Telekom Baskets Bonn

Josh Mayo im Interview

Der Point Guard der Telekom Baskets Bonn zu Dreier und Taktik

Josh Mayo (29) ist der Point Guard der Telekom Baskets Bonn. Mit drei Siegen und zwei Niederlagen startete er mit den Bonnern in die neue Spielzeit. Im Interview mit Go-to-Guys spricht der US-Amerikaner über seinen Wurf aus der Distanz, taktische Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Krunic und Poropat und das Etablieren von defensiven Prinzipien.

Sprechen wir über deine Drei-Punkte-Trefferquote in den letzten Jahren. Du hattest Spielzeiten, in denen du sehr hochprozentig getroffen hast, aber auch wieder Phasen mit einem sehr geringen Erfolg von außen. Wo hast du in der bisherigen Saison Gründe ausmachen können, dass du noch sehr schwach aus der Distanz triffst (24%, 5,1 3PA)? 

Dieses Jahr spiele ich in einer neuen Liga. Ich spiele zwar nicht gegen neue Verteidigungsformen, aber andere Spieler in einem anderen Umfeld. Bis jetzt bin ich noch in einer Anpassungsphase. 

Josh Mayo, 3P%

Josh Mayo, 3P%

War es in dieser Saison schon spürbar, dass Teams dich jetzt anders verteidigen als zu Beginn der Saison?

Ich denke, es war recht ähnlich. Aber Teams passen sich doch sehr schnell an, sie schauen viel Video und erkennen, wie du in den letzten Spielen aufgetreten bist.

Seitdem ich in dieser Saison noch nicht sehr sicher treffe, hat sich das natürlich schon verändert. Aber wenn sich meine Performance von Außen verbessert, wird sich das schnell ändern. Es hängt nicht von einem Spiel mit einer heißen Hand ab. Es braucht schon ein paar Spiele, bis Teams dich anders angehen und verteidigen.

Mit dem Blick auf die Setplays fällt auf, dass ihr immer wieder verschiedene Plays lauft. Zu Beginn der Saison, speziell im Spiel gegen Frankfurt, wurde des öfteren „3-Up“ gelaufen, gegen ALBA auf der anderen Seite kaum konkrete Setplays. Wie hat sich der Wechsel von Poropat auf Krunic auf euer Playbook ausgewirkt? 

Wir haben fast nichts geändert. Coach Krunic hat ein paar Kleinigkeiten geändert, aber beide Trainertypen ähneln sich. Beide setzen sehr viel auf detailreiche Arbeit, Krunic wirkt an der Seitenlinie natürlich energiegeladener, aber die Grundkonzepte sind gut vergleichbar. 3-Up laufen wir weiterhin auch im Training und ab und zu in den Spielen.
Beide Coaches legen großen Wert auf eine gute Press-Defense. Coach Krunic zeigt es natürlich auch sehr deutlich mit seiner Körpersprache in der Coaching Zone an.


3-Up 

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3-Up nutzten die Bonner besonders gegen Frankfurt in vielfacher Ausführung, meist aufgelöst in einem Pick&Roll (hier für Ryan Thompson). Mayo bringt hier den Ball, leitet ihn direkt weiter auf Polas Bartolo und bewegt sich Richtung Seitenlinie. Auf der Weakside stellt Horton den Downscreen für Thompson, der zur Drei-Punkte-Linie schneidet, Höhe Korb-Korb-Achse. Neben Horton wird mit Gamble jetzt der zweite Big Man eingebunden, der erst den Backscreen für Bartolo setzt, der auf die Weakside ausweicht. Anschließend läuft er mit Thompson zusammen das Blocken und Abrollen. 


 

Einige verfolgen in der Press-Defense spezielle Muster und Strukturen, nach denen gedoppelt wird. Bayreuth spielt unter anderem zwei verschiedene Varianten, in denen nach unterschiedlichen Mustern gedoppelt oder Deny gespielt wird. Im Gegensatz dazu scheint ihr euch einzig auf eine Mann-Mann-Verteidigung über das ganze Spielfeld zu fokussieren ohne diese „Doppel-Muster“?

Es geht uns in der Press-Defense nicht primär darum, Ballverluste zu erzwingen. Wir wollen den Spielaufbau verlangsamen, Zeit von der Uhr nehmen und schnelle Punkte aus der Early Offense verhindern. Es gibt aber keine weiteren Muster wie bei anderen Teams, in speziellen Situationen stets zu doppeln. 

Eure Setplays sind sehr simpel gehalten. Wenn ihr Barovic unter dem Korb aufposten wollt, stellen sich die Big Men unter dem Korb einen Weakside-Screen und oben lauft ihr ein Pick&Roll, sodass Barovic anschließend eine gute Position hat…

Ja, wir bleiben schon eher bei einfacheren Spielzügen. Auf diesem Niveau ist es nicht die Komplexität, sondern das Niveau der Durchführung: Wie gut ist der Pick gestellt? Kommt der Mitspieler im exakt richtigen Moment um den Down-Screen? Das sind die entscheidenden Punkte auf diesem Niveau. 

Zuletzt lief Offensiv viel über eure early-Offense, in der ihr viel mit Handoffs, Pick&Roll und Backdoor Optionen arbeitet. Mit Top-Scorer Ryan Thompson auf dem Feld ist es meist er, der Würfe kreieren kann, wenn ihr euch in diesem early-Offense Muster festlauft. Was ist auf der anderen Seite der Schlüssel, wenn Thompson auf der Bank sitzt. 

Wir müssen mehr Fokus auf unsere nächsten Optionen legen. Julian Gamble, Barovic oder ich, wir müssen dann kreieren und den Korb attackieren. Thompson macht das ausgezeichnet, Situationen für alle zu erspielen, in denen wir Punkte erzielen können. 

In diesen Situationen sucht ihr meist Barovic im Post-Up, wenn die zweite Fünf auf dem Feld steht. 

Ja, in der zweiten Fünf ist er sicherlich eine sehr gute Option im Post-Up. Er kann sich sehr gut am Brett durchsetzen. 

Im Spiel gegen die BG Göttingen hattet ihr speziell in der ersten Hälfte Probleme die Blöcke abseits des Balls zu verteidigen….

Ja, das stimmt. Wir haben uns sehr schwer getan und so viele offene Würfe erlaubt. Es ist ein guter Indikator, dass wir besser kommunizieren müssen. In der zweiten Hälfte haben wir das auch geschafft, und konnten diese Vielzahl an offenen Würfen begrenzen. 

In der Pick&Roll Verteidigung ist es schwer, ein Schema/Parameter zu erkennen, nach welchem ihr entscheidet, mit welcher Variante ihr Defense spielt. Bei vielen Mannschaften lässt sich im Gegensatz schnell erkennen, dass beispielsweise das Pick&Roll an der Seitenlinie mit ICE verteidigt wird…

joshmayo

Josh Mayo

Auch hier kommt wieder viel über den Einsatz und Druck, den wir so ausüben wollen. Es ist abhängig von der Spielsituationen und Kommunikation, wie wir ein Pick&Roll verteidigen. Auf der anderen Seite ist es für eine Offense schwerer sich auf bestimmte Situationen eigene Lösungen zu suchen.

Wenn wir auf die Preseason zurückschauen: Nach welchem Konzept werden die Prinzipien für die Block-Verteidigung aufgebaut? Arbeitet ihr von Spielsituation zu Spielsituation oder arbeitet ihr von Beginn mit einem kompletten Werk von Prinzipien? 

Wir haben uns nicht an den Details den Kopf zerbrochen und differenziert, wie wir bei einem guten Werfer im Gegensatz zu einem schlechten verteidigen wollen. Es wurde ein Weg erarbeitet und den versuchen wir durchzusetzen. Es geht uns vielmehr darum, „strong“ zu spielen in diesen Situationen, mit Einsatz und viel Kraft.

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