Phoenix Suns

1.5 Seasons… or less?

Photo: Keith Allison (Lizenz)

Nach dem Trade zwischen den Phoenix Suns und Orlando Magic kurz vor Weihnachten wies das Management der Suns ausdrücklich darauf hin, dass dieser Trade keine Vorbereitung auf einen Folgetrade sei, in dem dann Franchiseplayer Steve Nashs verschifft würde. Im Gegenteil, der Trade roch stark nach „win now“. Und er roch gut. Auch wenn mit Topscorer Jason Richardson ein wichtiger Bestandteil des vorjährigen Erfolgs abgegeben werden musste, bewerteten Fans und Medien den Trade durchweg positiv, da er eklatante Löcher im Kader zu stopfen versprach. Die mittelfristige Zukunft des Vereins und damit Steve Nashs Verbleiben in der Wüste schien vorerst gesichert. Schien…

Theorie…

Photo: Keith Allison (Lizenz)

Marcin Gortat ist der lang ersehnte weitere Sevenfooter mit Starterpotential neben dem inkonstanten und verletzungsgeplagten Robin Lopez, der die größten Probleme Phoenix‘  beheben soll: Rebounding und Verteidigung. Vince Carter ist zwar nicht der Shooter auf höchstem Niveau, wie es Richardson ist, ebenso ist er vier Jahre älter und hat seine besten Tage somit schon weit hinter sich, während Richardson noch voll im Saft steht. Doch dem ehemaligen Überflieger traut man zu, die Scoringlast Richardsons einigermaßen abzufangen und zudem Würfe für sich und seine Mitspieler zu kreieren. Und dann wäre da noch Franzose Mickael Pietrus, seines Zeichens ein starker Werfer und Athlet im Stile Richardsons, der zudem die Flügelverteidigung der Suns auf ein neues Level heben kann. Neben Richardson gaben die Suns lediglich den nicht ins System passenden Hidayet Türkoglu sowie Earl Clark ab, der in Phoenix zum ewigen Talent zu verkommen drohte. In der Summe macht das einen Trade, der spielerisch keine Nachteile offenbart. Offensiv kein Rückschritt, defensiv ein gewaltiger Schritt nach vorne. Soweit die Theorie.

… und Praxis

Photo: Keith Allison (Lizenz)

In der Praxis ist davon bisher leider nicht viel zu sehen. Zwei Spiele lang mussten die Suns auf ihre Neuzugänge warten. Das erste, in Oklahoma City, wurde überraschend gewonnen. Das zweite wurde am nächsten Tag in respektabler Manier in San Antonio verloren, ähnlich wie dann das erste Spiel mit Pietrus und Gortat drei Tage später gegen die Miami Heat. Solche Spiele sind keine Must-Wins, Niederlagen sind kein Beinbruch. Wichtig ist es in dieser Situation in solchen Spielen, sich nicht abschlachten zu lassen. Anders verhält es sich jedoch mit den darauf folgenden Spielen gegen die Clippers und Sixers, die beide verloren wurden, letzteres dann sogar in Phoenix, mit dem genesenen Carter an Bord. Einem Heimsieg gegen die Pistons folgte dann zwei Tage später noch eine peinliche Niederlage beim derzeit schlechtesten Team der Liga, den Sacramento Kings.

Grund zur Panik?

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So tauchten nach dem bisherigen Tiefpunkt der Saison schnell Berichte auf, denen zufolge die Suns in Erwägung ziehen, ihren Star-Aufbau zu traden. Die nächsten eineinhalb Saisons, die er in Phoenix noch unter Vertrag steht, seien in diesem Team verschwendete Jahre, erzählt man sich in der Liga. Die Suns sollten ihren bald 37-jährigen Star traden, solange sie noch Gegenwert für ihn erhalten. Den Rebuild einleiten, verlieren, hoch draften, weiter verlieren, wieder hoch draften, bis man etwas Brauchbares im Kader hat. Mit dem frei werdenden Capspace in der Free Agency zuschlagen. Alles, um dann, irgendwann, hoffentlich, wieder um den Titel mitzuspielen. Das übliche Prozedere eben.

Doch dieser in der Liga beliebte und oftmals angewandte „Masterplan“ ist bei den Suns fehl am Platz. Noch. Dafür gibt es drei gute Gründe:

Photo: Keith Allison (Lizenz)

1. Sicher, der Trade trägt noch keine Früchte, die Niederlagen sind verheerend. Doch noch ist nichts verloren. Im Angesicht der sich schnell ansammelnden Niederlagen vergisst man leicht, dass das Team etwas Zeit brauchen wird, um sich zu finden. Defensiv deuteten sie ihr Potential bereits gegen die Pistons und über weite Strecken auch gegen die Kings an. Zwischen der peinlichen Defensivleistung gegen die Sixers und dem darauffolgenden Sieg gegen die Pistons war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der Grund? Eine Trainingseinheit mit dem Augenmerk auf die Verteidigung mehr. Mit den Trainingseinheiten werden die Automatismen kommen, defensiv wie offensiv. Das Erfolgsrezept der Suns 2009-2010 war ihre Eingespieltheit und die Konstanz, die Coach Gentry in seine Rotation brachte. Jeder kannte seine Aufgabe, wusste, wann er zu welchem Zweck eingesetzt wird. Das Ergebnis war ein Team, das weit über seinem Talent agierte und so in die Western Conference Finals einzog. Doch dafür braucht es Zeit. Der kommende Monat kommt da nicht ganz ungelegen, denn auf dem Spielplan finden sich einige Teams mit negativer Bilanz, die quasi als Sparringspartner herhalten werden müssen. Ist das Team erst eingespielt, steht den Playoffs eigentlich nichts mehr im Wege. Auch, da Konkurrenten wie die Rockets, Blazers, Grizzlies, Thunder, Nuggets  und Hornets selbst mit Problemen zu kämpfen haben. Das Rennen im Westen ist nach wie vor vollkommen offen. Nash war und ist sich der Limitierungen des Erfolgs mit diesem Team bewusst und ist laut eigener Aussagen damit zufrieden, wenn man die Playoffs erreicht und versucht, den Erfolg des letzten Jahres zu wiederholen.

“I’m playing; I’m here. I’m going to fight until they tell me they don’t want me anymore. We made a lot of changes this year, and hopefully we can get it right and get in the playoffs and make a run. But if we don’t, we’ll try to put ourselves in a good position for next year.”

2. Der Trade stellte die Weichen klar auf Rebuild 2012. Durch das Aufnehmen von Gortats, Pietrus‘ und Carters Verträgen hat man diesen Sommer keinen Capspace. Im Sommer 2012, wenn Nashs Vertrag ausläuft, stehen die Suns hingegen bei unter 30 Millionen Dollar an garantierten Gehältern, was bei einem ungefähr gleichbleibendem Salary Cap 25 bis 30 Millionen Dollar Capspace bedeuten würde. Hier wird natürlich der Ausgang der Tarifverhandlungen eine entscheidende Rolle spielen, aber die Richtung sollte klar sein.

Dazu kommt, dass die Draftklasse von 2011 als nicht besonders stark gilt. In der Folge lohnt in dieser Hinsicht ein Trade Nashs, mit dem viele Niederlagen und damit eine hohe Draftplatzierung unweigerlich verbunden wären, ebenfalls nicht. Es stellt sich also die Frage, warum man Nash unbedingt jetzt traden sollte, wenn sich die daraus ergebenden Vorteile in diesem Jahr doch noch sehr in Grenzen hielten.

Photo: kevindooley (Lizenz)

3. Steve Nash ist ein Ausnahmespieler. Fans kommen allein wegen ihm in die Halle, schalten den Fernseher ein, nur um ihn spielen zu sehen. Er hebt das Spiel seiner Mannschaft auf ein höheres, attraktiveres Level. Die Fans lieben ihn, was es für das Management extrem schwer macht, ihnen einen etwaigen Trade gut zu verkaufen, egal welches Talent, wie viele Picks oder gar so etwas sportlich unnützes wie „Cash Considerations“ (Geld) im Gegenzug nach Arizona kämen. Nash ist nicht zu ersetzen. Das Team würde vorerst in der Bedeutungslosigkeit versinken, unter Umständen auf Jahre. Es könnte viele Saisons brauchen, bis die Suns wieder einen vergleichbaren Spieler in ihren Reihen haben, denn die Drafts bringen in der Regel nur wenige Franchiseplayer pro Jahrgang in die Liga. Unter diesen Umständen würden die Fans leiden und in der Folge, durch deren Fernbleiben, auch Mehrheitsbesitzer Robert Sarver, der auch so schon zu den weniger wohlhabenden Eignern der Liga gehört.

Enjoy it while it lasts

Photo: { pranav } (Lizenz)

Also warum das Spiel des zweimaligen MVPs nicht genießen, solange es noch geht? In den verbleibenden eineinhalb Saisons könnte man noch so erfolgreich spielen, wie eben irgend möglich, die Fans auf “Planet Orange” hätten weiterhin ihre Freude an Nash, nebenher könnte man die jüngeren Spieler im Kader entwickeln und abwägen, inwiefern diese in der Zukunft gebraucht werden können. Sollte sich Steve nach einer enttäuschenden Saison 2010/2011 dann doch anders entscheiden und tatsächlich weg wollen, dann kann man anfangen, Angebote zu sondieren. Denn, wie oben erläutert, macht ein Rebuild im Jahr 2012 ungleich mehr Sinn als 2011. Der Wert Nashs dürfte nur geringfügig fallen. Andernfalls wird Nash im Stile John Stocktons oder Reggie Millers einfach gehalten, bis sein Vertrag ausläuft und/oder er in Rente geht.

Dieses Team verdient noch eine weitere Chance. Es gibt noch etwas zwischen Championship und Rebuild in Phoenix – und das gilt es jetzt zu erhalten.

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1 comment

  1. Alexander

    Lehrreicher Post. Cool, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel ansehen kann.

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