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saric

Dario Saric

Cibona Zagreb, Adriatic League (Kroatien)
28. Mai 2014 Hinterlasse einen Kommentar

Datenblatt

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3f/Dario_Saric,_Austria_v_Croatia.jpgName: Dario Saric

Position: Big

NBA-Potential: ★☆☆☆   (Rollenspieler)

Team: KK Cibona Zagreb, Adriatic League

Pro-Erfahrung: 2 Jahre

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Statistikvergleich zwischen Dario Saric, Clint Capela und Jusuf Nurkic in der Adriatic League/French LNB Pro A und dem EuroCup (zum Vergrößern klicken)

Heute vor einem Jahr war Dario Saric mit 19 Lenzen bereits ein erfahrener Hase im europäischen Basketballgeschäft. Seit dem frühen Teenageralter trat der Kroate bei jedem hochrangigen Jugendwettbewerb an, zu dem er eingeladen wurde – ganz egal ob als einer der jüngsten oder ältesten Spieler im Feld. Dario wollte einfach spielen und dominieren. So wuchs sein Ruf innerhalb Kroatiens als der lang ersehnte Nachfolger Drazen Petrovics, der das kleine Land zu ähnlichem Ruhm fühen sollte wie die einstige Legende Cibona Zagrebs. Außerhalb Kroatiens wuchs der Hype um Saric als das größte europäische Talent seit vielen Jahren und explodierte nach der U-16 Europameisterschaft 2010, in dessen Finale Saric nach Ricky Rubio erst der zweite Spieler war, dem ein Triple Double gelang.

Trotz all der Erfahrung und den Abzeichen, die sich Dario verdient hatte, schienen ihm die vorherigen sechs Monate – die bisher wichtigsten in seiner Karriere – in einer albtraumhaften Sequenz wie Sand durch die Finger zu gleiten. Nach Lizenz- und Wechselproblemen, sowie Familienzoff enttäuschte Dario nicht lediglich in seiner ersten echten Profiseason in der Adriatic League. Nein, er stank regelrecht: In 15 Spielen traf er bei einer USG% von 22,9 nur grauenhafte 36,8% seiner Würfe aus dem Feld und erschrekende 50% an der Linie. In ca. 24 Minuten Einsatzzeit pro Spiel war Saric kein positiver Faktor für Cibona, was unter anderem eine Points-Per-Shot-Wertung von knapp unter 1,00 und ein ORTG von 89,3 bescheinigen. Galt Saric Monate vor dem Draft noch als offensiv versatiler Lotterypick, zwang ihn seine miese Saison, den 2013er Draft trotz schwachem Jahrgang zu überspringen. Die Hoffnung lag nun darin, dass er seinen fallenden Wert durch starke Leistungen in der EuroBasket und seinem zweiten Jahr bei Cibona wieder steigern könnte.

Das tat er. Nach einer soliden Leistung als Rollenspieler für die A-Nationalmannschaft Kroatiens, verbesserte sich der Kroate auch im Verein, wie ein Blick auf seine rohe Produktion und seine erweiterten Statistiken zeigen:

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Statistiken von Dario Saric in den Spielzeiten 2012-13 und 2013-14 (zum Vergrößern klicken)

Besonders stark präsentierte sich Dario in den Adriatic League Final Four, als er Cibona Zagreb überraschend zur Meisterschaft hievte. Im Finale gegen Stadtrivale Cedevita Zagreb (und Draftrivale Jusuf Nurkic) erzielte Saric 23 Punkte, 11 Rebounds, 7 Assists, 5 Turnover und 5 Blocks mit 5 von 9 Dreiern, ohne auch nur eine Sekunde auf die Bank zu gehen. Seine manchmal als naiv und kindlich wirkende Frohnatur zeigte Dario, als er den Fans zugewandt die Mannschaftshymne sang – während ein Teamkollege mit noch einigen Sekunden zu spielen an der Freiwurflinie stand.

Tools and Skills

Playmaking – Saric machte während seiner Jugendzeit als Point Forward von sich reden, der in Kroatiens Jugendnatinoalmannschaften die erste Option im Aufbau und eigentlich auch im Abschluß war. Mit Jerrel Blassingame, Matt Jannings und D.J. Strawberry im Kader stand Dario Saric in der ersten Saisonhälfte meist mit zwei balldominanten und drivefreudigen Guards auf dem Court. Saric war in diesem Setup lediglich die dritte aufbauende Option und konnte seine Kreativität eher selten in einer freien Offensive zur Schau stellen. Janning und Strawberry verließen Cibona aufgrund von finanziellen Problemen des Clubs zur RÜckrunde, was Saric in der heimischen Liga ob fehlender Optionen im Aufbau zu extrem hoher Spielzeit und deutilch höherer Verantwortung einbrachte (siehe Grafik unten).

saricseason

Zur Rückrunde verließen die Ballhandler D.J. Strawberry und Matt Jenning Cibona Zagreb. Sarics Minuten und vor allem USG% stieg in Folge dessen, während die Mannschaft offensiv ähnlich effektiv blieb (zum Vergößern klicken).

Als Passgeber ist Saric aus jeder Lage gefährlich. Post-Ups weiß er von beiden Seiten des Korbes geduldig zu nutzen, um Doppelteams zu ziehen und denn Ball zu einem frei gewordenen Spieler oder einem Cutter durchzustecken. Cibona spielt recht “modernen” Basketball, sprich sie schließen viele Angriffe als Dreier oder am Korb ab. Die Aufmerksamkeit, die Saric als Post-Spieler bekommt ist hierfür ein großer Faktor. Saric übersieht sich öffnende Passwege selten und beweist generell gutes Timing beim Abspiel. Auch im Drive ist Saric für seine Größe ein überdurchschnittlicher Passgeber und sucht bevorzugt am Korb frei werdende Anspielstationen, sobald er von der Verteidigung Hilfe zieht. Saric spielt jedoch nicht die Rolle eines echten Point Guards und dies ist für die NBA aufgrund seiner eher unterdurchschnittlichen Schnelligkeit gepaart mit zwar solidem, aber hohem Dribbling, wahrscheinlich nicht realistisch. Dazu ist seine Vision zwar aus allen Lagen verblüffend, die Präzision jedoch nicht. Ein Teil der Pässe, gerade aus Post-Ups, kommen außer Balance, wodurch die Pässe zwar immer noch “gut” sind, den Rezipienten jedoch nicht sauber vor die Brust gespielt werden, wodurch sie zugestellt werden können ehe sie einen Nutzen im Spot-Up ziehen können.

Sollte Saric in der NBA nicht die Double Teams ziehen wie in Europa, sollte ein wichtiger Teil seines Playmaking-Zaubers verfliegen, doch der Kroate weiß diese Gabe auch anderweitig zu nutzen. Darios Vision in einem “Read-&-React”-Setup zeigt sich vor allem im Weiterleiten von Hockey-Assist. Wird er angespielt, nachdem ein Spieler bereits die Defense zu einer Rotation fordert, kann Dario blitzschnell erkennnen, wohin der Ball gehen muss, um einen defensiven Breakdown zu vervollständigen. Dario versucht dabei oft, Pässe durch sehr kleinen Raum zu zwingen, was in recht vielen Turnovern endet. Ähnlich wie bei Rubio könnte die “geräumigere” NBA für Darios Passspiel besser angelegt sein, vor allem in Transitionsituationen, in denen Dario als Ballhandler und Trailer sehr stark ist. In der Adriatic League war Saric der einzige Frontcourtspieler unter den Top 30 in Assists und AST%, ebenso wie in AST% unter allen ungedrafteten U-23 Spielern Europas*.

* Europäische Spieler, die jünger als 23 sind, sich in der Vergangenheit zu keiner Draft angemeldet haben und in einer Liga spielen, die in den letzten 3 Jahren mindestens einen Teilnehmer für die Euroleague oder den Eurocup stellten.

Shooting, Scoring & Finishing – Saric größte Wandlung vollzog sich im Scoring. Saric hatte die sechsthöchste USG% in der Adriatic League, getoppt nur durch einige Veteranen und Jusuf Nurkic, der jedoch deutlich weniger Minuten spielte. Wies Saric letztes Jahr noch eine TS% von 43,1% und einen PPS-Wert von 0,99 bei deutlich niedriger Usage auf – für ein offensives NBA-Talent unwürdig – hievte er seine USG% auf 27,2, seine TS% auf 58,9% und den PPS-Wert auf satte 1,49. Bei diesem Volumen lag er unter den Top-Spielern der Liga. Auch im europäischen Vergleich mit den U-23 Talenten tat er sich hervor. Lediglich Nurkic hatte eine höhere Usage bei einer besseren PPS- und ORTG-Wertung. Wie bereits erwähnt spielte Nurkic jedoch deutlich weniger Minuten und Darios USG% erreichte in der zweiten Saisonhälfte das Niveau von Nurkic.

scoreradriatic

Dario spielte bei sehr hoher Usage extrem viele Minuten.

Saric Wurfauswahl und in kleinerem Maße auch -fähigkeit scheint im Gegensatz zu 2013 verbessert. Sein primäres Ziel ist der Korbabschluß, was die deutlich höhere Zahl an gezogenen Freiwürfen zeigt. Vielversprechend ist die Steigerung im Distanzwurf bei soliden 34% 3FG% (auch wenn die Stichprobengröße bei 87 Versuchen eher klein ist) und die Stabilisierung der Freiwurfquote von 50% auf 68%. Bedenkt man, dass der Dreier der Adriatic League ein langer Mid-Range Wurf in der NBA ist, bleibt Sarics Wurf weiterhin ein großes Fragezeichen. Immerhin besinnt er sich fast ausschließlich auf Spot-Up Würfe und streut nur vereinzelt lange Pull-Ups aus Dribblings ein.

Saric sieht im Finishing gegen Kontakt immer noch etwas ungeschickt aus und auch die Post-Moves sind trotz all der Geduld eher roh. Er sucht jedoch konsequent Kontakt und eine 2FG% von 56% gibt ihm hierbei Recht. Außerdem zeigt sie, dass die Befürchtungen, Saric könnte dem körperbetonten Spiel in der Adriatic League nicht gewachsen sein, überzogen waren. In der zweiten Hälfte der Saison wurden sehr viele Spielzüge Cibonas über Saric am Low Block bzw. der Short Corner iniziiert. Dario strahlt von dort keine Wurfgefahr aus und schloß wenige dieser Situationen mit einem Mid-Range Wurf ab. Seine Fähigkeit, von dort aufzuposten oder kurze Drives zum Korb anzusetzen, waren für gegnerische Verteidigungsreihen dennoch ein Albtraum und ermöglichten ihm selbsterspielte Würfe nah am Brett oder Assistmöglichkeiten. Einige Szenen mit guten Spot-Up Versuchen, schwierigen Pull-Ups und seiner Fähigkeit, aus dem Dribble und im Post-Up am Brett abzuschließen, seht ihr hier:

ACTIVITY MAP
(Stichprobengröße: 9 Adriatic League-Spiele – Zum Vergrößern jeweils klicken)

frontcourttouches

Touches im Frontcourt

passesvsassists

Pässe & Assistgelegenheiten

spotupvspullup

Shot Chart

drive

Aktionen aus Drives

Aktionen aus Post-Ups

Aktionen aus Post-Ups

 

Verteidigung & physische Voraussetzungen – Defensiv ist Dario als Teamspieler bemüht und versucht gegen Rollmänner bei Pick-&-Rolls auszuhelfen, wenn der eigentliche Verteidiger gegen den Ballhandler hedgt. Um den Korb herum macht Dario eine deutlich bessere Figur als am Perimeter. Er versucht, als Ringbeschützer zu agieren und Würfe schwierig zu gestalten. Er ist darin kein Experte, scheint sich jedoch ganz gut zu machen. Unter allen U-23 Spielern Europas* landete er mit seiner BLK% immerhin im oberen Viertel. Wie in der Offensive sieht Dario auch defensiv gegen Kontakt nicht immer gut aus.

Sarics reine Reboundingzahlen sind aufgrund der Spielzeit “gepaddet”, jedoch ist er auch laut TRB% ein Top 5-Rebounder in der Adriatic League, und landet auch im europäischen Vergleich* in den Top 10.  Auch hier zeigt er gegen physisches Spiel noch Schwächen. Die deutlich niedrigere Zahl an Offensivrebounds könnte dadurch erklärt werden, dass es ihm deutlich schwerer fällt, sich Position zu erkämpfen anstatt Position zu halten. Der limitierte statistische Output, den uns defensive Stats geben, geben ihm jedoch auch hier zunächst Recht und zeigen, dass er zumindest in der ABA defensiv keine Belastung war.

Am Perimeter sieht Dario schon eher nach einem defensiven Minus aus. Ist er diszipliniert und bleibt vor Guards und Forwards, macht er sich gut darin, an ihnen dran zu bleiben, wenn diese zum Korb ziehen. Er rutscht jedoch viel zu oft aus Position, weil er nach Steals grabscht und nicht hinterher kommt, sobald sein Gegenspieler ihn umkurvt. Das gleiche Problem zeigt er auch nach Hedging gegen Guards beim Recovern zu seinem Rollman. Saric scheint sich seines Schnelligkeitsdefizits fast schon “überbewusst” zu sein, sodass er Closeouts gegen Schützen partout verweigert und lieber einen womöglichen Drive verhindert. Bekommt ein Schütze den Ball an der Derierlinie, zu dem Dario rotieren muss, bleibt Saric meist einige Schritte vor ihm stehen und hebt nur müde die Hand, ohne den Wurf im Geringsten zu behindern.

Als defensiver Tweener mit augenscheinlichen Defiziten am Perimeter und ohne besondere Länge (6’10 mit nur 6’10 Spannweite) ist Saric Zukunft als Verteidiger in einer schnellen, physischen und athletischen Liga skeptisch zu sehen, jedoch sicher nicht hoffnungslos. Inwieweit er seine solide Post-D und das Rebounding in die NBA übertragen kann ist eine wichtige Frage, doch ein erzieltes Team-DRTG von knapp 97 in 33 Minuten pro Spiel mit Dario als Inside-Verteidiger zeigt, dass das Potential, defensiv zu funktionieren, besteht – vor allem in einem Teamverbund, in denen er sich auf seine defensiven Stärken besinnen kann. Dieses Video zeigt einige Rebounding- und Defensivaktionen Darios, am Korb sowie am Perimeter:

Spielervergleich

Aufgrund der Fähigkeit, als erweiterter Playmaker im Frontcourt zu agieren, dessen Spezialität es ist, Hockey-Assists in Assists umzuwandeln, erinnert er an Spieler wie Boris Diaw, Josh McRoberts und Andrei Kirilenko. Versucht sich Dario in Zukunft öfter als Ballhandler im Pick-and-Roll, könnte man Paralelen zu Hedo Turkoglu ziehen, wobei er dazu seinen Wurf aus dem Ballhandling verbessern müsste. Ähnlich wie Kirilenko weiß Saric jedoch sein Spielverständnis zu nutzen, um seine bisherige Wurfschwäche auszugleichen. Sollte es ihm gelingen, die offensive Vielseitigkeit, die er in der ABA gezeigt hat, auch in die NBA zu übertragen, kann auch Lamar Odom als Comp gesehen werden. Der unkonstante Wurfe gepaart mit facettenreichem Skillset, in dem noch keine Fähigkeit besonders ausgebildet zu sein scheint, erinnert auch an Spieler wie Gordon Hayward, Evan Turner, Chandler Parsons und James Johnson, die je nach Situation und Besinnung auf ihrer Rolle unterschiedlichen Erfolg in der Transition zur NBA hatten.

Draftaussichten

Neben dem wahrscheinlichen erstmaligen Verbleib in Europa ist eine weiterer Faktor, inwieweit Saric durch seine starke, MVP-würdige Leistung 2014 die Zweifel und Fragen beantworten konnte, die im Zuge der desaströsen Saison 2013 aufkamen. Saric Bereitschaft und Effektivität, off the ball zu spielen, ob in kleinerer Rolle für die kroatische Nationalmannschaft bei der EuroBasket 2013 oder als erweiterter Playmaker neben drei balldominanten Guards sprechen dafür, dass er sich an eine Rolle eher Abseits vom Ball in einer stärkeren Liga gewöhnen und darin effektiv aufgehen kann. Sein überzeugendes Spiel als Zugpferd Cibonas nach dem Weggang Jannings und Strawberrys zeigen aber auch, dass er Potential besitzt, ein effektiver Spieler zu sein, wenn der offensive Fokus als Playmaker stärker auf ihm liegt. Als defensiver Tweener sollte die NBA eine Herausforderung werden, und er insbesondere am Perimeter Probleme haben. Doch als facettenreicher Offensivspieler sollte er in einer starken Draft als später Lottery Pick oder knapp ausserhalb der Lottery interessant sein. Kann Saric auch in der NBA Doppelteams ziehen können und ähnlich gute Ergebnisse im Distanzwurf zeigen wie dieses Jahr – beides noch fraglich – sollte er sich durch seine Fähigkeit, auf einer Big-Position wenn auch nur durch Passspiel Spacing zu generieren, klar als NBA-würdig etablieren. Eine Ansage, für wie talentiert er sich im Vergleich zu den Super-Freshmen hält, tätigte er nach Cibonas überraschender Meisterschaft in der Adriatic League:

Dario Saric: “All guys that are in this draft, Parker, Wiggins, etc would not be able to do with this team, what I did this season.”

Artur Kowis
Artur Kowis schreibt auf Go-to-Guys.de über die NBA. Er interessiert sich für die gezielte Anwendung der unzähligen modernen Analysewerkzeuge, sowie deren Grenzen. Hin und wieder blickt er auf hoffnungsvolle europäische Talente und sein leidgeprüftes Fanherz schlägt für die hoffnungslosen Minnesota Timberwolves.

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