Playoffs 2017, Washington Wizards

Mit Tempo in Runde 2?

Das Transition Game der Washington Wizards
Screenshot: NBA League Pass

Aus dem Bauch heraus: Was haben die Atlanta Hawks und die Washington Wizards gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht allzu viel. Atlanta stellt eine Top-Defense (Platz 4) und eine schwache Offense (Platz 27), Washington eine explosive Offense (Platz 7) mit unterdurchschnittlicher Defense (Platz 20). Die Erstrunden-Serie der beiden Teams könnte daher zu einem Kampf der Systeme werden, Defense gegen Offense. Entscheidend könnte daher sein, wer mehr leichte Punkte generieren kann – und die resultieren am häufigsten aus Fastbreaks, einem Schlüsselaspekt der Serie.

Bei der Pace in der Regular Season lagen beide Teams fast gleich auf, die Hawks auf Platz 9, die Wizards auf Platz 10. Dabei verteidigten sie in Transition stark: Die Wizards kassierten pro gegnerischem Abschluss in Transition nur 1,02 PPP (der beste Wert der Liga!), die Hawks waren nur ein wenig schlechter (1,04 PPP / Platz 3). Am offensiven Ende sieht es dagegen anders aus. Die Wizards waren auch hier top (1,19 PPP / Platz 3 in der Regular Season) und die Gründe sind schnell gefunden: John Wall ist der vielleicht schnellste Spieler der Liga, auf dem Flügel tummeln sich Schützen (Otto Porter, Bradley Beal, Bojan Bogdanovic) und Athleten (Kelly Oubre), auch die Big Men (Markieff Morris, Marcin Gortat) sind mobil. Die Hawks dagegen legten gerade einmal 1,02 PPP in Transition auf – nur Philadelphia war schlechter.

Ein wichtiges Narrativ dieser Erstrunden-Serie scheint damit gefunden zu sein: Schaffen es die Hawks, das Tempo niedrig zu halten? Oder überrumpeln die Wizards ihre Gegner im Fastbreak?

Bisher scheint Letzteres einzutreten. Die Wizards gehen mit einer 2-0 Führung nach Atlanta und sahen über weite Strecken der Serie wie das klar bessere Team aus. Nach 25 Fastbreak-Punkten in Spiel 1 folgten in Spiel 2 noch einmal 16; die Pace war bisher in beiden Spielen (Spiel 1: 99,2 / Spiel 2: 98,5) höher als beide Teams in der Regular Season spielten. Das schnelle Spiel der Wizards geht also auf – oder? Bei Betrachtung der Spiele sollte man sich da nicht so sicher sein. In beiden Spielen waren die Hawks bis zum Ende in Schlagdistanz und schafften es, dem Spiel ihren Stil aufzudrücken. Die hohe Pace resultierte dazu zum Teil auch aus einer Vielzahl an Freiwürfen, Unterbrechungen und technischen Fouls, die die Hawks immer wieder schon nach wenigen Sekunden an die Linie brachten. Werfen wir daher einen genaueren Blick auf das Transition-Game der Wizards in den ersten beiden Spielen.

Spiel 1: Trailer zum Erfolg

In Spiel 1 war bereits gut zu sehen, wie gefährlich Washingtons Transition-Offensive sein kann. 25 Punkte (9 mehr als die Hawks) erzielten die Wizards laut basketball-reference.com aus Fastbreaks; nba.com listet gar 37 Punkte aus Transition, was einem Wert von 1,54 PPP entspricht – die Werte der Regular Season (1,19 PPP) wurden also übertroffen. Und dabei ließen die Wizards sogar noch einige Möglichkeiten liegen und zwar durch schlampige Defense. 39 FTA  in Spiel 1 für die Hawks taten weh, denn aus Freiwürfen werden bekanntlich höchst selten erfolgreiche Fastbreaks generiert. Die Wizards haben es also selbst in der Hand, durch eine bessere und diszipliniertere Defense, die Pace nach oben zu schrauben.

Des Weiteren profitierten nicht alle Spieler gleichmäßig vom schnellen Spiel: Zu nennen wäre hierbei vor allem John Wall, aber auch Markieff Morris. Wall dominierte, wie zu erwarten war, und zauberte aus Transition 13 Punkte (5/5 FG) auf die Anzeigetafel. Dafür sollte man jedoch mitnichten die gegnerischen Guards verantwortlich machen – Wall ist einfach eine Urgewalt im Fastbreak – sondern viel eher die Big Men der Hawks, beziehungsweise deren taktischen Anweisungen durch Coach Budenholzer. Das Video unten zeigt acht von John Walls erfolgreichen Transition-Possessions aus Spiel 1 in chronologischer Reihenfolge.

Deutlich wird, dass sich im Optimalfall zwei Big Men (Howard und Millsap, s. Play #2, #3 und #6) zum Offensiv-Rebound orientieren, der Rest des Teams dagegen sofort in die Defense zurückrennt. John Wall ist aber zu stark und athletisch, um von einem einzigen Flügelverteidiger am Drive aus vollem Tempo gehindert zu werden. Da Howard und Millsap nicht schnell genug in der Defense sind, resultieren so Layups für Wall (Play #2, #4 und #7) oder freie Dreier für die Trailer auf dem Flügel, wenn einer der Hawks-Flügel mit in die Zone absinkt (Play #1 und #6). Noch dazu kommt, dass Howard und Millsap regelmäßig von Gortat und Morris überlaufen wurden. Play #5 zeigt dies und das Resultat ist erschreckend: Howard und Gortat kämpfen am selben Spot um den Rebound, als Gortat auf der anderen Seite per Layup abschließt, ist Howard erst auf Höhe der Mittellinie. Den Hawks fehlte hier in Spiel 1 sowohl das Tempo als auch die Gedankenschnelligkeit. Morris und Gortat blieben so zusammen ohne Fehlwurf (4/4 FG) und erzielten 9 Punkte im Fastbreak – alle vorbereitet von John Wall.

Spiel 2: Budenholzers Adjustements

Diese Dominanz im Fastbreak blieb auf Seiten der Hawks nicht ohne Anpassung. Am Wichtigsten für die Verhinderung von gegnerischen Fastbreaks war aber mitnichten die Defense, sondern die Offense der Hawks. Bisher schießt das Team gruselige 42% aus dem Feld und 24,4% von der Dreierlinie, dazu gesellen sich 18,5 Turnover/Spiel. Aus allen diesen Situationen können die Wizards Fastbreaks generieren. Ein Schlüssel in den ersten beiden Spielen war daher die hohe Anzahl an Freiwürfen und Abschlüssen in der Zone auf Seiten der Hawks. Das funktionierte auch in Spiel 2: Abermals bekamen die Hawks 38 FTA zugesprochen und erzielten so einfache Punkte. Über die Serie erzielen sie so – trotz der katastrophalen Quoten – ein annehmbares ORtg von 105,2, das etwas über ihrem Saisonschnitt liegt. Ein angenehmer Nebeneffekt davon in Spiel 2 war, dass Markieff Morris (20 Minuten gespielt), Kelly Oubre (13) und Otto Porter (23) allesamt in Foultrouble waren; Jason Smith musste mit 27 Minuten den Großteil der Zeit die Power Forward Position bemannen.

Das obige Video zeigt wiederum John Walls Transition-Possession aus Spiel 2. Auffällig ist, dass kein Abschluss eines der Big Men als Trailer  darunter ist. Gerade das hatte in Spiel 1 jedoch noch zur effizienten Transition-Offense beigetragen, Jason Smith ist dafür der falsche Spieler. Aber auch wenn die Wizards nach Rebounds oder Turnovern ins Laufen kamen, zeigten sich die Hawks verbessert. Gut zu sehen ist das in Play #2: Dwight Howard kämpft um den Rebound und sprintet danach über das ganze Feld, um ein Anspiel auf Marcin Gortat zu verhindern – in Spiel 1 sah das noch ganz anders aus. Auch sonst schaffte es Atlanta besser, vor John Wall eine Wand in der Zone aufzubauen. In den Plays #3, #4 und #6 sind jeweils mindestens drei Hawks in der Zone und stören Wall beim Abschluss. Daraus resultierten verstärkt Kickouts zu den Schützen auf dem Flügel (Play #1, #2 und #5), die aber auch besser contested waren als noch in Spiel 1.

Insgesamt erzielten die Wizards in Spiel 2 nur 19 Punkte aus ebenso vielen Possessions in Transition – 1,0 PPP. Und dabei waren noch einige Situationen dabei, in denen die Wizards nach Live-Ball-Turnovern 1-gg-0 Korbleger serviert bekamen; die übrigen Überzahl- und Umschaltspiel-Situationen, in denen John Wall eine unorganisierte Defense attackierte, bekam Atlanta aber deutlich besser in den Griff.

Fazit

Nach zwei Spielen lässt sich konstatieren: Der Wizards-Zug rollt, aber auf wackligen Gleisen. Die Zahlen aus Transition (Serie: 1,30 PPP) lesen sich im ersten Moment gut, könnten aber noch deutlich besser sein. Zudem haben die Hawks gezeigt, dass sie sich gut auf das schnelle Spiel der Wizard einstellen können und die richtigen Adjustements vorgenommen haben. Washingtons Aufgabe liegt jetzt in der Defense, weniger Fouls sollten begangen werden und eine generell höhere Pace müssen her. Damit könnten die Wizards zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nämlich der sowieso schon schwachen Hawks-Offense das Wasser abgraben und gleichzeitig die eigenen Stärken in den Vordergrund stellen. Denn eine Sache sollte Washington Mut machen: Obwohl die Hawks es über weite Strecken der Serie geschafft haben, ihren präferierten Spielstil (hartes Spiel, viele Freiwürfe) durchzudrücken, stehen unter dem Strich zwei souveräne Siege. 

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3 comments

  1. Simon

    Da ich nicht weiß, wo ich es sonst posten sollte, und es zumindest einigermaßen zum Artikel passt:

    https://fivethirtyeight.com/features/the-nba-players-who-are-too-busy-complaining-to-get-back-on-d/

    Diese Situationen machen mich echt fertig und ich kann überhaupt nicht verstehen, warum Coaches da nicht öfter ausrasten. Teilweise sind Spieler nach 6, 7, 8 Sekunden noch nicht einmal wieder in der eigenen Hälfte angekommen, während ihr Team 4-gegen-5 verteidigen und offene Dreier oder Korbleger zulassen muss.

  2. Avatar

    abcd12

    Schon dein zweiter Wizards Artikel diese Saison Julian, und ein sehr guter noch dazu :tup:

    Dem kann man kaum was hinzufügen außer, dass die Wizards vor allem wieder durch ihre Starter die Spiele gewinnen und die Bank wieder furchtbar spielt, was vor allen Dingen die Serie eng macht insbesondere wenn Starter in Foultrouble kommen.

    Starter: 68Min ORt 116,7 DRt 95,3
    Bank: 28Min ORt 91,4 DRt 112,2

    Weiter spielen die Wizards extrem physisch. Das ist etwas womit Howard und Millsap schon immer Probleme hatten. Ein weiterer Fehler den die Hawks machen, ist Wall im Pick’n’Roll zu viel Platz zu lassen. Seinen Verteidiger hängt er am Screen von Gortat immer ab und Howard lässt sich dann aber sehr weit zurückfallen, um Wall am Korb zu treffen. Der ist aber mittlerweile zu clever, um blind zum Ring zu stürmen und kann so entweder den freien Midrange nehmen, oder die bessere Sicht und offenen Passwege für sein Playmaking nutzen.

  3. Julian Wolf

    |Author

    Also erstmal zu Simons Anmerkung: Ich denke in der Regular Season wird darüber hinweggesehen, weil eine einzige Possession nicht wertvoll genug ist, um deswegen seinen Star anzuschreien – simple (and sad) as that. Das wäre mal ein Aspekt, eine Winning Culture zu bauen, indem man sowas verhindert; glaube Popovic wäre da recht schnell mit ner Auswechslung. Und in den Playoffs? Da akzeptiert man sowas nicht mehr – wie eben Budenholzer. Der wird Dwight in der Video Session genau meinen Clip gezeigt haben ( :mrgreen: ) und siehe da, Howard nimmt die Beine in die Hand.

    Und ja: mein anderer Artikel-Ansatz wäre die miese Bank gewesen. Besonders Jennings und Smith finde ich bisher recht katastrophal…

    – Jennings ist defensiv körperlich einfach echt schwach; und vorne hat er keinen Wurf und muss oft noch mit Wall zusammenspielen, damit nicht alles komplett einbricht. Dann will er aber immer den Ball in Transition und verhindert so den Wall-Train :stupid: Einzig: Er hat in Spiel 2 in der schlimmen Phase echt gezockt – damit hat er sich schon verdient gemacht in dieser Serie. SOll aber nicht über sein sonstiges mieses Spiel hinwegtäuschen…

    – Smith ist halt defensiv unbrauchbar; zu langsam fürs PnR, keine Rim-Protection, körperlich zu schwach gegen Millsap. Vorne bringt er sicherlich Scoring/Spacing, aber eben auch nicht die Athletik der anderen drei und somit kaum Transition-Gelegenheiten. Kurz: Er wäre perfekt für eine langsame Half-Court-Serie neben einem Defensiv-Anker wie Ian Mahinmi. Genau das will man ja aber gerade nicht haben gegen die Hawks.

    Oubre hat ansonsten gut gespielt finde ich, Bogdanovic trifft halt gerade nichts und Mahinmi ist verletzt… Aber da sollte gegen die Bulls/Celtics später definitiv ein bisschen mehr Impact kommen.


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