen zudem für sehr gute Zahlen von der Bank. Doch können diese Spieler nicht dauerhaft die Schwachstellen im Lakerskader auffangen. Zum einen wäre da Ron Artest. Im letzten Jahr noch ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Titel, scheint Artest sich auf seinem Meisterschaftsring auszuruhen. Seine Defense ist nicht mehr so überragend wie in der Vorsaison, er erzielt im Schnitt nur noch 8 Punkte pro Partie und damit 3 weniger als 2009/10. Seine unterdurchschnittliche Wurfquote von 41,4% im Meisterjahr unterbietet er in der laufenden Spielzeit noch einmal um einen Prozentpunkt. Doch brauchen die Lakers einen Artest in Topform, vor allem defensiv, um erneut einen tiefen Playoffrun hinlegen zu können.

Ebenfalls in einer Formkrise befindet sich Pau Gasol. Legte er zu Beginn der Saison noch überragende Zahlen auf (in den ersten 20 Spielen der Saison 20 PPG und 12 RPG), fielen seine Zahlen in den letzten 30 Spielen auf 16,5 Punkte und 9,5 Rebounds. Die Formkrise wird aber nicht nur an den reinen Zahlen deutlich, sondern vor allem an seinem Auftreten auf dem Feld. Gasol wirkt müde, er verpasst defensive Rotationen und wirkt alles in allem längst nicht so beweglich wie zu Saisonbeginn. Manchmal wirkt er wie ein Fremdkörper im Spiel der Lakers. Und auch Gasol brauchen die Lakers in Topform für einen erneuten Titelgewinn.

Zudem hat Derek Fisher erneut einen Schritt verloren hat. Die Point Guard Position war immer die Problemposition im Spiel der Lakers, weil Fisher einfach nicht mehr in der Lage ist, schnelle Point Guards zu verteidigen. Zudem ist er offensiv ein noch kleinerer Faktor geworden und erzielt trotz gleicher Minutenzahl nur noch 6,6 Punkte im Schnitt – bei einer Quote von 38% aus dem Feld.

Ein kleines Fragezeichen darf man aktuell auch wieder hinter Andrew Bynum setzen, der für das Spiel der Lakers ungemein wichtig ist. Sorgt er doch für den größten Vorteil der Lakers gegenüber anderen Teams: Dominanz auf den großen Positionen. In den letzten Jahren vom Verletzungspech verfolgt, musste der Center zuletzt erneut wegen Knieproblemen aussetzen.

Der Record

Trotz des eher vorteilhaften Spielplanes haben die Lakers bereits 15 Niederlagen kassiert. Begründet wurde dieses gern mit Motivationsproblemen gegen die kleinen Gegner, was nach zwei Titelgewinnen sogar durchaus verständlich wäre. Aber es entspricht eben nicht der ganzen Wahrheit. Denn auch trotz der möglicherweise nicht vorhandenen Motivation in einigen Spielen, gab es Spiele gegen Topgegner, in denen mangelnde Motivation und Konzentration sicher keine Rolle gespielt haben. Bei Duellen gegen die Topteams der Liga wurde immer wieder die Wichtigkeit dieser Spiele seitens der Lakers unterstrichen. Doch die Bilanz in diesen wichtigen, direkten Duellen, ist desaströs. So setzte es in heimischer Halle eine 15-Punkte-Niederlage gegen Lebron James und seine Miami Heat, man verlor die Spitzenspiele in San Antonio und Dallas und zu guter Letzt verlor man auch im Staples Center gegen die Boston Celtics. Alarmierend: Jedes Spiel verlor man mit 9 oder mehr Punkten.

Bislang spielte man 6 Spiele gegen andere Teams, die derzeit zu den sechs besten Teams der Liga gehören. Fünf dieser Spiele verlor man (der einzige Sieg kam gegen die Chicago Bulls zu Beginn der Saison). Es folgen noch 7 weitere Spiele gegen die Topteams (3x San Antonio Spurs, 2x Dallas Mavericks, 1x Miami Heat, 1x Boston Celtics) und 25 der noch ausstehenden 32 Spiele sind gegen Gegner, die derzeit auf einem Playoffplatz platziert sind.

Fazit

Die Offiziellen der Lakers machen keinen Hehl daraus, dass sie alles andere als zufrieden sind mit der bisherigen Saisonleistung und man den eigenen Ansprüchen derzeit nicht gerecht wird. So schloss Lakers General Manager Mitch Kupchak in dieser Woche auch Trades nicht aus, um das Team wieder in die Spur zu bringen.
Eine erneute Titelverteidigung scheint zum derzeitigen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich. Zu schwach waren die Auftritte gegen die direkten Konkurrenten. Und selbst mit einer deutlichen Leistungssteigerung werden die Lakers einige Playoffrunden ohne Heimvorteil bestreiten müssen. Dieser war in den letzten Jahren aber schon sehr wichtig für das Team aus LA. Ohne Heimvorteil in den letztjährigen Finalspielen wäre der Titel wohl nach Boston gegangen. Und ob die Lakers mehrere Playoffspiele „on the road“ gewinnen werden, wo man doch schon in der heimischen Arena so seine Probleme hat (bereits sieben Heimniederlagen – und damit ebenso viele, wie bspw. Portland oder Memphis und nur eine weniger als die Philadelphia 76ers), darf durchaus bezweifelt werden.

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