Draftprofile 2017

Frank Ntilikina

Strasbourg IG

Datenblatt

Name: Frank Ntilikina

Geburtsdatum: 28.07.1998

Größe: 6’5”

Gewicht: 170 lbs

Spannweite: 6’9‘‘

Position: Playmaker

Team: Strasbourg IG

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

+ Tools

+ Defense

+ Rollenspieler-Offense

– Creation-Fähigkeiten

– Handling

Scouting – Logbuch

Seit Beginn der Draftsaison wird Frank Ntilikina als größtes internationales Talent der Klasse geführt. Als exotische (weil europäische) Playmaker-Option in einem sehr Leadguard-lastigen Jahrgang führte der Franzose zu vielen Knoten in den Zungen der amerikanischen Basketball-Journalisten, bis die New York Times die Aussprache seines Nachnamens ein für alle Mal klärte. Der 18-Jährige lief in seinem Club-Team Straßburg zwar unter anderem auch in der Basketball Champions League auf, musste sich aber mit einer kleineren Rolle zufriedengeben. Bei der U18-EM durfte sich Ntilikina für die französische Nationalmannschaft allerdings als erste Option versuchen und führte sein Team als wertvollster Spieler des Turniers zum Titelgewinn. Wir lieferten ausführliche Scoutings zu diesem Event. Die gezeigten Leistungen sorgten auch für wachsendes Vertrauen im Verein. Ntilikina wurde ab Februar Starter für die SIG Baskets und erhielt deutlich mehr Spielzeit. Als Scoringoption wurde er trotzdessen nicht oft gefordert. Wie seine sehr unterschiedlichen Leistungen und Rollen in Nationalmannschaft sowie Club in Bezug auf eine NBA-Karriere zu bewerten sind, wird diese Analyse zeigen.

Tools & Athletik

Der Franzose bringt als Playmaker eine geradezu furchteinflößende Länge mit. Leider nahm er nicht am Draftcombine teil und wurde deshalb nicht offiziell vermessen. Dennoch lassen sich die Werte gerade im Vergleich zu den anderen Guards dieses Jahrgangs gut schätzen. Ntilikina ist mindestens 6‘5‘‘ groß. Beeindruckend ist zudem seine immer wieder auf dem Parkett spürbare Armspannweite, die gut und gerne wie beim Kollegen Markelle Fultz an 6‘10‘‘ heranreichen könnte. Zudem überzeugt der Straßburg-Guard mit enormer Beweglichkeit, Koordination und Agilität.

Seine Höchstgeschwindigkeit und Explosivität ordnen sich innerhalb eines Talentpools, der auch De’Aaron Fox und Dennis Smith Jr. umfasst nicht auf allerhöchstem Level ein. Andererseits ist Ntilikinas Beschleunigung und Quick-Twitchiness nicht zu unterschätzen, wirken diese Attribute doch gerade bei größeren Spielern auf den ersten Blick nicht so stark, wie bei kleineren Athleten. Ein kleines Manko stellen die oft angegebenen 170 Pfund Körpergewicht dar. Auch wenn ich persönlich denke, dass er mittlerweile schon ein paar Kilo zugelegt hat, ist Ntilikina noch immer verhältnismäßig dünn. Zu große Sorgen sind aber nicht angebracht. Sein Frame bietet noch jede Menge Platz zur Gewichtszunahme sobald er in das Conditioning-Programm eines NBA Teams kommt.

Defense

Die Verteidigung bildet aktuell das Prunkstück seines Spiels. Bei der U18 EM im Winter konnte er gleichaltrige Gegenspieler auf dieser Seite des Feldes konstant dominieren. Aber auch in Straßburg rechtfertigte Ntilikina vor allem durch seine Defensive seine Minuten. Dies ist ungewöhnlich für einen dermaßen jungen Spieler und zeugt von Qualität sowie auch in Bezug auf die NBA gehörigem Potential. Der Franzose feiert erst Ende Juli seinen 19. Geburtstag.

In erster Linie ist auffällig, wie gut Ntilikina seine physischen Werkzeuge und athletischen Fähigkeiten in defensiven Druck umzuwandeln weiß. Ihm fällt es leicht auch über die gesamte Länge des Courts an gegnerischen Ballhandlern zu kleben und mit seinen langen Armen ständig zu ärgern. Gute Fußarbeit, Beweglichkeit und Antizipationsfähigkeiten machen es möglich.

Als extrem vielseitiger Verteidiger bietet er sich als wertvoller Baustein für unterschiedlichste Defensivsysteme an. Am Perimeter kann er gegen nahezu jeden Gegenspieler ohne Probleme switchen. Zeitweise leistete Ntilikina sogar nach Switches auf Bigs hervorragende Arbeit, indem er sich trotz hagerer Statur nicht zu leicht aufposten lässt und zudem mit durch seine Länge mit ausgestreckten Armen auch für Bigs ein Hindernis darstellt, das erst einmal überwunden werden will.

Gute Instinkte und der Wille zu einschüchternder Verteidigung lassen ihn oft als Lockdown-Option und defensiven Playmaker glänzen (bei der U18 EM 2,2 SpG+1,2 BpG). Er ist stets aktiv und verfügt durch seine Länge nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bei gegnerischen Angriffen effektiv dazwischenzufunken. Seine Fähigkeiten produzieren immer wieder leichte Fastbreaks für das eigene Team oder verhindern Schnellangriffs-Punkte der Kontrahenten.

Natürlich ist Ntilikina nicht ohne Schwächen. Auch er verliert ab und zu abseits des Balles seinen Mann, positioniert sich nicht ganz richtig oder begeht dumme Reach-In-Fouls. Er wird nicht sofort als Rookie mit gehörigen defensiven Impact aufwarten. Das tun ja aber auch die wenigsten Erstjahres-Spieler. Dennoch ist beachtlich, wie weit sein Verteidigungsspiel schon zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere ist. Hinzu kommt das Potential das er bietet, das sich gerade in der Verteidigung oft auch über Erfahrung freisetzt. Der Franzose könnte bis zu drei Positionen mehr als zufriedenstellend abdecken. Seine Switchability und Vielseitigkeit erlaubt es ihm viele Lineups zu kitten. So könnte er es bspw. seinem zukünftigen Coach ermöglichen, auch kleine, defensivschwächere Zweier gemeinsam mit ihm auflaufen zu lassen, weil Ntilikina ziemlich frei den jeweils stärkeren Backcourt-Spieler des Gegners an die Leine nehmen könnte. Solche Fähigkeiten sind ungemein wertvoll.

Offense

Auf der anderen Seite des Court ist Ntilikina nicht so einfach zu bewerten, da er auf den verschiedenen Ebenen Club-Team und Junioren-Nationalmannschaft total unterschiedliche Rollen ausfüllte. Für die kommenden Abschnitte werden Leistungen aus Straßburg, bei denen er als Rollenspieler eingesetzt wurde, als Basis angesehen, da er sich dort besserer Konkurrenz gegenübersah und die Situation wohl eher mit seiner NBA-Anfangszeit vergleichbar sein wird. Es ist aber spannend, auch den weiterführenden U18-Blickwinkel zu haben, wo er als primärer Ballhandler mit viel größerer Verantwortung zu sehen war. Diese Spiele könnten andeuten, was für ihn möglich ist, wenn er sich in der NBA positiv entwickelt.

Driving & Slashing

Im Verein wurde Ntilikina kaum als Driver oder Slasher eingesetzt. Zumeist wurde er nur als Floorspacer an der Dreierlinie geparkt und durfte nur wenige Possessions abschließen. Cuts lief er nur selten. Vielmehr entstanden Punkte in Korbnähe oft eher zufällig.

Dies ist zum einen seiner Rolle geschuldet, zeigt aber auch, dass er sich als Ballhandler noch weiterentwickeln muss. Gegen ältere Gegenspieler kann er sich noch nicht konstant den Weg zum Korb bahnen, wie er dies gegen jüngere Konkurrenz andeutete. Er muss noch gehörig an seinem Handling und seinem Touch in Korbnähe arbeiten, um in der NBA ein Spieler mit gutem Drive zu werden.

Allerdings bietet Ntilikina mit seiner Größe und Athletik durchaus Above-The-Rim-Finishing. Dies schien beim EM-Turnier in der Türkei besonders in Fastbreak-Situationen immer wieder durch.

Playmaking

Ntilikina war für seinen Verein maximal als sekundärer Playmaker tätig. Dass er nicht mehr Vertrauen mit dem Ball in der Hand erhielt lag in erster Linie an der erfahreneren, teaminternen Konkurrenz. Andererseits drängte sich der Franzose auf Club-Ebene mit vielen Spielaufbau-Fehlern auch nicht unbedingt auf. An vielen Stellen war die Jugend des 18-Jährigen auf dem Spielfeld zu sehen. Fehlkommunikation und mentale Aussetzer resultierten zu oft in Ballverlusten (17 TOV%), die sich ein ambitioniertes Erstligateam in Frankreich nicht immer leisten kann. Dabei ist Ntilikina kein untalentierter Passer. Seine Vision und offensives Spielgefühl erfüllen zwar nicht höchste Standards, sind aber durchaus als überdurchschnittlich zu bezeichnen. Besonders in der Champions League konnte er dies andeuten (22 AST%). Seine Größe eröffnet ihm Passwege, die sich kleineren Spielern nicht bieten.

Eine Möglichkeit aus dem Dribbling zu kreieren und erweiterte Pick’n’Roll-Reads konstant zu zeigen, erhielt er allerdings nur auf Nationalmannschafts-Level (4,5 ApG).

Der Franzose wird wohl nie zu einem primären Playmaker aller erster Güte werden, da es ihm an elitärem Handling und Spielverständnis fehlt. Eher sehe ich eine Rolle als situativen Pick’n’Roll-Ballhandler, der aber auch gern das Leder bewegt und sich im Spielaufbau von Mitspielern unterstützen lässt.

Shooting

Sein Shooting-Profil weiß zu überzeugen. Über alle Wettbewerbe hinweg traf Ntilikina in der aktuellen Saison 47 FG%, 44 3P% bei 1 3PMpG und 71 FT%. Die Zahlen sind natürlich durch etwas geschönt, da ihm im Großteil aller Spiele als Rollenspieler hochprozentige Würfe erarbeitet wurden. Trotzdem spricht es für ihn, dass er Eckendreier und andere vermeintlich einfache Spotup-Würfe konstant trifft.

Für das Nationalteam lief er in der Endrunde sogar als selbstverantwortlicher Pullup-Schütze heiß und deutete an, dass in Zukunft sogar ein paar selbst kreierte Abschlüsse möglich sein könnten.

Diese kleine Sample Size gegen schwächere Konkurrenz bei der U18-EM darf aber nicht überbewertet nehmen. Alle bisherigen Informationen zusammengefasst, wirkt Ntilikina wie ein solider und zukünftig vielleicht leicht überdurchschnittlicher Werfer, der sich in jedem Fall an die NBA-Dreierlinie erst einmal gewöhnen müssen wird.

Spielervergleich 

Ein naheliegender Vergleich ist Jazz-Guard Dante Exum. Beide ähneln sich in Statur und ihrem internationalen Background. Allerdings kann dazu gesagt werden, dass der Franzose die NBA-Bühne als viel bewiesenerer Spieler betreten wird, während der Australier als wahrer Mystery-Man gedraftet wurde. Ntilikina ist dadurch ein etwas weniger risikoreicher Pick. Rein spielerisch wird es interessant, ob der Franzose sich als defensivstarker Ballhandler entwickeln darf, dem ähnlich wie einem George Hill oder Patrick Beverly ein Wing-Playmaker an der Seite sehr gut steht oder aber Ntilikina vermehrt auch als Wing neben einem nominellen Point Guard aufläuft. Er hätte dann eher eine Rolle wie Gary Harris oder Marcus Smart inne. Überträgt sich seine Offense gar nicht, wäre es auch denkbar, dass er als defensivstarker Fulltime-Wing seine Brötchen verdient.

Videos

Playlist

Wichtige Spiele mit aufschlussreichem Matchup

Artikelempfehlungen

Statssektion

U18-EM:

15,2 PpG, 4,5 ApG, 2,2 SpG, 1,2 BpG in 27 MpG

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Trivia

Twitter

@FrankLikina

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2 comments

  1. Mr. Finger-Roll

    …das klärt sie nicht. Und das kann sie auch gar nicht klären, weil man diese Frage schlicht nicht beantworten kann. Wie ich schon auf Twitter schrieb (und es auch im Artikel erläutert wird), wird es sich erst zeigen, ob Ntilikina als primärer Ballhandler fungieren kann. Möglicherweise dauert es bis zur finalen Beantwortung auch bis zu zwei oder drei Jahre. Zwar sind gegenwärtig Vergleiche wie Exum oder Hill naheliegend, aber vielleicht bewegt er sich noch in eine ganz andere Richtung. Auf jeden Fall ist er eines der spannendsten Prospects im Jahrgang. Ich wünsche mir eine gute Situation für ihn.

    Kompliment für den Analyse! :tup:

  2. Tobias Berger

    |Author

    Danke!

    Du hast recht, dem Teaser wird die Analyse nicht gerecht. Ich vergleiche nicht mit Fultz, Ball und Co. Eventuell irreführend.

    Ich find Ntilikina auch extrem spannend und wie so viele der Prospects enorm fitabhängig. Um ihn rankt sich eine der Narrativen, die mich am meisten stört. Immer wieder kommt dieses "Ntilikina ist der ideale Triangle-Point Guard. Er muss nach New York". Damit wird wohl immer auf sein aktuell nur mittelmäßig gutes Playmaking angespielt, das in einem solchen System versteckt werden könnte. Die Frage ist aber, wie gut das geht. Auch wenn wegen fester Regeln weniger Playmaking nötig ist, benötigte das System für höchsten Erfolg noch immer einen Pippen/MJ oder Shaq/Pau/Kobe zu eher limitierteren Leadguards. Gerade im Backcourt fehlen ja aber NY solche Spieler völlig. (Dazu ist halt die Frage, wie zeitgemäß diese BBall-Schule 2017 überhaupt noch ist. Das steht ja aber auf einem anderen Blatt.) Da bringts nichts ein System zu finden, dass Ntilikinas Schwächen minimiert. Würde, wie ich am Ende versucht habe aufzuzeigen, eher versuchen seine Stärken zu maximieren. Und das ginge eventuell, indem man ihn gerade in der Übergangsphase mehr als Flügel sieht. Dafür braucht es nicht unbedingt diesen Triangle-Fit. Wichtig ist im Grunde zunächst der fähige Perimeter-Partner neben ihm. Egal, ob das jetzt ein Wing oder ein kleinerer Playmaker ist.


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