Boston Celtics

Die Celtics und eine Offseason voller Möglichkeiten

Ein Überblick der Boston Celtics Offseason

Zu Beginn der Offseason werden sich die Boston Celtics einige Fragen zur Zusammenstellung ihres Teams stellen müssen, denn trotz einer überraschend erfolgreichen Saison (48-34) war ihr Ende vorhersehbar. Mit dem Ergebnis der Draft-Lottery feierten sie daher womöglich ihren wichtigsten Sieg des Jahres. Nach einer enttäuschenden Playoff-Kampagne gegen die Atlanta Hawks wurde erneut klar, dass es den Celtics an zuverlässigen Scorern fehlt, da selbst der Verlust eines durchschnittlichen Schützens wie Avery Bradley verheerende Folgen für ihre Offense hatte. Danny Ainge, der General Manager der Franchise, wird nun entscheiden müssen, welche Spieler er behalten will und welche Spieler überflüssig sind – oder aber als Tauschware einen größeren Zweck erfüllen können.

Isaiah Thomas, der sich von seiner besten Seite zeigte und seinen vermeintlichen Ruf als Bankspieler und situationsgebundener Dynamo ablegen konnte, ist trotz all seiner Fähigkeiten nicht imstande, ein Team voller ineffizienter Spieler zu tragen. Die Verletzungen, die Bradley die Serie kosteten und Jae Crowders Mobilität und Offense stark einschränkten, halfen natürlich nicht, jedoch sind drei verlässliche Spieler bei weitem nicht genug, um in den Playoffs erfolgreich zu sein, falls man bei diesen nicht klar von All-Stars sprechen kann.

Die Pick-Situation

Dieses Problem, welches bei weitem kein Geheimnis war, könnte nun diesen Sommer endlich behoben werden. Boston kann dieses Jahr dank ihrer erstaunlichen Ansammlung an Picks den Verlauf der NBA Draft beeinflussen. Mit der Möglichkeit ganze 8 Spieler (3, 16, 23, 31, 35, 45, 51 und 58) zu draften sind sie vor allem attraktive Tauschpartner für Teams, welche alten Ballast abwerfen und einen Neubeginn einleiten wollen.

Der wichtigste Schritt ist jedoch einer, der abgesehen vom Raub an den Brooklyn Nets im Jahr 2013, mehr oder weniger dem Glück überlassen wurde. In einer Draft die zwar allgemein als schwach angesehen wird, haben die Celtics dennoch die Gelegenheit bereits an dritter Stelle zu ziehen. Auch wenn dieses Ergebnis nicht ideal ist, sinkt die Flexibilität mit jeder weiteren Platzierung nach unten um einiges.
Viele der Spieler in der Draft sind nicht ohne Mängel, jedoch können die Celtics sich Geduld erlauben wenn es um die Entwicklung ihrer neuen Spieler geht. Außerdem bietet der 3. Pick Danny Ainge einen schnelleren Weg zum heiß ersehnten Starspieler, den Boston seit dem Ende der ‘Big-3 Ära’ vergebens sucht. Als Grundriss für dieses Vorgehen muss man nicht mal über den eigenen Tellerrand blicken, denn Ainge befindet sich somit in einer ähnlichen, wenn nicht sogar besseren Situation als 2007, als er diesen Trick bereits schon einmal anwenden konnte und den 5. Pick (Jeff Green) für Ray Allen nach Seattle schickte.

Falls sie ihn behalten wollen, sollten die Celtics auf flexible Aufbauspieler, Scorer oder Shotblocker gehen und in Lottery-Reichweite danach Ausschau halten. Diese Draft hat zwar Spieler die diese Lücken füllen können, jedoch sind die meisten derzeit eher eindimensional. Des weiteren macht es nicht allzu viel Sinn um über konkrete Spieler zu philosophieren, da sie wohl kaum alle 8 Picks behalten werden und ihre tatsächliche Position im Verlauf der Draft deutlich wird.

Die Vertragssituationen der eigenen Spieler

Bewaffnet mit jungen, vielversprechenden Spielern und einem hohen Draft Pick, konnte Singe 2007 andere All-NBA Spieler überzeugen in Boston ein neues Zuhause zu finden. Diesen Erfolg wird er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht duplizieren können, obwohl er diesmal noch besser ausgerüstet ist. Mit Isaiah Thomas ($6 Millionen), Avery Bradley ($8 Millionen) und Jae Crowder ($6 Millionen) haben die Celtics hervorragende Starter zu mitunter den günstigsten Verträgen der NBA langfristig unter Kontrolle und besitzen außerdem noch genug Cap-Space für mindestens einen Spieler, der des Max würdig ist. Diese drei Spieler sind gleichzeitig auch die höchstbezahlten des Kaders, von Amir Johnson einmal abgesehen.

Von den eigenen Restricted Free Agents sollte Boston sich im Idealfall verabschieden. Jared Sullinger und Tyler Zeller bieten zwar einiges als Rotationsspieler, sind jedoch aufgrund ihrer Kombination aus begrenzter Reichweite und schwacher Präsenz am Korb beide keine besonders geeigneten Kandidaten für Brad Stevens‘ System. In der Serie gegen Atlanta wurden beide von mobileren Spielern vom Feld gespielt – ein Trend der vorläufig, genau wie Sullinger, wahrscheinlich nicht abnehmen wird. Ironischerweise könnte gerade diese Serie jedoch eine Zukunft für Sulllinger in Boston bedeuten, da sie ihm womöglich einiges an Gehalt gekostet hat. Interessanterweise hat Sullinger‘s Agent, David Falk, neulich in Erwägung gezogen lediglich das Qualifiying Offer zu akzeptieren und keinen Vertrag in dieser Free Agency zu unterschreiben. In diesem Fall würde Sullinger die kommende Saison für circa $4 Millionen bei den Celtics bleiben, ist am Ende der Saison aber ein Unrestricted Free Agent. Ein anderer seiner Klienten, Greg Monroe, war mit dieser Taktik sehr erfolgreich und hat sich so bei den Bucks einen Max Contract verdienen können.

Außerdem hat Ainge den Celtics mit den Verträgen von Jonas Jerebko ($5 Millionen) und Amir Johnson ($12 Millionen) weitere Flexibilität verschafft, mit der Option sie erst zur Halbzeit des Juli-Moratoriums zu garantieren. Im Gegensatz zu Sullinger und Zeller sollte diese Wahl wohl eine schwierigere sein, da diese beiden womöglich Bostons beste Bigs darstellen. Nichtsdestotrotz könnten weitere $17 Millionen an Cap Space in der richtigen Situation gar noch wertvoller als die beiden sein.

Zu guter letzt wird auch Evan Turner Free Agent und trotz einer überraschend produktiven Saison, in der er für die Bank der Celtics essentiell war, sollten sie ihn wahrscheinlich auch ziehen lassen. In den Playoffs haben sowohl Marcus Smart als auch Terry Rozier gezeigt, dass sie eine größere Verantwortung als Aufbauspieler übernehmen können; zudem tun sie dies zu einem geringem Preis. Was die Celtics an Scoring verlieren, sollten sie hoffentlich durch weitere  interne Entwicklung, einen neuen Free Agent oder ihren hohen Draft Pick gutmachen können.

Neben diesen Spielern wird Boston auch entscheiden müssen wie es mit den vier Rookies – auch wenn James Young keiner ist spielt er wie einer – fortfahren will. Rozier konnte dank Avery Bradley’s Abwesenheit eine größere Rolle genießen und machte aus dieser Gelegenheit auch das beste. Er ist womöglich der athletischste Spieler des Kaders und beeindruckt, wenn er im Fullcourt über das Feld fliegt. Außerdem spielt er mit genauso viel Energie wie er Kaugummi kaut und ist somit in jeder Hinsicht eine wahre Inspiration.

Hunter konnte seinm Ruf als Schütze nicht gerecht werden, zeigte jedoch im Pick and Roll gute Instinkte. Mickey sieht offensiv zwar noch verloren aus, hat aber einen recht ästhetischen Wurf und ist der erste Spieler seit Kevin Garnett, der mit spektakulären Blocks und Dunks das Publikum anfeuern kann. James Young ist der jüngste Spieler des Teams – leider kann man sonst nicht viel Positives feststellen.

Falls es den Celtics nicht gelingt einen Großteil ihrer Draft Picks zu traden, sollten sie unbedingt nach internationalen Talenten Ausschau halten, die vorläufig noch keine NBA Pläne haben, oder aber sich von manchen ihrer jungen Spieler trennen.

Der Free Agent Markt für die Celtics

Leider findet man auf dem Free Agent Markt für die Celtics nicht viel Wünschenswertes, abgesehen von Kevin Durant, dessen Erfolg in den Playoffs jedoch ein positives Szenario für Boston noch unwahrscheinlicher macht als es bereits war. Dennoch kommen gerade Center wie Al Horford oder Hassan Whiteside in Frage, die trotz fragwürdiger Kompatibilität – in Horfords Fall das Alter, in Whitesides sein eher ego-zentrischer Spielstil – große Baustellen der Celtics beheben könnten.
Per Tausch sind außerdem Spieler wie DeMarcus Cousins, Paul George, James Harden, Blake Griffin oder Jimmy Butler interessant, welche alle auf der richtigen Alterskurve liegen und weniger Fragen aufwerfen. Die Verfügbarkeit dieser Spieler, welche auf Teamebene mehr oder weniger eine enttäuschende Saison hinter sich haben, bleibt natürlich vorläufig unklar.

Dieser beschleunigte Weg könnte natürlich schon im nächsten Jahr Früchte tragen, jedoch ist es mit dem Erfolg, den Trainer Brad Stevens in der Spielerentwicklung erzielen konnte, eventuell interessanter einen langfristigen Weg einzuschlagen. Auch wenn die Celtics ihren hohen Pick behalten, haben sie nämlich genug Cap-Space für mindestens einen Max-Contract und könnten diesen auch auf einen jüngeren Spieler wie zum Beispiel einen Harrison Barnes nutzen. Trotz seiner Limitationen wäre er von Anfang an einer der besten Schützen der Celtics und ist auch vielseitig genug um mehrere Positionen zu spielen, was Stevens bei seinen Spielern  immer sehr zu schätzen weiß. Mit 23 Jahren ist er auch jung genug um seine Schwächen  künftig noch auszubügeln.

Auch Festus Ezeli, der andere Restricted Free Agent  der Golden State Warriors, ist für die Celtics interessant, da die Warriors eins der wenigen Teams sind, die es sich nicht erlauben können im aktuellen Markt beide Spieler zu behalten und er als Macht am Korb enorm wertvoll sein könnte.

Die Celtics sollten sich außerdem bei Shootern wie Bradley Beal, Terrence Ross und Evan Fournier anklopfen, auch wenn diesen mehrere Bedenken anhaften. Bradley Beal wäre theoretisch sicherlich ein Max-Spieler, seine wiederholten Knochenbrüche im rechten Bein machen dies praktisch jedoch zu einer äußerst schwierigen Entscheidung. Terrence Ross und Evan Fournier würden zwar das Spacing Problem beheben, sind aber ohne Frage ein niedrigeres Kaliber von Spieler.

Was Boston in der Free Agency auch tut, sie sollten nicht den Fehler machen durchschnittlichen Spielern zu viel zu zahlen, solange diese nicht jung genug sind und somit ausreichend Verbesserungspotential versprechen.

Fazit

Idealerweise versuchen die Celtics Isaiah Thomas, Avery Bradley, Marcus Smart, Jae Crowder, Kelly Olynyk und einen von Jonas Jerebko / Amir Johnson zu behalten, während sie sich von Evan Turner, Tyler Zeller und Jared Sullinger verabschieden. Was mit den Rookies passiert, sollten sie von den Ergebnissen von Draft und Free Agency abhängig machen, da sich bisher keiner als Must-Have etabliert hat. Wohlgemerkt kann keiner der Spieler sich seines Platzes sicher sein, denn Ainge ist nicht gerade für seine Sentimentalität bekannt und wird, wenn er eine Möglichkeit auf Verbesserung sieht, gewiss zuschlagen.

Es ist schwer eine Vorhersage zu treffen da die Celtics viele Verschiedene Richtungen einschlagen könnten. Es ist klar, dass wenn es nach Danny Ainge geht, er einen oder mehrere Starspieler anlocken will. Da die Celtics derzeit jedoch selbst lediglich einen besitzen, wird Bostons nahe Zukunft großenteils von den anderen Teams der Liga, Free Agents und ihrer Einschätzung der Assets der Celtics abhängig sein.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben