NBA, Taktik

NBA Playoffs: Play of the Day

Spielzüge in den Playoffs

In unserer neuen Serie Play of the Day werden wir euch Plays aus den Playoff-Spielen der NBA 2016 vorstellen, die in kritischen Situationen gelaufen werden oder besonders ge- oder misslungen sind.

 

Episode 1: Raptors Baseline-out-of-Bounds Hammer Screen

Den Anfang macht ein Baseline-Out-of-Bounce-Play der Toronto Raptors aus der Overtime-Niederlage gegen die Miami Heat.
Mit sechs Punkten Rückstand und nur noch 8.7 Sekunden in der regulären Spielzeit zu spielen, benötigen die Raptors ein paar schnelle Punkte. Das Play beginnt mit Kyle Lowry als Inbounder. Jonas Valanciunas, Terrence Ross und Cory Joseph stehen in einer Linie am linken Zonenrand, während DeMar DeRozan am rechten Highpost steht.

Out-of-Bounce-Raptors-1Das Play startet damit, dass Cory Joseph in die Shortcorner, also die nahe gelegene Dreierecke, cuttet. Gleichzeitig bewegt sich Valanciunas zum rechten Zonenrand. Terrence Ross stellt auf Höhe der Freiwurflinie einen Block für DeMar DeRozan.

UnbenanntDie komplette Defensive erwartet nach dem Screen für DeRozan eine Aktion auf der linken Seite des Feldes. Bis auf Wade ist die Blickrichtung aller Spieler zur linken Seite des Feldes gerichtet.

Out-of-Bounce-Raptors-2Doch die eigentliche Aktion der Raptors findet auf der anderen Seite des Feldes statt. Nachdem Terrence Ross den Block für DeRozan gesetzt hat, sprintet er in Richtung der rechten Ecke und bekommt einen Block von Jonas Valanciunas. Wade bleibt am Block von Valanciunas hängen und stolpert. Der Passweg parallel zur Baseline ist für Lowry aufgrund der einfachen Aktion für DeRozan komplett frei. Er findet Ross in der Ecke und dieser trifft den offenen Dreier.


Episode 2: Cavaliers Weave

Die Cleveland Cavaliers haben das zweite Spiel gegen die Atlanta Hawks von Beginn an dominiert. Wir werfen einen Blick auf einen Spielzug der Cavaliers, den sogenannten Weave. Beim Weave kommt es zu sehr viel Player- und Ballmovement, wodurch die folgenden Grafiken zum Teil etwas unübersichtlich sind. Als Beispiel dient diese Szene aus dem dritten Viertel:

Das Play beginnt mit einem simplen Pass von Irving auf Love, der sich am oberen Rand der Dreierlinie befindet. Danach cuttet Irving in Richtung Zone.

Weave-Cavs-1

Während Irving sich weiter zum rechten Zonenrand bewegt, orientiert sich Kevin Love in Richtung des rechten Flügels. Dort übergibt er J.R. Smith, der in die entgegengesetzte Richtung läuft, den Ball. Auch Tristan Thompson bewegt sich tiefer in die Zone hinein.

Weave-Cavs-2

Irving rennt weiter bis an den rechten Rand der Dreierlinie. Gleichzeitig beginnt LeBron James zur gegenüberliegenden Dreierecke zu laufen.

Weave-Cavs-3

Irving begibt sich nun in ein Handoff mit J.R. Smith. LeBron James orientiert sich zur gegenüberliegenden Dreierlinie. Tristan Thompson begibt sich aus der Zone in Richtung des oberen Randes der Dreierlinie.

Weave-Cavs-4

Nun kommt es zur eigentlich wichtigen und zielführenden Aktion, einem Pick&Roll zwischen Kyrie Irving und Tristan Thompson.

Weave-Cavs-5

Dadurch, dass alle Spieler der gegnerischen Defensive in die vorangegangenen Aktionen involviert waren, ist die Koordination in der Defensive der Hawks nicht mehr perfekt. Vier Spieler befinden sich rechts vom abrollenden Tristan Thompson.Weave-Cavs-6 Erst Sefolosha rotiert von der Dreierecke herüber und verhindert einen einfachen Abschluss von Thompson. Auch wenn der Pass von Irving auf Thompson etwas zu lang ist, kann Thompson danach schnell Sefolosha aufposten und bekommt so einen einfachen Abschluss in der Zone.


Episode 3: Heat Post-ups

Eine große Stärke der Miami Heat ist es, dass sie mit Dwyane Wade und Joe Johnson gleich zwei Flügelspieler haben, welche ihre Stärken im Spiel mit dem Rücken zum Korb haben. Dies ermöglicht es ihnen Matchups sehr gezielt ausnutzen zu können. Einen defensivschwachen Spieler gegen Miamis Offensive zu verstecken, ist nahezu unmöglich. Doch damit Wade und Johnson den Ball in einer guten Post-Position bekommen, müssen die Post-ups gut vorbereitet werden. Im Folgenden wird anhand einer Szene aus dem dritten Viertel von Spiel 2 gegen die Toronto Raptors gezeigt, wie die Heat Post-ups ihrer Flügelspieler einleiten.

Die Heat starten das Set in einer Horns-Formation, mit Haslem und Deng an den beiden Highposts und Wade und Green in den beiden Ecken. Richardson bringt den Ball nach vorne. Danach läuft Green einen Iverson-Cut zur anderen Seite des Flügels, dabei bekommt er jeweils einen Block von Haslem und Deng.

Post-ups-Heat-1

Deng orientiert sich zum linken Flügel und bekommt dort den Ball von Richardson. Gleichzeitig bewegt sich Haslem in Richtung Green und stellt einen Block für einen möglichen Cut. Generell dient diese Aktion allerdings mehr dazu, die Defensive der Raptors zu beschäftigen und Biyombo als Gegenspieler von Haslem auf die rechte Seite des Feldes zu bringen.

Post-ups-Heat-2

Dadurch entsteht ein großer freier Raum am linken Zonenrand.

Post-ups-Heat-3

Wade läuft nun in diesen freien Raum und bekommt den Ball von Deng in guter Post-Position.

Post-ups-Heat-4

Deng cuttet noch an Wade vorbei in Richtung der gegenüberliegenden Dreierecke. Wade hat viel Platz im Post und kann sich in aller Ruhe Joseph zurecht legen. Letztendlich wirft er über ihn und nutzt dabei das Brett und trifft.

Post-up-Heat-5

 


Episode 4: Hawks Double Pindown

Kyle Korver gilt als einer der besten Schützen der NBA. In neun seiner 13 Saisons traf er über 40 Prozent von der Dreierlinie. Nur sehr selten helfen Teams von ihm aus, denn zu hochprozentig kann Korver das bestrafen. Obwohl Korver sich keinen Wurf aus dem Dribbling selber kreieren kann und die gegnerische Defensive ihm nur sehr selten Spotup-Dreier erlaubt, nimmt Korver dennoch fünf Dreier pro Spiel. Die Hawks schaffen es sehr gut, Korver im Setplay offene Würfe von hinter der Dreierlinie zu verschaffen. In Spiel 3 gegen die Cleveland Cavaliers schloss Korver insgesamt neunmal von hinter der Dreierlinie ab, davon fanden fünf Würfe ihr Ziel.

Dieser Spielzug der Hawks ist recht simpel, aber sehr effektiv. Er beginnt damit, dass Korver von der Dreierlinie in Richtung Korb cuttet. Dabei stellt Sefolosha einen Block in den Rücken von Korvers Verteidiger Shumpert. Korver könnte sich hier entscheiden, ob er auf der linken Seite oder der rechten Seite des Screens vorbeiläuft. Im Idealfall bleibt sein Verteidiger hier schon am Block hängen und Korver könnte frei unter dem Korb von Teague den Ball empfangen.

Hawks-Double-Pin-1

Shumpert kämpft sich jedoch sehr gut über den Block und bleibt dicht an Korver dran. Millsap und Humphries stellen nun zwei Blöcke für Korver. Diese nennt man Pin Down Screens, was nichts anderes bedeutet, als dass der Spieler weg vom Korb in Richtung des Highposts oder der Dreierlinie curlt. Teague passt den Ball zu Korver, der aus dem vollen Lauf zum Dreier hoch geht und trifft.

Hawks-Double-Pin-2


Episode 5: Raptors Horns Flare Empty

Mit 11.6 Drives pro Spiel verzeichnete DeMar DeRozan in der regulären Saison die drittmeisten Drives pro Spiel. Nur Eric Bledsoe und Isaiah Thomas zogen noch öfter zum Korb. Dabei ist DeRozan nicht einmal der primäre Ballhandler seines Teams. Oft kann er jedoch nach Handoffs oder Offball-Screens zum Korb curlen. Heute im Fokus: Horns Flare Empty.

Der Spielzug beginnt mit einer leicht abgeänderten Horns-Formation. Die rechte Dreierecke der Raptors bleibt frei, dafür befinden sich mit Patterson und Ross zwei Shooter auf der linken Seite des Feldes. Dadurch ist das Spacing zwar deutlich schlechter, als in einer ursprünglichen Horns-Formation. Allerdings entsteht dadurch auch sehr viel Platz auf der rechten Seite des Feldes.

Raptors-1

DeRozan stellt einen Ballscreen für Cory Joseph an der Dreierlinie, dieser nutzt diesen und dribbelt einige Schritte zur linken Seite des Feldes.

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DeRozan bekommt einen Flare-Screen von Jason Thompson und direkt danach den Ball von Cory Joseph.

Raptors-4

Dadurch, dass in der ursprünglichen Formation kein Shooter in der rechten Ecke war, kann von dort nicht ausgeholfen werden. Obwohl der Pass von Joseph leicht in den Rücken geworfen ist, hat DeRozan eine Menge Platz um den Korb zu attackieren. Auch McRoberts, der Verteidiger des Blockstellers, befindet sich in ungünstiger Position. DeRozan zieht zum Korb und schließt ab.


Episode 6: Cavaliers Horns Rub

Mit neun Punkten Rückstand begannen die Cleveland Cavaliers das vierte Viertel gegen die Toronto Raptors. Durch eine Stretch-Lineup mit Channing Frye auf der Fünf und James auf der Vier konnten die Cavaliers noch einmal ins Spiel zurückkommen. Das folgende Play wurde von den Cavaliers im vierten Viertel besonders oft gelaufen und führte mehrfach zum Erfolg.

Der Spielzug beginnt in einer Horns-Formation mit zwei Schützen in den Ecken und LeBron James und Richard Jefferson auf dem Flügel. Zu Beginn des Viertels war es Dellavedova, der den Ball nach Vorne bringt, im späteren Verlauf des Viertels nahm Irving die Rolle von Dellavedova ein. Der Aufbauspieler leitet das Set mit einem Pass zu James ein, welcher auf dem rechten Highpost steht.

 

CavsHorns1

Danach läuft Dellavedova an Richard Jefferson vorbei und stellt einen Backscreen für den Flügelspieler. Dies führt dazu, dass der Gegenspieler von Dellavedova sich auch um den zum Korb abrollenden Jefferson kümmern muss. Gleich in drei Szenen im vierten Viertel wurde diese Situation von den Raptors ungenügend verteidigt und LeBron konnte Jefferson direkt unter dem Korb anspielen. Zweimal scorte er aus dieser Situation, einmal spielte er den Kickout zu Channing Frye.

Cavs-Horns2

Dellavedova stellt, nach dem er den Screen gestellt hat, direkt nach oben und läuft in ein Handoff mit LeBron James. Durch die Aktion vorher, konnte er bereits etwas Platz zwischen sich und seinem Gegenspieler generieren. Richard Jefferson bewegt sich während dessen, wenn er nicht angespielt wird, direkt in die gegenüberliegende Dreierecke. Shumpert schafft Platz, in dem er sich an der Dreierlinie weiter nach oben orientiert.

Cavs-Horns3

Je nach dem wie die Defensive reagiert, kann Dellavedova aus dem Handoff nun den zum Korb abrollenden James bedienen, bei extremer Hilfe die Shooter in den Ecken anzuspielen oder selber am Korb per Korbleger oder Floater abzuschließen.

 

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