FC Bayern München

Big Bryant – Big Problems?

Die Vor- und Nachteile von John Bryant gegen Bamberg

Die ganze Basketballwelt wird im Moment vom Begriff „Smallball“ geprägt. In der NBA überzeugten die Warriors bis in die zweite Runde der Playoffs hinein mit ihrer „Lineup of Death“ und in der Beko BBL die Brose Baskets mit einer Aufstellung, die mit zwei variablen Power Forwards auf den großen Positionen auskommt. Mit dieser Lineup überrannten die Franken den Aufsteiger aus Würzburg und beendeten die Serie in drei Spielen.

Im Halbfinale kommt es zu der in der Hauptrunde projizierten Finalserie mit den Bayern aus München. Das Team von der Isar prägt eine andere Stilrichtung im Basketball: Coach Pesic setzt die meiste Zeit mit John Bryant auf einen in manchen Belangen sehr konservativen Pivoten.

Die folgende Analyse soll das Verhalten und die Bedeutung von John Bryant gegen die „Smallball“-Aufstellung herausstellen.

München gegen Bamberg

Die Partie Bamberg gegen München gab es in dieser Saison bis jetzt fünf Mal. Jeweils in den beiden Hauptrunden- und Playoffbegegnungen lagen die Franken vorne. Nur das Halbfinale im Beko BBL-Pokal konnten die Münchener im heimischen Audi Dome für sich entscheiden. John Bryant erzielte in dieser Saison 10,6 Punkte pro Spiel gegen die Brose Baskets und liegt damit ziemlich genau auf seinem Regular-Season-Durchschnitt. Auffällig ist, dass Bryant im Pokalspiel nur 13:19 Minuten spielte und die Bayern das Spiel gewinnen konnten. Dabei agierte er vor allem in der zweiten Halbzeit sehr effizient und traf 100 Prozent seiner Würfe. Wegen der Ausfälle der beiden Leistungsträger Deon Thompson und Dusko Savanovic, musste er nun im ersten Spiel der Playoffserie viele Minuten abreißen.

Auch hier scorte er sehr effizient und war mit 17 Punkten sogar Topscorer der Partie. Dennoch verhalf seine gute offensive Leistung den Bayern nicht zum Sieg. Grund dafür war seine defensive Anfälligkeit gegen das variable „Smallball“-Lineup der Bamberger.

Vorteile in der Offensive

Bamberg-Coach Andrea Trinchieri hatte schon in der Hauptrunde öfter Elias Harris gegen den größeren John Bryant gestellt und war damit recht erfolgreich. Obwohl ihm Bryant insgesamt acht Zentimeter an Länge und 20 Kilogramm an Gewicht abnimmt, kann der junge Deutsche in der Defensive gut mithalten. Zwar ist Bryant, wenn er den Ball am Zonenrand bekommt, schwer zu stoppen, doch diese Erfahrung machen alle Verteidiger der Liga mit dem 127 Kilogramm schweren Center. Diesen Vorteil nutzten die Bayern bislang jedoch auch zu selten aus und verließen sich stattdessen lieber auf Penetration und Dreier der Außenspieler. Es ist allerdings nicht unbedingt eine taktische Entscheidung der Isarstädter, dass sie dem Big Man wenig Touches im Lowpost zu geben. Denn die schnellen Beine von Harris, Daniel Theis oder Nicolo Melli erlauben es ihnen die Entrypasses zu erschweren, indem sie oft ihre Verteidigungsposition verändern. Somit scheint es, als dass es den Münchenern einfach oft zu riskant ist, den Ball „tief“ zu geben.

Wenn Bryants Mitspieler dann allerdings mal die Möglichkeit haben in den Post zu passen, muss die Bamberger Defense kollabieren, um den Ex-Ulmer in Schach zu halten. Natürlich versuchen die Bayern durch gutes Spacing ihrem Pivoten Platz zu verschaffen, die Dreipunktequote muss dann allerdings hoch sein, um die Help-Defense der Brose Baskets zu bestrafen.

In dieser Szene verteilen sich die Münchener am Perimeter sehr gut und geben dem Center somit viel Platz. Dieser kann gegen seinen kleineren Verteidiger arbeiten und den Angriff mit zwei Punkten abschließen.

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Wenn das Spacing dann mal weniger gut ist, bekommt die Bayern-Offense beim Post-Up direkt Probleme. Hier kann man gut erkennen, wie die Spieler schlecht um die Dreipunktlinie herum verteilt sind und den Bambergern somit die Chance geben, intensive Help-Defense zu spielen. Für Bryant wird es hier trotz seiner Masse nun viel schwerer einen guten Look in Korbnähe zu bekommen.

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Etwas anders spielt es sich hingegen bei der Pick&Roll-Offense ab. Hier kann sich Bryant, wie oben beschrieben, kaum gegen die schnelleren Verteidiger gut in Szene setzen. Durch einfache Reads kann die starke Bamberger Defense dem Big Man immer wieder offene Positionen wegnehmen. Häufig entstehen diese bei Bryant aus dem Pick&Pop. Der mit einem guten Dreipunktwurf ausgestattete Große versucht durch seine Range die starke Fokussierung der Bamberger auf die Verteidigung des Blocken und Abrollens zu nehmen.

Bei diesem Pick&Pop an der Seitenlinie sind beide Bamberger Defender darauf konzentriert Alex Renfroe den Weg zum Korb zu verschließen. Bryant kommt dadurch in eine gute Position, allerdings kann Theis ein hartes Closeout vornehmen, weil es so gut wie ausgeschlossen ist, dass Bryant den Ball auf den Boden setzen und zum Korb ziehen wird. Deswegen wird hier von Bryant gefordert, diese Würfe zu treffen, um wirklich nützlich am offensiven Ende des Feldes zu sein.

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Ansonsten kommt John Bryant seine Größe und Masse natürlich noch am ehesten beim Rebounding zu Gute. So war im ersten Aufeinandertreffen in den Playoffs zu erkennen, dass beispielsweise Harris Probleme hatte den US-Amerikaner am offensiven Brett zu stoppen. Bryant hat ein sehr gutes Ballgefühl und kann auch unter Druck noch einen Putback-Korbleger verwandeln, wie in der folgenden Sequenz zu erkennen ist.

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Doch trotz eben dieser kleineren Vorteile in der Offensive, wurde Bryant, nach 21 Minuten Einsatzzeit in der ersten Partie, im zweiten Spiel nur noch zwölf Minuten eingesetzt. Ein Grund dafür war, dass die Bamberger das Pick&Roll mit Bryant in der Verteidigung konsequent attackierten und so immer wieder die Münchener Schwächen aufzeigten. Der beweglichere Harris spielte dabei ebenso wieder eine große Rolle, sodass Bryants kleine Vorteile in der Offensive vergessen gemacht wurden.

Probleme in der Defense

Generell verteidigen die Bayern mit Bryant auf dem Feld das Pick and Roll mit der „ICE“-Defense. Dabei sinkt der Big Man weit ab, um die Penetration des Guards nach dem Pick and Roll zu stoppen.

Dies kontern die Bamberger, indem Harris aus der Zone sprintet, um einen sehr hohen On-Ball-Screen für Zisis zu stellen. Bryant bleibt in der Zone stehen und erwartet den penetrierenden Zisis. Dieser kann aber durch den großen Abstand zu Bryant Speed aufnehmen und ist nicht mehr am Zug zum Korb zu stoppen. Der durch die unkonventionelle Höhe des Picks geschaffene Raum kann auch noch anders genutzt werden.

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Der Ballhandler kann sich auch dazu entscheiden, einen schnellen Dreier aus dem Dribbling zu nehmen, da Bryant den Wurf nicht durch ein adäquates Closeout beeinflussen kann. Gelingt es Bryant und dem Verteidiger des Guards dessen Penetration zu stoppen, kann Harris seine Schnelligkeitsvorteile nutzen und zum Brett abrollen. Dies fordert dann die Rotation eines weiteren Verteidigers und die Bamberger können ihre wohl größte Stärke ausnutzen, das schnelle Ballmovement.

In dieser Szene spielt der beste Dreierschütze der Bamberger, nämlich Janis Strelnieks, das Blocken und Abrollen als Ballhandler. Während dessen Verteidiger durch den Screen von Theis aus dem Spiel genommen wird, sinkt Bryant wieder tief ab. Diesen Raum nutzt der lettische Scharfschütze sofort für einen offenen Dreier. Dies darf man einem Spieler wie Strelnieks nur sehr selten erlauben.

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Auch in der Help-Defense kommt Bryant gegen die variablen Bigs der Bamberger in Probleme. Er kann es sich auf Grund seines zu langsamen Antritts nicht erlauben, in der Defense Harris Raum zu geben, weil dieser ein zu gefährlicher Schütze von Außen ist. In dieser Aktion kommt hinzu, dass es gar nicht nötig war, so weit abzusinken, da Anton Gavel in perfekter Helpposition ist, falls Melli zur Baseline geht. Folge: Melli sieht den weit offenen Harris, welcher einen freien Wurf hat. Selbst wenn Bryant den Closeout schaffen würde, Harris würde ihn mit einem schnellen ersten Schritt schlagen und zum Korb ziehen.

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Auch in dieser Szene befindet sich Bryant wieder im defensiven Niemandsland. Er orientiert sich sehr stark am Korb, um möglicherweise noch als Ringbeschützer zu agieren, doch nach einigen Pässen steht plötzlich sein Gegenspieler wieder völlig frei an der Dreierlinie.

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Wie im nächsten Bild nun zu sehen ist, ist Bryant teilweise auch komplett falsch positioniert und bringt damit die ganze Teamdefense aus dem Konzept. Vermutlich ist er um den Wurf von Harris besorgt und verteidigt den Drive nicht, wie es im Gameplan vorgesehen ist. Er steht also wieder im Niemandsland zwischen Blocksteller und Ballhandler. Da keine Hilfe kommen kann, folgt erneut der einfache Korbleger für Bamberg. Dass Bryant solche Szenen durch einen Sprint wieder gut machen kann, ist zudem abermals ausgeschlossen.

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Teilweise bügeln deshalb Mitspieler wie Maxi Kleber Fehler defensiv aus, jedoch gelangen viele der Blocks des Deutschen direkt wieder in die Hände von Bamberg und der Angriff endet trotzdem erfolgreich. Bryant besitzt zwar ein gutes Timing, wenn es um das Blocken von Würfen in der Zone geht, jedoch können Gegenspieler die Gefahr meistens durch Schnelligkeit umgehen.

Alternativen

Im ersten Spiel kassierten die Bayern direkt zu Beginn einen 11:2 Lauf, weil Bamberg geschickt das Mismatch von Harris oder Melli gegen Bryant ausnutzte. Pesic reagierte, nahm die Auszeit und Bryant vom Feld. Aufgrund der Verletzungen von Thompson und Savanovic war und ist die Big Man-Rotation der Bayern extrem verkürzt. Auf John Bryant folgte Vitalis Chikoko, der in der regulären Saison nur acht Spiele bestritten, aber eine solide Leistung aufs Parkett gelegt hatte. Mit dem 25-Jährigen aus Simbabwe sind die Bayern defensiv etwas athletischer aufgestellt. Mit ihm als Pick&Roll-Verteidiger können die Bayern hedgen oder sogar switchen. Allerdings genießt er in der Offensive nur wenig Vertrauen seiner Mitspieler, die ihn nur selten in Aktion setzen. Der Großteil seiner Punkte erzielt er durch Offensivrebounds. Dadurch ist das Spiel der Bayern noch weiter auf die Perimeter-Spieler beschränkt, was nicht unbedingt schlecht ist, solange diese ihre Würfe treffen.

Um Harris Pausen zu verschaffen, wechselte ihn Trinchieri fast simultan für Leon Radosevic aus. Der Kroate kann gegen Chikoko auf jeden Fall bestehen, konnte diese aber bislang noch nicht unter Beweis stellen.

Fazit

Für Pesic wird Bryant eine große Belastung in dieser Serie. Schon im zweiten Spiel wurde er durch Chikoko in der Starting Five ersetzt. Selbst offensiv konnte er in dieser Partie keine Akzente setzen, nahm nur zwei Würfe und erzielte insgesamt drei Punkte. Nach knapp 13 Minuten war sein Arbeitstag vorbei. Die Bayern verloren. Das Spiel beendeten sie sogar ohne nominellen Big Man, sondern mit ihrer eigenen Version von „Smallball“. Jedoch waren Paul Zipser und Maxi Kleber deutlich überfordert und die Bayern verloren immer weiter den Anschluss.

Andrea Trinchieri hat mit seinem „Smallball“ ein starkes Mittel gegen die dezimierte und teils limitierte Center-Rotation der Bayern gefunden. Diese stellt Pesic vor die Entscheidung Defense für gute Offense zu opfern oder umgekehrt. Um das Dilemma aufzulösen, bräuchte es ein Comeback von Deon Thompson, der an beiden Enden des Feldes zumindest gleichwertig solide arbeitet.

Ob die „Smallball“-Aufstellung der Regnitzstädter auch das Allheilmittel gegen beispielsweise die Ulmer Big Men ist, bleibt abzuwarten. Denn am Ende gilt: „It’s all about the matchup.”

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