Cleveland Cavaliers, Golden State Warriors, Playoffs 2016

NBA Finals 2016: Game 2

Die Cavaliers versuchen sich an Smallball - und scheitern

Vor Beginn von Game 2 wünschte sich Cavaliers-Coach Tyronn Lue, dass sein Team schneller spielen und mehr Chancen im Fastbreak erhalten würde. Der Plan scheiterte und die Golden State Warriors gewannen überlegen Spiel 2. Mit 110:77 schossen sie Cleveland aus der Halle. Wir erklären warum.

Tempo führt nicht zwangsläufig zum Sieg

Wo das Tempo im ersten Viertel deutlich schneller war, endeten die Angriffe der Cavaliers zwar früh in der Shotclock, waren aber meist weit vom Korb entfernt. Gelang es ihnen zum Korb vorzustoßen, wartete dort Andrew Bogut auf sie, der am Ende des Viertels vier Blocks erzielt hatte.

Ein großer Unterschied zu Game 1 war, dass diesmal nicht Cleveland, sondern Golden State den Großteil der Rebounds an sich reißen konnte. Defensive Rebounds nicht einfangen zu können, ist immer frustrierend, doch gerade gegen die Warriors nimmt es einem den Wind aus den Segeln.

Cleveland schaffte es nicht lange mit erhöhtem Tempo zu spielen und bald stagnierte ihre Offense wieder. Ihre Bigs – sogar Channing Frye –  fanden sich mehr und mehr im Post, um vermeintliche Mismatches auszunutzen. Hier zeigte sich auch ihr Mangel an Spielerbewegung und im Gegensatz zu Game 1 wurde Golden State bedeutend mutiger und warf Cleveland schnelle und aggressive Doubles entgegen, fast gleichgültig, welcher Cavalier auf dem Feld stand. Da die anderen vier Cavaliers nur selten nach Lücken in der Defense suchten, endeten die Post-Ups entweder in unmöglichen Würfen gegen Double Teams oder aber Turnovers.

Post Up-Probleme

So erfolgreich die Frye-Love-Kombination für Cleveland gegen die Eastern Conference auch war, zeigte sich ihre Ineffektivität gegen die Warriors sofort. Da weder Frye noch Love eine Gefahr im Post darstellen – in Kevin Loves Fall überraschend, in Channing Fryes vorhersehbar – können sie gegen ein Warriors Team mit langarmigen Verteidigern keine Mismatches kreieren. Frye, der ohne Probleme über die langsameren Bigs und kleineren Flügel des Ostens hinwegwerfen konnte, hatte gegen Golden State keine Chance.

Auch defensiv präsentierte diese Kombination nichts als Probleme für die Cavaliers und kulminierte sich darin, dass Draymond Green in einer Spanne von vier Minuten einen offenen Dreier nach dem Anderen nahm. Weder Frye noch Love konnten in Pick and Rolls bei ihm bleiben, und hinkten bei manch einer Rotation weit hinterher. Als Konsequenz erblickte Channing Frye das Feld nicht mehr und hat womöglich seine letzten wichtigen Minuten der Serie gespielt, sollte Kevin Loves Verletzung im dritten Viertel nicht allzu ernst gewesen sein.

Adjustments: Richard Jefferson

Bevor das Spiel für Cleveland außer Kontrolle geriet, war Tyronn Lues größte Anpassung im Spielplan wohl eine gewaltige Dosis Richard Jefferson. Dieser schnitt für seine Verhältnisse ganz gut ab und erlaubte Cleveland mehr Smallball zu spielen. Defensiv konnten sie mehr switchen und offensiv übte er mehr Druck aus als Kevin Love und Tristan Thompson es tun. Leider nahm er wohl auch eine der größten Stärken von Cleveland gegenüber Golden State, nämlich ihre überwältigende Präsenz am Brett. Sicherlich half er den Warriors auch, um Shaun Livingston in Schach zu halten, aber letztendlich konnten die Smallball-Lineups der Cavaliers Steph Curry und Klay Thompson kein weiteres Mal aufhalten und beide trafen ihre üblichen vier Dreier pro Spiel.

Für Golden State änderte sich im Grunde nichts, sie bekamen jeden Wurf, den sie wollten, und nur ihre wilden Turnovers konnten ihre Offense bremsen. Draymond Green zeigte wiederum, weshalb er womöglich der beste Smallball-Spieler der Liga ist: Spielt der Gegner mit traditionellen Bigs, läuft er Kreise um sie herum, versucht der Gegner gleichzuziehen, spielt Green wie der größte Mann auf dem Feld. Als Cleveland LeBron James als Center aufstellte und versuchte – ähnlich den Warriors – defensiv alle Pick and Rolls und Screens zu switchen, hatte Green aufgrund seiner Kraft dennoch einen Vorteil.   

LeBron James‘ Verzweiflung

Es ist schwer LeBron James gegenüber allzu kritisch zu sein, da er der einzige Cavalier war, der überhaupt Erfolg gegen die Warriors hatte. Er war das ganze Spiel über aggressiv und ein Wirbel in Transition, beging jedoch einige für ihn untypische Fehler: Mehr als einmal konnten seine Mitspieler den Ball nicht fangen, nachdem er ihn übers Feld katapultierte, was zur Folge hatte, dass er irgendwann entschied, den Angriff in die eigene Hand zu nehmen. In diesen Momenten endeten seine Drives mit lauten Dunks, bei denen die Warriors nur tatenlos zusehen konnten.

Die qualvollen Leistungen der anderen Cavaliers wurden jedoch immer ersichtlicher, was Golden State ermöglichte mehr Spieler auf James zu hetzen. Dies zeigte sich in LeBrons schmerzhaftester Sequenz der Playoffs, wo er zwei Mal in Folge eine Travel-Call erhielt. Viele Optionen blieben ihm jedoch nicht, da seine Shooter nicht werfen konnten und seine beiden Co-Stars in diesem Spiel besonders unsichtbar waren.

Fazit

Cleveland hat einen großartigen Kader mit vielen Waffen, besitzt aber keinen einzigen Spieler, der auf beiden Seiten des Feldes so erfolgreich sein kann wie die Hälfte der Warriors es bereits sind. Golden State konnte durch Geduld und Ball-Movement immer wieder Würfe treffen, welche sichtliche Auswirkungen auf die Disziplin der Cavaliers-Defense hatten. Auch offensiv stellt dieses Spiel einen großen Schritt zurück dar, denn Cleveland war mit einer Trefferquote von 35% noch hilfloser, trotz einer Menge an Smallball, welches gerade dem Angriff ein wenig Saft verschaffen sollte.

Nach diesem Spiel sieht Cleveland sogar schlechter aus als nach dem Vorigen, nicht, weil sie 0-2 zurückliegen, sondern weil die Rollenspieler der Warriors wiederum erfolgreich waren, während Steph Curry und Klay Thompson sich noch immer nicht von ihrer besten Seite gezeigt haben. Ein schlechtes Zeichen für Cleveland, denn soweit erinnert diese Serie sehr an die Eastern Conference Finals, nur sind die Cavaliers in diesem Szenario die Toronto Raptors.

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