Oklahoma City Thunder, Playoffs 2016

The Worst Night of his Career

Kevin Durant: Aussetzer oder strukturelle Probleme?
Wizards v/s Thunder 03/14/11

Sinnbildlich für Kevin Durants kompletten Abend im zweiten Spiel der Playoff-Serie gegen die Dallas Mavericks war vielleicht sein viertletzter Wurf: Die Thunder lagen kurz vor Schluss zwei Punkte zurück, Durant lief sich nach einem Einwurf vorbildlich frei und setzte anschließend den komplett offenen Midrange-Jumper an den Ring. Einen Wurf, den er wahrscheinlich normalerweise im Schlaf reinmacht. Danach vergab er noch einen Eckendreier, traf  -ausnahmsweise, muss man fast sagen – einen Dreier, der sein Team auf einen Punkt heranbrachte und vergab wenige Sekundenbruchteile vor Schluss mit einem Korbleger die Chance auf den Sieg. Ein absolut gebrauchter Abend für den Superstar der Thunder, der am Ende nur sieben seiner 33 Würfe traf und dessen Team letztlich mit 84 zu 85 gegen die Mavericks verlor. Im ersten Spiel dagegen hatten die Thunder noch locker gewonnen und die Mavs mit 38 Punkten besiegt. War die schlechte Leistung Durants also nur ein einmaliger Aussetzer oder stecken strukturelle Probleme im Spiel der Thunder hinter der schlechten Leistung des Superstars, die sich in Spiel 2 auf das ganze Team auswirkte? 

Eine der schlechtesten Leistungen seiner Karriere

Zunächst, Kevin Durants Wurfbilanz war eine der schlechtesten seiner Karriere, für Playoff-Spiele sogar die schlechteste. Und von den schlechteren Spielen in der Regular Season fanden fünf von sechs in seiner Rookie- oder Sophomore-Saison statt. Was war im Spiel passiert? Die Mavericks hatten früh begonnen, Durant sehr hart anzugehen, ihn mit Tritten zu traktieren und beim Freilaufen festzuhalten. Durant war davon schon nach wenigen Minuten frustriert und schaffte es zunehmend nicht, gegen die physische Mavs-Defense anzukommen. Anfangs schaffte er es noch wie hier in die Zone zu ziehen und Korbleger zu verwandeln. 

Durant-Korbleger

Im weiteren Spielverlauf ging jedoch der Plan Rick Carlisles auf und Durant wurde immer wieder in gut verteidigte Midrange-Jumper gezwungen, die ihm den Rhythmus raubten. So wird sein Fade-Away nach einem Post-up im Midrangebereich hier gleich von Devin Harris und Salah Mejri verteidigt. Folgerichtig geht der Wurf daneben. 

Durant-Wurf

Ein weiteres Problem waren die beim Zug in die Zone ausbleibenden Pfiffe. Anstatt sich an der Freiwurflinie den verlorenen Rhythmus zurückholen zu können, bekam KD bei jedem Korblegerversuch die Härte der Mavs-Verteidigung maximal zu spüren und kam damit erst recht aus dem Konzept. Die Folge waren dann völlig freie, dennoch daneben gesetzte Würfe wie der eingangs erwähnte. 

Durant-Wurf2

Kann man von einem Aussetzer sprechen? 

Statistisch gesehen ist ein Aussetzer oder Ausreißer ein Ereignis, das nicht mit dem über viele Ereignisse ermittelten Mittelwert übereinstimmt. Durants Leistung liegt in jedem Fall außerhalb des zu erwartenden Mittelwertes. Das machte auch Royce Young auf Twitter deutlich, der ausgerechnet hatte, auf wie viele Punkte Kevin Durant hätte kommen müssen, hätte er “normale” Quoten geworfen: 41 Zähler hätten dann auf seiner Habensseite gestanden und die Thunder das Spiel wahrscheinlich locker gewonnen.

Bei seinen Würfen war auch viel des sprichwörtlichen Pechs dabei: sie entsprachen in etwa den Würfen, die Durant sonst trifft, fielen diesmal allerdings einfach nicht. Somit kann man durchaus von einem Ausreißer sprechen. Statistisch gesehen ist es extrem unwahrscheinlich, dass Durant noch einmal ein solches Spiel zeigt – jedenfalls dann, wenn er so agiert, wie er das ansonsten auch tut. 

Strukturelle Probleme sind durchaus vorhanden 

In diesem letzten Satz liegt jedoch auch ein Knackpunkt, der sowohl Durant als auch den Coachingstaff dringend aufhorchen lassen sollte: Kevin Durant und auch der Coaching-Staff agierten nicht so, wie sie es zur Erfolgsmaximierung tun sollten und wie es die allermeiste Zeit von Durants Karriere gehandhabt wurde. Da wäre zum einen die bereits erwähnte Spielweise Durants, sich wie von den Mavs gewünscht in verteidigte Midrange-Jumper drängen zu lassen. Vor allem, wenn er merkt, dass er diese Würfe nicht trifft, darf das einem Superstar wie KD nicht passieren. Er muss dann in die Zone gehen und dort den Kontakt suchen, oder, wenn das wie gegen Dallas aufgrund der ausbleibenden Pfiffe nicht möglich ist, andere Lösungen suchen. Hier ist auch das Team gefordert. Wie Zach Lowe auf Twitter anmerkte, ist es zwar gut, dass Durant ein für ihn einfach aussehendes Post-up gegen den viel kleineren Ray Felton bekommt, aber dass ansonsten keinerlei Bewegung auf dem Feld stattfindet und alle nur zusehen, spricht nicht gerade für Mitspieler und Coaching-Staff. 

Gerade von Spielern wie Waiters muss hier mehr kommen. Anstatt als mittelmäßiger Dreierschütze nur am Perimeter herumzustehen, müssen Spieler wie er auch cutten oder anderweitig für Bewegung sorgen. Die Offense der Thunder ist in solchen Situation oft viel zu statisch. 

Ein weiteres Problem liegt im Lineup-Management von Coach Donovan. Seit er versucht, die Minuten von Durant und Westbrook zu “staggern”, also dafür zu sorgen, dass immer mindestens einer der beiden auf dem Feld steht, und seit DJ Augustin nach Denver getradet wurde, schickt Donovan oft eine Lineup ohne nominellen Point Guard aufs Feld. Kevin Durant soll dann als Ballhandler den Großteil des Spielaufbaus übernehmen, unterstützt von Randy Foye und Dion Waiters. Meistens werden diese drei Spieler noch von Enes Kanter und Kyle Singler ergänzt. 

Diese Fünf-Spieler-Kombination hat bisher insgesamt 82 Minuten absolviert und erzielte dabei 1.09 PPP, während es die Gegner im selben Zeitraum auf 1.32 PPP brachten. Auch zur gesamtem Teamleistung, die bei 1.134 PPP liegt, stellt diese Lineup einen enormen Abfall dar. Noch schlimmer: Gerade auf Kevin Durants Spiel wirkt sich die Aufstellung schlecht aus. Satte 0.18 PPP erzielt der Flügel weniger als sonst. Ebenfalls scheint ihn die Kombination aus dem Rhythmus zu bringen. Normalerweise verliert Durant auf 100 Ballbesitze hochgerechnet nur 13.5 mal den Ball. Wenn er den Spielaufbau übernehmen muss, steigt diese Quote auf 20.7% an. Das ist schon isoliert ein Problem, weitet sich aber noch einmal enorm aus, wenn man alle weiteren Folgen bedenkt. Denn Turnover entstehen ja nicht immer einfach so, indem z. B. der Ball weggeworfen wurde, sondern oft durch starke Bedrängung oder Doppeln während des Spielaufbaus. Dass solche Aktionen Durant, die er weniger gewohnt ist als Dauer-Aufbauspieler wie Russell Westbrook, aus dem Konzept bringen, sollte klar sein. Es ist unverständlich, warum Coach Donovan ihm hier nicht einfach Cameron Payne zur Unterstützung zur Seite stellt. Der Rookie machte während der Regular Season seine Sache oft sehr gut. 

Kleinere Veränderungen sind notwendig 

Wie wir gesehen haben, resultierte Durants schlechte Leistung zu größeren Teilen aus Pech, aber eben auch aus strukturellen Problemen. Man darf dieses eine Spiel nicht überbewerten – dass die Thunder trotz einer der schlechtesten Offensiv-Leistungen der Franchise-Geschichte nur einen zu späten Tip-In vom Sieg entfernt waren, spricht nicht gerade für die Mavericks. Dennoch müssen sich sowohl Donovan als auch Durant selbst Gedanken machen, wie sie die oben dargelegten Probleme beheben können. Gerade im Blick auf mögliche Serien gegen Spurs und Warriors ist das wichtig. Denn diese werden solche Schwächen gnadenlos bestrafen. Das bedeutet, dass erstens insgesamt in der Offense der Thunder mehr Bewegung herrschen muss und zweitens die oben genannte Lineup nicht mehr zum Einsatz kommen sollte. Cameron Payne hat Spielzeit verdient und Donovan muss das endlich einsehen. Ansonsten sollte man sich auf die Statistik und Kevin Durants Spielstärke verlassen. Ein solches Spiel wie am Montag wird zumindest in diesen Playoffs eher nicht mehr vorkommen. 

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1 comment

  1. Avatar

    Pillendreher

    Guter Artikel :tup: Ich finde deinen Hinweis auf die harte Gangart der Mavs interessant, denn sie zeigt mE zwei Dinge:

    1) Durant kann man eigentlich nur dann anständig verteidigen, wenn man ihn ständig foult bzw. hart an der Grenze zum Foul spielt

    2) Durant kommt dieser Verteidigung überhaupt nicht zurecht.

    Zum 2): Wieso eigentlich? Er sieht ja schlaksig aus, aber ist er nach zig Jahren in der Liga wirklich weiterhin so schwach, dass er sich von kleineren Guards herumschubsen lassen kann?

    Und auch den Hinweis auf Payne teile ich: Für mich ist er der Schlüssel zum Erfolg. Spielt er, ist die Bank solide bzw. nicht komplett beschissen und Russ und KD bekommen jeweils Entlastung, weil noch ein anderer Spielgestalter auf dem Feld steht. Es ist ja etwa zu 2013 schon ein krasser Unterscheid: Anstatt einem Kevin Martin, der sich seinen Wurf größtenteils selbst erarbeiten kann, und einem Jackson und/oder Fisher, die den Ball bringen können, gibt es im Moment nominell keine weiteren Ballhandler im Team, denn Foye und Waiters sind dies einfach nicht, auch wenn man sie uns als solche verkaufen will.


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