ALBA Berlin, Fraport Skyliners Frankfurt

Frankfurt-ALBA und die Wichtigkeit des Spacings

Warum ALBA Berlin so große Probleme in den Playoffs hatte

Der letztjährige Halbfinalist ALBA Berlin steht kurz vor einem kleinen Umbruch. In der regulären Saison 2015/16 gelang es den Hauptstädtern trotz eines guten Starts nicht, konstant gute Leistungen abzurufen und beendeten die Saison auf dem sechsten Rang. In der Playoff-Serie gegen die Fraport Skyliners verloren sie nun deutlich mit 0-3. Zusätzlich steht Headcoach Sasa Obradovic im Sommer vor dem Aus. Warum gelingt es dem Serben nicht aus der Truppe mehr rauszuholen und was sind die Schlüsselfaktoren für die schwachen Auftritte in der Serie gegen die Frankfurter?

Die Schlüssel guten Spacings

Court Realization

Bevor überhaupt über Spacing der einzelnen Spieler gesprochen werden kann, stehen zu Beginn wichtige Fragen. Jeder Akteur, der das Feld betritt, sollte sich in jeder Szene bewusst sein, wo er sich gerade auf dem Court befindet. Genauso ist es wichtig ein Gefühl dafür zu haben, wo die Mitspieler sind und wo sie in der nächsten Sekunde sein könnten. Allein diese Kleinigkeiten können schon darüber entscheiden, ob am Ende einer Possession einer, zwei bzw. drei Punkte mehr auf der Tafel stehen als vorher.

Bewegung ohne den Ball

Die unten aufgeführten Beispiele zeigen, dass bei ALBA noch nicht jeder Spieler verinnerlicht hat, wo er stehen soll und kann. Neben diesen intrinsischen Faktoren geben Coaches von Anfang an natürlich auch vor, wie bestimmte Laufwege auszusehen haben. Bei den sogenannten „Principles“ geht es darum, dass die Akteure in bestimmten Spielsituationen, wie beispielsweise dem Post-Up, konkrete Laufwege vorgegeben haben. Auch das Integrieren solcher wird aufgrund des veränderten Kaders während der Saison erschwert worden sein. Trotzdem sind die Defizite im Berliner Team schon über die komplette Saison hinweg gut erkennbar und bis zu den Playoffs noch nicht behoben worden.

Read & React

Zusätzlich kommt es natürlich immer auf die jeweilige Spielsituation an. Jeder Spieler hat die Aufgabe bestimmte Offensivsequenzen zu lesen und zu erkennen, wie er agieren könnte, um seinem Team zu helfen. So sind Cuts natürlich immer wieder brauchbar, um die Defense im Tiefschlaf zu erwischen oder einen Verteidiger von einem guten Schützen wegzuziehen. Genauso ist es die Aufgabe der Off-Ball-Spieler die nächsten Bewegungen voraus zu sehen und dementsprechend zu handeln. Wie wir gleich in den Beispielen aus der Serie sehen werden, haben auch die Frankfurter bestimmte defensive Vorgaben, die das angreifende Team durch richtige “Reads” attackieren könnte.

Probleme des schlechten Spacings

Bei einer Partie mit wenigen Punkten wie in Spiel Zwei, wird schnell von extrem guter Defense gesprochen. Dies kann man beiden Teams auch nicht aberkennen, wo sie auch zwei der drei besten Verteidigungen der Beko Basketball Bundesliga stellen. Allerdings muss genauso konstatiert werden, dass wieder mal die Offenses, vor allem die der Albatrosse, alles andere als rund liefen. Mit einem Offensive-Rating von 113,82 belegt das Team von Sasa Obradovic zwar Platz Vier im ligaweiten Vergleich, allerdings haben sie trotz 36 bereits gespielten BBL-Partien noch immer kein klares Offensivkonzept. Obradovic hat eine merkwürdige Mischung aus langsamen Old-School-Bigs und flinken, athletischen Guards in seinem Kader. Hinzu kommen die deutschen Spieler, die hauptsächlich die Aufgabe haben von der Dreipunktlinie erfolgreich zu sein. Dies klappte in dieser Spielzeit allerdings gar nicht. Bis auf Jordan Taylor (40 Prozent) und Kresimir Loncar (45%) kommt keiner an die 40-Prozent-Marke von „Downtown“. Spieler wie Alex King (27%) oder Akeem Vargas (31%), die in ihrer geringeren Einsatzzeit eher als 3&D-Spieler fungieren sollen, finden in dieser Saison überhaupt nicht statt.

Dadurch wird der Court für die Albatrosse extrem eng. Der Post-Up, Obradovics Lieblingsdisziplin, wird zwar häufig gesucht, setzt aber auch viel Bewegung und fähige Schützen abseits des Balls voraus. Eben genau diese Faktoren verwehren den Berlinern derzeit jegliche Chancen noch in Halbfinale einzuziehen. Immerhin wissen die Frankfurter, die beste Defense der Liga, wie sie dies zu ihrem Vorteil verteidigen können.

So ist es auch in dieser Serie zu beobachten, dass die Skyliners bei gegnerischen Post-Up-Situationen, wie schon die ganze Saison über, konsequent doppeln. Den Albatrossen tut dies natürlich noch mehr weh, eben weil sie wenig Alternativen nach dem erneut Pass zurück an den Perimeter wissen.

Hier postet der größere Elmedin Kikanovic den kleinen Quantez Robertson nach einem Switch auf. Erste Regel der Frankfurter ist, den Gegenspieler zur Baseline zu drehen, was auch in diesem Fall gut funktioniert. Nun kommt der helfenden Mitspieler von unterm Korb, in dem Fall Jordan Theodore, hinzu. Kikanovic wird somit gedoppelt und muss sich nach einer Anspielmöglichkeit umsehen. Da auf der Weakside wenig Bewegung in der ALBA-Offense herrscht, haben die restlichen drei Frankfurter Verteidiger wenig Mühe die vier Albatrosse in Schach zu halten.

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Als die Szene weiterläuft, kommt aber dann etwas Bewegung in die Off-Ball-Spieler. Da sie merken, dass es Kikanovic im Post gegen zwei schwer hat, schneiden zwei Albatrosse zum Korb um als Anspielstationen zu fungieren. Allerdings hat dies in der Form wenig Sinn, da sie genauso ihre Gegenspieler mit unter den Korb bringen und nun gar nicht frei für ein Anspiel sind. Lediglich Will Cherry an der Dreierlinie hätte einen guten Look, allerdings hat Kikanovic kaum noch Kontrolle über den Ball, was ein Anspiel unmöglich macht.

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Hier wird wieder Kikanovic von Lowery im Post gesucht. Die Off-Ball-Spieler der Hauptstädter bieten allerdings wieder keinerlei Spacing, um Kikanovic ein Doppeln zu ersparen. Alle Berliner blicken lediglich auf den Ball und sind entlang der Freiwurflinie verteilt, anstatt sich in den Ecken zu positionieren oder einen gut getimten Cut zu starten. Wieder hat das Team von Gordie Herbert wenig Probleme und kann auch Gegenspieler aus den Augen lassen, weil sie wenig abseits des Balls wenig Gefahr ausstrahlen.

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Dafür lohnt sich ein Blick auf die Unterschiede zwischen dem Post-Up der Fraport Skyliners und ALBA Berlin. Zwar nutzen die Frankfurter das Aufposten viel seltener, allerdings ist trotzdem die Raumaufteilung gut zu erkennen.
Wenn beispielsweise einer der großen Spieler, wie Voigtmann oder Barthel, den Ball im Low-Post bekommt, machen die Männer vom Main das Feld deutlich breiter als die Hauptstädter. Auch nicht alle Skyliners sind die besten Werfer von jenseits der Dreierlinie, trotzdem ergibt sich allein durch die Aufstellung ein anderes Bild.

Hier wird nochmal beispielhaft dargestellt, wie die Berliner über die drei Spiele bei einem post-Up aufgestellt waren. Der Big bekommt den Ball im Post, die Guards sind oben am Perimeter verteilt, zusätzlich schneidet der Passgeber (hier 3) durch die Zone, um nach Möglichkeit ein Anspiel zu erhalten. Wenn dies nicht funktionierte, ergab sich häufig dieses Bild:

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Nun wird das Spacing der Fraport Skyliners dargestellt. Auch hier wird der Spalding zum Großen gebracht, allerdings bleibt der Passgeber in der Nähe des Post-Ups, um zu verhindern dass der eigene Gegenspieler beim Post-Up aushilft. Würde dieser (X2 in dem Fall) das allerdings tun, könnte ein einfacher Pass nach Außen in drei Punkte umgewandelt werden. Zusätzlich ist der Weakside-Corner besetzt, was X3 hier nicht erlaubt den Post-Up-Spieler zu doppeln, da sonst ebenfalls ein Pass zu einem offenen Wurf führen könnte. So blieben die Albatrosse auch häufig bei ihren Gegenspielern, da alles andere gefährliche Help-Defense wäre.

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Im Gegensatz dazu haben die Skyliners, wie im oberen Bild dargestellt, wenig Mühe das Aufposten zu verteidigen. Die Berliner stehen in schlechten Positionen, um die Help-Defense zu bestrafen. Dabei ist vor allem nochmals das Besetzen der Ecken zu nennen. Die Albatrosse vermieden es über die komplette Serie die Ecken regelmäßig zu besetzen und damit den Court noch breiter zu machen. Der besten Defense der Liga kam dies sehr entgegen. Sie zogen sich zusammen, nahmen den Bigs die Würfe weg und liefen kaum Gefahr viele offene Dreier abzugeben.

In den folgenden Bildern wird nochmal aufgezeigt, wie die fehlenden Spieler in den Ecken den Albatrossen einige Optionen wegnahmen. Im ersten Screenshot bleibt Loncar nur der schwere Fadeaway, weil alle fünf Skyliners unmittelbar in der Nähe des Korbs stehen. Die beiden ALBA-Guards oben an der Birner sind völlig nutzlos, weil das Close-Out für die Skyliners-Guards mit zwei Schritten erledigt wäre.

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Auch hier stehen beide Guards oben am Perimeter und werden nutzlos, sodass Brandon Ashley hier zum Korb ziehen muss. Allerdings kann schon beobachtet werden, wie Voigtmann zur Hilfe kommt, um den Wurf schwerer zu machen.

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Wieder wird Loncar im Post bedient und hat eigentlich nur die Option selbst den Wurf zu nehmen. Milosavljevic wird mit seinem Drive seinen Gegenspieler ebenfalls in die Zone bringen, was die Situation nochmals verschlimmert. Die Guards warten oben wieder ohne auch nur den Ansatz von Off-Ball-Bewegung zu zeigen. Zwei Skyliners-Verteidiger können somit drei Albatrosse verteidigen und diese Possession somit für sich entscheiden.

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Die Frankfurter dagegen hatten durch das Besetzen der Ecken immer wieder Erfolg. Schnelle Guards wie Jordan Theodore zogen beim Drive zum Korb viel Aufmerksamkeit auf sich, sodass Schützen an der Dreierlinie immer wieder zu ihren Gelegenheiten kommen konnten.

Hier lässt sich erst mal gut erkennen, wie lediglich Blocksteller Mike Morrison noch in der Nähe des Ball ist. Alle anderen haben sich soweit es geht vom Spalding entfernt, um die Close-Out-Wege so lang wie möglich zu machen. In der Zeichnung sieht man, wie viel Raum die ALBA-Verteidiger abdecken müssen, um jeden Wurf wirklich verhindern zu können.

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Sobald ein Guard dann mit dem Ball in die Zone zog, standen in den Eckemeist frei Schützen, weil Help-Defender meist nicht mehr so schnell den Weg zurück fanden. Hier sind gleich zwei Frankfurter ganz offen für einen Wurf, weil sich die komplette ALBA-Defense auf den Ball in der Zone konzentriert. Quantez Robertson bestraft dies mit einfachen drei Zählern.

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Bei ALBA hingegen zeigte sich auch in der Pick&Roll-Offense, welche immerhin ein großer Bestandteil in Obradovics System ist, ein ähnliches Bild. Allerdings sind auch dort erst mal nur zwei Spieler direkt involviert, was voraussetzt, dass die restlichen Akteure dem Blocken und Abrollen genug Platz geben.

Wenn es so läuft wie hier, werden die Berliner auch durch dem Pick&Roll in dieser Serie nicht mehr viel Gefahr ausstrahlen können. In dieser Sequenz stellt Kikanovic den Screen für Rob Lowery, der daraus dann kreieren soll. Allerdings bleiben der Nachverpflichtung hier nur wenig Optionen. King klaut seinen Mitspielern hier den Platz, in dem er sich direkt neben den beiden positioniert und beim Pick&Roll zusieht. Sein Gegenspieler, Danilo Barthel, kann etwas absinken und verteidigt damit als dritter Mann das Blocken und Abrollen der Berliner. Das Timing scheint auch nicht zu stimmen, da Ismet Akpinar sich noch unter dem Korb befindet, was noch einen vierten Gegenspieler die Chancen gibt auszuhelfen. Hier besteht für Lowery nun überhaupt keine Möglichkeit zum Korb zu ziehen, geschweige denn einen Mitspieler anzuspielen. Die Skyliners könnten mit einfachsten Rotationen verteidigen und den Albatrossen somit jeden Wurf extrem schwer machen.

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Mit laufender Spieldauer lief es bei ALBA auch immer wieder darauf hinaus, dass einige Spieler mit Einzelaktionen zu Punkten kommen mussten. In der zweiten Partie stach Akpinar mit wichtigen Dreiern hervor, genauso suchten die Guards immer wieder mit aggressiven Drives den Weg zu einfachen Punkten am Korb. Hier wurde allerdings auch immer wieder das Ungleichgewicht der Guards und der Big Men offensichtlich. Wenn Spieler wie Taylor oder Cherry zum Korb ziehen, können Kikanovic oder Brandon Ashley keinerlei Platz für sie schaffen. Beide treffen bzw. werfen erst gar nicht von „beyond the arc“, was Frankfurt die Möglichkeit gibt die Zone zuzumachen und keinen Drive zuzulassen.

In der folgenden Szene forcieren die Berliner einen Switch, weshalb Johannes Voigtmann den Close-Out machen muss. Dragan Milosavljevic macht das einzig Richtige und attackiert Voigtmann sofort, was ihm normalerweise einen offenen Weg zum Korb bescheren würde. Mit Kikanovic und Ashley auf dem Court sieht dies allerdings aus. Beide sind häufig korbnah orientiert und versperren somit Wege für die Guards, die sie eigentlich benötigen.

Die Frankfurter Verteidiger stehen somit dem Drive von Milosavljevic automatisch im Weg und können die einfachen Punkte verhindern.

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Doch auch die mitspielenden Guards selbst scheinen manchmal Probleme zu haben Situationen zu erkennen, in denen Spacing gebraucht wird.

In dieser Szene findet Cherry endlich mal eine Lücke, um zu attackieren, allerdings startet Lowery gleichzeitig aus der Ecke zum Korb und steht seinem Teamkollegen plötzlich im Weg.

Mit solchen einfachen Fehlern, die sie zusätzlich Platz und somit auch Punkte kosten, immerhin wird Cherry in dieser Szene den Layup verlegen, machen es sich die Berliner noch schwerer.

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Um das Ganze in einem Bild zusammenzufassen, reicht folgendes. In dieser Szene kamen die Skyliners nur mit vier Spielern zurück, da Barthel noch verletzt unter dem anderen Korb lag. Man könnte meinen, es würden einfache Punkte für Berlin werden, allerdings wird es am Ende ein sehr stark verteidigter Dreipunktwurf von Taylor, während sich zwei Albatrosse im Weakside-Corner auf den Füßen stehen. Schwache Offense.

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Fazit

ALBA Berlin verabschiedet sich verdienterweise frühzeitig in die Sommerpause. In keinem der drei Spiele gegen die Fraport Skyliners zeigten die Hauptstädter Ansätze, um mit solch einem starken Team mithalten zu können. Vor allem die aufgezeigten Schwächen im Spacing bereiteten den Albatrossen große Probleme. Es entstanden über die ganze Serie kaum offene Würfe für die Berliner, die offensiv trotzdem weiter auf ihre einstudierten Basics setzen. Sasa Obradovic musste merken, dass dies allerdings bei Weitem nicht reicht und somit die Kaderzusammenstellung überdacht werden muss. Einige Spieler haben zwar noch Verträge für die kommende Spielzeit, allerdings könnte sich je nach Headcoach die Spielphilosophie nochmals komplett ändern. Nach den Erlebnissen aus der Saison und den Playoffs vielleicht gar keine so schlechte Idee.

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