Draft

Fool’s Gold 2016: Wings

Die Wings

Jahr für Jahr zeigen wir euch mit unserem Draftranking, welche internationalen Talente und CBB-Prospects über die Saison hinweg unser Herz erobert haben. Allen aufgeführten Spielern sagen wir mindestens eine NBA-Karriere als erfolgreicher Rollenspieler voraus. In diesen erlesenen Kreis zu kommen, ist allerdings nicht ganz einfach. Viele auf anderen Draftseiten als Firstrounder gehandelte Talente genügen unseren Ansprüchen nicht ganz. Sie funkeln und glänzen, sind am Ende aber wohl mehr Schein als Sein. In “Fool’s Gold Prospects” erklären wir euch, welche Jungs das in diesem Jahr sind und warum wir sie als Spieler mit zu hohem Bust-Potential einschätzen. Heute die Wings:

Malachi Richardson – Freshman – Syracuse Orange

Warum Erstrundenhype?

Kein Spieler hat sich mit einem einzigen Tournament-Spiel einen größeren Gefallen getan als Malachi Richardson mit seiner Leistung im Elite Eight gegen Virginia. Es war seine 23P/7R-Performance, die das Syracuse-Comeback gegen eine der besten Verteidigungsmannschaften des Landes befeuerte und so für einen fünften Final Four-Einzug seines Coaches Jim Boeheim sorgte. Vor dem März nicht einmal in der Draftclass 2016 geführt, stieg Richardson im April wie kaum ein anderer Spieler und gilt teilweise als mittlerer Firstrounder.

Der Gedankengang ist auch durchaus nachvollziehbar. Gegen die Cavaliers deutete der Freshman an, was passiert, wenn er sein volles Potential auch auf das Parkett bringt. Richardson ist ein guter Athlet, der aus der Dreierdistanz heißlaufen kann. So kam er in sechs Saison-Spielen auf vier oder mehr getroffene Dreier (2,1 3PM). Dazu besitzt er auch in der Verteidigung durchaus Potential. Mit seiner Länge, als 6‘6‘‘-Wing mit toller 7‘0‘‘-Wingspan, stellte er einen wichtigen Faktor in der Zonen-Verteidigung der Orange dar (2,0 STL%).

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Würden wir uns über Malachi Richardson als Firstrounder unterhalten, wenn die Syracuse Orange in der zweiten Tournament-Runde gegen Michigan State ausgeschieden wären oder den Big Dance gar knapp verpasst hätten? (Immerhin galten sie im Hinblick auf den März als Bubble-Team.) Auf keinen Fall! Der Freshman profitiert wie kein anderer Spieler vom March Madness-Recency Bias und ist klug, dies mit einer Draftanmeldung zu nutzen.

Denn ein Blick auf die restliche Saison verrät, dass Richardson schon ein talentierter Spieler, aber bei weitem kein besonderer Draftee ist. Fällt sein Wurf nicht, was recht oft der Fall war (35 3P%), kann der 20-Jährige seinem Team kaum weitere Impulse bringen. Er bietet weder ein Playmaking-Plus (12,8 AST% vs. 14 TOV%), noch ist er als Slasher sonderlich aktiv (nur 20,9 Prozent seiner Würfe am Korb; 58,1 FG%@Rim). Seine Wurfauswahl ist teilweise gruselig. Durch viele Midrange-Jumper, die er nicht zu treffen weiß (22,5 FG% 2P Jumpers), hat er seine eigene Zweierquote auf besorgniserregende 39 Prozent gedrückt. Es lassen sich nur drei Spieler finden, die mit einer 2P% von unter 40 gedraftet wurden – Randy Livingston, Andrew Harrison und Josh Selby. Diese Namen versprechen wenig Erfolg. Abschließend muss, wie bei jedem Syracuse-Draftee, die Defense etwas hinterfragt werden. Nach einem Jahr reiner 2-3-Zone-Arbeit stellt die Umstellung auf Man-to-Man-Defense für jeden Spieler der Orange eine kleine Hürde dar. Richardson muss noch über einige Zeit geformt werden, um zu einem produktiven Rotationsspieler zu werden.

Malik Beasley – Freshman – Florida State Seminoles

Warum Erstrundenhype?

Der Florida State-Wing sorgte mit seiner starken Erstlings-Saison für Furore. Als Freshman erzielte er in einer der stärksten Conferences des Landes mehr als 15,5 Punkte im Schnitt und lieferte damit eine Leistung ab, die in den letzten zehn Jahren nur neun andere Spieler vollbracht haben. Darunter sind klangvolle Namen wie Jabari Parker, Harrison Barnes oder Kyrie Irving zu finden.
Besonders beachtlich: Im Gegensatz zu diesen Spielern wurde Beasley als HS-Prospect weder als McDonalds All American ausgezeichnet noch zum Hoop Summit oder Nationalmannschafts-Aktivitäten eingeladen. Dabei bringt der #36-Recruit 2015 doch viele Fähigkeiten mit, die einen Top-Level-Wing-Scorer auszeichnen. Beasley ist ein schneller und trotzdem robuster Spieler, der sich gern den Weg zum Korb bahnt. Ob im Fastbreak, über den eigenen Drive im Halbfeld oder als Cutter, der Seminole dringt gern in die Zone ein, um dort hochprozentig abzuschließen (68 FG%@Rim) oder Freiwürfe zu ziehen (.36 FTr).

Neben diesem starken Slashing sticht Beasley aber ebenfalls als solider Schütze hervor (1,6 3PM bei 38,7 3P%). Seine Rolle im Angriffssystem von Florida State hatte der Wing bis ins letzte Detail verstanden und führte diese so mit beeindruckender Effizienz aus (117,5 ORtg bei 24,3 USG%). Auch in der Verteidigung wusste Beasley mit guter Einstellung, viel Einsatz und überdurchschnittlichem Rebounding (15 DREB%) zu überzeugen.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Malik Beasley ist ein grundsolides Flügel-Talent. Allerdings bringt sein Spiel viele kleinere Probleme mit sich, die eine lange, erfolgreiche NBA-Karriere erschweren könnten. Er ist in erster Linie ein Scorer, wirkt in dieser Hinsicht aber oft eindimensional. Sein Handling ist noch nicht auf höchstem Niveau, was ihn in seinen Möglichkeiten einschränkt, sich selbst einen Wurf zu erarbeiten. Abseits von „Straight Line Drives“ und Catch’n’Shoot-Dreiern erschöpft sein Offensiv-Arsenal sehr schnell. Ihm fehlt es vor allem an einem Mitteldistanz-Spiel. Als Playmaker konnte er noch gar nicht fungieren (9,8 AST%), da es ihm an Courtvision oft zu fehlen scheint. Hinzu kommt seine eher durchschnittliche Größe (6‘5‘‘ mit 6‘7‘‘ Wingspan). Fehlende Länge könnte sein Slashing auf dem nächsten Level etwas weniger effektiv werden lassen und beeinträchtigt ihn defensiv auch sehr.

Größere Wings wird wohl eher nicht verteidigen können und auch gegen reine Zweier nicht sofort hilfreich sein, wenn er nicht ein paar schlechte Angewohnheiten, wie risikoreiches Verhalten in Passwegen, anpasst. Bessert er diese nicht aus und/oder lernt er gegen NBA-Playmaker zu verteidigen, limitiert seine Defense die Anzahl an Lineups und Minuten immens, in denen er als eher unterdurchschnittlicher Verteidiger tragbar ist.

Thon Maker – HS Senior – Orangeville

Warum Erstrundenhype?

Knapp vier Jahre ist es her, dass ein Video mit dem Titel „7 Foot 8th Grader Thon Maker – Best 14 Year Old In The World“ auf Youtube hochgeladen wurde. Diesem Filmchen sollten unzählige weitere Highlight-Clips folgen und den sudanesischen Bigman zum „Mixtape-König“ werden lassen. Ein Sevenfooter, der werfen kann und einen nie stoppenden Motor besitzt. Die Internet-Community war sich einig – Maker würde der nächste Kevin Durant oder Kevin Garnett werden. Wenn sie ihn auch nicht als nächsten potentiellen Franchiseplayer abfeierten, schätzten auch Scouting-Services den jungen Afrikaner sehr hoch ein. Seine offensichtliche Kombination aus Länge und Mobilität hielt dem Eye-Test stand. Auch Wurfgefühl (71 FT%) und Motor (4,5 ORpG, 3,6 BpG) ließen sich in Highschool-Stats abbilden.

So führten ihn die meisten Recruiting-Seiten schon seit Jahren als Five-Star-Prospect in der Top 10 seines Jahrgangs. Doch Maker entschied sich vor ein paar Wochen trotz Angeboten von Kentucky und Kansas gegen eine College-Karriere. Er hat seinen High School-Abschluss schon 2015 geschafft und blieb nur für ein Post-Graduate Year an seiner Schule Orangeville Prep. Dies ermöglicht ihm auch ohne ein Jahr an einer Uni oder im Ausland an der Draft 2016 teilzunehmen und so zum ersten HS-Prospect mit NBA-Minuten seit der Einführung der „One-and-Done-Rule“ 2005 zu werden. Ein CBA-Schlupfloch macht es möglich.

Warum nicht im GTG-Draftranking?

Maker ist ein unglaublich schwer einzuschätzendes Talent, da er zum einen kaum losgelöst vom ihn umgebenden Hype betrachtet werden kann, er andererseits aber nur wenige Spiele gespielt hat, die als Bewertungsgrundlage genutzt werden können. Sein HS-Tape ist größtenteils eher nutzlos, da sich seine Konkurrenz nicht einordnen lässt. Maker zeigte sich nur beim letztjährigen Hoop Summit gegen andere Toptalente und hatte dort in den Trainings wohl gehörige Probleme gegen Skal Labissiere. Auch im eigentlichen Spiel lieferte er keine Leistung, die im Gedächtnis blieb. Es muss zum einen seine Position hinterfragt werden. Der Sudanese ist zwar ein echter Sevenfooter, mit seinen 215 lbs. aber klar zu leicht, um den Kampf gegen NBA-Bigs aufnehmen zu können. Seine Perimeter-Fähigkeiten, die die Armada an Mixtapes immer wieder herausstellt, sind allerdings auch nicht sonderlich beeindruckend. Er kann zwar etwas werfen, ist mit den 31 3P% als Senior auch kein klarer Stretch-Big. Sein Decisionmaking scheint noch immer vom Hype getrübt zu sein. Teilweise nimmt sich Maker Würfe oder andere Angriffsaktionen heraus, die sich mancher NBA-Star nicht trauen sollte.

Mit 6 TOpG in seinem Senior-Jahr muss man ihm wohl oder übel das Label „Turnover-Prone“ anheften. Es bleibt abzuwarten, wie Maker mit einem Leben als Rollenspieler klarkommt, der sich Minuten erst hart verdienen muss und von Zeit zu Zeit in die D-League abgestellt wird. Im Interview-Prozess zeigte er sich sehr ehrgeizig und offen für diese neue Situation. Dennoch scheint er selbst bei guter Arbeit noch weit von einem festen Platz in einer Rotation entfernt zu sein.

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