Draftprofile 2016

Denzel Valentine

Michigan State Spartans

Datenblatt

 

Name: Denzel Valentine

Position: Wing

[xrr rating=1/4]  (Rollenspieler)

College: Michigan State

College-Erfahrung: Senior

 

 

Smells Like Green Spirit – so könnte der Werbeslogan in eigener Sache von Senior Guard Denzel Valentine von der Michigan State University lauten. Wie schon sein Vater spielte der 22-Jährige Basketball für die Spartans aus seiner Geburtsstadt (!) East Lansing und wurde im Laufe seiner College-Karriere zu einem dieser exemplarischen Vorzeigespieler, die das Spartan Green in ihrer Essenz würdig repräsentieren. In vier Jahren unter Coach Tom Izzo konnte der relativ niedrig eingestufte Top 100 Rekrut eine beeindruckende Entwicklung nehmen und das Beste aus seinen Möglichkeiten herausholen. Am Ende seines Senior-Jahres wurde er ins Consensus All-American 1st Team gewählt und erhielt von der Associated Press den National Player of the Year-Award.

Tatsächlich erinnert seine Geschichte auch an den Spartan-Alumni und heutigen NBA-Star Draymond Green, dem man trotz seines produktiven College-Spiels als Point Forward keine rosige Zukunft in der NBA prognostizierte. Zu Green hieß es, er habe keine feste NBA-Position und stünde als Tweener – anno 2012 noch ein Schimpfwort in der NBA – zwischen den beiden Forward-Positionen und könnte keine davon gut verteidigen. Entweder sei er zu langsam oder zu klein. Valentine wird ebenfalls als Tweener – allerdings zwischen Guard und Forward – beschrieben und als größtes Manko gilt seine Defense. Beiden eilt der Ruf von großer Führungsstärke und positiven Einfluss auf den Umkleideraum voraus. Valentine (#45) führte die Spartans als unumstrittener Anführer zu 29 Siegen, ehe ihre Saison als favorisierter #2 Seed im NCAA-Tournament durch eine Riesenüberraschung gegen Middle Tennessee State schon in der ersten Runde ein jähes Ende fand.

Tools

Mit einer knappen Körpergröße von 6’6′” und einer guten Armspannweite von fast 6’11” besitzt Valentine sehr solide Maße für die NBA. Für die Messungen beim Draft Combine hat er sich offensichtlich gewissenhaft in Form gebracht, 10 Pfund abgenommen und mit 210 lbs. bei 9.2 % Körperfett eher positiv überrascht. Für ihn wird es ebenso wie für Green hinsichtlich seiner NBA-Rolle darauf ankommen, seinen Körper konstant in absoluter Topform zu halten. Sein athletisches Potenzial muss unabhängig davon als limitiert beschrieben werden und wird vermutlich im unteren Durchschnitt der NBA einzuordnen sein. Die geringe Sprungkraft und fehlende Explosivität werden ihm in der Liga Grenzen aufzeigen, die er am College weniger offensichtlich präsentiert bekommen hat. Sein hervorragender Basketball-IQ lässt zumindest darauf hoffen, dass er mit dem richtigen Coaching athletische Defizite wenigsten teilweise ausgleichen kann.

Scoring

Wenn bei vielen Draft-Anwärtern von ihrem Potenzial geschwärmt wird, kann Denzel Valentine mit dem Schlagwort Produktivität punkten. Hierbei hat Tom Izzo Valentine im Senior-Jahr zugleich zum primären Ballhandler und zur ersten Option im Angriff der Spartans gemacht. Dieser zahlte es mit fantastischen Leistungen zurück (127.2 ORtg bei 28.4 USG%; 16.5 BPM #1 landesweit) und verbuchte neben 7.8 ApG in 31 Spielen 19.2 PpG bei starken 60.8 TS%. Um diesen Output zu erreichen musste sich der Spartan von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigern und erhöhte bei häufiger werdenden Abschlüssen seine Wurf-Effizienz.

denzel valentine scoring

Er nimmt dabei im letzten Jahr die Mehrheit seiner Abschlüsse von der Dreierlinie (52.7%) und trifft diese trotz hohem Volumen (7.5 3PA) hochprozentig (44.4 3FG%). Seine guten Bewegungen abseits des Balls werden von den Mitspielern belohnt, ganze 86.5 % seiner Dreier wurden direkt vorbereitet. Hierbei ist er sehr schnell in der richtigen Position ausgerichtet um abzufeuern.

Solch ein hervorragender Dreier weckt natürlich Begehrlichkeiten in der NBA.

Unter anderem seine mangelnde Explosivität gerade über links kommend, macht sich dann allerdings anhand der zu seltenen Abschlüsse in direkter Korbnähe bemerkbar (nur 16.4%), was sich folgend in einer zu geringen Freiwurfversuchs-Rate von nur 0.214FTr bei starken 85.3 FT% widerspiegelt. Diese Werte sind für einen primären Ballhandler deutlich zu niedrig, trotzdem wird Tom Izzo sie im trade-off gegen das massive Dreier-Volumen gerne in Kauf genommen haben. Ob Valentine gegen NBA-Verteidiger überhaupt gut per Drive zum Korb kommt, ist fraglich. Aktionen wie diese waren unterm Strich etwas zu selten zu sehen.

Aus dem Pick’n’Roll in den Drive.

Aus der Mitteldistanz schließt Valentine 30.9% seiner Würfe ab und erzielt dabei unspektakuläre 0.83 PPP.

Playmaking

Neben seiner gestiegenen Scoring-Last hat Valentine nach dem Abgang von Travis Trice in seinem Senior-Jahr ebenfalls die Hauptverantwortung für den Ballvortrag übernommen und dabei gelang es ihm, seine Mitspieler hervorragend einzubinden (45.8 AST% – #2 landesweit bei 14.8 TOV%). Hier beweist er ein gutes Gefühl für den freien Mann und die jeweilige Spielsituation.

Abzuwarten bleibt, inwiefern Valentine seinen Größen- und Übersichtsvorteil am College als großer  Point Guard zu den Profis auf den Flügel oder als Off-Guard übertragen kann. Außerdem wird er höchstwahrscheinlich wesentlich weniger Gestaltungsmöglichkeiten im Playmaking erhalten, weil es nahezu ausgeschlossen ist, dass er der primäre Ballhandler einer NBA-Franchise wird. Auch in einer kleineren Rolle kann seine Stärke im Passen jedoch wertvoll sein, insbesondere in der Kombination mit dem starken Shooting.

Defense

Valentine ist ein schlechter Verteidiger. Er kann seinen Gegenspieler am Ball zu selten am erfolgreichen Zug zum Korb hindern und wird teilweise deswegen auch gezielt attackiert.

Auch abseits des Balles verliert er häufiger seinen Gegenspieler aus den Augen. Während er in den meisten offensiv relevanten Statistiken vom Frosh bis zum Senior sensationelle Fortschritte machen konnte, zeigt er Karrierehöchtswerte bei STL% (2.3) und BLK% (1.8) in seiner Freshman-Saison. Danach nahmen die Werte ab.

Hier müssen NBA-Teams einschätzen, ob der schwache defensive Auftritt am College hauptsächlich durch seine riesige offensive Verantwortung bedingt wurde und ob Valentine in reduzierten Einsatzzeiten auf NBA-Niveau zumindest erträglich verteidigen kann. Hierbei ist er im athletischen Potenzial begrenzt, könnte sich aber über die Kombination aus guter Länge und Basketball-IQ wenigstens als so ordentlicher Verteidiger präsentieren, dass seine offensive Produktion im Verhältnis zu seiner Defensive regelmäßige Einsatzminuten ermöglicht. Zugutehalten kann man ihm sein starkes defensives Rebounden (21.2 DRB%), mit dem er in Kombination mit Scoring und Playmaking am College Triple-Double-Gefahr ausstrahlte (19.2 PpG; 7.8 AST; 7.5 TRB).

Spielervergleich

Valentine kann man mit einer Spieler-Mischung aus Greivis Vasquez und Evan Turner vergleichen, wobei er besser reboundet als Vasquez und beiden einen besseren Dreipunktwurf voraus hat. Im absoluten Idealfall findet er eine Situation in der Liga, in der für ihn ähnlich viele Bausteine in die richtige Richtung fallen wie für Draymond Green und seine Schwächen kaschiert werden. Dann kann er mit vergleichbaren charakterlichen Qualitäten und seinem Basketball-IQ eine gute Rolle etablieren.

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

StatsvergleichWings2016

Draftaussichten

Wenn Anwärter vier Jahre am College spielen, wird in der Ära der One-and-done’s im Prinzip automatisch ihr Entwicklungspotenzial wesentlich geringer eingeschätzt. So passt auch Denzel Valentine in die Kategorie mit gut berechenbaren Floor und limitierter Upside. Sein Shooting, Playmaking und seine relative Ausgereiftheit kann ihn ab Mitte der ersten Runde zu einem sinnvollen Pick für Playoff-Teams machen. Wirklich spannend wird es für ihn in der Region nach der Lottery und insbesondere beim 17. Pick der Memphis Grizzlies. Der Franchise mit – auch verletzungsbedingten – Nachwuchssorgen auf der verzweifelten Suche nach guten Dreierschützen kann man Valentine eigentlich nur empfehlen, zumal sie passende komplementäre Spieler zum defensiven Anlernen und Ausmerzen bereits in ihren Reihen haben. Aus der ersten Runde wird er bei spät pickenden Franchises wie den Spurs und Warriors, die für gute Schützen mit Spielmacherqualitäten und hohem Basketball-IQ immer einen Rosterspot finden, kaum rausfallen. Für einen Spieler, der sich seinen NBA-Prospect-Status erst in seiner letzten College-Saison erspielen konnte, ist ein wahrscheinlicher Erstrundenpick eine verdiente Belohnung für die gezeigten Leistungen.

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1 comment

  1. Poohdini

    Ich finde, dass Valentine extrem unterbewertet ist. Erstens glaube ich, dass er ein extrem wertvoller Rollenspieler sein kann, der einem Team mehrere Skills bringt, im Gegensatz zu Buddy.

    Besonders beeindruckend finde ich, dass er ein sehr guter Playmaker ist, der aber dazu kaum Fehler macht. Hatte vergleichsweise wenig TOs, in Verbindung mit seinen vielen Assists und der großen Rolle ein wahrscheinlich guter Indikator. Normalerweise sind die high usage Playmaker auch immer sehr TO-affin.

    Er trifft seinen Dreier exzellent aus verschiedenen Bewegungen heraus, was will man mehr.

    Er wird in der NBA ein Spieler sein, der Spacing und Shooting liefert, aber dabei auch den Ball auf den Boden dribbeln kann, schnelle Entscheidungen trifft und wenig Fehler macht. Dazu kann er locker auch der de facto BackUp PG sein und sekundäre Ballhandler hinter dem Starter PG.

    Dass er unathletisch ist und am Ring nicht abschließen kann, finde ich erstmal nicht so schlimm, da er eh eher von der Dreierlinie und seinem Passing lebt. Die große Frage wird, ähnlich wie bei Murray, wie man ihn defensiv verstecken kann, wo ich noch nicht überzeugt von ihm bin. Manche meinen ja, er sei ein okayer Teamverteidiger, ich bin da noch skeptisch.


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