Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, Playoffs 2017

NBA Finals 2017: Game 4

Golden State Warriors vs. Cleveland Cavaliers
Screenshot: NBA League Pass

Die Golden State Warriors haben den historischen Playoff-Sweep verpasst. In beeindruckender Manier sichern sich die Cleveland Cavaliers Spiel 4 und erzwingen dadurch zumindest noch einmal ein fünftes Spiel. Die Grundlage dafür wurde schon im ersten Viertel gelegt, als die Cavaliers mit 49:33.

Wie Sebastian Hansen in seinem Artikel zu Spiel 3 richtig darlegt, war Tristan Thompson in der Serie bisher offensiv kaum in der Lage Impact auf das Spiel zu nehmen. In Spiel 4 zeigte er sich dagegen extrem aggressiv an den Brettern und holte sich schon im ersten Viertel drei Offensivrebounds, so viele wie in Spiel 2 und Spiele 3 zusammen. Mehrmals kreierte Thompson dadurch zweite Chancen, aus denen sich manchmal auch direkt offene Würfe für die Cavaliers ergaben.

Auch in der Defensive spielte Thompson eine Schlüsselrolle. Schon in Spiel 3 waren die Cavaliers dazu übergegangen Stephen Curry und Kevin Durant im Pick&Roll zu hedgen und so immer wieder andere Spieler zum Abschluss zu zwingen. Dies funktionierte in Spiel 3 allerdings nur in Auszügen, denn die Hilfe war häufig schlecht koordiniert und kam von der falschen Stelle. Häufig war Klay Thompson der Nutznießer, der zahlreiche offene Looks nutzte und sein bestes Spiel in den diesjährigen Playoffs machte. Zudem schafften die Warriors es immer wieder in Transition zu scoren (24 Fastbreak-Punkte) und so die Halbfeldoffense zu umgehen.

Defensive Adjustments der Cavaliers

In Spiel 4 schafften es die Cavaliers viel häufiger, die Warriors in die Halbfeldoffensive zu zwingen. Nur neun Punkte erzielten die Warriors aus der Transition. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen zeigten sich die Cavaliers als Team deutlich disziplinierter und engagierter beim Umschalten und versuchten den gegnerischen Ballhandler früh aufzunehmen und zum Anderen brannten die Cavaliers im ersten Viertel ein Offensivfeuerwerk ab, wodurch die Warriors nur selten die Chance hatten nach dem Rebound den Ball zu pushen.

Auch die Hedges waren deutlich besser koordiniert. Die Hilfe kam meist von Draymond Green, Andre Iguodala oder Shaun Livingston. Green nahm von Beginn an die offenen Würfe, konnte aber nur den ersten seiner sechs Dreier verwandeln. Er zeigte sich sehr aggressiv und nahm insgesamt 16 Wurfversuche, so viele wie noch in keinem Playoffspiel in dieser Saison, war allerdings dabei extrem ineffizient. Nur selten spielten die Warriors die Überzahl nach dem Doppeln so gut aus, wie in dieser Szene.

Iguodala agierte dagegen häufig zu zögerlich und verweigerte offene Würfe. Nur selten versuchte er nach dem Kickout zumindest den Korb zu attackieren und so die Offense am Leben zu erhalten. Einen Dreier nahm er gar nicht. In den Finals 2015 wurde er noch Finals MVP, weil er, neben guter Defense gegen LeBron James, genau diese Freiräume nutzen konnte und auch in der Offensive überzeugte.

Bei den beiden Superstars der Warriors zeigten sich deutliche unterschiedliche Vorgehensweisen, wie sie mit dem Druck der Hedges umgingen. Durant konnte in vielen Situationen clever den Druck der Cavaliers Defense entweichen oder suchte den Switch und attackierte dann im 1-vs-1. Curry agierte dagegen häufig sehr hektisch und suchte den schnellen Pass, was aber nicht selten in einem Turnover endete, oder den überhasteten Abschluss.

Das Offensivfeuerwerk der Cavs

Die Cavaliers brannten dagegen in der Offensive von Beginn an ein Offensivfeuerwerk ab. Kevin Love und J.R. Smith trafen schon im ersten Viertel fünf von acht Dreierversuchen, was etliche Räume für LeBron James und Kyrie Irving öffnete. Immer wieder liefen die Cavaliers auch Screens abseits des Balles für Irving und Smith, um die Offensive variabler zu gestalten und zudem Curry und Thompson in der Defensive mehr zu beschäftigen.

James trat zu Beginn des Spieles weniger als Scorer in Erscheinung, sondern versuchte seinen Mitspielern schon früh einen Rhythmus zu geben. Sechs seiner elf Assists verzeichnete er im ersten Viertel.

Zudem attackierte das Team im ersten Viertel unerlässlich den Korb und kam auf 22 Freiwürfe. Diese Aggressivität, noch bspw. abgebildet in Deflections, setzte den Ton, um Spiel 4 für sich zu entscheiden. Auf die Mischung aus einem den korbattackierenden Team und einer Mannschaft, die 24 ihrer 45 Dreierversuche traf, hatten die Warriors in der Defensive keine Antwort. Wichtig war es hier vor allem, dass die Cavs ihre Würfe auch losbekamen. Wenn sie dann fallen, stellen sie für jedes Team eine wahnsinnige Gefahr dar – auch für die sonst so überirdisch thronenden Warriors.

Ausblick auf Spiel 5

Die Cavaliers haben in Spiel 4 ein beeindruckendes Offensivfeuerwerk abgebrannt und zudem einige wirksame Adjustments getroffen. Allerdings muss auch realistisch eingeordnet werden, dass die Cavaliers vermutlich nicht noch einmal über 50 Prozent von der Dreierlinie bei 45 Versuchen schießen werden. Genauso wenig sollte davon ausgegangen werden, dass die Warriors noch einmal nur 28 Prozent von der Dreierlinie treffen. Die Cavaliers haben gezeigt, dass sie phasenweise mit den Warriors auf einem Niveau agieren können, für ein erneutes grandioses Comeback wie im letzten Jahr wird dies allerdings nicht reichen.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben