EWE Baskets Oldenburg, ratiopharm Ulm

Serien-Guide: EWE Baskets Oldenburg vs. ratiopharm Ulm

Die Taktiken und Matchups der spannenden Playoff-Serie

Im Duell des Zweiten gegen die Siebten kann durchaus von einer Überraschung gesprochen werden. Nachdem die Ulmer im letzten Sommer ordentlich aufgerüstet hatten, waren sie in Basketballdeutschland doch weiter vorne als „nur“ Platz sieben erwartet worden. Im Gegensatz dazu war die Konstanz der EWE Baskets Oldenburg, die die letzte Saison noch als Tabellensiebter beendeten, in der Form nicht vorausgesehen worden. So kann letztendlich gesagt werden, dass die Donnervögel, die kürzlich erst Bamberg und Bayern schlugen, als Favorit in diese Serie gehen. Allerdings sind auch die Männer von der Donau alles andere als chancenlos.

Die Ausgangssituation

Auf dem Papier trennen die EWE Baskets Oldenburg und ratiopharm Ulm fünf Tabellenplätze, auf dem Court könnte dies aber anders aussehen. Die Spiele aus der Regular Season lassen sich vom Ergebnis her allerdings nicht als Maßstab heranziehen. Während Ulm die erste Partie ungefährdet zuhause gewinnen konnte, fehlte bei Oldenburg noch Nemanja Aleksandrov. Als die Huntestädter dann vor wenigen Wochen vor heimischer Kulisse einen starken Sieg einfuhren, musste Thorsten Leibenath ohne Chris Babb und Augustine Rubit auskommen. Per Günther und Taylor Braun spielten sogar die kompletten 40 Minuten durch.

Babb und Rubit sind beide noch fraglich für die Serie, weshalb die Oldenburger sich derzeit als Favorit betiteln dürfen. Bei entsprechender Rückkehr der Ulmer Protagonisten könnte die Best-of-5-Serie allerdings schon wieder in eine ganz andere Richtung verlaufen. Wir werfen einen Blick auf den Plan, den die Coaches verfolgen, und auf das, worauf es während der Partien ankommt.

EWE Baskets Oldenburg

Das Spielermaterial der EWE Baskets aus Oldenburg lässt klare Schlüsse darauf ziehen, welche Spieler Headcoach Mladen Drijencic konkret anspielen und werfen lassen möchte. Da wären vor allem Brian Qvale, Center und Topscorer des Teams, Vaughn Duggins, einer der besten Pure Scorer der Liga und Rickey Paulding, der auch mit 34 noch wöchentlich seine Dreier trifft, zu nennen.

Dies gelang Drijencic über die 34 Spieltage extrem gut, sodass Oldenburg mit einem Offensive Rating von 115,13 den drittbesten Angriff der Beko Basketball Bundesliga stellt.

Die wichtigsten Plays

FIVE

Das folgende Play, welches die Niedersachsen einfach nur „FIVE“ nennen und auf dem Feld mit fünf ausgestreckten Fingern callen, ist häufig zu sehen und bringt ihnen regelmäßig sichere Punkte ein. Dabei haben sie für das Play immer verschiedenen Ausstiegsoptionen.

Grundsätzlich beginnt es mit dem Ballhandler, der den Spalding zur Seite dribbelt und das Set dann mit einem Dribble Handoff mit einem der großen Spieler einleitet. 

Oldnburg_FIVEOldnburg_FIVE1Nach dem Handoff nutzt der Vierer dann einen Block des anderen Big Man und sprintet in Richtung des Spielers in der gegenüberliegenden Ecke. Von dort aus setzen er und der Fünfer nun zwei „Staggered Screens“, um dem Guard den Weg hoch an die Birne zu erleichtern. Dort erhält er dann durch einen Pass des Ballhandlers den Ball und soll kreieren.

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Dabei sind Duggins oder Paulding meist die Spieler, die nach dem Double-Screen den Ball erhalten. Nun können sie entweder schon direkt abschließen oder sie laufen das Pick&Roll mit dem Center. Dazu haben die EWE Baskets dann meist drei gute Shooter auf dem Feld, die dieses breit machen und die mögliche Help-Defense des Gegners sofort bestrafen können.

Die zweite Option will eben genau das ausnutzen und so ist diese darauf ausgerichtet, dass der Shooter aus der anderen Ecke auch noch ins Set eingebunden wird. Dieser erhält ebenfalls den Double-Staggered-Screen von den beiden Big Men und könnte danach genug Platz zu haben, um den offenen Wurf zu versenken.

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Eine zusätzliche Möglichkeit ist es hierbei immer, dass, wenn der Wing keinen guten Look erhält, auch noch den Center im Low-Post anspielen kann. Dieser hat durch seinen zuvor gesetzten Screen bereits eine tiefe Position im Post und ebenso genug Platz um seine Fähigkeiten auszuspielen. Insbesondere Starting-Center Brian Qvale brilliert in dieser Saison aus dem Post mit tollen Hakenwürfen und kurzen Floatern.

HORNS DOWN

Ähnlich sieht es bei Oldenburgs Variation von “HORNS down” aus. Wieder ein Set, welches für starke Schützen gespielt werden kann und am Ende vielleicht sogar zwei offene Looks generiert.

Es beginnt nicht in der natürlichen HORNS-Aufstellung, also mit den Bigs an der Freiwurflinie und den Wings in den Ecken, sondern mit den Guards unter dem Korb. Nun stellt einer der Big Men einen Downscreen für einen Zipper Cut eines Flügelspielers. Dieser erhält den Ball sofort oben am Perimeter.

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In der Folge bekommt auch der ballferne Wing einen Downscreen, um zur Dreierlinie zu cutten. Während dieser dort angespielt wird, schneidet der Einser in Richtung Baseline, während sich der Große in die Position für einen Flare Screen bringt.

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Die beiden großen Spieler stellen nun also ihre Blöcke, um die flinken Guards in eine gute Position zu bringen. Der ballführende Spieler hätte im besten Fall nun also zwei verschiedene Anspieloptionen, um einen offenen Wurf zu ermöglichen.

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CHEST

„Chest“, was mit einem Zeigen auf die Brust gecallt wird, ist prädestiniert für einen Scorer wie Vaughn Duggins. Dieser soll aus diesem Set heraus einfache Punkte erzielen können. Auch die beiden Big Men spielen hier eine wichtige Rolle, weil sie die Aufgabe zu haben, Duggins den nötigen Platz zu verschaffen.

Wieder leitet der Ballhandler das Play mit einem Pass auf den Flügel ein, wo der Spieler, der später um die Blocks kommt, nach einem simplen Pindown den Ball erhält.

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Nun stellt der Einser selbst einen Screen für den auf Höhe der Freiwurflinie wartenden Wing.

Oldenburg_CHEST1Dieser erhält nun den Spalding an der Birne von dem Spieler, der in der Folge um die zwei Blocks der Big Men sprintet, um letztendlich einen offenen Wurf zu erhalten.

Oldenburg_CHEST2So gelingt es den Huntestädtern immer wieder ihre offenen Mitspieler zu finden. Neben Paulding und Duggins  besitzen auch Spieler wie Klemen Prepelic oder Chris Kramer die Fähigkeiten, Blöcke gut zu nutzen und sich vom Gegenspieler abzusetzen. Zusätzlich zählen Spieler wie Duggins oder Kramer zu den besten Slashern der Liga und können bei heraussprintenden Gegenspielern den schnellen ersten Schritt nutzen und zum Korb ziehen. Insbesondere Duggins hat in dieser Saison bewiesen, dass kaum jemand in der BBL mit solch einem starken Drive zum Korb ausgestattet ist wie er. Immer wieder konnte er so helfende Verteidiger bestrafen und Lücken in die gegnerische Verteidigung bringen.

Ratiopharm Ulm

Der Spielstil und die damit verbundene Wurfauswahl der Spatzen hat sich in dieser Saison im Vergleich zur letzten doch mehr verändert, als man es wohl vorher erwartet hätte. Während Ulm in 2014/15 noch das “Moreyball”-Team Nummer Eins der BBL war (sprich: sie nahmen die wenigsten langen Zweier der Liga), rangieren sie in dieser Kategorie in dieser Spielzeit unter den ersten Vier. Ganze 16,26 Prozent ihrer Würfe kamen diese Saison aus der Mitteldistanz, im Gegensatz zu 9,22 Prozent im Vorjahr.

Wichtige Plays

Die Ulmer laufen eine Serie von Plays, die alle den Small Forward als zentrale Station beinhaltet, während verschiedene Spieler am Ende des Plays als Verwerter fungieren sollen. Im ersten Beispiel wird “3-Side” für Big Man Raymar Morgan aufgezeigt, der dank seiner Power und Athletik unter dem Korb seine Größe wettmachen.

3-SIDE

Das Set beginnt in der eigentlichen HORNS-Aufstellung, sodass die beiden Bigs an den Elbows sind die Flügelspieler in den Ecken stehen. Es startet mit einem einfachen Screen des Fünfers für den Ballhandler.

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In der Folge bekommt der Pivot auch den Ball, während der andere Big einen Downscreen an der Seite für den ballfernen Wing setzt.

Ulm_3Side1Nun übergibt der große Spieler den Spalding an den curlenden Flügelspieler. In dieser Zeit müssen die restlichen drei Spieler für gutes Floor-Spacing sorgen, indem sie sich gut hinter der Dreierlinie positionieren.

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Um den Big jetzt in eine gute Low Post-Position zu bringen, startet der Zweier aus der Ecke, da er anschließend einen Block auf Höhe der Freiwurflinie setzen soll. So könnte der Fünfer die Möglichkeit bekommen, sich von seinem Gegenspieler zu separieren oder das gegnerische Team switcht, was ebenfalls einen Vorteil für die Ulmer ergeben würde.

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5-SIDE

Ulm-Headcoach Thorsten Leibenath ruft den Spielzug "5-Side" aus.

Ulm-Headcoach Thorsten Leibenath ruft den Spielzug “5-Side” aus.

Auch im folgenden Play wird das primäre Ziel verfolgen, die großen Spieler  in eine gute Position zu bringen. Vor allem im Spiel gegen die Brose Baskets Bamberg konnte verfolgt werden, wie häufig Leibenath dieses Set spielen ließ, wenn er Vorteile auf den Big Men-Positionen sieht. Die Bamberger, die ebenfalls nicht mit Seven-Footern unter den Körben ausgestattet sind, sollten durch Raymar Morgan im Low-Post ihre Athletikmängel aufgezeigt bekommen.

Gegen die EWE Baskets stellt sich nun eine andere Situation dar: Starting-Center Brian Qvale ist ein ganz klassischer Fünfer, der sich höchstens durch Schnelligkeit überspielen lässt. In Post-Up-Situationen werden Morgan & Co. viel Energie und vor allem Finten mitbringen müssen, um sich dort Vorteile verschaffen zu können.

Bei “5-Side” stellt der Fünfer zuerst einen Downscreen für seinen Big Man-Kollegen, der dann nach oben kommt, um einen Ballscreen zu stellen.

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Nun kommt plötzlich der Flügelspieler der Ballside ins Spiel und stellt einen Block für den Fünfer, der sich nun in einer guten Positionen befinden soll.

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Um bei diesem Play nicht zu berechenbar zu sein, kann es aber auch vorkommen, dass der zweite Screen unter dem Korb nicht mehr stattfindet und stattdessen nur oben ein simples Pick&Roll gelaufen und schnell der Abschluss gesucht wird. Gut eingestellte Teams könnten nämlich bereits in Erwartung des Cross-Screens sein und somit Lücken unter dem Korb offenbaren, die der Ulmer Ballhandler sofort angreifen kann.

HORNS DOWN

Ein weiteres interessantes Set aus dem Playbook von Thorsten Leibenath ist seine Version von “HORNS Down”. Normalerweise beginnt HORNS in der Aufstellung mit den Bigs an der Freiwurflinie und den Flügelspielern in den Ecken. In dieser Variante beginnt allerdings einer der Wings am Elbow. Dafür rutscht ein wurfstarker Vierer á la Da’Sean Butler in eine Ecke.

Zuerst setzt der große Spieler einen Block für den Kleinen, der anschließend für einen Screen zum Ballhandler läuft.

Ulm_HORNSDownDas “1-2-Pick&Roll” wird als Pick&Pop gespielt, sodass sich der Blocksteller sofort weiter am Perimeter Richtung Seitenlinie orientiert. Auf diesem Weg bekommt er noch einen Flare Screen des Big Man, sodass er die Möglichkeit hat, sich von seinem Gegenspieler abzusetzen und für einen Wurf frei zu sein. Genauso kann der Ballhandler aber auch ganz normal das Abrollen des Fünfers nutzen und diesem mit einem Pass in Szene setzen.

Ulm_HORNSDown2Key-Matchups

Brian Qvale vs. Raymar Morgan

Unter den Körben wird es in der Serie zwischen Oldenburg und Ulm ordentlich zur Sache gehen. Mit Qvale und Morgan stehen sich, wie bereits oben angesprochen, zwei unterschiedliche Spielertypen gegenüber. Während der Fünfer der Huntestädter hauptsächlich in unmittelbarer Korbnähe zu Abschlüssen kommen will, kann Morgan nach dem Pick&Roll auch aus der Mitteldistanz oder sogar von der Dreierlinie zu Würfen kommen. Aus diesen Gründen müssen sich die Defenses natürlich auch auf unterschiedliche Situationen vorbereiten.

Brian Qvale, der in der regulären Saison bei 64 prozentiger Trefferquote auf 15,5 Punkte pro Spiel kam, zog auch in den beiden Aufeinandertreffen gegen Ulm viel Aufmerksamkeit auf sich. Auf die Saison hochgerechnet, kamen 88,9 Prozent von Qvales Würfen aus der direkten Korbnähe, laut korbrechnung.de. Somit sind seine Möglichkeiten zwar limitiert, allerdings reißt er alleine durch seine Gefahr aus der kurzen Distanz große Lücken in gegnerische Verteidigungen.

Hier lässt sich gut erkennen, wie fokussiert die Ulmer auf das Aufposten des US-Amerikaners sind. Alle fünf Spatzen stehen innerhalb der Zone, Chris Babb hilft sogar einen Pass entfernt, sodass gute Schützen wie Paulding oder Duggins hier gute Würfe bekämen.

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Auf der anderen Seite kann Leibenath seinen startenden Fünfer aus verschiedenen Lagen scoren lassen. Das Blocken und Abrollen ist das Bread&Butter des Basketballs und wurde auch gegen die langsameren Oldenburger Bigs immer wieder als Waffe genutzt.

In der folgenden Szene kommt Qvale bei der Verteidigung des Pick&Rolls sehr weit hoch und so doppeln Kramer und er den ballführenden Ulmer. Dadurch ergibt sich auf Höhe der Freiwurflinie, von wo aus Morgan durchaus sicher agiert, eine große Lücke, die er bei einem entsprechenden Pass für einen offenen Jumper nutzen könnte.

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Gleichzeitig zeigt sich, dass Oldenburg bei solch einer aggressiven Verteidigung immer noch einen dritten Spieler nutzen muss. Qvale ist hier nicht schnell genug, um zu seinem Mann zurück zu rotieren und den entstehenden Platz zu covern.

Da hier allerdings der Pass zu Morgan nicht möglich ist, hat Dominic Lockhart die Zeit, um Kontakt mit Morgan aufzunehmen und seinem Big Man somit die Zeit zu geben, wieder in die Verteidigungsposition zurück zu kehren.

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Exakt dies sind die Räume, die Ulm in der Serie versuchen muss zu bespielen. Auf den großen Positionen besitzen sie bei Einsatz von Morgan, Rubit (?) und Da’Sean Butler definitiv einen Schnelligkeitsvorteil. Es wird interessant zu sehen sein, welche Verteidigungsvariante die EWE Baskets im Gegenzug wählen. So lange das Doppeln und Rotieren so gut klappt wie oben im Beispiel, werden sie diesen Ulmer Vorteil zunichte machen können. Im anderen Fall werden Qvale oder Nemanja Aleksandrov defensiv an ihre Grenzen kommen.

Aus Oldenburger Sicht wäre es vorerst am Sichersten mit den langsameren Bigs die Zone zu verdichten und Morgan oder Rubit den ein oder anderen Wurf aus der Mitteldistanz zu geben. Genauso macht es auch immer mal wieder Sinn die Zonenverteidigung einzustreuen, die sie bereits im letzten Aufeinandertreffen einsetzten. Dies würde ebenfalls ihre Nachteile kaschieren, da Qvale als Anker der Defense fungieren könnte, während die schnellen Flügelspieler den Perimeter dicht machen.

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Chris Kramer vs. Per Günther

Auch wenn sich hier auf Per Günther bezogen wird, gilt das Folgende für die komplette Ulmer Guard-Riege (da Kramer vielleicht anders verteidigt wird): Chris Kramer ist alles andere als ein Shooter vor dem Herren (28,8% Dreier), trotzdem tat er den Ulmern im letzten Duell weh. Der Oldenburger Einser ist mit einer enormen Schnelligkeit und Energie ausgestattet, die es ihm nicht nur aus dem Fastbreak heraus erlaubt zu einfachen Punkten zu kommen.

Die verteidigenden Guards der Ulmer müssen über 40 Minuten hellwach sein, um Kramer in den Griff zu bekommen. Der US-Amerikaner nutzt Lücken oder kurze Unaufmerksamkeiten seiner Defender für schnelle Cuts zum Korb oder lediglich, um einen anderen Spieler dadurch frei zu spielen. Per Günther machte dort zuletzt keinen guten Job und wurde immer wieder beim “Ballwatching” erwischt, während Kramer in seinem Rücken bereits Zähler für die Oldenburger markierte.

Solche Szenen wie hier dürfen sich die Ulmer nicht mehr erlauben, wenn sie gegen die gut geölte Offense der Oldenburger eine Chance haben wollen. Egal ob Kramer selbst oder Prepelic, Lockhart oder auch Paulding: Die Ballhandler der Oldenburger haben ein gutes Auge und finden Platz für Durchstecker oder offene Schützen.

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Auch bei Post-Up-Situationen von Qvale schneiden die schnellen Guards immer wieder zum Korb. Wenn sich dann mehrere Verteidiger zum Cutter orientieren, bleibt zwangsläufig immer ein Werfer offen. Umso wichtiger wird es für ratiopharm Ulm, dass Chris Babb zur Serie zurückkehrt. Pierria Henry und er besitzen die defensiven Fähigkeiten, um Kramer oder Paulding aus dem Spiel zu nehmen.

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Auf der anderen Seite haben Kramer & Co aber ähnlich viel zu tun. Im Hinspiel schenkte Per Günther den EWE Baskets 27 Punkte inklusive fünf Dreiern ein. Günthers Distanzwurf scheint sich, trotz etwas sinkender Quote, in dieser Spielzeit nochmals verbessert zu haben. Er scheut nicht davor zurück auch in wichtigen Situationen zum Dreier zu greifen und versenkte einen Karriere-Höchstwert von 67 Stück in den 34 Partien der regulären Saison.

Immer wieder steigt er schnell zum Wurf hoch, wenn der Gegner beispielsweise aus dem Pick&Roll Lücken offenbart oder die Defender nicht schnell genug rotieren. Hier hat Oldenburg über die Serie einen guten Job zu machen, denn einen heiß laufenden Per Günther ist wohl das Letzte, was Drijencic sehen möchte.

Key-Question: Wer nutzt das Switching bzw. die Mismatches besser aus?

Vom gesamten Potenzial her gesehen stehen sich mit Oldenburg und Ulm zwei ausgeglichenen Teams gegenüber. Auch wenn die Spielzeiten der beiden Klubs unterschiedlich verliefen und die EWE Baskets die Saison doch deutlich besser beendeten, wird es in dieser Serie auf Kleinigkeiten ankommen. Eines dieser kleinen Dinge ist das Ausnutzen des Switchens des Gegners respektive das Bespielen des Mismatches.

Insbesondere die Ulmer scheuen nicht davor zurück in der Defensive die Gegenspieler zu tauschen. Durch die Mobilität ihrer Big Guys bringen sie eben auch die Voraussetzungen mit, um sich das immer wieder erlauben zu können. Die EWE Baskets zeigten allerdings in den Spielen gegen Ulm auch immer wieder, dass sie defensiv ähnlich agieren können. Um die oben angesprochenen Lücken zu schließen, braucht es eben manchmal auch wechselnde Defender während einer Possession.

In diesen Situationen kann sich in der Serie die Spreu vom Weizen trennen. Brian Qvale könnte offensiv nach dem Ulmer Switchen enorme Vorteile erhalten, die möglicherweise nur durch intensives Doppeln egalisiert werden können. Am anderen Ende des Feldes hingegen muss es Oldenburg gelingen Qvale, Robin Smeulders oder Aleksandrov möglichst selten in solche Situationen zu bringen. Flinke Guards wie Günther, Babb oder Braun können weites Herauskommen der Bigs mit einfachen Drives bestrafen.

Fazit

Neben Frankfurt-ALBA erwartet uns hier wohl die spannendste Serie im Playoff-Viertelfinale. Beide Teams haben im Verlauf der Regular Season bewiesen, dass sie sowohl offensiv als auch defensiv funktionieren und Spiele gewinnen können. Bei den Ulmern wird es insbesondere darauf ankommen, wie fit Chris Babb und Augustine Rubit sind. Mit den beiden im Kader haben sie legitime Chancen das Upset zu schaffen. Die EWE Baskets hingegen kommen mit dem Schwung aus den Siegen gegen Bamberg oder Bayern und der daraus gezogenen Sicherheit in den Heimspielen in diese Serie. Genauso konnten sie sich zuletzt immer wieder auf ihre Key-Player wie Brian Qvale, Rickey Paulding oder Vaughn Duggins verlassen. Kommen diese in der Offense ins Rollen, werden sie auch von Stoppern wie Henry oder Babb schwer in den Griff zu bekommen sein. Mit ratiopharm Ulm in Top-Form und dem Oldenburger Spitzenteam aus den letzten Wochen können wir uns aber zuallererst auf eine spannende und besonders hochklassige Serie freuen.

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