Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, NBA, Playoffs 2017

NBA Finals 2017: Game 3

Golden State Warriors vs. Cleveland Cavaliers
Screenshot: NBA League Pass

Basketball ist ein kompliziertes Spiel, aber am Ende gewinnen immer die Warriors. So lässt sich Spiel 3 der diesjährigen Finalserie beschreiben, wenn man die Partie auf einen Satz herunterbrechen müsste. Golden State hat eine Hand schon an der Larry-O’Brien-Trophy – dabei hatten die Cavs in diesem Spiel, im Gegensatz zu den vorangegangenen Partien, echte Chancen, die Serie wirklich spannend zu gestalten. Doch zum Schluss zeigte sich, warum man im letzten Sommer Kevin Durant verpflichtet hatte. Aber der Reihe nach. 

Speed kills – immer noch 

Jonathan Walker hatte in seinem Artikel zu Spiel 2 wie auch viele andere Kommentatoren die Cavs für ihre hohe Pace kritisiert. Coach Ty Lue machte vor der Partie allerdings keinerlei Anstalten, daran irgendetwas ändern zu wollen. 

Dementsprechend entwickelte sich die Partie dann zunächst auch. Das erste Viertel wurde wie schon die Spiele zuvor ebenfalls mit einem absurd hohen Tempo gespielt, wofür beide Teams verantwortlich waren. 

Der Nutzen des Ganzen lag dabei freilich bei den Warriors, die “nebenbei” noch 6 von 10 Dreiern verwandeln und die Cavaliers 39-32 outscoren konnten. Die Forderung an die Cavaliers, die Pace zu drücken, bekam also auch in Spiel 3 wiederum neues Futter. 

Ein weiterer negativer Nebeneffekt der hohen Geschwindigkeit wurde gerade in diesem Spiel noch einmal mehr als deutlich: die (offensive) Nutzlosigkeit von Tristan Thompson. Der Big Man der Cavaliers war im letzten Jahr noch einer der X-Faktoren des Cavs-Combacks gewesen; in diesem Jahr ging Lue in Spiel 2 sogar so weit, seine Minuten zu größeren Teilen an Channing Frye zu vergeben. Dies tat er diesmal nicht – Frye sah keine Spielzeit – doch Thompsons größte Stärke, das Offensivrebounding, kam wieder überhaupt nicht zum Tragen. Das ist jedoch irgendwie auch logisch, wenn man sich die Würfe ansieht, die die Cavs teilweise in der ersten Hälfte nahmen. Exemplarisch soll hierfür ein Dreier von Kyrie Irving stehen, den der Guard der Cavs Anfang des ersten Viertels nahm. Irving steigt mitten im Break überhastet hoch, während seine Mitspieler noch nicht mal ansatzweise in Position sind, überhaupt zum Offensivrebound zu gehen.

Screenshot: NBA League Pass

So beraubt man sich der eigenen Stärken und spielt durch das Pushen der Pace den Warriors, die dann in diesem Beispiel ihrerseits direkt in den Fast Break gehen konnten, in die Hände. 

Wie die Cavs das Spiel zunächst drehen konnten 

Während das erste Viertel ähnlich wie das komplette zweite Spiel ablief, veränderte sich der Charakter des Spiels mit zunehmender Spielzeit. Im zweiten Viertel sanken auf beiden Seiten die Wurfquoten und es wurden vermehrt Turnover begangen, jedoch konnte sich keines der beiden Teams einen wirklichen Vorteil erarbeiten und so gingen die Warriors mit einer knappen Sechs-Punkte-Führung in die Pause. 

Das dritte Viertel, das die Cavs mit 33 zu 22 gewinnen konnten, wurde dann zu einer Blaupause, wie die Warriors mit klugen Adjustments zu schlagen sind. Zunächst erhöhten die Cavs die Intensität der Verteidigung deutlich. Als Beispiel kann Thompsons Block gegen Draymond Green herangezogen werden. 

Auch Kevin Love zeigte insbesondere im dritten Viertel eine ansprechende Defensivleistung. In der Folge begingen die Warriors einige Turnover – im ganzen Spiel waren es 18, im Vergleich zu 12 auf Seiten der Cavs – und fanden offensiv nie wirklich in ihren Rhythmus. Schlussendlich standen nur 5/16 FG und lediglich 1/5 Dreiern zu Buche. Cleveland dagegen konnte offensiv vor allem deswegen überzeugen, weil sie den Weg in die Zone fanden. 

Irving und James liefern 

Im dritten und vierten Spielabschnitt taten sich in Sachen Scoring auf Seiten der Cavs vor allem Kyrie Iring und LeBron James hervor. Gerade an letzteren war nach Spiel zwei auch von uns die Kritik gerichtet worden, er würde “in Schönheit sterben” und nicht genug Scoren, um Cleveland zum Sieg zu führen. Auch wenn es wieder nicht gereicht hat, mangelndes Scoring kann man den beiden Stars der Cavs diesmal nicht vorwerfen. Einziger Kritikpunkt dürfte höchsten Irvings Schwäche von der Dreierlinie (0/7) sein. Der dritte Spieler, der offensiv einen guten Abend erwischte und die Cavs in der Phase, in der sie zwischenzeitlich die Oberhand gewinnen konnten, trug, ist überraschenderweise J.R. Smith. Jener Smith also, der nach den ersten beiden Spielen, in denen er lediglich einen einzigen Korberfolg erzielen konnte, hart in der Kritik stand. Diesmal traf er 5/10 Dreier und beteiligte sich ebenfalls an der guten Defense der Cavs in dieser Phase. 

Das Comeback der Warriors 

Anfangs wurde es schon erwähnt: “…und am Ende gewinnen immer die Warriors”. Während sich Golden State im letzten Jahr vor allem auf ihren Teambasketball verlassen musste und die Cavs mit entscheidenden Clutch-Iso-Plays wie Irvings Dreier in Spiel 7 den Titel holen konnten, haben die Warriors nun selbst einen überragenden Iso-Scorer in ihren Reihen. Kevin Durant hat nicht umsonst mehrfach den Scoring-Titel der NBA geholt und konnte auch in den entscheidenden Sekunden des dritten Spiels überzeugen. Zunächst traf er bei 1:15 auf der Uhr einen Turnaround-Jumper, der sein Team auf zwei Punkte heranbrachte. Nachdem die Cavs darauf keine Antwort geben konnten, verwandelte KD einen Pull-Up-Dreier und die Warriors gingen mit einem Punkt in Front. Anschließend konnte Irving seinerseits den Dreier nicht im Korb unterbringen und das Spiel war gelaufen. 

Cavs in 7? Eher nicht

Die letzten Minuten des Spiels zeigen jedoch noch einmal die schier unfassbare Qualität der Warriors auf. Sie haben ein Team, das meilenweit über dem Talentlevel der anderen liegt und auch noch sehr gut zusammenspielt. Und sie haben seit letzten Sommer Kevin Durant, der spätestens jetzt gezeigt hat, dass er ein Spiel auch für die Warriors im Alleingang entscheiden kann. Bitter für die Cavs, die es verpasst haben, sich im entscheidenden Moment für ein wirklich gutes Spiel zu belohnen. Die Warriors sind jetzt das erste Team der NBA-Geschichte, das 15-0 in die Playoffs startet. Und obwohl J.R. Smith optimistisch bleibt und direkt nach dem Spiel “Cavs in 7” twitterte: die Chancen, dass die Warriors auch das erste Team der NBA-Geschichte werden, das eine 3-0-Führung hergibt, sind dann doch eher gering. 

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