Atlanta Hawks, Video

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Die Offensive der Falken aus Atlanta stürzt ab

Die Atlanta Hawks konnten nur eines ihrer letzten acht Spiele gewinnen. Nach ärgerlichen Niederlagen gegen als schwächer eingestufte Teams wie die Knicks, Hornets, Lakers und Suns steht das Team von Mike Budenholzer in der noch jungen Saison auf Platz Neun der Eastern Conference und rennt eine der schlechtesten Offensiven der Liga. Noch ist genug Zeit, um sich an die Spitze der Conference heranzukämpfen, doch wie ernst sind die offensiven Probleme Atlantas?

Das Offensichtliche

Die Atlanta Hawks sind dieses Jahr durch die Addition von Dwight Howard offensichtlich ein anderes Team. Das Spiel von Al Horfords Ersatz könnte kaum unterschiedlicher als das des Dominikaners sein. Seit Jahren zählt der neue Celtic zu den spielstärksten und vielseitigsten Bigs, die in der Liga zu finden sind. In den vergangenen vier Jahren mit den Hawks erzielte er eine AST% von jeweils über 15%, schraubt dies in Boston derzeit bei kleiner Sample Size sogar auf unglaubliche 25% hoch. Zu einem verlässlichen Schützen entwickelte er sich auch. Aus der Mid-Range traf Horford die meisten Jahre über 45% aus dem Feld. Dazu kam der Schritt an die Dreierlinie im letzten Jahr, von wo er nur leicht unterdurchschnittlich traf. Sein jahrelanger Partner im Frontcourt verfügt über ein ähnliches Game, was die beiden zu einem extremst vielseitigen Duo machte, das aus fast jeder Position im Halbfeld etwas mit dem Ball anzufangen wusste.

Dwight Howard ist da limitierter, wenn auch offensiv wie defensiv nicht unbedingt weniger effektiv. Als exzellenter Finisher mit überdurchschnittlicher Athletik sollte er zu seinem Heimatteam gut passen, das mit Paul Millsap und dem soliden Spiel von Mike Muscala weiterhin eine 4-Out Offense spielen kann.

Aufstieg und Fall der Falken

In den ersten beiden Wochen sahen die Hawks auch wie eines der dominanteren Teams im Osten aus. Nur zwei der ersten elf Spielen wurden abgegeben – vermeintliche Ausrutscher gegen die Lakers und Wizards. Daneben gab es überzeugende Siege gegen die Rockets sowie Back-to-Back Siege gegen die Cavaliers und überraschenden Bulls. 

Die Defensive sah in dieser Zeitspanne so elitär wie in den Jahren zuvor aus. Die Hawks erlaubten nur 95 Punkte pro 100 Ballbesitze. Die Offensive war in Ordnung, war mit 105 Punkten pro 100 Ballbesitzen jedoch ein untergeordneter Grund für den heißen Start.

Stand heute erleben die Hawks den intensivsten Absturz der jungen NBA-Saison. In den sieben Niederlagen der letzten acht Spiele konnte sich Budenholzer weiterhin auf die Defense verlassen, die in dieser Zeitspanne auch weiterhin in den Top 3 ist. Die Offense stürzte jedoch ins Bodenlose, was der Besetzung der Starting Five nicht gerecht wird. Während der Niederlagenserie erzielten die Hawks nur 95,1 Punkte pro 100 Ballbesitze. Nur die Orlando Magic, Brooklyn Nets und Dallas Mavericks sind schlechter.

Den Hawks ist ein rapides, etwas unerklärliches Abkühlen nicht neu. Bezauberten Sie uns in der Saison 2014-15 noch mit schönem, hocheffizientem Basketball (der fast den gesamten Kader in das All-Star Game beförderte), spielten sie im Jahr darauf eine unterdurchschnittliche Offensive bei fast gleicher Besetzung. 

Bei einem Blick auf die individuelle Effizienz der Akteure würde man meinen, die Offense wäre zumindest durchschnittlich. Mit Kyle Korver und Dwight Howard erzielen zwei wichtige Offensivoptionen, die für ordentlich Gravity sorgen, ein TS% von noch über 60%. Dazu gesellt sich Mike Muscala, der bei typischer Reserve-Usage von 15% ein TS% von 63% erzielt. Auch Taurean Prince, der während Mike Scotts Auszeit etwa ein Viertel pro Spiel als Dreier oder Vierer eingesetzt wurde, überzeugte mit guter Defensivarbeit und scorte seine wenigen Würfe effizient. Tim Hardaway überzeugt offensiv als Gunner und auch Thabo Sefolosha, inzwischen mehr Inside-Scorer als Shooter, trifft seine wenigen Würfe. Einzig Paul Millsap (TS% 52%), Dennis Schröder (TS% 51%) und Kent Bazemore (TS% 48%) sind wichtige Rotationsspieler mit unterdurchschnittlicher Effizienz.

Problematisch ist, dass diese drei Spieler im Fokus der Hawks Offensive stehen. Bei all der Dynamik sucht Schröder immer noch nach dem Hebel, der ihn aufs nächste Level hievt. Die Saison ist noch jung, doch Schröders Zahlen als Starter ohne weiteren starken Creator auf dem Flügel stagnieren:

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Auch Paul Millsap muss sich neben Dwight Howard auf eine veränderte Rolle einstellen:

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Bei gleicher Usage muss Millsap mehr kreieren. Eigene Abschlüsse aus ISO- und Post-Ups Situationen haben zusammen um 14% zugenommen, während einfachere Abschlüsse in Transition und aus Spot-Up-Situationen um 9% abgenommen haben. Dies macht sich in der TS% bemerkbar. Schaut man ins Tape, erkennt man, dass Millsap wie der Rest der Kaders unter dem schlechterem Spacing leidet. Die Bigs stehen sich oft gegenseitig auf den Füßen, häufig rotieren mehrere Spieler auf die gleiche offensive Position und Perimeterspieler wie Schröder, Muscala, Sefolosha und Bazemore werden auch einfach weiterhin nicht gedeckt:

Howard, Millsap & Muscala

Mit den Ausfällen von Tiago Splitter und Mike Scott traut Budenholzer primär Howard, Millsap und Muscala auf den Big-Positionen. Theoretisch sollten diese drei Spieler eine Synergie besitzen. Howard und Millsap können eine 4-Out-Lineup bilden, in welcher beide Bigs sich in der Usage ebenbürtig abwechseln können – der eine als Stretch-4 mit starken Passfähigkeiten, der andere als “Rim Runner” bzw. Finisher auf der Fünf. Dazu kommt das High-Low-Zusammenspiel von Millsap auf Howard, das Potential hat. Mit Muscala ist ein ähnliches Vorgehen möglich, wobei Muscalas Perimeterfähigkeiten noch viel softer als die Millsaps sind und Howard mehr offensive Verantwortung übernehmen müsste. Interessant wird es bei Millsap und Muscala, die theoretisch ein 5-Out bilden können, bei dem Muscala in erster Linie versucht, das Parkett auseinander zu ziehen und den Ball bewegt, während Millsap mit mehr offensiver Verantwortung je nach Matchup und Laune sich am Perimeter oder auch am Korb aufhalten kann.

Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, wie die Offense von den Stärken dieser Spieler getragen wird und tatsächlich finden sich auch während dieser Serie Ballbesitze, in denen die Offensive dem Ruf dieser Spieler gerecht wird: 

Sorge macht, dass während der Niederlagenserie jedoch keine dieser Varianten funktioniert hat:

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Gerade die startende Frontcourt-Lineup produziert derzeit ein Offensivrating, welches unspielbar ist. Auch das Paar Millsap und Muscala hatte Offensiv nicht mehr Erfolg, während die Lineups um Howard und Muscala in der Defensive ihre Probleme hat.

Zu dem Spacing und dem Problem, welches Millsap und Schröder als Spielmacher haben, kommt die Unfähigkeit der anderen Akteure als Spielmacher. Schröder wusste mit Jeff Teague sowie dem Duo Millsap und Horford häufig zwei weitere Spielmacher neben sich, die dazu in wunderbarem Spacing agieren konnten. Insbesondere Kent Bazemore enttäuscht in der Rolle des zweiten kreativen Kopfes auf dem Flügel. Malcolm Delaney spielt für einen 28-jährigen Rookie ordentlich, ist jedoch ebenso wenig zuverlässig und ist aufgrund der Armut an Playmakern auf der Bank fast als Vollzeit-Reserve von Schröder gefragt. Tim Hardaway Jr. überrascht als verlässlicher Vollstrecker im Pick & Roll, kreiert jedoch ähnlich wenig für andere wie die reinen Spot-Up und Cut-Optionen Sefolosha und Korver. Hinzu kommt, dass mehrere Schlüsselspieler, die hauptsächlich On Ball agieren, sehr anfällig für Turnover sind. Bei Schröder und Howard ist das bekannt, doch auch Back-Up Point Malcolm Delaney produziert sehr viele Ballverluste. Nur die Philadelphia 76ers beenden mehr Ballbesitze ohne Wurfversuch.

Das schlechte Spacing, Fehler bei der Positionierung auf dem Feld und die Armut an Spielern, die penetrieren können, sorgen somit für eine zähe Offensive, die in vielen schlechten Würfen endet. Besonders auffällig ist, wie oft der Ball von Seite zu Seite geschwungen wird, ohne dass die Hawks Wege finden, den Ball in die Nähe des Korbes zu bringen. Wenig Penetration und verweigerte bzw. schlechte Post Feeds der Flügelspieler erschweren auch das Leben von Dwight Howard und Paul Millsap, in guter Position zum Korb aufzuposten.

Aber die Defense! Die Defense?

Die Defense hält weiterhin ihre elitäre Marke. Die Hawks sind besonders gut darin, Würfe am Korb zu verhindern und zu contesten. Tiago Splitters Rückkehr sollte dazu beitragen, dies zu halten. In der letzten Nacht hatten die Hawks einen bösen Ausreißer und erlaubten den Pistons 126 Punkte pro 100 Ballbesitze. Sieht man die Hawks verteidigen, würde man auch nicht unbedingt denken, dass sie zu den besten Defensivteams gehören. Aufgrund der Turnover-Situation (die wohl auch nicht besser wird) werden die Hawks weiterhin einfache Punkte erlauben. Gegnerische Teams trafen bisher ihre Dreier schlecht gegen die Hawks, doch viele dieser Würfe waren nach individuellen Fehlern und Missverständnissen bei der Zuteilung offen. Hinzu kommt, dass einige der Guards schlecht um Picks kommen bzw. auch bei starken Schützen unter Picks durchgehen, was gegen Teams mit Mid-Range Bombern ein Problem sein kann. Dies scheint inzwischen auch gescoutet zu sein. Die Hawks erlauben die zweitmeisten Würfe und eine Trefferquote von 44% aus der langen Mid-Range. Sofern die Zone geschlossen bleibt, ist das ein guter Trade-Off. Diese Tendenz wird jedoch zum Problem, wenn die bisherige gegnerische Dreierquote pure Varianz bei vielen offenen Würfen war. Was dafür spricht, ist, dass die Hawks die zehntmeisten weit offenen Dreier zulassen, jedoch nur die zwölftschlechteste FG% bei diesen Würfen “erlauben”. Ob sie die richtigen Spieler offen lassen oder bisher reines Glück haben, bleibt abzuwarten. Während der Niederlagenserie erlauben die Hawks die sechstmeisten offenen Dreier, wobei die gegnerische FG% sogar noch gesunken ist (fünftschlechteste bei weit offenen Dreiern).

Einige dieser defensiven Breakdowns und problematischen Tendenzen sind hier zu sehen:

Fazit

Es war klar, dass die Hawks in der Theorie offensiv nicht so stark sein würden wie das Team um Millsap und Horford. Man konnte jedoch davon ausgehen, dass es offensiv bessere Ergebnisse erzielen konnte, wie die enttäuschende letztjährige Version. Einige der Spacingprobleme sind auf schlechtes Stellungsspiel und mangelnde Spielerbewegung zurückzuführen, was für die Hawks untypisch ist und korrigierbar sein sollte. Die Hawks sollten in der Starting Five eine Toolbox aus Skills besitzen, um eine überdurchschnittliche Offensive zu stellen: Mit Dennis Schröder einen drivelastigen, schnellen und athletischen Guard, dessen Mid-Range Wurf gedeckt werden muss. Mit Dwight Howard und Paul Millsap die in unterschiedliche Richtungen Gravität ausüben (Howard als Rim Runner, Millsap als Stretcher). Dazu ein Sammelsurium aus Rollenspielern, die von der Zwei bis zur Vier den Dreier treffen und wenig Kreation bringen. Weder Millsap, noch Howard oder Schröder sind so gut wie ihre Gegenüber in Los Angeles, doch der Starting Five sollte es dadurch möglich sein, eine Art Lite-Version der Clippers Offense zu laufen. Erschreckend ist, dass die Starting Five selbst vor dem Blowout in Detroit ein negatives NetRating mit unterdurchschnittlicher Offense lief. Budenholzer ließ in der zweiten Hälfte gegen die Pistons fünf Bankspieler ran, was ein klares Signal sein sollte. Die Starting Five muss schleunigst ihre Harmonie finden, um im Osten eine Rolle zu spielen, während der ehemalige Coach of the Year Mittel finden muss, Millsap und Schröder mehr Raum zu geben.

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