Brose Bamberg, FC Bayern München

Bambergs Basketball-Lehrstunde

Beobachtungen aus Spiel Eins zwischen Bamberg und Bayern

Eine Lehrstunde. Sasa Djordjevic fand nach der deutlichen 59:82-Niederlage des FC Bayern Basketball in Spiel Eins der Halbfinalserie gegen Brose Bamberg sehr klare Worte. Zu eklatant waren die Unterschiede in Sachen Spielaufbau, Passing und Wurfauswahl, als dass die Münchener auch nur eine reelle Chance auf den Sieg gehabt hätten. 

„This was a school of basketball. We just had a school of playmaking from Bamberg-players. They were too good ballhandlers, too good of knowing and understanding the geometry, too good of finding the open man every time”.

– Sasa Djordjevic

Doch der positive Aspekt einer Playoffserie aus Sicht des FCB ist, dass es jetzt trotzdem nur 1:0 steht. Bis Donnerstag bleibt also Zeit, die Hausaufgaben zu machen und diese Differenzen zu analysieren. Genau das wollen wir in dieser zweigeteilen Analyse nun auch tun.  

Brose Bamberg – Die Musterschüler

Nach einem starken Spiel die Bamberger als sicheren Finalisten dastehen zu lassen, wäre natürlich nicht besonders sinnvoll und würde den tollen Leistungen des FC Bayern Basketball im Jahr 2017 auch nicht gerecht werden. Trotzdem muss festgehalten werden, dass der amtierende deutsche Meister am Sonntagnachmittag in nahezu allen Belangen deutlich überlegen war. Der FCB, das beste Defensivteam der Saison 2016/17, wurde Zeuge der möglicherweise besten Team Defense-Performance einer BBL-Mannschaft in dieser Spielzeit. In der ersten Hälfte nahm Bamberg den Münchenern praktisch alles weg, was diese sich für das Spiel vorgenommen hatten, und hielt sie bei unglaublichen 23 Punkten. Mit etwas mehr Cleverness wäre es vielleicht sogar möglich gewesen, nicht mal 20 Zähler in den ersten 20 Minuten zuzulassen.

Das Ganze fing schon früh in der Partie an, als es Center Leon Radosevic war, der den Ton in der Verteidigung vorgab. Die Bayern sahen scheinbar einen Vorteil darin, Maik Zirbes auf der Fünf gegen Radosevic zu haben und versuchten direkt die ersten Angriffe alle über den deutschen Nationalspieler laufen zu lassen. Doch sein kroatischer Gegenpart hatten an diesem Tag den klaren Plan, das Matchup zu seinen Gunsten zu entscheiden.

So zeigte Radosevic direkt im ersten Angriff der Münchener, dass er trotz des Größen- und Massenachteils durchaus ein unangenehmer Gegner für Zirbes sein kann. Radosevic frontete den Bayern-Center und verhinderte so das einfache Anspiel für ein Post-Up. Dies hatte zur Folge, dass Vladimir Lucic hier ein hohes Anspiel versucht, welches Nikos Zisis die Zeit gibt, von der Weakside herüber zu kommen und den Ball zu klauen.

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Aber auch wenn Zirbes dann mal nah mit dem Ball an den Korb kam, zeigte Radosevic seine enorme Beweglichkeit, um den Moves des Nationalcenters zu folgen. Zusätzlich gelang es Radosevic, die Würfe extrem zu erschweren und dabei zudem kein Foul zu begehen. Die Nummer 43 der Bamberger, die sonst gerne mal in Foulprobleme gerät, beendete das Spiel mit lediglich 3 Fouls in 21 Minuten.

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Doch Radosevic, der an diesem Nachmittag wahrscheinlich der beste Bamberger auf dem Parkett war, beschränkte seine defensive Präsenz nicht nur auf seinen direkten Gegenspieler. Immer wieder war zu erkennen, wie der Kroate auch die kleineren Spieler der Bayern auf dem Weg zum Korb stoppte und daran hinderte, einfache Zähler zu markieren. Auch dabei sprang Radosevic meist vertikal hoch und vermied schnelle Foulpfiffe gegen ihn.

In diesem Fall stoppt Radosevic den Korbleger und forciert den Pass. Nicolo Melli und Fabien Causeur sinken zusätzlich ab, um das Anspiel auf Zirbes zu verhindern. Dies lässt letztendlich Danilo Barthel an der Dreierlinie frei, aber mit diesem Wurf können die Bamberger am ehesten leben.

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Diese starke Defense resultierte zudem auch immer wieder in Ballverlusten der Münchener, da Spieler teilweise in der Luft noch eine neue Anspielstation finden mussten. Hier merkt Nihad Djedovic, dass es kein Durchkommen gibt und versucht noch den Pass nach außen. Doch Maodo Lo ist sehr aufmerksam und fängt den Ball ab.

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Doch auch Radosevics Backup, Daniel Theis, sollte dem Spiel in der Defensive seinen Stempel aufdrücken. Der frisch gekürte Defensive Player of the Year zeigte ebenfalls enorme Präsenz am Brett und erschwerte selbst gegen die athletischen Bayern-Spieler nahezu jeden Wurf in Korbnähe.

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Zusätzlich nutzte er seine Schnelligkeit, um die Slasher der Münchener am Zug zum Korb zu hindern und den Ball aus ihren Händen zu forcieren.

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Um nochmal darzustellen, wie beweglich, aber auch vor allem vielseitig, die Bamberger Bigs defensiv sind, dient folgende Szene. Eigentlich haben die Bayern hier einen Vorteil, da sie nach dem Switch nun Dru Joyce auf Melli loslassen können. Doch der Italiener kann mit dem kleinen Guard mithalten und hindert ihn erstmal daran, überhaupt zum Korb zu ziehen.

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Als Joyce dann aber doch vorbeikommt, kann Melli trotzdem folgen und aufgrund seiner Größe Joyce von einem Korbleger abhalten. Dem Münchener Aufbauspieler bleibt nach einem Lauf entlang der Baseline nur der Pass in die Ecke zu Bryce Taylor.

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Dieser kommt durch einen guten Shotfake an Darius Miller vorbei und macht sich alleine auf den Weg zum Brett. Doch während er in anderen Spielen hier möglicherweise zwei einfache Punkte erzielt hätte, wartet hier niemand geringeres als Daniel Theis in der Zone, nur um Taylors Versuch spektakulär zu blocken.

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Diese Aspekte mündeten in der ersten Halbzeit darin, dass der FCB dann so gut wie gar nicht mehr den Drive zum Ring suchte. Es wirkte so, als würde jeder Spieler zu viel über die gegnerische Defensive nachdenken und den Ball lieber eine Station weiterpassen wollen. Dieser Übergang von Basketball zu Handball ließ Sasa Djordjevic in der Auszeit beim Stand von 2:19 dann auch richtig explodieren. Er konnte nicht verstehen, wie seine Akteure sich den Ball nur ideenlos zupassen konnten, ohne auch nur in irgendeiner Weise den Korb zu attackieren.

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Zu oft gab es vor allem in den ersten 20 Minuten solche Bilder wie oben. Den Münchenern wurde in den Spielzügen enorm viel weggenommen und für das Kreieren von Würfen fehlten in der Folge schlicht die “Playmaker”. Selbst das Pick&Roll brachte kaum Erfolge, da auch dort die Bamberger Bigs einen guten Job machten. 

Hier stellt Radosevic seine Beweglichkeit unter Beweis und kann im Rückwärtslaufen sowohl den Ballhandler als auch den abrollenden Big Man verteidigen. Maik Zirbes konnte so kaum bedient und der vermeintliche Matchup-Vorteil nie ausgenutzt werden.

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Maik Zirbes sah am Ende lediglich acht Minuten Einsatzzeit. Damit sollte sich die Frage nach dem Matchup-Gewinner unter dem Korb in Spiel Eins beantwortet haben. Doch das lag auch daran, dass Radosevic nicht nur defensiv, sondern auch offensiv den deutschen Nationalcenter dominierte. Der kleinere, aber dafür mobilere Kroate wusste, wie er Zirbes attackieren musste, um offensiv zu seinen Punkten zu kommen: hier mal eine Körpertäuschung, da mal ein Crossover. Radosevic war in seinen Bewegungen deutlich schneller als Bayerns Nummer 33, wodurch er sich einfache Korbleger am Brett erspielte, die Zirbes höchstens per Foul stoppen konnte.

Hier kommt Zirbes nach einem Pass zur Freiwurflinie zu hoch und steht dann zusätzlich noch schlecht, sodass Radosevic über seine starke rechte Hand attackieren kann. 

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Doch nur auf den Drive von Radosevic konnte sich Zirbes auch nicht verlassen. Als der Bayern-Center ein Pick&Pop zu tief verteidigt, wählt Radosevic den Sprungwurf aus der Halbdistanz und trifft.

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Doch natürlich war es nicht das Matchup unter den Körben, welches in der Offensive das Spiel entschied. Es waren wieder mal die Bamberger Guards, die von den Münchenern nicht gehalten werden konnten und damit den Unterschied machten. Fabien Causeur, Janis Strelnieks oder Maodo Lo waren ihren Gegenübern Anton Gavel, Nick Johnson oder Reggie Redding im Playmaking einfach eklatant überlegen. Der Guard-Riege der Oberfranken gelang es immer wieder, gute Würfe für sich selbst oder für die Mitspieler zu kreieren und damit Bayern vor neue Probleme zu stellen.

Durch die konsequente Penetration von Causeur beispielsweise zog sich die Verteidigung der Bayern häufig zusammen, wodurch Räume für andere Spieler entstanden. Genauso bewies Strelnieks immer wieder seine Spielintelligenz, indem er das Tempo der Offense kontrollierte, selbst eine gute Wurfauswahl hatte und mit dem Ball in der Hand viele gute Entscheidungen traf. Zusätzlich musste die Defense der Bayern natürlich auch seinen Distanzwurf respektieren, wodurch er seine Mitspieler in Szene setzen konnte.

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Als letztes Zeichen der deutlich wacheren Vorstellung der Bamberger können echte Kleinigkeiten genannt werden, die aber letztendlich auch in einer gewissen Weise den Unterschied gemacht haben. Hier spielt Maodo Lo einen extrem schwachen Pass auf Theis, der dadurch in Bedrängnis gebracht wird. Aber der Nationalspieler reagiert sofort und schlägt den Ball mit voller Kraft zwei Sekunden vor Ablauf der Schussuhr noch zu Zisis. Der Grieche versucht den Dreipunktwurf und wird gefoult. Weitere drei Zähler.

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Ein ähnliches “Heads-up Play” lieferte auch Zisis, der hier im Rebound gegen deutlich größere Münchener hochsteigt. Da er weiß, dass er keine Chance hat den Ball so zu fangen, tippt er ihn einfach zu Staiger, der den Fastbreak starten kann.

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FC Bayern – Versetzung gefährdet?

All jene oben aufgeführten Punkte vermisste man im Spielaufbau der Bayern schmerzlich. Häufig war es für die Münchener Guards bereits ein Problem überhaupt die Offensive zu eröffnen beziehungsweise in ein Setplay überzugehen. Dies nahm bereits Zeit von der Uhr und vergrößerte damit nur die Probleme der Münchener im Angriff. Insbesondere Nick Johnson hatte hierbei Probleme und leistete sich im ersten Viertel bereits zwei einfache Ballverluste im Spielaufbau.

Wenn wir bei Johnson sind, ist auch das Thema Wurfauswahl nicht weit. Auch wenn in der Bayern-Offense sehr wenig zusammenlief, war es am Sonntag doch deutlich, dass Johnson in der Entscheidungsfindung immer noch nicht auf BBL-Playoff-Niveau agiert. Er nahm teilweise haarsträubend schwache Würfe, die das Selbstvertrauen der Bamberger Verteidigung nur steigerten.

Dies hing vor allem damit zusammen, dass Johnson häufig den Ball viel zu lang in seinen Händen hielt und sich so in ungünstige Situationen brachte. In dieser Sequenz sieht er sich im Eins-gegen-Eins Darius Miller gegenüber, der solche Situationen normalerweise gut verteidigen kann. Bereits an der Körpersprache von Sasa Djordjevic kann erkannt werden, dass dieser alles andere als zufrieden mit dieser Aktion von Johnson ist. Der Münchener Aufbauspieler konnte letztendlich nicht an Miller vorbei und musste einen der schwersten Würfe im Basketball nehmen.

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Doch es wurde noch schlimmer. Hier sind gerade mal acht Sekunden von der Uhr und Johnson nimmt einen Stepback-Zweier mit einer Hand im Gesicht aus der rechten Ecke. Djordjevic reagiert wieder mit Unverständnis.

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In der zweiten Hälfte versuchte es Johnson dann etwas näher am Korb, konnte sich im Drive gegen Strelnieks aber keinen ernsthaften Vorteil verschaffen und schmeißt dann im Fallen dieses wilde Ding gegen das Brett.

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Doch auch außerhalb von Johnson wurden die Bayern immer wieder in schwere Würfe gezwungen. Denn nachdem die Bamberger ihm ihre ersten Optionen aus dem Pick&Roll wegnahmen, war der FCB häufig zu ideenlos, um sich dann noch mehr als gut verteidigte lange Zweier zu erspielen.

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Neben dieser miesen Wurfauswahl, die natürlich auch mit dem Gegner zusammenhing, waren aber auch die vielen selbstverschuldeten Turnover ein Grund für die deutliche Niederlage. Alleine elf Ballverluste leistete sich der Tabellendritte in den ersten 20 Minuten. Dabei war immer wieder die Unklarheit in der Offensive die Grundlage für diese Turnover. 

Alleine zwei Mal passierte es, dass ein Pass entlang des Perimeters auf die andere Seite nicht ankam, weil der vermeintliche Passempfänger bereits Richtung Korb unterwegs war. Diese Missverständnisse waren selbst für Djordjevic nicht zu erklären.

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So war der Sieg der Bamberger auch in der Höhe komplett verdient. Trotz einer aufreibenden Euroleague-Saison und einer eher schwächeren Serie gegen Bonn, gelang es dem amtierenden Meister im ersten Spiel des Halbfinals voll da zu sein. Im Gegensatz dazu hat der FC Bayern Basketball nach einer tollen BBL-Rückrunde die erste Partie dieser Serie komplett verschlafen. Es war nicht zu erwarten gewesen, dass die Münchener offensiv so wenig entgegenzusetzen hätten.

Djordjevic beendete die Pressekonferenz mit der Aussage, dass er von seinen Spielern am Donnerstag eine Reaktion erwarte. Woraufhin Trinchieri antwortete, dass er das auch tue. Denn auch der italienische Meistercoach weiß, dass es in der Serie nur 1:0 steht. Nicht mehr und nicht weniger. Oder um in der Metapher zu bleiben: Die erste Klassenarbeit ist geschrieben, aber das reicht noch lange nicht, um die Zeugnisnote bestimmen zu können.

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