Washington Wizards

Point Guard Postups

Wie die Washington Wizards Isaiah Thomas im Post attackieren

40 Punkte und 13 Assists. Aber wieder kein Sieg. John Walls Laune nach der 119:129 Overtime-Niederlage dürfte sich trotz der eigenen Fabel-Leistung in Grenzen gehalten haben. Seine Wizards liegen jetzt 0:2 gegen die Boston Celtics zurück und sind unter Zugzwang, die Serie vor heimischem Publikum wieder offen zu gestalten. Welche Lehren sollten die Wizards aus diesen beiden Auswärtsniederlagen ziehen?
Zum einen, dass sie nächste Saison neue Bankspieler brauchen. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Saison, was auch in dieser Serie zu beobachten ist: Washingtons Starter erspielen sich einen komfortablen Vorsprung, die Bank reißt ihn wieder ein. Auch in Spiel 2 führten die Wizards nach dem 1. Viertel 42:19, verspielten diesen Vorsprung aber schnell. Wie konnte das passieren? Die schwache Bank und die Müdigkeit der Wizards-Starter waren zwar Faktoren, vor allem aber konnte Brad Stevens einen Faktor eliminieren, der Boston im 1. Viertel vor gewaltige Probleme gestellt hatte: Post-Ups gegen Isaiah Thomas.

Wall überragt – zu Beginn

Thomas dominierte das Spiel mit 53 Punkten, 29 davon im letzten Viertel und in der Overtime. Zu Beginn sah es allerdings überhaupt nicht danach aus. Brad Stevens startete wie in der Regular Season wieder mit Amir Johnson anstatt Gerald Green und brachte so zusätzliche Länge aufs Parkett. Thomas wurde so aber gezwungen, gegen Wall zu verteidigen, um allzu heftiges Crossmatchen zu verhindern. Scott Brooks erkannte das und schickte John Wall (sowie vereinzelt Bradley Beal) in den Post – das Resultat seht ihr in diesem Video:

Die Bilanz aus 7 Possessions: 2 Fouls gegen Thomas, 2 Layups von Marcin Gortat, 2 Jumper von Markieff Morris, 1 verfehlter Dreier von Otto Porter. Ergibt 1,42 PPP. Auffällig ist, dass Wall nicht einen einzigen Punkt selbst erzielte; er nutzte viel eher die übervorsichtigen Rotationen der Celtics, um Morris und Gortat zu finden, die sich beide extrem klug ohne Ball bewegen. Für einen eher langsamen und unbeweglichen Spieler wie Amir Johnson ist es unglaublich schwer, gleichzeitig bei Wall auszuhelfen und seinen eigenen Mann im Auge zu behalten. Walls überragende Übersicht besorgte den Rest. Kein Wunder, dass Brad Stevens sich gezwungen sah zu handeln: Amir Johnson spielte nach den ersten viereinhalb Minuten überhaupt nicht mehr, stattdessen wurde Marcus Smart (39 Minuten) mit der Verteidigung Walls beauftragt. Thomas dagegen wurde schamlos gegen weit größere Flügelspieler gestellt, vor allem gegen Bojan Bogdanovic und Kelly Oubre, teilweise auch gegen Otto Porter. Der Schachzug ging auf. Ein einziges kümmerliches Post-up erhielt John Wall in der 2. Halbzeit gegen Isaiah Thomas – prompt ein weiterer Score. Das Video unten zeigt jedoch auch, wie viel Aufwand die Wizards betreiben mussten, um den Switch von Thomas auf Wall zu provozieren.

Die Flügelspieler der Wizards konnten Thomas, welch Überraschung, nicht so bestrafen wie Wall zu Beginn. Zwei Mal versuchten Otto Porter und Kelly Oubre Thomas körperlich vom High-Post zu attackieren: daraus resultierten ein Schrittfehler und ein Block.

Auffällig ist, dass beide Spieler Probleme mit den Helpside-Defendern der Celtics hatten. Beide sind nicht schnell genug, um abzuschließen, bevor diese rotieren, haben aber gleichzeitig nicht die Übersicht, um die freien Mitspieler auf der Weakside zu finden. Wie gesagt: Auch Wall punktete nicht selbst aus dem Post-Up. Dazu war auch das Spacing der Wizards suboptimal.

Die Schlussfolgerung daraus ist: Außer Wall und mit Abstrichen Bradley Beal hat kein Spieler der Wizards die Fähigkeiten, Thomas im Post zu attackieren. Oubre holte immerhin noch einige Offensiv-Rebounds, Porter schloss einige Male über den kleineren Thomas aus der Mitteldistanz ab – der ganz große negative Defensiv-Faktor war Thomas nach dem 1. Viertel aber nicht mehr.

Fazit

Mit der Hereinnahme Amir Johnsons hat Brad Stevens sich verzockt, seinen Fehler aber rechtzeitig behoben. Thomas gegen Wall ist ein unglaubliches Mismatch, das wir im Verlauf der Serie aus Celtics-Sicht besser nicht mehr allzu oft sehen sollten. Stattdessen lag (und liegt) die Lösung für Boston darin, klein zu spielen – Marcus Smart macht einen guten Job, die Rotationen kommen so schneller, die Pick-and-Roll Defense wird besser. Welchen Einfluss variable Flügel für diese Serie haben, haben wir bereits hier beschrieben. Dass Thomas gegen die Wizards-Flügel hier und da schlecht aussieht, damit muss Boston leben. Stevens Ziel muss es sein, Thomas defensiv bestmöglichst zu verstecken, um ihm die Chance zu geben, offensiv zu dominieren – die 53 Punkte von letzter Nacht beweisen es.

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3 comments

  1. Avatar

    abcd12

    Wo bleibt der nächste Artikel, Julian? :tup:

    Das hat letzte Nacht schon wesentlich besser geklappt gegen Thomas. Man hat ihn sehr gut zur Arbeit in der Defense zwingen können und vor allem Porter konnte sich im Post durchsetzen. Die Serie macht ziemlich Spaß imho und erinnert so ein wenig an die 90iger mit der ganzen Postaction und den Prügeleien. Mahinmi zurück zu haben ist auch nicht so verkehrt. Der kann doch einiges abfangen was Jennings und Bogdanovic in der D zulassen.

  2. Jonathan Walker

    Der Faule Sack… :mrgreen: Ne, er nimmt morgen zur Abwechslung mit David und mir zusammen einen Pod zur Serie auf.


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