San Antonio Spurs

Defense won Championships

Photo: jmtimages (Lizenz )

Sie sind eines der erfolgreichsten NBA-Teams in den vergangenen Jahren. 13 Playoff-Teilnahmen in Folge, 11 Saisons mit 50 oder mehr Siegen in Serie und als Krönung: Vier Meistertitel in den letzten Jahren. Die Rede ist von den San Antonio Spurs.

Der Erfolg ist deshalb so bemerkenswert, weil die Spurs nicht zu den finanziellen Schwergewichten der Liga zählen. Sie sind in einem kleinen TV-Markt beheimatet, haben mit Peter Holt einen Besitzer, der nicht gerade für Spendierfreude bekannt ist und zählen – trotz der sportlichen Erfolge – nicht zu den Teams, die im breiten Interesse der Medien stehen. Dennoch haben es die Spurs geschafft, sich über viele Jahre in der Gruppe der Spitzenteams der  Liga zu etablieren.

Auf der Suche nach dem Grundstein des Erfolges gibt es sicherlich zwei Eckpunkte. Zum einen die erste Saison von David Robinson 1989/90.  Zwei Jahre zuvor als Nummer-1-Pick im Draft gewählt, brachte er die Spurs in den nächsten sieben Jahren immer in die Playoffs. Er wurde MVP, sammelte Rebound-, Block- und Scoringtitel, wurde in jedem Jahr All-Star und brachte die Spurs zurück in die Spitzengruppe der Liga. Für den ganz großen Wurf reichte es trotzdem nie.

Dann kam die Saison 1996/97. Gleich vier Spieler der Spurs waren langzeitverletzt. Chuck Person bestritt wegen einer Rückenoperation kein einziges Spiel, David Robinson brach sich den Fuß und verpasste 76 Spiele, Sean Elliott, der damals zweitbeste Spieler im Kader, kam mit Knieproblemen nur auf 39 Einsätze und auch Charles Smith schaute bei 65 Spielen von der Bank aus zu. Als sich allerdings abzeichnete, dass man durch die Verletztenmisere die Ziele nicht erreichen würde, nahm man die Gelegenheit zum „Tanken“ dankend an, um die Chancen in der Draftlottery zu erhöhen, und gewann am Ende gerade einmal 20 Spiele.

Am Ende hatte es sich aus Spurssicht gelohnt – man gewann die Draftlottery und zog Tim Duncan an Position 1. Und gleichzeitig saß ein Coach namens Gregg Popovich für seine erste komplette Saison auf der Bank. Den Posten hatte er während der Vorsaison, als damals amtierender General Manager, kurzerhand an sich selbst vergeben.

Mit Tim Duncan auf dem Court und Gregg Popovich auf der Bank, begann nicht nur das Titelsammeln, sondern es etablierte sich auch der Basketballstil bei den Spurs, für den sie über Jahre bekannt waren – kontrollierter Basketball mit herausragender Defense.

Doch was machte diesen Stil so erfolgreich? Was ist charakteristisch für diese Art von Basketball? Braucht man dafür spezielle Spielertypen?

Die defensive Strategie der Ära Popovich

Dem Gegner die Optionen nehmen

Die Spurs-Defense dieser Jahre zeichnet sich vor allem durch  ihre Flexibilität aus. So wird vor jedem Spiel festgelegt, welche Art von Defense man überhaupt spielen will – immer angepasst an den Gegner. Gegen Gegner, die wenig Fastbreaks laufen, sondern eher den kontrollierten Basketball bevorzugen, wird immer eine Full Court Defense gespielt. Es wird also von einer Grundlinie zur anderen verteidigt – immer mit dem Ziel, viel Zeit von der Uhr zu nehmen und vor allem, um dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen. Durch die Verteidigung über das ganze Feld nimmt man dem Gegner viele möglichen Passwege und verhindert dadurch, dass das gegnerische Team seine eigenen Spielzüge überhaupt ausspielen kann. Ein weiterer Vorteil: Man kontrolliert dadurch auch automatisch das Tempo.

Im umgekehrten Fall, wenn man auf ein Team trifft, das eher schnell spielt und immer wieder versucht, durch schnelle Gegenangriffe zu leichten Punkten zu kommen, spielt man eher eine zurückgezogene Half-Court-Defense, um den Gegner am schnellen Abschließen zu hindern. Charakteristisch für diese Art von Defense ist die Aggressivität, mit der verteidigt wird. So attackiert der eigene Point Guard direkt hinter Mittellinie den gegnerischen Aufbauspieler und setzt ihn unter Druck, wie beispielsweise hier George Hill gegen Steve Nash.

Gleichzeitig werden ein zweiter und dritter Spieler des Gegners von vorne verteidigt, um sie als Passoption aus dem Spiel zu nehmen. Der gegnerische Pointguard hat nun vor allem die Option zu penetrieren. Entweder zieht er selbst zum Korb und versucht abzuschließen, oder er versucht den Pass zu einem Spieler in der Ecke, der dort auf den offenen Dreier wartet.

Regel 1: Keine Helpdefense durch den Flügel

Gerade letzterer Spielzug ist Gang und Gäbe in der NBA und man sieht ihn mehrmals pro Spiel – egal bei welchem Team. Besonders ist aber, wie die Spurs diesen Spielzug verteidigen. Bei den meisten Teams hilft der Verteidiger des Spielers, der in der Ecke steht, beim Penetrieren des Aufbauspielers aus, und zieht in die Mitte, um ihn am Zug zum Korb zu hindern. Gregg Popovich allerdings vertritt immer die Philosophie, dass ein Verteidiger des Flügels nur selten den Gegner am Penetrieren hindert, weshalb er eben nicht in die Mitte zieht, sondern weiter den Schützen auf dem Flügel verteidigt. Der Erfolg gibt dem Team und der Strategie recht. Die Spurs waren immer eines der erfolgreichsten Teams, wenn es darum ging, den Gegner bei einer niedrigen Dreierquote zu halten.

Durch diese Verteidigungsstrategie hat der gegnerische Aufbauspieler nun noch weniger Möglichkeiten. Es bleibt aber immer noch die Option, zum Korb zu ziehen und abzuschließen, wo wir beim zweiten wichtigen Punkt angekommen sind, den die Defense der Spurs auszeichnet.

Regel 2: Den gegnerischen Pointguard nach außen abdrängen

Oberste Devise in der Verteidigung ist es immer, dass der gegnerische Pointguard niemals durch die Mitte zum Korb ziehen kann. Das Ziel ist also immer, ihn an eine der beiden Seitenlinien abzudrängen. Die Idee dahinter ist, das Spiel auf eine Seite des Courts zu verlagern und es dem Gegner so schwer wie möglich zu machen, zu einfachen Punkten zu kommen bzw. überhaupt einen guten Schuss zu geben. Ein gutes Beispiel dafür kann man hier an der Defense von George Hill gegen Steve Nash erkennen, auch wenn die Phoenix Suns am Ende trotzdem erfolgreich abschließen konnten:

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Regel 3: Keine Helpdefense durch Spieler, die nur einen Pass entfernt sind

Auch hier eignet sich obiges Video als sehr gutes Beispiel. Tony Parker mit der Nummer 9 versucht nicht, Steve Nash am Penetrieren zu hindern. Dieses ist ebenfalls eine der obersten Regeln in der Defense der Spurs. Niemals kommt ein Spieler zur Hilfe, wenn er nur einen Pass entfernt vom ballführenden Spieler ist. Das Ziel auch hier: Keine offenen Dreier für den Gegner und dem gegnerischen Pointguard möglichst viele Optionen nehmen.

Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass der gegnerische Aufbauspieler zum Korb ziehen muss, da ihm andere Optionen nicht zur Verfügung stehen. Die Spurs geben dem gegnerischen Spieler also fast nur die Option, den Raum vom Beginn des Zuges zum Korb bis hin zum Korb zu nutzen. Gregg Popovich vertritt die Meinung, dass das eben die schwerstmögliche Option ist, die der Gegner nutzen kann. Erstens, weil der Gegner es schwer hat, direkt am Korb zu punkten – er hatte schließlich einen Verteidiger an seiner Seite -, zweitens wartet unter dem Korb eben ein Tim Duncan, der ihn beim Abschließen bedrängen wird; drittens, weil es schwer ist, das Dribbling abzubrechen und einen hochprozentigen Schuss zu bekommen, wenn die Defense gut arbeitet. Entscheidet sich der Aufbauspieler trotzdem dazu, während des Dribblings den Ball zu passen, versucht der Verteidiger umgehend, den ballführenden Spieler an die Seitenlinie zu drängen, und das Spiel begann von vorn.

Zusammengefasst besteht die Defense aus drei Grundregeln: Niemals spielt ein Spieler Helpdefense, wenn er nur einen Pass vom ballführenden Gegner entfernt ist, niemals spielt ein Flügel Helpdefense, wenn er dabei seinen Gegenspieler offen an der Dreierlinie zurück lassen muss und immer muss versucht werden, den gegnerischen Spieler, der den Ball in den Händen hält, an die Seitenlinie zu drängen. Auf diesen drei Grundregeln bauen alle weiteren Feinheiten der Verteidigung auf.

Diese Grundregeln sind fester Bestandteil des Trainings und liauen in jedem Training ab, sodass sich die Mechanismen automatisieren und noch viel wichtiger: damit die Spieler die Philosophie ihres Coaches verinnerlichen, die da lautet: “Spiele gewinnt man nicht durch Offensive, sondern durch gute Defense.” Die Defense ist jedoch nur ein Teil des Spiels und natürlich hängt die eigene Verteidigung auch ziemlich stark mit der eigenen Offensive zusammen.

Die offensive Strategie der Ära Popovich

Das Zeitmanagement

Die Offensive der Spurs ist darauf ausgelegt, möglichst effizient zu scoren und vor allem immer mehrere Optionen für den ballführenden Spieler zu haben. Der Beginn eines Angriffs läuft meist nach zwei Schemata ab. Entweder geht der Ball erst auf den Flügel und dann in den Low Post zu Tim Duncan, der entweder versucht, sich 1 gegen 1 durchzusetzen, oder aber, falls er von zwei Spielern verteidigt wird, den offenen Schützen auf dem Flügel sucht. Gab es keine Möglichkeit, den Ball in den Low Post zu passen oder aber es fehlt von vornherein die Möglichkeit, den Flügel zu bedienen, geht Tim Duncan heraus bis zur Freiwurflinie und man versucht, über Pick-and-Roll zum Erfolg zu kommen. Oberste Regel im Offensivspiel der Spurs: Zeitmanagement. Kein überhastetes Abschließen, sondern immer auf den richtigen Moment für einen guten Wurf warten. Dazu gehört auch die Hauptregel, die alle Spieler verinnerlichen müssen: bei fünf Sekunden Angriffszeit auf der Uhr wird entweder ein 1-gegen-1 des ballführenden Spielers eingeleitet, oder aber ein letzter Pick-and-Roll-Versuch unternommen. Dieses verlangt vor allem höchste Disziplin der Big Men, die immer darauf vorbereitet sein müssen, in den letzten Sekunden für ein Pick-and-Roll bereit zu sein, oder aber den richtigen Block zu stellen.

Cutten an der Grundlinie

Eine weitere Auffälligkeit in der Offense der Spurs ist das Schneiden eines Spielers zum Korb an der Grundline entlang. Dabei wechselt zum einen der ballführende Spieler immer die Angriffsseite, zum anderen verschiebt sich ein Spieler immer auf den vorherigen Spot des schneidenden Spielers, um eine Passmöglichkeit darzustellen und einen offenen Wurf zu bekommen. Das Ziel war es hier, die Defense des Gegners in Unordnung zu bringen und mit dem Überraschungsmoment einen freien Wurf zu bekommen. In diesem Beispiel cuttet Michael Finley unter dem Korb durch für einen offenen Dreier. Man erkennt auch, wie Tony Parker im Hintergrund den vorherigen Spot besetzt.

Die Teamzusammensetzung

Das System der Spurs in der Offense ist immer nach dem gleichen Schema aufgebaut: Zwei starke, penetrierende Guards, die jederzeit zum Ring gehen und auch abschließen können (Parker und Ginobili), Tim Duncan als Anker in der Mitte, der sowohl nah am Korb als auch in der Mitteldistanz spielen und abschließen kann, gepaart mit mindestens einem guten Verteidiger, der vor allem einen sehr guten Schuss von außen hat (Bowen, Hill, Jefferson), sowie als Ergänzung je nach Situation einen weiteren Inside-Spieler, der im Post spielen kann (Robinson, Blair, Splitter), oder aber ebenfalls einen tödlichen Dreier im Gepäck hat (Horry, Bonner). Gerade die lnsidespieler machen die Offensive sehr flexibel. Man hat die großen Dreierschützen, die ein Spiel breit machen können und auf der anderen Seite die Alternative, das Team stärker unter dem Korb zu machen. Muss man auf den Gegner reagieren und Small Ball spielen, verschiebt sich das Ganze, indem beispielsweise Spieler wie aktuell Jefferson oder auch Simmons als gute Dreierschützen auf die Position 4 wechseln und ebenfalls versuchen, das Spiel breit zu machen, um mehr Platz für die schnellen Guards zu schaffen.

Es wird deutlich, dass der Dreipunktewurf eine enorme Bedeutung im Spiel der Spurs hat. Dies liegt vor allem daran, dass man mit Tim Duncan eine Inside-Präsenz hat, die ständig zwei Verteidiger auf sich zieht, wodurch am Perimeter immer ein Mitspieler frei steht. Für den Gegner sind die Spurs einfach sehr schwer zu verteidigen. Versucht man Duncan 1-on-1 zu verteidigen, läuft man Gefahr, in der Zone von ihm überrollt zu werden. Doppelt man ihn, läuft man Gefahr, von der Dreipunktelinie abgeschossen zu werden.

Anpassung an veränderte Bedingungen

Tim Duncan im Herbst seiner Karriere

Wie Tim Duncan (Spurs)deutlich wurde, hing das gesamte Spiel der Spurs in den letzten Jahren nur von Tim Duncan ab. Defensiv war er derjenige, um den die Defensivstrategien erarbeitet wurden, offensiv war das ganze System von seinem Agieren abhängig. Er war der Anker im gesamten Spiel der Spurs.

Tim Duncan ist allerdings nicht mehr in seiner Blütezeit. Er spielt seine 14te Saison für die Spurs und ist mittlerweile mit seinen 34 Jahren eher im Herbst seiner Karriere. Es fällt ihm schwerer, Abend für Abend die Dominanz aufs Parkett zu bringen, die er noch vor 5 Jahren gezeigt hat. Da Tim Duncan allerdings ein absoluter Ausnahmespieler ist, sowohl was seine Teamfähigkeit, als auch sein Talent betrifft, ist er einfach nicht zu ersetzen.

Vor allem in der Defense ist ihm sein Alter deutlich anzumerken. Mittlerweile fehlt ihm öfters mal ein Schritt, um in der Helpdefense zu stören, er ist nicht mehr der überragende Shotblocker vergangener Jahre und auch offensiv schaffen es immer mehr Gegner, ihn im 1-on-1 zu verteidigen. Daraus resultiert natürlich, dass die Strategien an die neue Situation angepasst werden muss.

Mehr Tempo

Waren die Spurs in den Zeiten ihrer Titelgewinne immer eines der beiden besten defensiven Teams der Liga, legen sie seit der vergangenen Saison den Fokus eher auf ein schnelleres Spiel und aufs eigene Scoren. Spielte man in der Saison 2008/09 noch ein Tempo von 88 Ballbesitzen pro Partie und erzielte 97 Punkten pro Spiel, waren es 2009/10 schon knapp 92 Ballbesitze und über 101 Punkte pro Partie. Gleichzeitig erzielte aber auch der Gegner im Schnitt 3 Punkte mehr pro Spiel, als im Vorjahr (96,3 Pts/G zu 93,3 Pts/G).

Mehr Offensivrebounds

Gregg Popovich hat realisiert, dass seine Vorstellungen vom perfekten defensiven Basketball mit einem alternden Tim Duncan nur noch schwer umzusetzen sind. Ebenso wiegt das Karriereende von einem der besten Perimeter- und 1-on-1 Verteidigern – Bruce Bowen – natürlich schwer. Die Devise lautet nun: Weg vom „Ohne-Risiko-Basketball“, hin zu mehr Tempo und Risiko. Das fängt damit an, das Spiel schneller zu machen und öfters den Fastbreak zu suchen, zum anderen auch mehr Wert auf Offensivrebounds zu legen. Die Spurs waren in der Duncan-Ära immer eines der schwächeren Teams bei den Offensivrebounds, was vor allem der defensiven Strategie geschuldet war, den Gegner an leichten Punkten im Schnellangriff zu hindern. Die Transition Defense nahm immer einen hohen Stellenwert im Spiel der Spurs ein. Dadurch rannte Duncan meist sehr früh zurück zum eigenen Korb. So war man 2008/09 das mit Abstand schlechteste Team, was die Zahl der Offensivrebounds angeht. Gerade einmal 728 Offensivrebounds sammelten die Texaner – der Ligaschnitt lag bei 905. In der vergangenen Saison lag man nur noch 12 Offensivrebounds unter dem Ligaschnitt, was  dem neuen Fokus auf Offensivrebounds geschuldet ist.

Mehr Freiwürfe

Eine weitere Auffälligkeit der letzten Jahre: Die Spurs bekamen sehr wenige Freiwürfe. In der Saison 2008/09 waren es gerade einmal 1641 Freiwürfe – der Ligaschnitt lag bei 2029. Damit kamen die Spurs die wenigsten Freiwürfe der gesamten Liga und sogar fast 200 weniger, als der Vorletzte aus New Orleans. Aufgrund der oben erwähnten offensiven Spielweise, schlossen die Spurs sehr häufig mit offenen Würfen aus der Mitteldistanz oder Distanz ab. Da man bei diesen Würfen seltener gefoult wurde, als bei sehr aggressivem Spiel mit Zug zum Korb, bekam man eben auch weniger Freiwürfe.

Diese Spielweise hat sich nun geändert, was das Spielermaterial auch zweifelsohne hergibt. Neben Spielern wie Parker, Hill und Ginobili, ist es vor allem die  letztjährige Verpflichtung von Richard Jefferson, der für diesen neuen Stil sorgen soll. In seiner ersten Saison wurde er dieser Rolle nicht gerecht, sondern verfiel eher in die „Bruce-Bowen-Rolle“, indem er sich kaum bewegte, sondern nur auf seinem Spot verharrte und auf den Ball wartete. In der noch jungen aktuellen Saison sehen wir bislang einen anderen Richard Jefferson. Einer, der sowohl gut von außen trifft, aber eben auch immer aggressiv den Zug zum Korb sucht. Bislang ist er in dieser Saison der Spieler mit den meisten Freiwürfen im Team der Spurs.

Erste Erfolge zeigten sich bereits letztes Jahr. Zwar lag man auch in der abgelaufenen Saison unter dem Ligadurchschnitt, allerdings nur noch mit knapp 50 Versuchen weniger, von der Freiwurflinie, was Rang 19 im Vergleich zu den anderen Teams bedeutete.

Kann der neue Basketball der Spurs ebenso erfolgreich sein?

Waren die alten Spurs eher als langweilig und unattraktiv verschrien, hat sich dieses Bild schon gewandelt. Mittlerweile spielen die Spurs auch dank des neuen Spielermaterials wesentlich attraktiver für den neutralen Zuschauer. Jahrelang kannte man Dunkings im AT&T Center nur vom Gegner – mittlerweile gibt es dank Spielern wie Dejuan Blair oder Richard Jefferson auch spektakuläre Spielzüge der Spurs zu beklatschen. Vorbei die Zeiten des immer strukturierten und effizienten Basketballs, der überspitzt gesagt, bei jedem Angriff in einem gefühlten Dreier von Bruce Bowen oder einem Bankshot von Tim Duncan endete.

Doch kann man mit diesem schnelleren Basketballstil ähnlich erfolgreich sein wie zu den Zeiten der Titelgewinne? Gewinnt doch nicht nur die Defense Championships?

Wenn man sich die Champions der letzten Jahre anschaut und sich vor allem die Offensive- und Defensive-Ratings am Ende der Saison anschaut, fällt eines auf: Seit der Saison 2001/02 gehörten alle Titelträger sowohl offensiv als auch defensiv zu den Top10-Teams der Liga. Mit einer Ausnahme: Die Detroit Pistons waren bei ihrem Titelgewinn 2004 zwar das zweitbeste Defensivteam, im Offensive Rating allerdings nur auf Platz 18. Schaut man sich nun das Rating der Spurs aus der vergangenen Saison an, sieht man, dass sie offensiv auf Rang 9 und defensiv auf Rang 8 gelegen haben. Demnach müsste man zu dem Schluss kommen, dass sie durchaus noch wettbewerbsfähig sind und um den Titel mitspielen können.

Dagegen spricht aber die Tatsache, dass die Western Conference ausgeglichener geworden ist als in einigen Vorjahren. In der vergangenen Saison reichten 50 Siege gerade einmal zu Platz 8 in der Endabrechnung.

Zudem war die große Stärke der Spurs immer, dass sie durch ihr variables Spiel nahezu jedem Gegner das eigene Tempo aufzwingen und ihr eigenes Spiel durchbringen konnten. Exemplarisch waren die vielen Playoff-Serien gegen die Phoenix Suns in den vergangenen Jahren, als ein langsam spielendes Team auf ein sehr schnell spielendes Team traf. Den Spurs gelang es in der Vergangenheit meist, das Tempo zu kontrollieren und die Serien für sich zu entscheiden. In der vergangenen Saison hat sich aber deutlich gezeigt, dass man vor allem in der Defense nicht mehr so dominant auftreten kann wie in den Vorjahren. War die Devise in den vergangenen Jahren gegen die Suns stets, den Gegner bei 100 Punkten zu halten, scorten die Suns in den letztjährigen Conference Semi-Finals knapp 110 Punkte im Schnitt. Am Ende stand das verdiente 0:4-Aus für die Spurs. Der Versuch mit dem Gegner mitzulaufen und sich auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen, war nicht aufgegangen.

Dennoch reicht der neue Spielstil der Spurs allemal, um erneut eine Saison mit 50 und mehr Siegen zu spielen und in die Playoffs einzuziehen. Von Platz 2 hinter den Lakers bis Platz 8 ist allerdings alles möglich. Für einen tiefen Playoffrun fehlt dem Team jedoch die nötige Fähigkeit, variabel auf jeden möglichen Gegner zu reagieren. Und in den Playoffs kann man auf viele unterschiedliche Strategien treffen. Da gibt es die Lakers mit einem dominanten Frontcourt, das junge, sehr athletische Team aus Oklahoma, die wiedererstarkten Hornets oder auch die sehr kontrolliert spielenden Blazers aus Portland. Die Spurs besitzen nicht mehr die Waffen, um jeden möglichen Gegner dominieren zu können. Doch genau die Waffen braucht man, um am Ende ganz oben zu stehen.

Das Motto lautet nun vielmehr: „Wenn wir schon nichts mehr gewinnen können, sieht es wenigstens attraktiv aus“.

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3 comments

  1. Sebastian Hagner

    Schöner Artikel. Die Spurs hatten eben jahrelang das Glück, mit Duncan und Bowen zwei auf ihren jeweiligen Positionen herausragende Verteidiger in ihren Reihen zu haben. Mehr als jedes System war das meiner Meinung nach der Schlüssel zu der defensiven Dominanz, die die Spurs in ihren besten Jahren auszeichnete.

    Ich denke, dass v.a. RJ von einem etwas schnelleren Spiel profitiert, und auch Parker oder Ginobili können diesen Stil mittragen; Splitter scheint mir zudem ebenfalls einer zu sein, der gut mitrennen kann.

  2. Michael Stuhldreier

    |Author

    Ich glaube schon, dass vor allem das System für gute Defense verantwortlich ist. Denn zwei überdurchschnittliche Verteidiger, bringen dir noch keine gute Defense. Die wirst du nur bekommen, wenn jeder im Team seine Rolle kennt und diese im Team auch umsetzt. So sind ja bspw. Manu und Parker nicht gerade schlechte Verteidiger, auch wenn sie nicht die individuelle Anerkennung dafür bekomen. Hier gibt es einen ganz guten Versuch, um die Defense von einzelnen Spielern in Zahlen umzusetzen: http://www.basketball-reference.com/blog/?p=7239

  3. Auch von mir ein Lob! Sehr guter Artikel.

    Das Team ist vor allem durch die junge Bank mehr zum Rennen gezwungen. Diesen Spielern kommt das dann zu Gute, aber es fehlt die Klasse. Temple, Gee, Anderson, Neal & Co gehören nicht gerade zum Besten, was die NBA zu bieten hat. Alleine deswegen werden sie schon nicht mit den Topteams im Westen mithalten können.

    Bin schon jetzt gespannt, wie sich die Spurs nach dem Karriereende (Ich weiß dauert noch ein bisschen) von Duncan entwickeln. Es wird interessant sein zu sehen, ob sie sich mit einigen cleveren Verpflichtungen bzw. Trades wieder zurück in die Spitze katapultieren können. Aber das dauert ja noch ein paar Jahre.

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