NBA

Draft Team Needs 2017: Picks 1-3

Celtics, Lakers und Sixers

Wie in den letzten Jahren gibt es wieder ein Gegenstück zum Draft: die Team Needs. Die Idee dahinter findet sich in der ersten Ausgabe und beschreibt, was sich von dem Draft Powerranking grundlegend unterscheidet:

Das Go-to-Guys Draft Powerranking unterscheidet sich von den üblichen Mockdrafts vor allem dadurch, dass die Spieler nur nach der prognostizierten Qualität gerankt sind. Um eine möglichst große Aussagekraft bezüglich der spielerischen Möglichkeiten der Prospects zu erhalten, sind Team Needs nicht Teil des Rankings. Dieser dreiteilige Artikel setzt hier an und stellt das Gegenstück dar, eine Darstellung der Voraussetzungen und Rebuild-Pläne der Teams ohne Betrachtung der Draft Class.

Das mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen: Wie kann man das Draftverhalten eines Teams ohne die Draftees beschreiben? Und tatsächlich gibt es Fälle wie etwa 2012 Anthony Davis, wo jede Franchise zugreifen muss – unabhängig vom bisherigen Kader, den Plänen für die kommenden Jahre oder anderen Faktoren. Oft ist das Talentlevel jedoch vergleichbar, wie auch die Kategorien des GtG-Rankings zeigen. Hier werden dann die Voraussetzungen und Ziele der Franchise interessanter, die Draftstrategien unabhängiger von den Spielern. Die Grundlagen sind bereits hier dargestellt, für diesen Artikel wird ein etwas ausgeweitetes System eingesetzt: Zu den Kategorien der Entwicklung des Spielers (Upside vs. NBA-Ready) tritt noch die Möglichkeit Trade (siehe auch hier).

Den Anfang machen die drei Gewinner-Teams der Lottery – und damit den drei Teams, zu denen sich momentan die Tradegerüchte überschlagen…

Pick 1: Celtics

Letztes Jahr als Playoff-Team den dritten Pick, dieses Jahr als Conference-Finalist den ersten – es läuft für die Celtics. Der Nets-Trade um Paul Pierce und Kevin Garnett sieht immer mehr nach dem einseitigsten in der Geschichte der NBA aus. Danny Ainge wird sich darüber freuen, auch wenn er sich deshalb mit einem Luxusproblem herumschlagen muss: Was macht ein (beinahe-) Contender mit der ersten Wahl am 22. Juni? Hätten die Nets den Pick, wäre die Strategie zumindest einfach. Ein Team im Rebuild nimmt den bestmöglichen Spieler (BPA), schließlich kann man sich vom 1. Pick mit einiger Berechtigung einen Franchise Player erhoffen. Je nach Draft ist dann noch zu entscheiden, wer der beste Spieler es Jahrgangs ist, aber das ist hier nicht Thema.

Was wären also die Alternativen? Letztes Jahr wäre es noch einigermaßen denkbar gewesen, schlicht in den Rebuild zu gehen und alle Veteranen abzugeben. Das war allerdings vor der Verpflichtung von Al Horford und vor dem Breakout-Year von Isaiah Thomas. Jetzt scheint ein Trade die einzige logische Alternative zu simplen BPA. Es ergibt zumindest wenig Sinn, nach Fit oder NBA-Readiness zu draften – schließlich steht bei einem so guten Team auf jeder Position ein guter NBA-Starter als Konkurrenz im Kader. In Marcus Smart, Jaylen Brown und Kelly Olynyk (RFA) deckt zusätzlich auch noch ein jüngerer Spieler grob jeden Minuten-Slot ab. Also muss sich der Draftee überall gegen mehrere Mitspieler durchsetzen, was von einem ersten Pick aber auch erwartet werden kann.

Zurück zu den Trade-Optionen: Eine Möglichkeit wäre, wie zur Deadline diskutiert, den Pick für einen Star abzugeben. Die gehandelten Namen sind mit Jimmy Butler und Paul George auch durchaus klangvoll, trotzdem sprechen auf den ersten Blick aktuell weniger Argumente für diesen Weg als vor knapp einem halben Jahr. Erstens sehen Warriors und Cavs als Konkurrenz so viel stärker als die Celtics aus, dass ein langsamerer Weg an die Spitze vielversprechender erscheint. Zweitens ist es eine andere Größenordnung, den ersten Pick als einen anderen Top 5-Pick abzugeben – der Ausgang der Lottery hat dieses Szenario also nicht wahrscheinlicher gemacht, entsprechend sind die Gerüchte auch etwas verstummt. Dass drittens die Celtics wohl auf die Free Agency-Verpflichtung von Gordon Hayward hoffen, scheint die Überlegungen zu beenden. Aber: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Draftee je besser sein wird als Top 10-Spieler Jimmy Butler? Solange nicht ein erster Pick vom Kaliber LeBron James oder Anthony Davis verfügbar ist, wäre ein solcher Trade also vermutlich kein Fehler.

In den letzten Tagen ist etwas überraschend noch eine Alternative aufgetaucht – der Trade für einen anderen Top 5-Pick und ein weiteres Asset. Sowohl die Lakers als auch die Sixers scheinen Interesse am ersten Pick zu haben, wobei Philadelphia sicher das bessere Paket schnüren könnte. Diese Option kommt vor allem dann in Frage, falls Celtics-GM Danny Ainge mit den möglichen Draftees an Position 1 nicht zufrieden sein sollte beziehungsweise mehrere auf gleichem Level sieht. Umgekehrt ist vielleicht ein echtes Lottery-Team verzweifelt genug, für den erhofften Superstar überzubezahlen. Andererseits: Was soll ein so mit Picks beladenes Team mit weiteren Assets anfangen? Die finanziellen Einsparungen ermöglichen es zwar leichter, genug Cap Space für einen Maximum-Vertrag zu kreieren; aber damit allein lässt sich die Entscheidung kaum rechtfertigen. Alternativ ließen sich die beiden Varianten auch noch kombinieren, also beispielsweise ein drei-Team-Trade mit Sixers und Bulls.

Tendenz: Momentan ist schwer einzuschätzen, ob die Celtics wirklich traden wollen oder vielleicht nur bei einem wirklich umwerfenden Angebot zuschlagen. Der Luxus eines Conference-Finalisten mit erstem Pick: Der Druck, zu handeln, liegt bei den anderen Franchises..

Pick 2 und 28: Lakers

Zum zweiten Mal hintereinander haben die Lakers Glück mit ihrem nur schwach geschützten Pick und dürften wieder an Position zwei ziehen. Obwohl Brandon Ingram noch nicht voll eingeschlagen hat, wäre das Team dadurch potentiell in einem ziemlich guten Zustand: Mit DeAngelo Russell drei Spieler mit hoher Upside, dazu einige weitere Talente wie Larry Nance Jr., Julius Randle und Jordan Clarkson. Außerdem ist die Anziehungskraft von Lila-Gold eben doch nicht ganz verloren, wie die Gerüchte um Paul George und zuletzt sogar LeBron James zeigen. Obwohl der eigene Pick im kommenden Jahr sicher nach Philadelphia geht, sähe die Situation absolut brauchbar aus – wären die Lakers nicht letzte Offseason auf große Shopping-Tour gegangen. Jetzt stehen Luol Deng und Timofey Mozgov für zusammen weit über 30 Millionen Dollar im Jahr in den Büchern, ohne, wie an der Bilanz sichtbar, spielerisch einen auch nur annähernd dem entsprechenden Beitrag zu leisten.

Das sorgt für eine relativ einfache Antwort auf die Frage nach der richtigen Draftstrategie. Auch wenn ein Trade für George nach der bei den Celtics beschriebenen Logik durchaus Sinn ergeben würde und der ohnehin verlorenen Pick im kommenden Jahr einen Trade zusätzlich an Attraktivität gewinnen lässt: Aufgrund der letztjährigen Verpflichtungen fehlt jegliche finanzielle Flexibilität für zusätzliche Verstärkungen. Der Management-Wechsel im Winter war aus diesem Grund absolut gerechtfertigt, jetzt müssen es aber Rob Pelinka und Magic Johnson auch wirklich besser machen. Das heißt: Unbedingt BPA und Upside ziehen, der Fit spielt eine untergeordnete Rolle. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Spieler mit Ingram und Russell überhaupt nicht zusammen passt. Selbst wenn wäre eher ein Trade Russells – oder eines der anderen jüngeren Spieler – naheliegender als Zugeständnisse beim Pick.

Das Gerücht eines möglichen Trades mit den Celtics für den ersten Pick scheint aufgrund der Roster- und Assetstruktur eher unrealistisch: Es gibt wenig, mit dem die Lakers den Tausch schmackhaft machen könnten: Ingram und Russell sind offensichtlich zu viel für eine Position im Draft, Picks können sie nicht sinnvoll vertraden – und der Rest dürfte Ainge kaum überzeugen. Hier ist also Füße stillhalten angesagt, um nicht neue Probleme zu schaffen.

Tendenz: Die Lakers sollten alle Experimente vermeiden und ihren Pick für den besten Spieler einsetzen. Ob die Veränderungen im Front Office bedeutet, dass die Franchise tatsächlich mehr Geduld an den Tag legt, muss sich aber noch zeigen. Kreativ werden können Magic und Pelinka gegebenenfalls mit dem 28. Pick…

Pick 3: Sixers

Nach einigen wenig ansehnlichen Jahren ging es letzte Saison endlich mal wieder bergauf für die Sixers – und das, obwohl in Ben Simmons der 1. Pick des 2016er-Drafts das ganze Jahr aussetzen musste. Allerdings schlugen Joel Embiid, wenn er denn spielte, und vor allem in der zweiten Saisonhälfte auch Dario Saric voll ein. Dieses Jahr könnte das Team in Simmons und dem Draftee wieder zwei Rookie of the Year-Kandidaten in den eigenen Reihen haben. Allerdings sollten die Sixers nicht einfach den bestmöglichen Spieler wählen wie letztes Jahr gefordert und vom Team allem Anschein nach auch beabsichtigt – anders lässt sich der Simmons-Pick nicht verstehen.

Während allerdings letztes Jahr Embiid ein einziges Fragezeichen war und Saric noch keine NBA-Minute absolviert hatte, ist die Situation jetzt fundamental anders. Dass eine Sammlung hochtalentierter Spieler nichts bringt, wenn sie nicht zusammen auf den Court stehen können, haben die Sixers mit ihren Big Men in den letzten Jahren bereits kennen gelernt. Die Noel/Okafor-Problematik löste Bryan Colangelo zudem denkbar ungünstig, indem er den eigentlich vielversprechenderen von beiden für einen ziemlich bescheidenen Preis nach Dallas schickte. Noel muss zwar diese Offseason bezahlt werden, trotzdem ist der Gegenwert mit Justin Anderson und zwei Zweitrundenpicks fragwürdig und auch auf den Logjam im Team zurückzuführen.

Eine Wiederholung dieser Situation sollte unbedingt vermieden werden: Auch wenn einige Guards und Wings wie T.J. McConnell, Nik Stauskas und Timothe Luwawu-Cabarrot die (teilweise geringen) in sie gestellten Erwartungen übertrafen, sind die drei größten Talente der Sixers Bigs. Der Draftee sollte daher unbedingt neben Embiid, Simmons und mit Einschränkungen Saric passen – was keine so ganz einfache Aufgabe ist: Embiid ist zwar abgesehen von seinen Ausfallzeiten aufgrund seiner Allround-Fähigkeiten wohl kein Problem, macht das Draften eines weiteren Centers allerdings unnötig. Richaun Holmes und Okafor müssen ohnehin weiter Minuten sehen. Saric und Simmons sorgen für größere Einschränkungen, da sie eigentlich die meisten Forward-Minuten abdecken sollten – wenn sie denn überhaupt zusammen passen. Zusätzlich ähnelt sich das Skillset: Es ist noch offen, ob man sich auf ihren Distanzwurf verlassen kann, dafür brauchen sie öfter den Ball in den Händen. Entsprechend brauchen die Sixers wenn irgendwie sinnvoll möglich einen Guard, der auch offball funktioniert, sprich den Distanzwurf trifft. Falls an Draftposition 3 ein solcher ein zu großer Reach wäre, ist ein Trade um einige Draftspots nach unten absolut naheliegend – relativ kleine Off-Guards sind normalerweise weniger gefragt. Wenn sich so ein zusätzliches gutes Asset abgreifen ließe, wäre das natürlich der Optimalfall.

Soweit die Situation bis vor wenigen Tagen. Jetzt steht das bereits angesprochene Gerücht eines Trades des dritten für den ersten Pick im Raum. Anders als die Lakers haben die Sixers mit dem Lakers-Pick nächstes Jahr, dem Kings-Pick 2019 und diversen weiteren interessanten Assets mehr Möglichkeiten, ein sinnvolles Gebot abzugeben. Überlegenswert wäre dieses Vorgehen vor allem dann, wenn die gesundheitlichen Probleme vom Embiid und Simmons so gravierend erscheinen, dass ein weiteres Franchise Player-Talent notwendig erscheint. Allerdings wäre der Trade mit einem erheblichen Risiko verbunden: Lakers und Kings könnten weiterhin so schlecht sein, dass die Sixers letztendlich mindestens zwei Top 5-Picks bezahlen. Die Talentevaluation müsste sich vermutlich stark von der der Celtics unterscheiden, damit beide Seiten sich einig werden.

Tendenz: Für die Sixers geht es darum, das Potential des eigenen, äußerst schwer zu beurteilenden Rosters optimal einzuschätzen und die dafür richtige Lösung zu finden. Spätestens der Noel-Trade hat aber einige berechtigte Skepsis ausgelöst, ob Colangelo seine Aufgaben optimal löst – Überbezahlen für den 1. Pick oder ein unpassender Spieler an 3 sind keinesfalls auszuschließen.

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