Draftprofile 2017

Lauri Markkanen

Arizona Wildcats

Datenblatt

Name: Lauri Markkanen

Geburtsdatum: 22.05.1997

Größe: 7’0”

Gewicht: 225 lbs

Spannweite: 6’11‘‘

Position: Big

Team: Arizona Wildcats

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

+ Range

+ Offensive Vielseitigkeit

+ Beweglichkeit

– Rimprotection

– Verteidigung gegen athletische Wings

Scouting – Logbuch

Ursprünglich sollte alles anders kommen. Arizona war auf dem Weg dazu, zum absoluten Top-Favoriten auf den NCAA-Titel zu werden. Mit Terrance Ferguson, Allonzo Trier und Ray Smith schien das Team vor allem von den Flügelpositionen gefährlich zu sein. In der Offseason lief dann jedoch alles gegen die Wildcats – Ferguson verabschiedete sich nach Australien, Allonzo Trier verpasste den kompletten Saisonstart und Ray Smith musste seine Basketballkarriere sogar komplett beenden. Dass das Programm aus dem tiefen Westen nicht ganz in der Bedeutungslosigkeit verschwand, hing nicht zuletzt mit den guten Leistungen des Finnen Lauri Markkanen zusammen. Bis zu der Rückkehr des nominellen Stars, Allonzo Trier, konnte man den Big Man als wichtigsten Offensivspieler des Teams ansehen. Und auch wenn seine Rolle seit der Rückkehr des Flügels nicht mehr dieselbe ist, so bleibt sein Anteil am Teamerfolg des Sweet 16-Teilnehmers aus Arizona groß.

Offensive

Der Wildcats Big kann nur wenige körperliche Vorteile vorweisen. Vielmehr sind es seine guten Fundamentals, auf die er aufbauen kann. Gerade im Bereich Passing und Wurf können sich diese sehen lassen. Zudem bringt er eine gewisse Spielintelligenz mit, die ihm auch auf dem nächsten Level helfen wird. 

Unter anderem sieht man ihm diese Grundlagen bei seinen intelligenten Pässen an.

Aber auch sein Wurf sieht sehr flüssig und sauber aus. Seine Zahlen von der Freiwurfline sprechen eine ähnliche Sprache. Mit 83%-iger Trefferquote kann er mindestens als solider Schütze angesehen werden.

Offensiv hilft ihm seine Spielintelligenz bei kontrollierten Abschlüssen. Im Gegensatz zu einer Vielzahl der Big Men in einem ähnlichen Entwicklungsstadium, erarbeitet er sich regelmäßig eine sehr gute Position direkt am Korb. Einfache Abschlüsse sind die logische Konsequenz

Ob sich dieser Vorteil allerdings direkt auf das Profiniveau übertragen lässt, bleibt zu bezweifeln. Gegen körperlich überlegene Gegenspieler sollte er es deutlich schwieriger haben. Die Spielintelligenz bleibt dennoch eine gute Grundlage, auf die aufgebaut werden kann.

Unterstützt wird diese Grundlage auch von einer sehr guten Beweglichkeit, welche Markkanen gerade in den Vergleichen mit europäischen Altersgenossen aufblitzen ließ. Hier wirkte er oft deutlich athletischer, wobei sich dieser Vorteil gegen die College-Konkurrenz nur in einem geringen Maße bemerkbar machte.

Gleichzeitig zeigte er aber auch eine gute Fußarbeit. Am College konnte er diese ebenfalls nur selten aufblitzen lassen. Das liegt aber auch daran, dass er gerade im Saisonverlauf oft nicht der Mann war, für den die Setplays gelaufen wurden. Er wurde eher in tiefer Lowpost-Position gefüttert und eher selten zum Kreieren forciert.

Wie bereits angedeutet, gehört sein Wurf zu den Stärken von Lauri Markkanen. Er trifft 2,4 Dreier pro Spiel mit einer sehr guten Quote von 43%. Er erarbeitet sich seine Würfe dabei allerdings nicht selbst. Gut 95% der Würfe jenseits der Dreierlinie gehen aus Assists hervor. Das zeigt den Wert, den er als Spot-Up Option haben kann.

Durch den Eyetest lässt sich außerdem eine gewisse Gefahr als Pick and Pop-Option bescheinigen.

Ein ähnliches Bild (zumindest was die Trefferqoute angeht) macht der Finne auch bei den Zweipunkt-Jumpern. Er trifft hier 42% seiner Würfe. Das macht er bei einem geringeren Volumen (118 gegenüber 163 Würfen) und mit deutlich weniger Unterstützung seiner Mitspieler. Nur gut ein Viertel seine Jumpshots aus dem Zweipunktbereich wird assistiert – Er kreiert hier deutlich mehr eigene Würfe.   

Er ist nicht nur in der Lage lange Zweier zu erarbeiten, er kommt auch sehr gut zum Korb. Für seine Größe kann er recht gut mit dem Ball umgehen, das hilft ihm beim Drive. Seine guten Grundlagen machen sich auch im Umgang mit dem Ball bemerkbar. Markkanen produziert kaum Ballverluste. In gut 30 Minuten Spielzeit sind es gerade einmal 1,1 Turnover, die er sich leistet. 

Er dürfte jedoch nicht in der Lage sein, dauerhaft seine eigenen Abschlüsse vom Flügel aus zu erarbeiten. Dafür ist sein Handling noch teilweise zu überhastet. 

Defensive

Auch defensiv kann der Wildcat-Big nicht gerade mit körperlicher oder athletischer Überlegenheit punkten. Er hat weder die größte Spannweite noch ist er ein Überathlet. Seine Fähigkeit, den Ring zu beschützen, ist deshalb nur eingeschränkt vorhanden.

Fehlende Athletik macht sich bei der Verteidigung von Closeouts bemerkbar. Er ist gegen athletischere Spieler anfällig.  

Defensiv deutet sich ein weiteres Problem bereits an. Gerade gegen agilere Flügel bzw. Stretch-Big Man tat sich der Finne schwer, so nicht zuletzt gegen Rückkehrer Miles Bridges von den Michigan State Spartans. 

Ein Matchup mit athletischeren Wing-Spielern könnte sich zu einer echten Problemzone entwickeln. 

Woraus genau sollte sich also ein defensives Potential ergeben? Es ist die gute Fußarbeit und defensive Awareness. Gerade im Verteidigen des Lowpost macht sich eine Qualität bemerkbar.

Aber er deutet eben auch an, dass er in der Lage ist, weniger athletische Wings zu verteidigen. 

Eine Übertragung auf die Verteidigung gegen Flügel scheint durchaus denkbar. Um eine wichtige NBA-Rolle ausfüllen zu können, wäre dies jedoch auch bitter nötig.

Er ist immerhin auf Collegeniveau in der Lage das Pick and Roll zu switchen. Es scheint also die Möglichkeit zu bestehen, dass er zu einer solchen Leistung auch in der NBA in der Lage sein wird. Die bereits in der Offensive erwähnte Beweglichkeit und gute Fußarbeit hilft dabei enorm. Allerdings besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass genau dadurch Missmatches gegen athletische Wings entstehen.

Rebounding

Größe und fehlende Kraft bereiten Markkanen Probleme bei der Reboundarbeit. Am offensiven Ende kann er mit 10 ORB% durchaus gute Werte aufweisen. Diese resultieren aus einem recht guten Instinkt und weniger aus der körperlichen Überlegenheit.

Defensiv schafft er es deutlich seltener eine gute Position zu erarbeiten. Dies liegt sicher auch daran, dass die Wildcats oft switchen. Markkanen befindet sich deswegen oft gar nicht erst in Korbnähe und kann nur relativ schwache Rebound-Zahlen aufweisen. Einige Pfunde mehr dürften ihm hier allerdings auch helfen. Eine positive Tendenz ließ sich bereit im Laufe der Saison ausmachen. Im Conference Play waren es immer 20 DRB% im Vergleich zu den 17,5 DRB%, die er in der gesamten Saison auflegte. Auch wenn diese Tendenz nur leicht positiv ist, macht sie dennoch Hoffnung. Der finnische Big Man könnte sich also zumindest zu einem durchschnittlichen NBA-Rebounder entwickeln.

Spielervergleich 

Als sicherer NBA-Skill kann lediglich Markkanens Shooting angesehen werden. Dass eine solche Rolle in einer mehrjährigen NBA-Karriere resultieren kann, zeigt Matt Bonner. Sein Basketball-IQ sorgt dafür, dass er defensiv nicht ganz abfällt. Gerade für Rollenspieler-Minuten bei einem Contender könnte er so Gold wert sein. Defensiv kann er mindestens gegen Lowpost-Bigs gestellt werden. Das Problem ist, dass es bei zunehmendem Fokus auf Stretching immer weniger große Jungs gibt, deren Game sich ausschließlich darauf beschränkt. Markkanen muss sich also zu einem soliden Flügelverteidiger entwickeln. Dann wäre er wohl in einer Starter-Rolle tragbar. Mit seinen guten Basics wäre eine Rolle eines Boris Diaw in seiner Blütezeit denkbar. Eine weitere Möglichkeit wäre der Fokus auf die Offensive. Er müsste dafür körperlich zulegen und weiter an seinem Shotmaking arbeiten. Als ein solcher, vielseitiger Scoring-Big könnte er auch neben einem starken Verteidiger oder Ringbeschützer gut funktionieren. Bei optimaler Ausschöpfung des offensiven Potentiales, könnte dann eine Art Blake Griffin mit deutlich weniger Athletik aus dem Finnen werden. Offensiv wäre er dann mindestens in der Lage, die zweite Option eines Contenders zu werden. Dafür muss allerdings auch sein Handling besser werden. Eine Nummer unter dieser optimalen Entwicklung wäre es eher ein Brook Lopez-Typ – offensiv aus dem Lowpost gefährlich, aber auch mit einer gewissen Range ausgestattet. Probleme beim Rebound inklusive! 

Videos

 

Wichtige Spiele mit aufschlussreichem Matchup

Artikelempfehlungen

Statssektion

International: 

2016 U20-European-A Championship:

24,9 PPG, 8,7 RPG, 1,0 APG, 2,3 SPG, 1,3 BPG, 38,2 3p%

2017 U18-European-A Championship:

18,2 PPG, 6,3 RPG, 0,9 APG, 1,9 SPG, 0,9 BPG 41,4 3p%,  

Awards:

AP All-American Third Team (2017)

All Pac-12 First Team (2017)

Pac-12 All-Freshman Team (2017)

U-20 European-A Championships (2016)

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Trivia

 

Twitter

@MarkkanenLauri

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

5 comments

  1. Avatar

    Coach K

    Danke für die Zusammenfassung. Ich bin gespannt ob er in der Defense dagegen halten kann. Besonders positiv war das ja nicht.

  2. Philipp Servatius

    |Author

    Auf NBA-Level wird das schon schwer.

    Grundlagen finde nicht schlecht (ich glaube das kam nicht ganz so deutlich raus), allerdings wie gesagt etwas schwerfällig. Defensiv ist er damit sicherlich nicht das beste Fit.

    Was ich damit sagen will: Natürlich hast du recht und die defensive muss sich weiter entwickeln. Shooting-Potential dürfte allerdings sehr verlockend sein.

  3. Avatar

    Coach K

    Ich habe Lauri Markkanen überhaupt nicht auf dem College gesehen, aber deine Beschreibung hat mich irgendwie an Ryan Anderson erinnert, wobei der wohl früher der bessere Rebounder war.

    Gerade in einer Liga wo der Big auch mal an der 3er Linie verteidigen muss, wird er es schwer haben.
    Ich bin gespannt wo er landet bzw. auch an welcher Nummer.

  4. Julian Wolf

    Könnte aus ihm so ne Art Kevin Love ohne Rebounding werden? Offensiv im Lowpost wie von außen gefährlich, defensiv muss man ihn verstecken… Realistisch?

  5. Philipp Servatius

    |Author

    Durchaus auch denkbar. Auch wenn College-Love durchaus in der Lage war aus der Transition für Gefahr zu sorgen. Diese Facette fehlt bei Markkanen dann doch. Deswegen habe ich von diese Vergleich erst einmal Abstand genommen. Heißt natürlich nicht, dass es nicht in diese Richtung gehen könnte.


Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben