Philadelphia 76ers, Sacramento Kings

Trade-Aktionismus

Photo: Philadelphia 76ers (Lizenz)

Es gibt Trades, die von vornherein sportlich einseitig sind (Go-to-Guys hatte über den Pau-Gasol-Trade berichtet). Andere Trades scheinen für eine Seite nicht zu funktionieren (Allen Iverson wurde beispielsweise für Chauncey Billups und Antonio McDyess nach Detroit geschickt; Go-to-Guys hatte auch hier schon ein Auge darauf geworfen). Wiederum andere Trades sind bedeutungslos, wenn Second Round-Picks gegen Spieler im Rookievertrag getradet werden, die keinen sportlichen Wert besitzen. Aber gibt es auch Trades, die beiden Franchises schaden? Mit dem Blick nach Sacramento und Philadelphia soll dieser Frage einmal stellvertretend nachgegangen werden.

Wir schreiben den 16. Juni 2010. Die NBA-Playoffs wurden abgeschlossen, die Lakers sind abermals Meister geworden. Demnächst steht der alljährliche Draft an, wo die Teams darauf spekulieren, ein neues Supertalent ihrem Kader hinzufügen zu können. Sowohl die Sacramento Kings als auch die Philadelphia 76ers haben eine sportlich katastrophale Saison beendet. Während die Kings sich noch damit trösten können, dass Tyreke Evans Rookie of  the Year wurde, feiern die Sixers (oder zumindest ein Großteil ihrer Fans) den Rauswurf von Head Coach Eddie Jordan, der das Team nie erreichte. Die Sixers gewannen nur 27 ihrer 82 Partien, die Kings gar noch zwei Spiele weniger.  Dennoch blicken beide Franchises hoffnungsvoll in die Zukunft, denn der Draft lässt sie an Position #2 respektive #5 ihr Talent wählen. Die Franchises sind darauf ausgerichtet, dass sie über den Draft ihre Schlüsselspieler für ihr Team erlangen wollen.

Die Eingangsvoraussetzungen

Bei den Sixers machte Jrue Holiday in seinem Rookie-Jahr auf sich aufmerksam, während für das desaströse Abschneiden Coach Eddie Jordan verantwortlich gemacht wird. In der Theorie sind die Sixers ein gutes Defense-Team, da die Starting Five um Holiday – x – Iguodala – Brand – Dalembert mindestens vier überdurchschnittliche Verteidiger enthält. Das Problem war, dass diese Aufstellung nicht zur Vorstellung Jordans passte, der in der Princeton Offense vor allem Leute mit einem Wurf in seinem Team haben wollte, was zu Saisonbeginn vor allem Marreese Speights zu Gute kam. Als Folge davon entschied sich Coach Jordan auch immer öfter für eine Small Ball-Variante. Er konnte zudem in diesem Team einfach keine funktionierende Team-Defense installieren. Man ließ ligaweit über 101 Punkte pro Spiel zu, was zunächst nur knapp unter Ligaschnitt ist, allerdings spielte man auch die neuntlangsamste Pace. Dies schlug sich dann auch im Defensive Rating durch, wo die Sixers auf 100 Possessions 110 Punkte zuließen. Platz 24 in der Liga. Und dies mit dieser Starting Five. Die Hoffnung der Sixers lag nun also darin begründet, mit einem neuen Coach (Doug Collins wurde verpflichtet) und einem hohen Lottery-Pick wieder in die Playoffs einziehen zu können. Evan Turner soll der Kandidat sein, der ebenfalls mit seinen guten defensiven Anlagen genau der Spieler für die Shooting Guard-Position sein könnte, der den Sixers für ihren starken Defensivverbund noch fehlen würde. Mit einer Startaufstellung um Holiday – Turner – Iguodala – Brand – Dalembert sollten die Playoffs in Angriff genommen werden.

Bei den Sacramento Kings gibt es ebenfalls einiges zu beklagen. Die Lottery-Picks Spencer Hawes und Jason Thompson konnten sich nicht durchsetzen, die Rollenspieler Beno Udrih, Andrés Nocioni und Francisco Garcia haben langjährige Verträge und helfen dem Team nicht so wie gewünscht. Einzige Hoffnungsschimmer sind die Rookies Tyreke Evans und Omri Casspi, die eine überzeugende erste Spielzeit hinter sich gebracht hatten. Während Evans als Allrounder mit 20/5/5 im Schnitt glänzte, war der Israeli Casspi ein sehr guter Distanzschütze. In Sacramento ist auch nicht der Trainer der Quell allen Übels. Paul Westphal wird nie in Frage gestellt und soll auch 2010/2011 die Kings coachen. Das Talent ist bis auf Evans und Casspi allerdings überschaubar. Gerade die Big Men bereiten den Kings einige Sorgenfalten. Ging man gar mit Sean May als Starter auf Power Forward in die Saison, erkannte man die Defizite im Kader und fädelte letztlich einen Deal ein, um Carl Landry zu erhalten. Den Sacramento Kings fehlte es vor allem an einer defensiven Präsenz, an einem harten Arbeiter unter den Brettern, der die Fehler seiner Vorderleute zur Not auch alleine ausbügeln konnte. Spencer Hawes als eher werfender, weicher Big Man war dies garantiert nicht.

Die Augen waren auch bei den Kings auf den Draft gerichtet. An Position #5 sollte ein weiterer Big Man gezogen werden. Die Kings würden auf die anderen Franchises angewiesen sein, die vor ihnen ihre Spieler wählen dürfen, aber auf Derrick Favors oder DeMarcus Cousins durfte man sich berechtigte Hoffnungen machen. Zur Not würde sicherlich auch Greg Monroe als Big Man mit einem guten Passspiel dem Team gut tun. Angestrebt wäre eine Lineup mit Udrih – Evans – Casspi – Favors – Hawes oder auch in anderen Varianten (beispielsweise Udrih – Evans – Nocioni – Thompson – Cousins).

Der Trade

Photo: Philadelphia 76ers (Lizenz )

Die Welt war am 16.6.2010 noch so weit in Ordnung wie sie bei Lottery-Teams mit einem miesen Record in Ordnung sein kann. Doch einen Tag später entschließen sich beide Teams, einen Spielertausch vorzunehmen. Einen eigentlich unspektakulären Tausch, der Rollenspieler von einem zum anderen Team schiebt. Die Sacramento Kings trennten sich von Spencer Hawes und Andrés Nocioni und erhielten dafür von den 76ers Samuel Dalembert. Die einhellige Meinung beschrieb die Sacramento Kings als Gewinner dieses Deals, da Dalembert ein wertvoller Rollenspieler und die defensive Präsenz sein kann, die die Kings gesucht hatten. Zudem lief dessen Vertrag aus, sodass bei einem gescheiterten Experiment Dalembert nicht mehr ans Team gebunden werden musste. Im Gegenzug gaben die Kings zudem noch den 13,5 Millionen schweren Vertrag von Andrés Nocioni ab, den man teamintern mit Casspi, Garcia und Green ersetzen konnte. Spencer Hawes war mit der Ankunft Dalemberts überflüssig geworden. Im Draft könnten die Kings dann zudem noch den „best player available“ wählen oder weitere Schwachstellen im Kader ausbessern.

Für die Sixers fällt es schon schwerer, eine Erklärung zu finden, allerdings verbindet Nocioni eine Kombination an Skills, die die Sixers gut gebrauchen könnten. Er wirft zum einen den Dreier beständig, kann zum anderen ebenfalls hart verteidigen und ist demzufolge nicht so eindimensional wie der unlängst verpflichtete Jason Kapono. Man gab zwar mit Dalembert einen potenziellen Defensivanker ab, aber erhielt mit Hawes einen Big Man zurück, der für die Drives von Iguodala und Holiday Platz unterm Korb schaffen könnte. Als größte Trumpfkarte sollte man aber den #2-Pick betrachten, mit dem die Sixers jeden Rookie außer John Wall verpflichten können. Da Nocioni besser zum restlichen Team als Evan Turner passt, konnte auch angenommen werden, dass die Sixers hier vielleicht bewusst Platz auf der Center-Position geschaffen hätten. Eine Lineup mit Holiday – Iguodala – Nocioni – Brand –Cousins wäre möglich und würde viele Facetten des Spiels abdecken. Holiday würde offensiv das Spiel leiten, seinen Dreier treffen und auch mit dem Zug zum Korb Schaden anrichten können.

Photo: Philadelphia 76ers (Lizenz )

Iguodalas Monsterathletik würde dem Team defensiv nutzen und offensiv für einfache Punkte sorgen, während Nocioni das Spielfeld breiter machen und die Dreier treffen würde, die per Kickout bei ihm landen würden. Unter dem Korb würden sich Elton Brand und DeMarcus Cousins sehr gut ergänzen, da Brands Sweet Spot im High Post zu finden ist, während Cousins für einen Rookie schon beeindruckende Low-Post-Moves beherrscht. Vielleicht hatte sich der Deal doch für beide Teams ausgezahlt.

Der Draft

Photo: Dorn (Lizenz )

Genau eine Woche nach dem Trade sollte sich im Draft dann entscheiden, welches Team von dem Deal mehr profitieren würde. Da die Washington Wizards erwartungsgemäß einen potenziellen All-Star der Liga in John Wall drafteten, hatten die Philadelphia 76ers die Qual der Wahl – quasi ein best of the rest. Kurz vor dem Draft hatten Derrick Favors und DeMarcus Cousins noch ein Workout bei den Sixers bestritten, um sich für den zweiten Pick zu empfehlen. Beide Spieler hatten ein One-and-done-Year am College hinter sich und waren damit noch sehr junge Talente. Beide sollten gehöriges Upside haben, Favors wegen seiner defensiven Präsenz und Cousins, weil dieser offensiv viele Facetten des Spiels beherrschte. Die Sixers hatten eine schwere Wahl zu treffen und entschieden sich für … Evan Turner. Turner war seit jeher als #2-Pick gehandelt worden und auch keine schlechte Wahl. Turner hatte drei Jahre am College verbracht, ist demnach auch älter als Cousins oder Favors und auch ausgereifter in seinem Spiel. Es war ein sicherer Pick, ohne viel Risiko, leider wohl auch ohne die Hoffnung auf einen NBA-Superstar. Natürlich kursierten die Gerüchte, dass Turner der nächste Brandon Roy werden könnte, aber wie viele Spieler vor Brandon Roy kamen mit ähnlichen Anlagen in die Liga und wie viele wurden zu All-Stars? Roy ist eine Ausnahme. Turner kann vielleicht auch eine Ausnahme werden, wahrscheinlich ist es nicht.

Die Sacramento Kings mussten verharren, ohne Möglichkeit eingreifen zu können, als die New Jersey Nets Derrick Favors an #3 und die Timberwolves Wesley Johnson an #4 auswählten. Sie standen nun vor der Wahl, ob sie DeMarcus Cousins, dem bei allem sportlichen Talent charakterliche Defizite nachgesagt wurden, oder Greg Monroe an #5 wählen sollten. Für den Center aus Georgetown sprachen vor allem sein Blick für den Mitspieler und sein Charakter. Cousins hingegen war unbestritten der talentiertere Spieler, dem man im besten Fall eine dominante Rolle in der NBA zutrauen könnte. Die Kings gingen das Risiko ein und riskierten es, DeMarcus Cousins auszuwählen. Der Center aus Kentucky würde dem Kader der Kings ein Low-Post-Spiel anbieten können, das sonst niemand im Kader beherrschte. In der zweiten Runde griffen die Kings abermals zu und wählten mit Hassan Whiteside einen baumlangen Kerl aus, der von seiner Spielweise am ehesten Dikembe Mutombo gleichkommt, auch wenn das keinesfalls ein Vergleich der Qualitäten beider Spieler sein sollte. Whiteside blockte am College für Marshall unglaubliche 5,4 Würfe pro Spiel und hat zudem ein feines Händchen aus der Mitteldistanz. Bedingt durch seinen eher muskelbefreiten Körper wird er es in der NBA jedoch sehr schwer haben und wohl nur als Help-Defender ein guter Rollenspieler werden.

Der Draft lief für beide Teams nicht katastrophal ab, weil man überdurchschnittliche Spieler verpflichten konnte, die der Franchise in gewissen Bereichen sicherlich helfen konnte. Betrachtet man den Draft jedoch im Kontext mit den Kaderzusammensetzungen, ergibt sich ein leicht anderes Bild.

Die Verschlimmbesserung

Bei den Sixers sollte spätestens nach dem Draften von Evan Turner die Kaderpolitik hinterfragt werden. Man gab im Deal mit den Kings den besten Spieler ab, da defensiv ausgerichtete Big Men einfach schwerer zu finden sind als Rollenspieler auf dem Flügel. Man ging  mit folgendem Kader in die Draftnacht:

Holiday /Williams
Iguodala/Green/Meeks
Nocioni/Young/Kapono
Brand /Speights/Smith
Hawes

Die Lücke auf der 5 ist ein wenig provokant dargestellt, de facto ist aber Marreese Speights in keiner Dimension ein Center. Im Draft sollte man zwar nie nach Team-Need draften (zumindest nicht so hoch in der Lottery), sondern nach Potenzial. Hat Evan Turner NBA-Potenzial? Ja. Haben Cousins und Favors mehr NBA-Potenzial? Wahrscheinlich. Dies liegt vor allem an ihrer Position auf dem Feld begründet. Als Big Man hat man normalerweise mehr Einfluss auf ein Spiel als ein Flügelspieler. Das oben abgebildete Team schrie geradezu nach einem Center, der eine Low-Post-Option für sein Team darstellen konnte. Wenn man seine defensive Präsenz ohne Ersatz ziehen lässt, sollte man wenigstens einen Back-Up-Plan haben. Die Sixers hatten keinen – und auch nicht den Mut, DeMarcus Cousins zu draften. Gezogen wurde ein siebter Flügelspieler für den Kader, der seine Stärken vornehmlich in denselben Bereichen wie André Iguodala besitzen sollte. Dass  man eklatant unterbesetzt auf der 5 war, erkannte man zumindest, weil Tony Battie in Ansätzen das auszeichnet, was dem Team sonst völlig fehlt: Defense auf der 5. Wie wichtig eine Präsenz auf der 5 ist, zeigen die Meisterteams der letzten Jahre. Ob Bynum, Perkins, Wallace, Duncan oder Shaq. Alle hatten mindestens auf einer Seite des Feldes einen großen Impact.

Wie würde das Team ohne den vorherigen Trade aussehen?

Holiday/Williams
Turner/Green/Meeks
Iguodala/Young/Kapono
Brand/Speights/Smith
Dalembert

In dieses Konzept würde Evan Turner wunderbar hinpassen. Man hätte in der Starting 5 ein Team, das über die Defensive ins Spiel finden würde, von der Bank mit Williams, Speights und Young drei Leute, die für Punkte sorgen sorgen können. Tony Battie wäre weiterhin eine gute Ergänzung als Backup hinter Dalembert. Ob man den Nachfolgetrade mit Green und Smith für Songaila und Brackins machen muss oder nicht, fällt nicht ins Gewicht.

Photo: Arranging Matches (Lizenz)

Dieses Team hätte eine klare Identität, die Doug Collins auch hervorheben könnte. So plagt man sich in den ersten zehn Saisonspielen damit herum, dass in der Defensive niemand der gewünschte Anker ist. Spencer Hawes ist in diesem System so wertlos wie sonst nirgendwo. Collins sucht noch immer nach einer geeigneten Mischung und hat bereits nach zwei Spielen Starter Jason Kapono wieder auf die Bank verwiesen. Dafür rückte André Nocioni in die Starting Lineup. Nach dem kurzfristigen Ausfall von André Iguodala rutschte Evan Turner als Starter auf die 2. Mit der Rückkehr Iggys löste dieser Nocioni als Starter auf der 3 ab. Nach zehn Spielen hat man bereits drei verschiedene Starter auf der Position des Small Forwards getestet. Die größte Schwachstelle ist jedoch weiterhin die Centerposition, die mangels Alternativen weiterhin Spencer Hawes bekleidet. Die Sixers haben acht dieser zehn Spiele verloren. Haben sie sich durch den Trade mit den Kings verbessert? Wohl kaum. Man findet keine Rolle für Turner und hat ein riesiges Loch im Frontcourt. Demnach müssten die Sacramento Kings ja die Nutznießer dieses Trades sein.

In gewisser Weise sind die Kalifornier dies auch. Man hat in Dalembert einen brauchbaren Center erhalten und keinen Spieler verloren, den man nicht ersetzen könnte. Wie sah das Team denn vor dem Draft aus?

Udrih
Evans/Garcia
Casspi/Greene/McGuire
Landry/Thompson
Dalembert/Brockman

Man trennte sich in der Offseason von McGuire und Brockman, zog im Draft mit Cousins und Whiteside aber zwei Center. Zudem hatte man mit Samuel Dalembert einen weiteren Center verpflichtet. Worauf dies hinausläuft, ist eigentlich recht offensichtlich: mittelfristig wird Samuel Dalembert keine Zukunft bei den Sacramento Kings haben. Für das Teamkonzept ist er der wichtigste Center im Kader und startet folgerichtig auch – man will ja schließlich auch Spiele gewinnen. Momentan herrscht ein Logjam im Frontcourt der Kings. Mit Dalembert, Landry, Thompson, Jackson, Whiteside und Cousins ist mindestens ein Spieler zu viel im Kader, der Minuten beansprucht. Bedenkt man weiterhin, dass Donte Greene mit 6‘11‘‘ ebenfalls ein potenzieller Spieler für die Power Forward-Position ist, wird das Ausmaß des Logjams noch verschlimmert.

Doch warum hat der Trade den Kings denn nun geschadet? Talentierte Big Men in einem Kader sind doch eine Seltenheit und man ist mittelfristig gut aufgestellt. Dazu hilft vielleicht ein Blick auf den Kader ohne den Trade:

Udrih
Evans/Garcia
Casspi/Nocioni/Greene
Landry/Thompson
Cousins/Whiteside/Hawes

Dieses Team gewinnt wahrscheinlich weniger Spiele als das obige mit Dalembert. Dennoch wäre es gerade mittelfristig erfolgreicher. Zum einen bedingt das NBA-System, dass schlechtere Teams über den Draft die im Normalfall besseren Spieler hinzubekommen, zum anderen spielt aber ein Aspekt in die Argumentation, dem vielleicht auf den ersten Blick nicht so viel Beachtung geschenkt wird. DeMarcus Cousins wird von vielen Draftexperten als zweitbestes Talent des Jahrgangs angesehen, wenn es um das pure Talent geht. Die Kings setzen Cousins nun mit Dalembert einen Veteranen vor, der natürlich viel konstanter als der Rookie ist und auch defensiv sehr viel besser aussieht als Cousins. Wenn man Spiele gewinnen will, ist das der richtige Weg. Doch wie viele Spiele gewinnt man im Jahr denn durch diesen Move? Drei? Vier? Dafür opfert man unter Umständen die Entwicklung eines großen Talents und verschenkt ein ganzes Jahr. Schlimmer steht es noch um Hassan Whiteside. Dieser ist der Leidtragende des Logjams auf der 5. Er sieht gar keine Spielzeit. Auch er könnte diese gebrauchen. Niemand erwartet von den Kings, dass sie mit diesem Team die Playoffs erreichen. Warum entwickelt man dann nicht konsequent sein Team, indem man Wege sucht, um Cousins und Evans nebeneinander als offensive Dreh- und Angelpunkte zu etablieren und testet, wie gut sich Whiteside in der NBA schlägt?

Fazit

In der breiten Öffentlichkeit werden die Sacramento Kings als Sieger aus diesem Trade hervorgehen. Sie haben den wertvollsten Spieler erhalten und Nocionis Vertrag abgegeben. Die Sixers stehen völlig ohne defensive Präsenz da und haben es im Draft verpasst, auf dieser Position nachzurüsten. Warum Ed Stefanski auf die Idee kam, diesem Handel zuzustimmen oder ihn gar zu initiieren, bleibt rätselhaft. Vielleicht hatte Dalembert intern für Ärger gesorgt. Alle sportlichen Gründe sprechen gegen diesen Trade. Den Kings sollte man zumindest den Tradezeitpunkt vorwerfen. Sicherlich machten sie einen soliden Deal, aber warum musste der Deal eine Woche vor dem Draft geschlossen werden? Wieso hat man nicht erst abgewartet, welche Talente man im Draft erhalten würde, um danach einen Spielerwechsel einzuleiten, der dem Team vielleicht sowohl kurz- als auch mittelfristig geholfen hätte? Die Kings verlieren nun ein Jahr in der Entwicklung ihrer Center-Talente, weil sie eine Woche vor dem Draft einen Center ins Team holten, um danach zwei Center zu draften.

Während man die Motive der Kings noch verstehen kann, ist der Deal aus Sicht der Sixers eine Katastrophe. Das Team hätte mit Dalembert in diesem Osten gute Playoff-Chancen gehabt, die nun wohl bereits nach zehn Spielen zu Grabe getragen werden können.

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4 comments

  1. Jan Karon

    Finde muss man relativieren, zumindest bei den Kings. Der Aspekt, dass Dalembert halt nunmal ein expiring contract ist, spielt dem Team langfristig in die Karten. Da kann man den Logjam (die Nets nennen es bzgl. Favors “langsames Herantasten der Rookies”) verschmerzen. Die Kings können mMn mit dem Deal absolut leben.

  2. Kai E.

    super artikel!!! wie schon viele vorherige 🙂 werde immer auf mvz darauf aufmerksam gemacht! ihr leistet echt super arbeit.. macht immer wieder spass eure artikel zu lesen!

    lg kai (:

  3. @Jan: Sicherlich haben die Kings mehr von diesem Deal gehabt, das habe ich im Fazit ja auch hervorgehoben. Allerdings verlieren sie aus meiner Sicht einfach ein Jahr in ihrer Entwicklung. Dalembert gleicht ja nicht alle Defizite des Kaders aus (wer tut das schon?), um das Team auf Playoff-Kurs zu bringen. Von daher sollte man allen Talenten die größtmöglichen Entfaltungsmöglichkeiten geben. Vielleicht ist Whiteside ja doch mehr als ein 15-Minuten-Rollenspieler. Über kurz oder lang muss man herausfinden, ob Cousins und Evans zusammen passen. Wieso nicht in dieser Saison? Dasselbe Experiment beginnt dann erst 2011/12. Nur damit Dalembert Spielzeit sieht und für einen schlechteren Pick sorgt?
    Ich finde, dass man dann auch in seine Lottery Picks genug Vertrauen investieren sollte. Warum man diesen Deal auch genau eine Woche vor dem Draft machen musste, ist mir weiterhin schleierhaft. Zumindest die Sixers hatten direkten Einfluss auf ihre Auswahl.

    @Kai: Danke für das Lob. Die gesamte Redaktion lebt von solchen Rückmeldungen. Wir werden auch weiterhin über die VZ-Netzwerke berichten.

  4. Hassan Mohamed

    Dennis, ich kann Deine Argumente in Hinblick auf Sacramento nachvollziehen, anderseits ist es auch gewissermaßen eine Frage der Philosophie bzw. die Botschaft, die man an den Spieler vermitteln will. Ich finde es durchaus verständlich, dass man selbst von jungen Talenten fordert, dass sie sich gegen Veteranen durchsetzen statt Spielzeit „geschenkt“ zu bekommen. Viel wichtiger finde ich, dass sie immer wieder Chancen bekommen und ihnen klar gemacht wird, dass Fehler verziehen werden. Gerade bei einem Cousins könnte diese Botschaft wichtig sein, im Sinne von „Wir wissen, dass du Talent hast, aber Du kannst Dir nicht alles (Anm: Es sind nicht die spielerischen Aktionen gemeint) erlauben.“

    Falls Cousins die Herausforderung Samuel Dalembert zu übertrumpfen nicht stemmen kann, dann sollte man den Fehler bei Cousins suchen. Wirklich gute Spieler setzen sich in den meisten Fällen durch – zumindest bei Coaches ohne festgefahrene Einstellungen, die einfach grundsätzlich einen Älteren einsetzen, selbst wenn der Jüngere bessere Leistungen bringt.

    Je nachdem, wie Dalemberts Gehaltsforderungen im Sommer aussehen, könnte er mittelfristig durchaus eine Zukunft bei den Kings haben. Mit seinen 29 Jahren hat er noch einige Jahre vor sich, die er als Backup (minutenweise auch neben ihm) bei den Kings verbringen könnte. Ein Hassan Whiteside ist in der etwas schlechteren Situation. Er muss bei wenigen Gelegenheiten zeigen, dass er dieselbe Rolle für weniger Gehalt ausfüllen könnte.

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