Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, Playoffs 2016

NBA Finals 2016: Game 5

The LeBron & Kyrie Show featuring No Green

Die Cavs standen mit dem Rücken zur Wand, da eine vierte Niederlage – trotz des dominanten Sieges in Spiel 3 – ein recht einseitiges 1-4 in LeBron James’ sechsten Finals in Folge bedeutet hätte. Da kam es Cleveland sehr gelegen, dass Draymond Green, der bis dato wohl wichtigste Spieler der Warriors in den Finals 2016, für seine Auseinandersetzung inklusive Körperkontakt mit James von der Liga nachträglich ein weiteres Flagrant Foul spendiert bekam. Durch seine Vorgeschichte in den vorherigen Runden der Playoffs hatte Green nicht nur ohnehin die besondere Aufmerksamkeit des Ligabüros auf sich gezogen, sondern auch genug unsportliche Fouls angesammelt, um ihn nun kurzerhand für Spiel 5 der Arena zu verbannen. Nun blieb es abzuwarten, wie die Warriors auf den Verlust Greens reagieren und inwiefern die Cavs in Oakland überhaupt Nutzen aus dieser Situation ziehen können würden.

Die Rückkehr des Königs

Da LeBron James auch über die ersten vier Spiele bereits recht überzeugende Zahlen aufgelegt hatte, klingt es vielleicht vermessen, von einer “Rückkehr” zu sprechen. Trotzdem ist man in Spiel 5 noch einmal in den Genuss eines anderen, besseren LeBron James gekommen. Die Vorzeichen für eine königliche Performance waren bereits vor dem Spiel zu erahnen: Erstens ist es neben Iguodala auch vornehmlich Draymond Green, der James in der Offense das Leben schwer macht. Während sich am Perimeter wieder hauptsächlich der Finals MVP 2015 um James kümmert, sieht er sich im Post und vor allem nach Drives zum Ring sehr häufig Greens langen Armen gegenüber. Green ist ein großer Faktor für LeBrons ungewohnten Probleme in der Serie, wenn es um Abschlüsse am Ring geht. Zweitens konnte man erwarten, dass James sich nicht aus der Saison verabschieden würden, ohne sich zumindest ein letztes Mal aufzubäumen.

Wie bereits im Podcast nach Spiel 2 analysiert, steht und fällt LeBrons Dominanz mehr denn je, dank langsam aber sicher schwindender Explosivität beim Finish am Ring, mit seinem Sprungwurf. Wenn James den Jumper verweigert, wie man es zuletzt oft beobachten konnte, sinken sowohl sein Verteidiger als auch die Hilfe tief in die Zone und erschweren jeden seiner Körbe ungemein. Wenn James diese weit offenen Würfe jedoch konsequent nimmt und akzeptabel trifft, generiert er zum einen unmittelbar aus diesen Würfen Punkte und mittelbar durch die veränderte Defense in der Folge weitere, durch offenere Räume. Und das tat er in diesem Spiel wie seit Langem nicht mehr. Der Mix aus Pull-Ups, Drives, Cuts, Spot-Ups und den gleichzeitig reduzierten Post-Ups ergaben einen schier nicht aufzuhaltenden King James, der an die Titelruns in Miami erinnerte. Komplettiert wurden effiziente 41 Punkte (ORtg 132) durch 16 Rebounds, 7 Assists (alle in der zweiten Halbzeit), nur 2 Ballverluste sowie aggressives Roaming in der Defense. An diesem Ende des Feldes klaute James 3 Bälle und – noch wichtiger – beschützte den Ring eindrucksvoll, was in 3 geblockten und vielen weiteren veränderten Würfen der Warriors resultierte. James tat alles ihm mögliche, um in der 25. Serie in Folge einen Auswärtssieg zu erringen und die Finals um ein weiteres Spiel in Cleveland zu verlängern. 

Da James den Großteil seiner Würfe von außerhalb der Zone nahm, wäre Greens defensiver Einfluss auf diese Leistung wohl eher gering ausgefallen. James hätte ohnehin – trotz Longsleeves – seine Jumper genommen und getroffen. Doch James kam sowohl im Halbfeld, als auch in Transition zu leichteren Punkten und war ballsicherer, als man es mit Green auf dem Feld erwarten würde, was für weiteres Selbstvertrauen gesorgt haben dürfte. 

Irving On Fire

LeBrons Leistung allein hätte vermutlich nicht ausgereicht, wenn nicht simultan Kyrie Irving ein offensives Feuerwerk abgebrannt hätte. Wie bereits im Podcast lamentiert, sieht Irvings Wurfauswahl extrem schlecht aus, wenn er seine Pull-Ups und Fadeaways nach schier endlosen Dribble-Eskapaden nicht trifft. Da er aber einer der besten “Bad Shot Maker” der Liga ist, ist er, wenn heißgelaufen, eben auch einfach nicht zu verteidigen – auch nicht von einem der besten Guard-Verteidiger dieser Tage, den die Warriors mit Klay Thompson auf ihn hetzen. Zudem fand Irving, ähnlich wie James, eine gut funktionierende Mischung aus Isos, Spot-Ups und Passen, was letztendlich in noch effizienteren 41 Punkten (146 ORtg) sowie 6 Vorlagen mündete.

No Love, No Problem

Kevin Love spielte zwar im Gegensatz zum Sieg in Spiel 3 (und startete im Gegensatz zu Spiel 4), war jedoch höchst unauffällig. Da Irving und James für so viele Punkte sorgten, wie es noch kein Duo in der Geschichte der Finals geschafft hatte, war es nicht weiter tragisch, dass Love in 31 Minuten lediglich einen Korb erzielte. Verwunderlicher ist, dass er auch an den Brettern kaum in Erscheinung treten konnte. Als einer der besten Rebounder der Liga bekannt geworden, griff er sich nur 3 Boards, was weniger als 10% der Summe von Tristan Thompson und James entspricht. Nach dem durchaus überzeugenden Auftritt von der Bank in Spiel 4 muss trotzdem in Frage gestellt werden, ob Love sich bereits vollkommen von seiner Gehirnerschütterung erholt hat. Immerhin fiel er defensiv nur selten negativ auf, was aber auch daran lag, dass die Warriors ihn weniger konsequent attackierten als gewohnt. Spiele wie dieses machen im Sommer, unabhängig vom weiteren Verlauf der Playoffs, einen Trade Loves nicht unwahrscheinlicher. Momentan ist allerdings lediglich relevant, dass Love zumindest nicht negativ auffiel und Cleveland eine derartige offensive Performance von ihm offensichtlich locker wegstecken kann – solange Irving historisch gut trifft.

Die gute Dreierquote der Cavs (42%) war fast ausschließlich Irving (5-7 3er) und James (4-8 3er) geschuldet, da ansonsten nur noch Smith einen Dreier versenken konnte. Jefferson, Shumpert, Love und Dellavedova trafen je keinen ihrer Dreier, wobei die beiden erstgenannten sowie Smith immerhin wiederholt durch starke Drives und Cuts auffielen. Frye sah überraschenderweise keine einzige Minute Einsatzzeit.

Die Probleme der Warriors

Neben den heißen Händchen James’ und Irvings, wogegen die Warriors wenig unternehmen konnten, hatte Golden State noch einige weitere Probleme in Spiel 5, die teilweise auch auf das Fehlen Greens zurückgeführt werden können, zum Teil aber auch anderen Ursprungs sind.

Neben Greens nicht zu ersetzender Präsenz am Ring und gegen LeBron, konnte Kerr allgemein keinen Center in seiner Rotation finden, der gegen die Cavs eine befriedigende Leistung zeigte. Egal ob Bogut (4 Fouls in 8 Minuten), Speights (0-6 FG), McAdoo (-10 in 8 Minuten), Varejao (3-8 FT) oder Ezeli, letztendlich konnte keiner der Bigs dem Spiel annähernd seinen Stempel aufdrücken, offensiv wie defensiv. Kerr griff streckenweise auch auf extrem kleine Lineups wie Barnes – Iguodala – Thompson – Livingston – Curry zurück, welche Irvings und James’ Shooting letztlich aber auch nichts entgegenzusetzen hatten und dann wieder verworfen wurden. Es bestätigt sich somit ein Bild, dass man von Kerr im Verlauf der Playoffs bekommen konnte: Gewinnen die Warriors, wirken seine häufig wechselnden Lineups smart und dynamisch; verlieren sie, wirkt es eher verzweifelt.

Was den offensiven Output angeht, so versuchten Iguodala (15 Punkte, 6 Assists, ORtg 113) und Barnes in die Bresche zu springen. Während Iguodala, als Starter von Anfang an dabei, vor allem im ersten Viertel  noch recht effektiv war, machte Barnes ein mieses Spiel (2-14 FG, 0-6 3er). Die Cavs ließen ihn sowie Iguodala (1-4 3er) immer wieder an der Dreierlinie stehen, von wo sie diese Geschenke schlicht nicht anzunehmen vermochten. In der zweiten Halbzeit trafen die Warriors keinen einzigen (!) ihrer 11 offenen Dreier, was sehr ungewöhnlich ist.

Gegen die Niederlage stemmte sich vor allem in der ersten Halbzeit noch ein heißer Thompson, der mit James’ Punkten mithalten konnte, vor allem, da er über seine Spot-Ups hinaus viel off the dribble produzierte (1. Halbzeit 26 Punkte; 6-8 3er). Als Thompson in der zweiten Halbzeit abfiel, blieb der andere Splash Brother weiterhin eher unauffällig: Curry kam zwar auf seine 25 Punkte, erzielte diese aber nicht sonderlich effizient (ORtg 106) und wirkte zu keinem Zeitpunkt so gefährlich, wie man es vom MVP Curry der regulären Saison noch gewohnt war. Curry bestätigt somit die Form, die er über die gesamte Serie bereits zeigt (22.2 PPG; ORtg 108). Er nahm überwiegend Dreier und zog so gut wie gar nicht zum Korb. Ohne Green oder eine stark aufspielende Bank letztlich schlicht nicht genug.

Natürlich waren die offensiven Probleme der Warriors nicht nur hausgemacht. Die Transition Defense der Cavs war beeindruckend. Immer wieder konnten die Warriors Fastbreaks, selbst bei Überzahl, nicht erfolgreich abschließen. Auch hier fehlte einerseits Green als Transition-Playmaker, doch in der Regel sind auch die verbliebenen Warriors gefährlich im Schnellangriff. Im Halbfeld funktionierten Traps noch besser als in Spiel 4 und auch das Switching trug Früchte. Im dritten Viertel wurden durch Switches vier Angriffe in Folge regelrecht erstickt, die der Reihe nach in einem Airball Thompsons, einem Ballverlust Livingstons, einem Airball Speights’ (mit folgendem Layup von Barnes) sowie einem geblockten Wurf Currys endeten. Besonders Lineups, die Tristan Thompson, James sowie Iman Shumpert enthielten, waren hier extrem stark.

Fazit

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Cavaliers das Maximum aus der Situation herausholten, Greens Präsenz wohl aber am Shotmaking Irvings und James’ nichts verändert hätte. James und Irving trafen extrem gute Entscheidungen und lieferten historisch gute Spiele ab, James nicht nur was Punkte angeht. Offensiv konnte kein Warrior in die Bresche springen, was Greens Wert auch an diesem Ende noch einmal unterstreicht – auch wenn Klay Thompson eine famose erste Halbzeit spielte. Hinzu kam das eigene Unvermögen offene Dreier zu treffen und Fastbreaks abzuschließen – eigentlich große Stärken der Kalifornier. Der MVP bleibt weiterhin eher blass, was Spekulationen über etwaige Verletzungen weiter anfacht. Die Masse an Bigs der Warriors ließ sich in Spiel 5 nicht in Klasse ummünzen, weshalb die Verletzung Boguts Sorgen bereiten sollte. Es wird interessant zu sehen, ob Kerr nicht direkt mit der Death Lineup in Spiel 6 startet.

Es ist zwar noch kein Team von einem 1-3 in den Finals zurückgekehrt, wenn Irving und vor allem LeBron jedoch dasselbe aggressive, fokussierte Mindset mit einer ähnlich guten Performance verbinden können, ist zumindest eine Rückkehr für Spiel 7 in Oakland realistisch.

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