Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, Playoffs 2016

NBA Finals 2016 in Review

Der Serienhub zu unseren Finals-Analysen

Die Finalserie zwischen den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers ging direkt mit der letzten Sirene in die Geschichte ein. Zum ersten Mal in der Geschichte der NBA konnte ein Team einen 1-3-Rückstand aufholen und noch die Serie – und damit die Championship – gewinnen. Wir blicken nochmals auf unsere Analysen zurück, die wir zeitnah zu den jeweiligen Spielen anstellten. Erlebt die wahnsinnige Aufholjagd der Cleveland Cavaliers nochmals.

Podcast-Preview
von Jonathan Walker und Sebastian Seidel

Game 1 – Warriors 104:89 Cavaliers
von Artur Kowis

Die entscheidenden Momente waren für ein großes Spiel der Warriors eher untypisch. Normalerweise sorgt insbesondere Steph Curry für diese Situationen. Die Panik, in die er eine Verteidigung durch einen einzigen Sprint versetzen kann, hatte auch einen Anteil an der Leistung der übrigen Warriors, die durch verpfuschte Switches und Zuteilungen Platz und Zeit für richtige Entscheidungen gewannen. Neben der üblich guten Defense waren es aber insbesondere auch das individuelle und oft unterschätzte Können von Spielern, die von der Bank kommen und deren Stärken adäquat eingesetzt werden. 

Curry, Thompson und Green nahmen gerade mal 44% aller Würfe der Warriors. Bei den Cavaliers kamen 71% der Würfe von Love, Irving und James. Während die Warriors bewiesen haben, dass sie ein unauffälliges Spiel ihrer Scorer überleben können, müssen die Cavaliers hoffen, dass ihre “Big Three” sie zum Titel tragen kann. 

Game 2 – Warriors 110:77 Cavaliers 
von David Krout

Cleveland hat einen großartigen Kader mit vielen Waffen, besitzt aber keinen einzigen Spieler, der auf beiden Seiten des Feldes so erfolgreich sein kann wie die Hälfte der Warriors es bereits sind. Golden State konnte durch Geduld und Ball-Movement immer wieder Würfe treffen, welche sichtliche Auswirkungen auf die Disziplin der Cavaliers-Defense hatten. Auch offensiv stellt dieses Spiel einen großen Schritt zurück dar, denn Cleveland war mit einer Trefferquote von 35% noch hilfloser, trotz einer Menge an Smallball, welches gerade dem Angriff ein wenig Saft verschaffen sollte.

Nach diesem Spiel sieht Cleveland sogar schlechter aus als nach dem Vorigen, nicht, weil sie 0-2 zurückliegen, sondern weil die Rollenspieler der Warriors wiederum erfolgreich waren, während Steph Curry und Klay Thompson sich noch immer nicht von ihrer besten Seite gezeigt haben. Ein schlechtes Zeichen für Cleveland, denn soweit erinnert diese Serie sehr an die Eastern Conference Finals, nur sind die Cavaliers in diesem Szenario die Toronto Raptors.

Video: James’ Off-Ball-Defense
von Jens Leutenecker

Podcast: Die Finals Games 1 & 2
von Jonathan Walker und Philipp Rück

Game 3 – Cavaliers 120:90 Warriors 
von Julian Wolf

Die Cavs bleiben mit diesem überzeugenden Sieg am Leben. Von der deutlichen 30-Punkte-Differenz sollte man sich aber nicht täuschen lassen: Wirklich gelöst haben die Cavs den amtierenden Champion nicht. Zwar spielte Cleveland mit deutlich mehr „Physicality“ (wie Tyronn Lue betonte), taktisch überzeugenden Basketball sahen die Zuschauer aber nur bedingt – ob ein solches Spiel replizierbar ist, bleibt die große Frage. Dabei sollte man sich nicht von der Höhe des Sieges blenden lassen: Fast die ganze zweite Halbzeit war seltsam intensitätslos, so als hätten sich die Warriors früh den Cavaliers ergeben. Sorge bereitet vor allem, dass von der Bank wieder fast nichts kam; den Sieg kann sich die ausnahmslos starke Starting-5 an die Brust heften. Dementsprechend wenig Adjustements probierte Steve Kerr auf Seiten der Golden State Warriors aus. Im Bewusstsein der eigenen Stärke werden die Warriors versuchen, Spiel 4 in Cleveland zu stehlen und damit die Vorentscheidung zu sichern. Und selbst wenn nicht muss Cleveland auf jeden Fall ein Spiel in der Hölle der Bay Arena gewinnen. Aber das steht in den Sternen – fürs erste sind die Finals wieder ein Stück ausgeglichen.

Video: Game 3 in der Zusammenfassung
von Jens Leutenecker

Game 4 – Cavaliers 97:108 Warriors 
von Sebastian Seidel

Bis auf die Maßnahme, Richard Jefferson in der Starting Five zu behalten und dadurch etwas mehr defensive Flexibilität als mit Love zu haben, hat der Coaching Staff von Tyronn Lue bisher kaum nennenswerte Veränderungen im Laufe der Serie durchgeführt. Die Warriors haben sich mittlerweile auf die Verteidigung der Cavaliers eingestellt und wissen, wie sie dem Druck entweichen können. Wollen die Cavaliers noch einmal einen Umschwung schaffen, dann müssen radikalere Veränderungen im Gameplan her. Die Warriors sind agil, schnell und sehr beweglich und können auch bei gegnerischen kleinen Lineups mit gutem Spacing noch viel und schnell aushelfen. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, wieder mehr auf den Bigball des vergangenen Jahres zu setzen: Mozgov wieder vermehrt zu bringen und versuchen die Bretter zu dominieren. Auch Kevin Love könnte, vor allem wenn die Warriors klein gehen, mehr Touches im Post bekommen und dort Barnes noch stärker unter Druck setzen. Die Thunder haben gegen die Warriors gezeigt, dass diese durchaus Probleme mit Länge haben können. Viel zu verlieren haben die Cavaliers jetzt ohnehin nicht mehr.

Game 5 – Warriors 97:112 Cavaliers
von Jonathan Walker

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Cavaliers das Maximum aus der Situation herausholten, Greens Präsenz wohl aber am Shotmaking Irvings und James’ nichts verändert hätte. James und Irving trafen extrem gute Entscheidungen und lieferten historisch gute Spiele ab, James nicht nur was Punkte angeht. Offensiv konnte kein Warrior in die Bresche springen, was Greens Wert auch an diesem Ende noch einmal unterstreicht – auch wenn Klay Thompson eine famose erste Halbzeit spielte. Hinzu kam das eigene Unvermögen offene Dreier zu treffen und Fastbreaks abzuschließen – eigentlich große Stärken der Kalifornier. Der MVP bleibt weiterhin eher blass, was Spekulationen über etwaige Verletzungen weiter anfacht. Die Masse an Bigs der Warriors ließ sich in Spiel 5 nicht in Klasse ummünzen, weshalb die Verletzung Boguts Sorgen bereiten sollte. Es wird interessant zu sehen, ob Kerr nicht direkt mit der Death Lineup in Spiel 6 startet.

Es ist zwar noch kein Team von einem 1-3 in den Finals zurückgekehrt, wenn Irving und vor allem LeBron jedoch dasselbe aggressive, fokussierte Mindset mit einer ähnlich guten Performance verbinden können, ist zumindest eine Rückkehr für Spiel 7 in Oakland realistisch.

Game 6 – Cavaliers 115:101 Warriors 
von Dennis Spillmann

Die Cleveland Cavaliers sind beeindruckend in die Serie zurückgekommen und sollten schon jetzt jedem Zuschauer den Respekt abgerungen haben, den sie verdienen. Sie waren bereits zwei Mal für tot erklärt worden – nach den katastrophalen ersten beiden Spielen und nach Spiel vier – und haben sich doch zurückgekämpft.

Das liegt daran, dass den Warriors in den letzten beiden Partien jeweils ein starker Big-Verteidiger fehlte. Auf Bogut muss Golden State weiterhin verzichten und steht jetzt vor der schweren Entscheidung, ob man weiterhin viel Small mit Green geht, den aber sowohl Thompson als auch James überpowern können – oder man etwas konventioneller versucht, Festus Ezeli und Anderson Varejao mehr Minuten zu verschaffen, um der physischen Präsenz Clevelands etwas entgegenzusetzen.
Cleveland ist vor allem deswegen weiterhin in der Serie, weil sie den klar besten Spieler in den Finals stellen: LeBron James. Wir hatten vor den Playoffs leise Zweifel angemeldet, ob wir den Prime-James nochmals sehen können, wurden aber nicht enttäuscht.

Game 7 – Warriors 89:93 Cavaliers
von Dennis Spillmann

Die Warriors waren vom Personal variabler aufgestellt und konnten auf mehrere Bankspieler zurückgreifen, um die Starter zu entlasten, hatten aber das Problem, dass Coach Kerr einfach nicht die Adjustments fand, die das Team brauchte, um das letzte Heimspiel der Saison zu gewinnen. Das liegt auch darin begründet, dass Kerr von einem Regular Season-Game Plan nicht abwich, weiterhin eine größere Rotation spielte und seine wichtigsten Spieler nicht bis auf die letzte Minute ausreizte, sondern auf Rollenspieler zurückgriff, um den Stars Pausen zu verschaffen. Darüber hinaus zeigte man sich ein wenig zu festgefahren in den defensiven Rotationen, auch wenn man nicht das Personal auf dem Feld hat, um konsequent alles zu switchen.

Das NBA-Jahr schließt mit einem packenden Finalspiel, einem überraschenden Sieger und einer historischen Performance der Cleveland Cavaliers, die sich – entgegen aller Wahrscheinlichkeit – gegen das beste Westteam aller Zeiten behaupten konnten, trotz mehrfachen Rückstands, sowohl in der Serie als auch in Spiel sieben. Ein würdiges Finale endet mit der Krönung des Königs, der bewies, dass er abermals der beste Spieler in den Finals war – so wie auch im Vorjahr.

Video: LeBron James in Games 5, 6, & 7
von Jens Leutenecker

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