Orlando Magic, Toronto Raptors

Kann Ibaka die Probleme der Toronto Raptors lösen?

Der Trade zwischen den Magic und den Raptors

Mit dem Trade von Serge Ibaka zu den Toronto Raptors wird die heiße Phase um die Trade Deadline langsam eingeleitet. Der spanische Nationalspieler wechselt von den Orlando Magic für den Erstrundenpick der Raptors im kommenden Draft und Terrence Ross nach Toronto. Der Trade könnte erheblichen Einfluss auf den Ausgang der Playoffs in der Eastern Conference nehmen. Was verändert sich für die Raptors? Was machen die Raptors im Sommer mit dem auslaufenden Vetrag von Ibaka? Was bezwecken die Magic?

Problemstelle Defensive

Obwohl die Raptors auch in diesem Jahr wieder um den Heimvorteil in der Eastern Conference mitspielen, scheint der Abstand zu den Cleveland Cavaliers weiter riesig. Andere Teams in der Conference haben aufgeholt und die Defensive agiert in diesem Jahr wieder auf einem schwächeren Niveau. Seit Anfang des Jahres haben die Raptors nur zehn ihrer 24 Spiele gewonnen. Kann Ibaka die Kehrtwende bringen?

Hauptgrund dafür, dass die Raptors in dieser Saison leicht unter den Erwartungen zurückhängen, ist die schwache Defensive. Im Vergleich zur Vorsaison haben die Raptors sich um vier Punkte im Defensivrating verschlechtert. In der letzten Spielzeit konnten sie sich mit einem Defensivrating von 102.7 noch auf Platz elf platzieren. Nun gehören sie zu den schwächeren Defensiven der NBA und liegen aktuell auf Platz 17.

Ein Grund für die Probleme in der Defensive ist vor allem die schwache defensive Leistung der Starter. Die meistgespielte Lineup der Raptors mit Kyle Lowry, DeMar DeRozan, DeMarre Carroll, Pascal Siakam und Jonas Valanciunas, welche über große Teile der Saison auch die Starting Lineup war, konnte in 365 Minuten lediglich ein Defensivrating von 115.5 aufweisen.

Die Bank war dagegen, wie in der vorherigen Saison, in der Defensive deutlich stärker. Sobald Backup-Center Lucas Nogueira auf dem Feld steht, haben die Raptors ein exzellentes Defensivrating von 102.2. Ein ähnlicher Effekt war auch im letzten Jahr schon bei Bismack Biyombo zu beobachten.

Vor allem Jonas Valanciunas kann deshalb in den Mittelpunkt der Kritik gerückt werden. Der Center ist weder eine dominante Präsenz am Ring, noch ist er beweglich genug, um im Pick & Roll switchen oder hedgen zu können. Viel mehr nutzen gegnerische Ballhandler immer wieder gezielt seine Unbeweglichkeit aus und attackieren ihn im Pick & Roll.

Kann Ibaka die Defensive deutlich verbessern?

Die Intention der Raptors durch den Ibaka-Trade ist deshalb durchaus logisch. Ibaka hat die in der NBA extrem gefragte Kombination an Fähigkeiten aus Shooting und Rim-Protection, zudem kann er auch mehrere Positionen verteidigen und ist vor allem in der Defensive ein sehr flexibler Spieler.

Mit diesem Skillset wäre Ibaka zumindest in der Theorie der perfekte Komplemenärspieler zu Jonas Valanciunas. Durch seine Rim-Protector-Qualitäten kann er Valanciunas’ mangelnde Defensivpräsenz ausgleichen und gleichzeitig auch in der Offensive durch seinen Dreier für Spacing sorgen.

Doch inwiefern kann Ibaka noch Einfluss am Ring von der Power Forward-Position ausüben? In den letzten Jahren hat sich in der NBA immer mehr eine Spacing-First-Mentalität entwickelt. Mehr und mehr Spieler auf der Vier treten auch hinter die Dreierlinie und ziehen einen weiteren Big Man weit vom Ring weg.

Auch bei Serge Ibaka ist dies zu bemerken. In den letzten beiden Jahren spielte er  kaum noch Minuten auf der Centerposition. Zunächst teilten sich in Oklahoma in der Saison 2015/16 Steven Adams und Enes Kanter die Minuten auf Center. Nach dem Wechsel nach Orlando waren es Nikola Vucevic und Bismack Biyombo, welche die Minuten auf Center für Ibaka blockierten. Die folgende Grafik zeigt, wie viele Abschlüsse Ibaka in den letzten Jahren pro 36 Minuten am Ring verteidigt hat.

Die Anzahl an verteidigten Würfen am Ring ist deutlich zurückgegangen, was den Schluss zulässt, dass Ibaka von der Power Forward Position deutlich seltener in der Lage ist, Abschlüsse am Korb zu erschweren. Es bleibt also abzuwarten, ob Ibaka die defensiven Probleme der Raptors wirklich lösen kann oder ob die Kombination Valanciunas-Ibaka nur auf den ersten Blick vielversprechend wirkt.

Welche Ziele verfolgen die Magic?

Die Orlando Magic beginnen mit dem Trade schon die Vorbereitung für die nächste Saison. Mit Terrence Ross wurde ein 25-jähriger Flügelspieler geholt, der am Anfang seiner Prime stehen dürfte, dazu kommt ein später Erstrundenpick im kommenden Draft. 

Völlig isoliert betrachtet ist der Trade aus Magic-Sicht gut zu bewerten. Ein Verbleib von Ibaka im Sommer wäre äußerst unwahrscheinlich gewesen und für einen auslaufenden Vertrag haben die Magic zumindest noch zwei solide Assets bekommen.

Wird jedoch berücksichtigt, wieviel die Magic im Sommer für Ibaka ausgegeben haben, erscheint der Trade in einem anderen Licht. Für die Chance auf einen Playoff-Push mit Ibaka gaben die Magic damals Domantas Sabonis, Victor Oladipo und Ersan Ilyasova ab.

Der Playoff-Push ist gescheitert, Ross ist im Vergleich zu Oladipo ein deutlich schwächerer Spieler und statt dem 12. Pick des letzten Drafts einen sehr späten Pick im nächsten Draft. Die Denkweise des Managements war im letzten Sommer eindeutig zu kurzfristig.

Aber auch im kommenden Sommer wird das Frontoffice der Magic erneut vor einer schwierigen Situation stehen. Mit Fournier, Vucevic, Ross und Biyombo haben die Magic vier Spieler im Alter von 24 bis 26 langfristig unter Vertrag. Große Sprünge in ihrer Entwicklung sind von jedoch keinem der vier Spieler noch zu erwarten. Elfrid Payton und Aaron Gordon sind noch ein Jahr in ihren Rookieverträgen und werden im Sommer 2018 dann Restricted Free Agents. Mario Hezonja ein weiteres Jahr später.

Vertrauen die Magic diesem Kern und hoffen, dass sie so langfristig zumindest in die Playoffs kommen? Versuchen sie erneut durch mittelmäßige Free Agents einen Playoff-Push zu erzwingen? Oder schalten sie noch einmal komplett in den Tanking-Modus, traden alle Spieler bis auf Gordon, Hezonja und eventuell Payton und versuchen noch einmal einen der besten Draftpicks zu ergattern?

Die Tatsache, dass die Magic sich im Trade Terrence Ross geholt haben, deutet zumindest daraufhin, dass Orlando gewillt ist, mit dem dezeitigen Kern weiterzuarbeiten. Ross passt perfekt ins Altersschema, kann auf dem Flügel für Spacing sorgen und hat sich in den letzten Jahren auch in der Defensive zu einem soliden Verteidiger entwickelt. Im Draft kann dann mit dem eigenen Pick nochmal ein sehr talentierter Spieler verpflichtet werden und mit dem Pick aus dem Trade zumindest noch ein zweites Mal in der ersten Runde gezogen werden.

Verkauft Ujiri Flexibilität für kurzfristigen Erfolg?

Seit Jahren zählt Masai Ujiri zu den besten General Managern der NBA. Zunächst formte er aus den Denver Nuggets eine Mannschaft, die ohne wirklichen Superstar sich überraschend bis auf den dritten Platz der Western Conference vorspielen konnte. Nach seinem Wechsel zu den Raptors schaffte er das Team aus dem Tabellenkeller der Eastern Conference zu einem dauerhaften Aspiranten auf den Heimvorteil im Osten zu formen.

Wichtig dabei war es für Ujiri immer die finanzielle Flexibilität zu wahren, um auf die Situation seines Teams reagieren zu können. Will Ujiri im Sommer Lowry und Ibaka halten, dann müsste er sich von der Flexibilität vermutlich verabschieden.

Derzeit haben die Raptors knapp 80 Millionen Dollar an garantierten Verträgen auf der Payroll. Mit Lowry, der auf dem freien Markt sicherlich Angebote nahe des Maximalvertrags bekommen wird, wären die Raptors schon deutlich über dem Cap. Wie teuer eine Verlängerung von Serge Ibaka werden würde, ist derzeit noch nicht abzuschätzen und hängt vor allem davon ab, wie sich Ibaka in der restlichen Saison und in den Playoffs bei Toronto präsentiert.

Somit stehen auch die Raptors vor einer schwierigen Entscheidung. Halten sie das erfolgreichste Team der Franchise-Geschichte zusammen oder versuchen sie noch einmal den Kader drastischer umzubauen?

Lowry ist der Anführer der Raptors-Mannschaft und vermutlich auch immer noch deren wichtigster Spieler, allerdings wird er im Sommer auch schon 31 Jahre alt sein. Würde er einen Maximal-Vertrag bekommen, dann würde er auch in seinem 36. Lebensjahr noch circa 35 Millionen Dollar pro Jahr verdienen. Will Ujiri dieses Risiko eingehen?

Der Trade für Ibaka lässt bisher noch keine eindeutige Schlussfolgerung zu. Die Raptors halten sich alle Möglichkeiten offen und sind für den Rest der Saison konkurrenzfähiger geworden. Kann das Team auch in den Playoffs überzeugen, dann wird es Ujiri schwer fallen, Lowry und Ibaka ziehen zu lassen. Sollten die Raptors jedoch weiter stagnieren, dann ist es gut möglich, dass bei den Raptors im Sommer ein radikaler Umbruch erfolgt.

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3 comments

  1. kdurant35

    Mir gefällt der Deal eigentlich für beide Teams.

    Für Toronto finde ich maßgebend ob die Besitzergruppe groß investieren will. Ansonsten wirds problematisch. Denn mmn muss man Lowry, Ibaka und Patterson halten. Denn das FC Ibaka, PP halte ich für die beste Kombination in den wichtigen Phasen.

    Dann ist aus meiner Sicht die Flexibilität auch weiterhin vorhanden. Zwar nicht in der FA, aber die besten Moves tätigte Ujiri in Denver und Toronto per Trade. Und mit den jungen Talenten sowie allen zukünftigen Picks plus den moderaten Verträgen von JV und Joseph lässt sich da weiterhin was machen. Und auch Carrolls Vertrag kann ab Sommer 2018 als Capfiller wieder genutzt werden. Dazu würden die Verträge von JV, Lowry, Ibaka, PP innerhalb von max 2 Jahren auslaufen und dann die neue Richtung bestimmt werden.

    Orlando hat sich mmn auch ganz gut aus der Affäre gezogen. Vergleicht man das was im Sommer abgegeben wurde mit dem jetztigen Gegenwert sieht das zwar mies aus.
    Ich bin aber nicht davon überzeugt das Oladipo das derzeitigen Magic Team wirklich weiter bringt. Die beste Phase hatte Orlando im vergangenen Jahr mit VO von der Bank. Ross ist sicher nicht besser als Dipo, bringt dem Team mit eem Shooting aber mehr. Deshalb gefällt mir Ross mit dessem Vertrag besser als Oladipo für die deutlich höhere Summe.
    Was die Picks angeht ist dies sicher ein downgrade. Aber auch da bin ich von keinem überzeugt den man auf 11 realistisch gepickt hätte. Daher muss man erst einmal sehen wer stattdessen 2017 kommt.

    Wichtig war aus meiner Sicht das man die Einsicht hatte die Reisleine zu ziehen und das Jahr nicht ausgesessen hat bzw ihn dann sogar teuer verlängert hätte um den Fehler zu kaschieren.

  2. Avatar

    Coach K

    für die Raptors ist es wichtig das Ibaka in der Defense sich mehr reinhängt wie in Orlando, dann könnte es hier aufwärts gehen. Ist vielleicht von Vorteil das er in Canada wieder nur dritte Option ist.

    Zum Thema Ross / Dipo. Ich bin Dipo und war geschockt das wir Ihn getradet haben für Ibaka. Aber das was er im Moment spielt ist einfach nicht gut. Wenn ich das Preis-Leistungsverhältnis mir mal anschaue und dann Ross und Dipo Vergleiche dann habe ich lieber einen Ross im Team.

    Per 36min sieht der Unterschied so aus:

    Dipo: 17,3 PTS, 1,7 TO, 0,4 Blk, 1,3 Stl, 2,7 Ast, 4,7 TRB, 74,1 FT%, 35,4 3P%
    Ross: 16,7 PTS, 1,0 TO, 0,6 Blk, 1,6 Stl, 1,3 Ast, 4,1 TRB, 82,0 FT%, 37,5 3P%

    dafür ist Ross ein Jahr älter. Klar wird der Pick schlechter sein, aber ob man im Endeffekt dann wirklich schlechter da steht ist die Frage.

    (mir ist bewusst das die beiden andere Rollen in Ihrem Team bis jetzt hatten)

  3. Sebastian Hansen

    Ich finde der Hauptnutzen von Ibaka ist, wenn man ihn als Center aufstellt. Lowry-DeRozan-Carroll-Patterson-Ibaka klingt als Closing-Lineup sehr vielversprechend.


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