Cleveland Cavaliers, Draft, Redaktions-Roundup

Redaktions-Roundup #8

Go-to-Guys heißt Euch zur achten Runde des Redaktions-Roundups willkommen. Diese Artikelreihe wird sich immer wieder mit aktuellen Themen rund um die NBA und NCAA beschäftigen, die keinen ganzen Artikel wert sind, aber Erwähnung finden sollten. Unsere Redakteure kommentieren das zeitnahe Geschehen kritisch und geben mitunter einen Ausblick, was sie von dem behandelten Thema erwarten.

History in the making?

8-42, 22 Spiele in Folge verloren, die letzten 13 Spiele mit durchschnittlich 18 Punkten verloren – die Cleveland Cavaliers befinden sich gerade auf einem historischen Trip, geradewegs in die Geschichtsbücher. Nachdem das Team im Sommer von LeBron James verlassen wurde wie eine Braut vorm Altar, konnten die Cavaliers mit einer Trotzreaktion in die Saison starten. Man besiegte im ersten Saison spiel die Boston Celtics, die ihrerseits das neue Team James, die Miami Heat, geschlagen hatten. Immerhin 7 von 17 Spielen konnten die Cavaliers gewinnen, bis der einstige Auserwählte das erste Mal zurück an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte und die Cavs demontierte. Seit dieser Niederlage haben die Cavaliers 30 von 31 Spielen verloren, alles läuft scheinbar aus dem Ruder und das Team präsentiert sich noch katastrophaler als man es hätte erwarten können. Sind die Cleveland Cavaliers  wirklich so schlecht?

Dennis Spillmann: Kurze Antwort: ja.  Die längere Antwort läuft letztlich darauf hinaus, dass die Cavaliers nicht so schlecht wie ihr Record, aber trotzdem eines der schlechteren Teams der NBA sind. Dies hat einige Gründe, der offenkundigste sind die Abgänge in der Offseason. Allgemeinhin wird dies immer nur auf LeBron James reduziert. Dabei ist es offensichtlich, dass man zudem die komplette Center-Rotation mit Shaquille O’Neal und Zydrunas Ilgauskas verloren hat. Damit standen dem Team zwei der besten drei Rebounder nicht mehr zur Verfügung, O’Neal konnten den zweitbesten PER nach James aufweisen. Dazu gab es keinen Ersatz, weder auf der Position LeBron James‘ als auch auf der Fünf.

Warum diese Cavaliers noch schlechter dastehen als eh schon vermutet, fußt vor allem auf einer Tatsache, die sich schwer leugnen lässt: Verletzungspech. Meist wird dies als Ausrede abgetan, aber bei den Cavaliers ist dies nicht von der Hand zu weisen. Das eh schon gebeutelte Team musst bei dieser Niederlagenserie zu großen Teilen auf den einzigen nominellen NBA-reifen Center in Anderson Varejao und Point Guard Mo Williams verzichten. Williams verpasste bereits 14, Varejao, der bis zum Saisonende ausfällt, gar 16 Spiele. Die Cavaliers waren auch vor der Saison ein Kandidat für den ersten Pick und damit die schlechteste Bilanz in der NBA, aber wer dazu noch den Starting Point Guard und Center (den wichtigsten Spielgestalter und den besten Verteidiger und Rebounder des Teams) verliert, und deswegen mit Sessions – Harris – Eyenga – Jamison – Hickson starten muss, dem wird es nicht gerade erleichtert, einige Achtungserfolge zu erzielen.

Got Jimmered!

Am 26. Januar 2011 schaute die ganze Welt des College Basketballs nur auf ein Spiel bzw. auf einen Spieler. Im Marriott Center trafen die Brigham Young Cougars auf die noch ungeschlagene San Diego State University. Doch die Aztecs wussten ganz genau, dass dieses Spiel kein leichtes werden würde. Und diese Vorsicht galt ganz alleine einem Spieler: Jimmer Fredette. In diesem Jahr hatte der Senior bereits gegen Utah und Colo State mehr als 40 Punkte erzielt. Sein Punkteschnitt beträgt mittlerweile 27.4 und ist der höchste der gesamten Nation. Sobald man am nächsten Morgen die Internetseite von ESPN öffnete, stach ein Satz ins Auge. Got JIMMERED! Erneut hatte Jimmer Fredette zugeschlagen. Mit 43 Punkten (14/24 FG, 10/11 FT und 5/8 3P) führte der 21-Jährige seine Cougars fast alleine zum Sieg. Als Freshman war noch keine derartige Entwicklung abzusehen. Mit nur 7 Punkten pro Spiel konnte er kaum auf sich aufmerksam machen. Allerdings steigerte er seine Quoten aus dem Feld und von jenseits der Dreierlinie, was ihm in seiner zweiten Saison 16.2 Punkte ermöglichte. Was danach passierte, erinnerte schon stark an die Performance aus diesem Jahr. Die 22.1 PPS deuteten daraufhin, dass der aus Glens Falls, New York stammende Junge das Spiel bald endgültig übernehmen würde.

Julian Barsch: Nachdem Fredette mal wieder einen unglaublichen Dreier aus 10 Metern Entfernung eingenetzt hatte, klang es durch das Mikrofon: „This is not NBA-Range, this is Jimmer-Range!“ Der Kommentator traf mit dieser Bezeichnung den Nagel auf den Kopf. Ohne ihn und seine Distanzwürfe wären die Cougars nicht annähernd so erfolgreich. Die Bedeutung für sein Team kann mit Stephen Curry und Davidson in Vergleich gezogen werden, da die Wildcats in der Saison 2007/08 (fast) nur durch sein Scoring in das Elite Eight vorstoßen konnten. Mittlerweile steht Brigham Young bei 20 Siegen und zwei Niederlagen. Dass Fredette auf dem College-Level dominieren kann, hat er mehr als deutlich unter Beweis gestellt, doch wie sieht es mit der NBA aus? In den Mock Drafts der renommiertesten Basketballadressen findet man den Namen Jimmer Fredette teilweise sogar schon unter den Top 15 dieses Jahrgangs. Doch es bestehen Zweifel. Kann er wirklich wie Curry in der NBA bestehen? Die Range hat er auf jeden Fall, doch reicht das, oder endet er am Ende als eine schlechtere Version von J.J. Redick? Fragen über Fragen, denen sich die General Manager der Liga stellen müssen. Niemand kann sich sicher sein, doch in den letzten Wochen und Monaten gibt Fredette einem eine Menge Argumente, die für ihn stimmen. Selbst der zu Saisonbeginn noch so gelobte Kemba Walker tritt nicht in so konstanter Manier auf wie der Point Guard der Cougars.

Man sollte sich nicht von der Leistung blenden lassen. Natürlich ist es bewundernswert und unglaublich, was Jimmer Fredette auf das Parkett bringt, doch in der NBA weht ein anderer Wind. Als Rollenspieler und Scorer von der Bank könnte er äußerst nützlich sein, jedoch entsprechen Defense und Spielmacherfähigkeiten nicht dem Level, das gefordert wird.

Ihr habt Fragen?

Ihr habt selbst auch eine Frage zum aktuellen Geschehen in der NBA oder NCAA? Euch interessiert unsere Meinung zu einem Thema oder ihr wollt etwas erläutert haben? Dann fragt einfach nach. Unsere Redakteure werden versuchen, jede Frage – so sie denn ernstgemeint ist – zu beantworten. Ihr werdet namentlich in einer der nächsten Ausgaben des Redaktions-Roundups erwähnt. Ihr erreicht uns über die „Fragen und Vorschläge“-Funktion, sowie auf den Pinnwänden von Facebook oder studiVZ.

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