Playoffs 2016, San Antonio Spurs, Taktik

How to Post-Up

Wie San Antonio gegen Memphis das Post-Up nutzte

Die San Antonio Spurs stehen in den Western Conference Semifinals. Die verletzungsgeplagten Memphis Grizzlies wurden dominant mit vier Niederlagen am Stück in die Offseason geschickt. Geglänzt haben die Grizzlies in der Marc Gasol Ära vor allem durch ihren “Grid and Grind”- Stil: Die Big Men stehen im klaren Fokus der Offense, es wird hart verteidigt und die große Mehrheit der offensiven Possessions endet in einem Post-Up.

Das klassische Post-Up-Play verliert in der zunehmend vom Small Ball dominierten NBA zunehmend an Bedeutung. “Zu ineffizient”, “eine Isolation für Big Men” oder “fehlendes Spielermaterial”. Diese Aussagen sind oftmals zu vernehmen, wenn vom klassischen Post-Up die Rede ist. Sind diese Urteile treffend oder liegt es schlicht an der Umsetzung dieses Play-Typs, die zu der geringen Effizienz und Effektivität führen?

Der Mangel an “klassischen” Big Men

Mit einem Post-Up werden zumeist technisch versierte und/oder körperlich imposante Spieler assoziiert. Hakeem Olajuwon, Kevin McHale, Shaquille O’Neal, Bill Walton oder Tim Duncan sind hier oft genannte Namen. Guards und kleinere Forwards finden in solchen Aussagen nur selten Erwähnung. Doch auch in dieser Spielerkategorie finden sich für jede Dekade positive Beispiele für effektive Post-Up-Player. In den 80er Jahren Adrian Dantley, in den 90ern Michael Jordan und aktuell Dwyane Wade oder Russell Westbrook. 

Blickt man in der NBA anno 2016 auf die Post-Up-Play Frequency, so befinden sich in der Top 3 die San Antonio Spurs, New York Knicks und Memphis Grizzies. Bei den Spurs und Grizzlies sind es eindeutig die Big Men, welche die Nutzung eines Post-Ups nahelegen. Die New York Knicks sind primär durch die Triangle Offense und weniger aufgrund ihres Spielermaterials in den Top 3 zu finden.

Der Mangel an qualitativen Spielertypen wie LaMarcus Aldridge, Blake Griffin oder Marc Gasol ist ein bedeutender Faktor für die zurückgehende Nutzung des Post-Up Plays. Spieler wie Al Jefferson oder Greg Monroe besitzen anderweitig zu viele Schwächen, um gewinnbringend als konstanter Focal Point in die Offense integriert zu werden. Für den grundsätzlichen Erfolg einer Possession, die mit einem Post-Up abgeschlossen wird, sind jedoch zusätzliche Aspekte entscheidende Faktoren.

Nicht der Spieler. Das Team!

Nicht nur der Mangel an fehlenden Spielern mit dem passenden Skillset ist ein Grund für die Abnahme des besagten Plays. Um erfolgreich ein Post-Up abzuschließen, sind zusätzliche Komponenten entscheidend. Die Grizzlies haben es vor allem wegen ihres nicht passenden Supporting Casts nie in die NBA Finals geschafft. Selbst versierte Low Post Spieler wie Zach Randolph und Marc Gasol reichen offenbar alleine nicht, um ein Team erfolgreich mit einer Post-Up-Offense zum Titel zu führen. Fehlendes Spacing wurde ihnen seit jeher zum Verhängnis.
Die Houston Rockets haben ihre zwei aufeinander folgenden Titel vor allem dadurch gewonnen, dass sie Olajuwon mit Kenny Smith (Karriere: 39.9 3P%), Mario Elie (36.5 3P%) und Robert Horry (34.1 3P%) extrem potente Schützen aus der Distanz zur Seite stellen konnten. 

Spacing wird bekanntlich jedoch nicht allein durch sichere Distansschützen generiert. Diese sind ein wichtiger Bestandteil, aber nicht allein verantwortlich, um einem Post-Up Spieler den nötigen Platz für seine Abschlüsse zu verschaffen. Ebenso wichtig ist das Off-Ball Movement der Mitspieler. In der gesamten Saison 15/16 und der ersten Playoffrunde liefern die San Antonio Spurs ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Nutzung von Post-Ups:

 Post-Play-FreqPointsFG%Points per Possession
Regular Season14.3% (1st)1213 (1st)50.3% (2nd)0.99 (2nd)
Playoffs16.3% (1st)42 (1st)48.6 (Top 5)0.89 (T0p 9)

Wie an anderer Stelle bereits erläutert, präsentierten sich die Spurs in der Regular Season als effektivstes “Post-Up Team” und schlossen ihre Post-Ups sehr effizient ab. In der ersten Playoffrunde ging die Effizienz – typisch für die Playoffs – nach unten. Die Effektivität blieb bisher indes bestehen. 

Im folgenden Play kommen alle bisher genannten Faktoren zum Tragen:

Der mittlerweile versierteste Post-Up Spieler der Spurs, LaMarcus Aldridge, bekommt hier einen Abschluss aus dem Post-Up. Nach Erhalten des Balles verstehen alle Spurs-Spieler auf dem Platz genau ihre Rollen im gezeigten Play. Tony Parker bietet sich für einen Hand-Off an und schafft dann Platz, indem er sich an der Baseline entlang zur Weakside orientiert. Danny Green positioniert sich nach dem Entry-Pass zu Aldridge wurfbereit am Perimeter. Kawhi Leonard schneidet, assistiert durch einen angedeuteten Pick von Tim Duncan zum Korb, um sich für den Pass oder Offensivrebound zu positionieren. Duncan bewegt sich zum High-Post und bindet dadurch seinen Gegenspieler. Das Resultat ist das erwünschte One-on-One im Post für Aldridge, der erfolgreich per Fadeaway abschließen kann. 

Tim Duncan wird zuweilen als nicht mehr entscheidender Teil der Offense der Spurs beschrieben. Bezieht man sich hier auf das selbstständige Generieren von Offense, trifft das in der Tat zu. Ganze 68.4% von Duncans Abschlüssen sind von einem Mitspieler assistiert. Den Wert der Offense, die Duncan dem Team abseits des Scorings offereriert, sollte allerdings nicht unterschätzt werden. Tim Duncan sorgt durch präzises Screening und enorme Spielintelligenz, die sich zumeist durch sein Passing und seine Positionierung offenbart, für effiziente Abschlussmöglichkeiten in der Offensive San Antonios. 

Im folgenden Play erhält Duncan den Ball im thematisierten Post-Up:

Manu Ginobili passt den Ball zu Duncan im Mid Post. Nach dem Erhalten des Passes orientieren sich Boris Diaw und Tony Parker umgehend zur Weakside, um Platz zu generieren. Duncan leitet hier wiederum keine eigene Abschlussmöglichkeit ein, sondern passt den Ball kurze Zeit nach dem Erhalten zu Leonard am Perimeter und stellt diesem in direkter Folge einen Screen. Durch die intelligente Positionierung des Picks ermöglicht Duncan Leonard einen freien Mitteldistanzwurf. Ähnlich verhält es sich im nächsten Beispiel:

In der Early Offense erkennt Duncan das Mismatch gegen Jordan Farmar und offeriert sich via Post-Up. Leonard passt den Ball umgehend zu Duncan, welcher per Touch-Pass den Ball direkt zu Danny Green an der 3er-Linie weiterleitet. Duncan erkennt hier bereits im Vorfeld die Situation und zielt erneut nicht auf den eigenen Abschluss, sondern das korrekte Basketball-Play ab.  Tim Duncan ist kein gefährlicher Scorer mehr. Im Rahmen der Spurs-Offense kann er aber immer noch einen gewinnbringenden Beitrag leisten. 

Don’ts

 Points per Possession (Post-Ups)
All Teams0.86

Warum Post-Ups allgemein betrachtet zu den ineffizienteren Plays gehören, ist im Grunde recht simpel zu erläutern: Die aufgezeigten Anforderungen, die ein erfolgreiches Post-Up benötigt, werden meist nur teilweise oder gar nicht bedient. 

Im folgenden Post-Up können die Grizzlies keine der notwendigen Faktoren zufriedenstellend liefern, um ein erfolgreiches Post-Up für Zach Randolph zu ermöglichen:

Jordan Farmar spielt den Entrypass zu Zach Randolph. Die ballfernen Spieler sorgen in keinster Weise für ausreichendes Spacing. Farmar und Matt Barnes (Karriere: 33% 3P%) positionieren sich zwar am Perimeter, sind aber zusammen aus der Distanz nicht konstant genug, um ein Absinken der Spurs-Verteidiger bestrafen zu können. Vince Carter orientiert sich nicht von der Zone weg oder bietet sich in einer erfolgsversprechenden Position für den Pass an und nimmt Randolph hierdurch zusätzlich Platz für seine Aktion. Ähnlich verhält sich Chris Andersen, der durch seinen fehlenden Wurf seinen Verteidiger nicht herausziehen kann. Zusätzlich findet keine Off-Ball-Bewegung der Grizzlies-Akteure statt. Die Folge ist ein unbestraftes Zusammenziehen der Spurs-Defense, die einen erfolgreichen Post-Up-Abschluss enorm erschwert. 

Kann ein Team seinen potenten Post-Up Threats keine Distanzschützen und sinnvolles Off-Ball Movement offerieren, wird das Post-Up zu einem enorm ineffizienten Play. 

Zusätzlich ist es für Teams, die mit zwei “klassischen” Big Men auflaufen, enorm wichtig, dass beide in gewissem Maße zumindest aus der Mitteldistanz eine Bedrohung auf die Defensive ausstrahlen. Hier ist allerdings auch besonders anzumerken, dass der ballferne Big sich entsprechend positioniert:

Das Post-Up Play für Duncan wird vielversprechend initiiert. Boris Diaw schafft als zweiter Big neben Duncan allein durch seine Position während des Passes nötigen Platz für Duncan zum Operieren. Danny Green orientiert sich folgerichtig zu Patty Mills und Kawhi Leonard an die Weakside. Diaw bewegt sich nach seinem Pass zu Duncan fälschlicherweise in die Zone und versperrt Duncan somit den Weg über die linke Schulter in die Mitte. Durch Diaws Bewegung endet das Post-Up von Duncan in einem Turnover. 

Auffallend ist hier, dass sämtliche Mechanismen während eines Post-Ups stimmen müssen, um die maximale Erfolgsaussicht zu gewährleisten. Jeder Spieler der Offense ist in gewisser Form bei einem Post-Up involviert. Im gezeigten Beispiel hätte sich Diaw zum High Post oder an den Perimeter orientieren müssen. Oftmals reicht ein einziger Abstimmungsfehler, um eine Post-Up-Possession ins Leere laufen zu lassen. 

Das unterstreicht erneut die Komplexität dieses vordergründig simplen Plays. Auch wird aufgezeigt, warum ein Gros der Teams kaum noch Verwendung für Post-Ups findet. Andere Play-Typen sind schlichtweg simpler umzusetzen und trotz geringerem Aufwand und weniger Trainingsvorbereitung erfolgsversprechender. 

Fazit

Das Post-Up verliert konstant an Beachtung. Das hat vor allem den Grund, dass vielen Teams schlicht die nötigen Voraussetzungen fehlen, um ein Post-Up Play verlässlich in einer lohnenden Regelmäßigkeit verwenden zu können. Teams wie aktuell die San Antonio Spurs zeigen, dass dieses klassische Play immer noch enorm effektiv und gleichzeitig effizient ausfallen kann. Gerade in den Playoffs ist dies eine reliable Abschlussoption, die – wenn korrekt ausgeführt – von den gegnerischen Defensiven oftmals nur schwerlich zu verteidigen ist. 

Die Conference Semi-Finals werden zeigen, ob die Spurs Post-Ups auch gegen einen gestandenen Contender in dieser Frequenz erfolgsbringend nutzen können.

Stats via basketball-reference.com und nba.com/stats, Stand: 27.04.2016.

 

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