Brose Bamberg, FC Bayern München, ratiopharm Ulm

Tactic Takeaways: Ulm, München & Bamberg

Welche taktischen Erkenntnisse die ersten Spiele der Playoffs gebracht haben

In allen vier Serien ist bereits eine Partie absolviert. Grund genug, einen genaueren Blick auf die Serienstarts zu werfen und Auffälligkeiten zu notieren. Während ratiopharm Ulm bei den EWE Baskets Oldenburg bereits das erste Ausrufezeichen gelang, mussten sich die restlichen Auswärtsteams doch deutlich geschlagen geben. Nun haben diese Mitte der Woche die Chance in ihren jeweiligen Heimspielen den Serienstand zu egalisieren. Der Siebtplatzierte aus Ulm hingegen könnte Oldenburg mit einem weiteren Erfolg bereits in echte Schwierigkeiten katapultieren und einen großen Schritt Richtung Halbfinale machen. Wer was, und vor allem wie, ändern muss, lest ihr nun im Wochenend-Breakdown.

Rotierende Ulmer stellen Qvale kalt

Wie bereits in unserer ausführlichen Taktik-Preview zu lesen war, könnte es bei dem Duell des Zweiten gegen den Siebten vor allem auf das Matchup unter den Körben ankommen. Auf der einen Seite Brian Qvale, der stark scorenden Big aus der Huntestadt, und auf der anderen der deutlich mobilere und mit mehr Range ausgestattet Raymar Morgan von der Donau.
Spiel eins bestätigte diese Annahme sofort, sodass die siegenden Ulmer einen überragenden Morgan (20 Punkte, 9 Rebounds) sahen. Währenddessen war vom Oldenburger Fünfer über die 40 Minuten wenig zu sehen.  Lediglich neun Punkte brachte der US-Amerikaner in seinen 29 Minuten Einsatzzeit auf die Anzeigetafel, wurde von Morgan kaum zum Korb gelassen. Zudem wurde er mehrmals hart von Backup Philip Neumann geblockt.

Doch so einfach, wie dies klingt, war es für die Ulmer ganz und gar nicht. Dahinter steckte eine ausgeklügelte und durchaus intensive Defensiv-Taktik, die die Männer von Thorsten Leibenath zu befolgen hatten. Generell war zu beobachten, dass Ulm immer versuchte in der Nähe von Brian Qvale Überzahl zu haben. So rotierten sie gerne einen zweiten Verteidiger hinüber bzw. doppelten den Pivot, um ihm seine einfachen Punkte vom Start an wegzunehmen. Daraus resultierten beispielsweise die ersten drei Punkte für Oldenburg, da Per Günther einen Pass entfernt aushalf und Dominic Lockhart dies mit einem erfolgreichen Dreier bestrafte.

In der Folge beschränkten sich der Tabellensiebte allerdings darauf, Qvale eben nicht „one pass away“ zu doppeln, sondern cleverer zu rotieren, um auch die offenen Dreipunktwürfe letztlich zu erschweren. Nachdem die Oldenburger nämlich sieben ihrer ersten acht Dreier trafen, fiel danach nur noch einer von 20 durch die Reuse. Durch die vielen Rotationen kam es zwangsläufig über die kompletten 40 Minuten zu unzähligen Mismatches, die die EWE Baskets versuchten auszunutzen.

So sahen sich die Guards der Oldenburger häufig Morgan oder Rubit gegenüber, die dank ihrer Mobilität aber entsprechende Drives gut verteidigen konnten. Hier kann Morgan gegen Duggins lange mithalten und lässt letztendlich nur einen schweren Fadeaway-Jumper aus mittlerer Distanz zu.

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Zusätzlich brachten die Ulmer ihren Weakside-Corner-Verteidiger häufig bis weit unter den Korb, sodass dieser aushelfen konnte. Die Perimeter-Defender hatten somit manchmal die Aufgabe zwei Gegenspieler gleichzeitig zu verteidigen, konnten dies aber einerseits aufgrund mangelnder Oldenburger und andererseits guter eigener Bewegung meistern.

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Im gegnerischen Pick&Roll zeigte ratiopharm Ulm eine ähnliche taktische Ausrichtung. Auch hier lag der Fokus darauf, zuallererst Brian Qvale aus dem Spiel zu nehmen und die einfachen Zähler in der Zone zu verhindern.

In dieser Situation spielen die Spatzen beim Blocken und Abrollen an der Seitenlinie ICE-Defense. Das heißt, sie nehmen dem Ballhandler den Weg durch die Mitte komplett weg und geben ihm durch die eigene Fußstellung lediglich den Platz entlang der Seitenauslinie. Sollte es den Oldenburgern hier nicht gelingen, Neumann an der Seite zu überlaufen, bliebe der Pass in die Mitte zu Qvale. Um diesem nach dem möglichen Passempfang aber den Weg zu den Sweet Spots zu versperren, wird zum einen wieder ein Perimeter-Verteidiger unter dem Korb geparkt. Des Weiteren ist auch Raymar Morgan darauf vorbereitet auszuhelfen und rückt deswegen bis auf Höhe der Freiwurflinie zurück.

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In einer anderen Art der Pick&Roll-Defense, nämlich der Hedge-Verteidigung, kommt Neumann dieses Mal weit hoch, um den ballführenden Oldenburger stark unter Druck zu setzen. Dadurch wird Qvale natürlich sofort frei und könnte nach einem passenden Anspiel wohl einfache Zähler markieren. Aber auch hier spielen die Ulmer die „third man-rotation“ exzellent. Morgan rückt von seinem Gegenspieler ab, um erstmal den Passweg zu Qvale zu blocken. Auf der Weakside kann Pierria Henry währenddessen zwei Spieler gleichzeitig verteidigen, weil sich beide wenig bewegen und lediglich als Dreierschützen fungieren sollen. So wird es den Ulmern zusätzlich leichter gemacht, Qvale vom Korb fern zu halten.

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Letztlich bleibt für die EWE Baskets lediglich der Pass zur Weakside. Morgan kann sich somit wieder auf seinen Mann fokussieren, verhindert den Pass zu Qvale und gibt seinem Mitspieler Neumann somit die Zeit, sich wieder zum Oldenburger Center zu bewegen. Mit nur noch zwölf Sekunden auf der Uhr bleibt den Niedersachsen nur noch wenige Optionen übrig und Qvale beendet die Possession wirkungslos.

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Solange ratiopharm Ulm weiterhin so gut in der Defense rotiert, wird es für die EWE Baskets in dieser Serie schwer, zu Punkten zu kommen. Trotzdem haben natürlich auch die Süddeutschen ihre wunden Stellen. Beispielsweise versäumten die Oldenburger es, ihre Guards in bessere Postionen zu bringen. Chris Kramer hat klare körperliche Vorteile gegen Per Günther, konnte aber viel zu selten in solch eine gute Post-Situation kommen. Hier entschieden sich die Ulmer dazu nicht auszuhelfen und mussten zwei einfache Zähler kassieren. Wäre Morgan zur Hilfe gekommen, hätte Oldenburg gute Optionen an der Dreierlinie gehabt.

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Zusätzlich muss das Team von Mladen Drijencic versuchen, wieder mehr Bewegung in die Off-Ball-Offense zu kriegen. Die schnellen Cuts von Kramer & Co. richteten in der regulären Saison in der Ulmer Defense Schaden an. Weiterhin wird es für die Spatzen dann nicht mehr so einfach sein zu rotieren. Es kann so deutlich häufiger zu Abstimmungsproblemen kommen und auch Brian Qvale könnte so wieder profitieren.

Bayern überwinden Ludwigsburger Druckphase

Der FC Bayern Basketball startet mit einem letztlich deutlichen Sieg in die Post-Season. Dabei hatte es für die Münchener alles andere als gut angefangen. Die MHP Riesen Ludwigsburg erkämpften sich schnell eine Führung und ließen von der gut geölten FCB-Offense wenig zu. Doch dank einiger Adjustments lief es für die Münchener in der Folge deutlich besser.

Einen großen Anteil daran hatte Center John Bryant. Innerhalb einer kurzen Phase katapultierte er die Münchener Führung in die Höhe. Vor allem der Ludwigsburger Backup Jason Boone hatte große Probleme gegen den größeren Bryant. Darum spielte der FCB in kürzerer Zeit mehrmals das Set-Play „FIVE Down“, welches Frankfurt beispielsweise auch für Johannes Voigtmann spielt. Dabei wird unabhängig von der Action am Perimeter unter dem Korb ein Block von einem Flügelspieler für einen Big Man gesetzt. So soll der große Spieler in eine gute Low-Post-Position kommen und scoren können.

Dies gelang den Bayern mehrfach und Bryant konnte daraus Kapital schlagen. In diesen zwei Beispielen ist zu erkennen, wie Bryant zu seinen Sweet Spots kam.

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Doch auch mit den anderen Münchenern Big Men hatten die Ludwigsburger ihre Probleme. Vor allem die Range von Maxi Kleber öffnete den Roten viele Räume. Mehrfach wurde er nach dem Pick&Pop allein gelassen, da sich die Barockstädter eher auf die korbnahen Bigs der Bayern fokussierten.

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Einem Shooter wie eben Kleber oder auch Paul Zipser und Bryce Taylor darf man natürlich nicht so viel Platz lassen. Den Bayern half es in den Rhythmus zu kommen und sie bauten die Führung im weiteren Verlauf immer weiter aus.

Im Gegensatz dazu forcierten die Bayern defensiv den Dreipunktwurf des Gegners. Mit gerade mal 30,2 Prozent Trefferquote haben die Männer von John Patrick nämlich die schlechteste Quote der Beko BBL. So zogen sich die Münchener weit in die Zone zurück und vernachlässigten manchmal auch die Schützen am Perimeter.

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Genauso wurden auch Drives von Spielern wie Royce O’Neale sehr eng verteidigt und stattdessen lieber der Wurf von Außen abgegeben. Hier konzentrieren sich gleich drei Bayern-Verteidiger auf den zum Korb ziehenden O’Neale, alle fünf Bayern haben die Augen nur auf den Ball gerichtet.

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Für die MHP Riesen wird es in den kommenden Spielen wohl unausweichlich sein die offenen Würfe von „Downtown“ zu treffen. Weiterhin konnten sie in Spiel Eins auch mit ihrer Press-Verteidigung noch keine wirklichen Akzente setzen. Nur zu Beginn doppelten sie den Ballhandler der Bayern und nahmen so Zeit von der Uhr. Als sich jedoch auch eigene Turnover anhäuften, kam das schnelle Spiel des FCB ins Rollen und Ludwigsburg ging die Luft aus. Außerdem wird es spannend zu beobachten sein, wie Patrick auf die Überlegenheit unter den Körben reagiert. Mit Jon Brockman hat er dort einen Spieler, der die Masse mitbringt, um mitzuhalten, allerdings ging das Duell am Wochenende klar an die Münchener. Diese überzeugten auf den großen Positionen zusätzlich durch ihre Vielseitigkeit im Inside-Outside-Game, welches den Riesen komplett fehlt. Wenn Ludwigsburg in diesen Punkten ein Upgrade gelingt, sind sie in eigener Halle gegen den Tabellenvierten der regulären Saison sicher nicht chancenlos.

Schnelle Bamberger überrollen Würzburg

Am Sonntagabend griff dann auch der deutsche Meister ins Playoff-Geschehen ein. Die Brose Baskets mussten zuhause gegen den Aufsteiger aus Würzburg antreten. Von Anfang an war das Spiel von der defensiven Dominanz der Bamberger geprägt, die in drei der vier Viertel weniger als 15 Punkte zuließen. Zusätzlich war auch der offensive Motor gut geschmiert und brachte ihnen letztendlich 95 Punkte ein.

Den Grundstein für den deutlichen Erfolg legten die Männer von Andrea Trinchieri schon früh in der Defense. Auffällig war von Beginn an, dass der Würzburger Aufbauspieler Dru Joyce in der Pick&Roll-Offense viel Druck bekam. So hedgten die Oberfranken in der Pick&Roll-Defense, vor allem der startende Elias Harris machte dort dank seiner Schnelligkeit einen guten Job.

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Weiterhin erlaubten es sich die Bamberger Dribble-Handoffs der Würzburger am Perimeter sofort zu switchen, um daraus resultierende Würfe oder Drives schon frühzeitig verhindern zu können.

Auch in der Offensive setzten die Bamberger Bigs ihre Akzente. Würzburgs Brendan Lane kam ganz früh in Foul Trouble, saß lange mit vier Fouls auf der Bank und blieb völlig wirkungslos. In der Defensive wirkte er häufig überfordert mit den flinken Daniel Theis oder Elias Harris, die aus dem Blocken und Abrollen oder nach Pässen aus dem Drive zu einfachen Korblegern oder Dunks kamen.

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Die definitiv gebrauchte Help-Defense eines dritten Spielers kam zwar häufig zum Einsatz, lud den amtierenden Meister aber nur dazu ein sein überragenden Passspiel aufzuziehen und den freien Mann zu finden.

Mitte des dritten Viertels stellte Doug Spradley dann auf Zonenverteidigung um. Dies brachte die Bamberger allerdings nur kurz ins Grübeln, sodass daraus letztlich viele weitere einfache Körbe entstanden, weil die Aufteilung in der Würzburger Defense nicht stimmte. Hier gelingt es den Bambergern, das Herz der Zone direkt zu attackieren, sodass Rotationen stattfinden müssen. Darius Miller bleibt letztlich einsam auf der Weakside und könnte einfache drei Punkte verbuchen.

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Man darf gespannt sein, mit welchen neuen Einfällen Spradley am Donnerstag versuchen wird den Bamberger Rhythmus zu stoppen. Es bleibt festzuhalten, dass in Spiel eins bislang noch nichts richtig eingeschlagen hat. Natürlich darf auch nicht vergessen werden, dass Lane und Joyce aufgrund ihrer Fouls mit neun bzw. 21 Minuten nur sehr kurz auf dem Feld standen. Wenn beide von solchen Problemen verschont bleiben, sollte es für Würzburg zumindest möglich sein das Spiel enger zu halten. Dass sie sogar eines in dieser Serie gewinnen, ist nach dieser Bamberger Leistung allerdings zurzeit mehr als unwahrscheinlich.

Play to watch

Das Set-Play, welches vom Wochenende am ehesten in Erinnerung geblieben ist, ist Ulms “Five Down”. Im Gegensatz zum oben erklärten Münchener “Five Down”, stellt hier ein Big Man einen Downscreen für den Anderen, damit dieser oben einen Ballscreen für den ballführenden Spieler stellen kann. Ratiopharm Ulm lief dieses Play mehrmals, was dazu führte, dass die langsameren Oldenburger Bigs weite Wege gehen mussten und die flinkeren Ulmer, wie Raymar Morgan oder Augustine Rubit, sich Vorteile auf dem Weg zum Korb verschaffen konnten. Well played!

Ulm_FiveDown

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