Houston Rockets, Oklahoma City Thunder

Vertragsverlängerungen – nun doch?

Warum Westbrook und Harden verlängern statt Free Agents zu werden

Über ein Monat war in der teils turbulenten Free Agency 2016 schon vergangen, die allermeisten Entscheidungen gefallen. Und doch war auch der Monat August noch einmal für eine Überraschung gut: Aller Expertenmeinungen zum Trotz verlängerte Thunder-Superstar Russell Westbrook seinen Vertrag um zwei weitere Jahre, einschließlich einer Nachverhandlung seines Gehalts in der nächsten Saison. Insgesamt 85 Millionen Dollar wird der Superstar somit in den nächsten drei Jahren erhalten, vorausgesetzt, er steigt 2018 nicht aus seinem Vertrag aus, denn das letzte Jahr enthält eine Player-Option.

Ganz ähnlich machte es einen knappen Monat zuvor James Harden, der nun bei den Houston Rockets bis einschließlich der Saison 2019/20 118 Millionen Dollar bekommt, anstatt seines alten Vertrages, der nur bis 2018 lief. Allerdings ist auch hier das letzte Jahr eine Player-Option, sodass Harden schon 2019 Free Agent werden kann. Wie kam es dazu? Denn eigentlich hatte das 2011 unterschriebene CBA Vertragsverlängerungen sehr unattraktiv gemacht.

Dennis Spillmann hatte für GtG schon 2014 beschrieben, wieso eine “Flucht in die Free Agency” inzwischen der Standard für Top-Spieler ist. Dadurch, dass nur noch vergleichsweise kurze Verlängerungen möglich sind, sind die in der Free Agency erreichbaren, langfristigen Deals aus finanzieller Sicht eigentlich deutlich attraktiver. Doch seit 2014 hat sich viel geändert. Zwar gab es vor allem bei Westbrook auch noch andere Faktoren, auf die wir noch zurückkommen werden, aber vor allem eine Tatsache machte beide Verlängerungen erst möglich: der massive Cap-Sprung in diesem Sommer. 

Der finanzielle Anreiz für eine Verlängerung ist plötzlich groß 

Durch den Anstieg des Salary-Caps auf 94 Millionen Dollar in diesem Sommer und die gleichzeitigen Abgänge von Kevin Durant und Dwight Howard besaßen sowohl Thunder als auch Rockets größere Mengen an Cap Space. Dieser ist nötig, um einen bestehenden Vertrag neu verhandeln zu können. Russell Westbrook beispielsweise wird 2016/17 ca. 8,4 Millionen Dollar mehr verdienen, als in seinem alten, bis in den nächsten Sommer gültigen Vertrag festgelegt war. Diesen Aufschlag konnte Thunder-GM Sam Presti nur durch seinen Cap Room bewilligen. Noch vor einem Jahr hatte kaum ein Team mit einem für eine Verlängerung verfügbaren Superstar solche Mengen an Geld zur Verfügung, dass es das Salär des Spielers auf Max-Niveau heben konnte, so wie es jetzt bei Westbrook und Harden geschah.

Westbrook wird so in der Saison 2017/18 nicht weniger verdienen, als wenn er im Sommer 2017 einen neuen Vertrag bei den Thunder oder einem anderen Team unterschrieben hätte. Zusätzlich nimmt er jedoch das erhöhte Gehalt der nächsten Saison mit – ein großer Betrag Geld, den er ohne eine Verlängerung nicht bekommen hätte. Bei Harden beläuft sich der “Bonus” sogar auf ca. 22 Millionen Dollar über die nächsten beiden Jahre, bevor er 2018/19 gute 30 Millionen Dollar verdienen wird, was wahrscheinlich ebenfalls kaum weniger sein wird, als bei einem neuen Vertrag in der Free Agency 2019. 

Der 10-Jahres-Maximalvertrag winkt 

Eine weitere Komponente beider Deals sind die Spieler-Optionen, mit denen Westbrook und Harden 2018 respektive 2019 aus ihren Verträgen aussteigen können. Beide Spieler werden dann 10 Jahre in der NBA sein und können somit nach dem derzeitigen CBA einen Maximalvertrag unterschreiben, der im ersten Jahr 35% des Salary-Caps in Anspruch nimmt.

Bei einem Fünfjahresvertrag und den maximal möglichen Steigerungsraten könnte der komplette Vertrag im Fall Westbrook somit bis zu 204 Millionen Dollar wert sein (immer vorausgesetzt, dass CBA oder der Salary-Cap sich bis dahin nicht in unvorhergesehener Weise ändern). Hätten Harden und Westbrook keine Verlängerungen unterschrieben, sondern wären regulär Free Agents geworden, hätten sie als 9-Jahres-Spieler nur einen Maximal-Vertrag unterschreiben können, der 30% des Caps nutzt. Natürlich hätten beide auch am Ende ihrer bisherigen Verträge einen 1+1-Vertrag unterschreiben können, so wie LeBron James oder Kevin Durant das zuletzt taten. Doch vor allem bei Westbrook spielten noch andere Gründe eine Rolle, jetzt schon zu verlängern. 

Nach dem Abgang Durants hatte Westbrook immer wieder durchblicken lassen, dass er auch in der nächsten Saison bei den Oklahoma City Thunder spielen wolle. Das Risiko, noch einen Superstar ohne Gegenwert zu verlieren, hätte Sam Presti nicht eingehen können. Somit ist Westbrooks Verlängerung für beide Parteien eine Win-Win-Situation: Westbrook bekommt deutlich mehr Geld, kann nächstes und wahrscheinlich auch übernächstes Jahr in Oklahoma spielen und Sam Presti hat mindestens ein weiteres Jahr Planungssicherheit. 

Fazit: Stimmungsumschwung oder Ausnahme? 

Wird die vorzeitige Vertragsverlängerung bei Superstars jetzt plötzlich doch wieder zur Regel oder stellen die beiden Extensions Ausnahmen dar? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Letzteres zutrifft. Denn die Situation von diesem Sommer wird es so schnell wohl nicht mehr geben: ein sprunghaft ansteigender Salary-Cap, der fast allen Teams Unmengen von Geld verschafft. Nur durch die so möglichen Neuverhandlungen der alten Verträge wurden die Verlängerungen plötzlich finanziell attraktiv. Und auch wenn bei Westbrook persönliche Motive eine Rolle spielten: im Business NBA wird am Ende immer der finanzielle Aspekt ausschlaggebend sein. So werden wir irgendwann wahrscheinlich auf beide Fälle als weitere Episoden eines ziemlich verrückten Transfer-Sommers zurückblicken. 

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