Playoffs 2016

8 Fragen zu der ersten Runde

Die erste Runde der NBA Playoffs 2016

Wie in den letzten Jahren wird Go-to-Guys zu den Playoffs keine klassischen Previews anbieten. Stattdessen wird während der Serien analysiert werden, wie die Teams auf das jeweilige Matchup reagieren, was die Ursachen für Siege in den Playoffbegegnungen sind und was vielleicht sinnvolle Adjustments – in dann folgenden Spielen – wären. Um den Lesern aber trotzdem einen Eindruck zu vermitteln, was in den Erstrundenmatchups interessant zu beobachten sein könnte, haben wir uns acht drängende Fragen gestellt:

1. Wer dominiert die Bretter?
Cleveland Cavaliers (1) vs Detroit Pistons (8)

Alles deutet daraufhin, dass sich die Serie zwischen den Detroit Pistons und den Cleveland Cavaliers sehr viel im Halbfeld abspielen wird. Beide Mannschaften befinden sich bei der Pace im unteren Drittel der Liga. Auch forcieren weder die Cleveland Cavaliers (27.) noch die Detroit Pistons (24.) sonderlich viele Steals. Dazu kommt noch, dass beide Mannschaften in der Verteidigung gegen den Fastbreak sehr stark sind. Detroit führt mit nur 10.4 zugelassenen Fastbreakpunkten pro Spiel sogar die Liga an, die Cleveland Cavaliers folgen auf dem sechsten Rang.
Ein entscheidender Faktor, gerade bei der vermutlich langsamen Pace, könnte die Arbeit an den Brettern sein. Beide Teams zählen ligaweit zu den besten Reboundingteams und belegen in der Reboundingrate Rang zwei und drei. In den drei regulären Saisonspielen konnten die Pistons zweimal gegen die Cavaliers triumphieren, auch weil sie in diesen beiden Spielen das Reboundduell für sich entscheiden konnten. Vor allem Andre Drummond bereitete den Cavaliers große Probleme am defensiven Brett und holte bei den Aufeinandertreffen im Schnitt sechs Offensivrebounds.

2. Kann die Dreierverteidigung der Pacers die wurfstarken Raptors aufhalten?
Toronto Raptors (2) vs Indiana Pacers (7)

Mit einer Dreierquote von 37 Prozent stellen die Toronto Raptors eines der besten Teams der Liga. Nur die Bulls, Spurs und Warriors trafen noch hochprozentiger von Außen als Toronto. Die gute Defensive der Pacers zeichnet sich im Gegenzug allerdings dadurch aus, dass sie von der Dreierlinie nur sehr wenig hochprozentige Würfe zu lassen. Im Schnitt schießen ihre Gegner nur 33.4 Prozent von der Dreierlinie (Rang 3). Dies liegt vor allem daran, dass die Pacers in der Regel nur sehr wenig von den Shootern aushelfen. In der Regel versuchen die Pacers das Pick&Roll so zu verteidigen, dass der involvierte Big recht weit absinkt und der abrollende Spieler, wenn möglich vom anderen Big, in dieser Szene Myles Turner, gebumpt wird.

Pacers-Pick&Roll_D

Da die Raptors mit Scola und Patterson eigentlich permanent einen Stretch Vierer auf dem Feld haben, wird das Aushelfen beim Roll-Man für die Pacers allerdings deutlich erschwert. In den regulären Saisonspielen gegen die Raptors schafften es die Pacers nicht, die Dreipunktelinie auf dem gewohnten Niveau zu verteidigen. Über die vier Spiele trafen die Raptors 34 von 90 Dreiern (38%).

3. Kann Miami auch ohne Dreier die Hornets besiegen?
Miami Heat (3) vs. Charlotte Hornets (6)

Die Miami Heat sind sicherlich eines der unbequemsten Playoff-Matchups. Mit vielen Spielern, die sowohl für sich, als auch für andere kreieren können, ist es enorm schwer einen Spieler defensiv zu verstecken. Das größte Problem der Heat ist jedoch das Outside-Shooting. Mit einer Trefferquote von nur 33.6 von der Dreierlinie belegen die Heat in der NBA lediglich den 27. Rang. Die einzigen wirklich konstanten Schützen sind Joe Johnson und Rookie Jason Richardson. Viel wird davon abhängen, inwiefern auch die anderen Rotationsspieler der Heat in der Playoffserie ihre Dreier treffen. Einige Spieler, wie zum Beispiel Gerald Green, können durchaus sehr streaky sein. Der Heat-Defense Probleme bereiten könnte Al Jefferson. Der Post-up-Center hat, nach sehr schwachem Saisonstart, in den letzten zwei Monaten wieder zu seiner Form gefunden und könnte in der Serie noch eine wichtige Rolle spielen. Denn gerade im Post-up scheinen die Heat in der Defensive anfällig zu sein. Kein Team lässt laut den Synergy Play Types einen schlechteren Wert in der Verteidigung gegen das Post-up zu als die Heat (0.96PPP).  Ebenfalls gespannt darf man sein, wie die Heat planen gegen Kemba Walker zu verteidigen. Der Point Guard absolvierte die beste Saison seiner Karriere und dürfte von Dragic kaum auf dem Weg zum Korb aufgehalten werden. Kommt die Hilfe, dann hat Charlotte in diesem Jahr endlich auch genügend Shooting um dies bestrafen zu können (36.2%).

4. Welche Defensive setzt sich durch?
Atlanta Hawks (4) vs. Boston Celtics (5)

Sowohl die Atlanta Hawks, als auch die Boston Celtics definieren sich über ihre defensive Leistungsstärke. Die Hawks stellen mit einem Defensivrating von 98.8 hinter den Spurs die zweitbeste Defensive der Liga. Nur zwei Plätze dahinter folgen die Celtics mit einem Defensivrating von 100.9. Beide Mannschaften verfügen dabei nicht über einen dominanten Defensivcenter, sondern zeichnen sich durch ihre Flexibilität und konstant guten Besetzungen auf allen Positionen aus. Sowohl die Celtics, als auch auch Hawks, agieren in der Verteidigung  sehr aggressiv und versuchen durch viel Druck auf den gegnerischen Ballhandler Turnover zu erzwingen. Dadurch ergeben sich immer wieder gute Möglichkeiten im Fastbreak einfache Punkte zu erzielen. Während die Celtics in der regulären Saison die viertbeste Turnoverrate der NBA stellten, hatten die Hawks deutlich öfter Turnoverprobleme (20.).
Ebenfalls wichtig könnte es werden, wie gut die beiden Teams ihre Würfe von Außen treffen. In den letztjährigen Playoffs wurde genau dies zum Problem für Atlanta. Trafen die Hawks in der regulären Saison noch 38 Prozent ihrer Dreier, waren es in der Postseason nicht einmal mehr 32 Prozent. Die Celtics nehmen in dieser Saison zwar viele Dreier, treffen diese allerdings nicht gut. Lediglich die Lakers und die Grizzlies trafen in dieser Saison noch schlechter von Außen. Vor allem Sullinger (28%), Smart (25%) und Turner (24%) ziehen die Quote nach unten, da sie trotz miserabler Quoten zusammen noch sechs Dreier pro Spiel nehmen.

 

5. Kann Houston aus den Turnovern der Warriors Kapital schlagen?
Golden State Warriors (1) vs Houston Rockets (8)

Nach der überragenden Saison der Warriors fällt es schwer Punkte zu finden, aus welchen die Rockets eventuell Kapital schlagen könnten. Gibt es allerdings einen Punkt, an welchem die Warriors zu kritisieren sind, dann ist es die verhältnismäßig hohe Turnoverrate von 13.5 (Rang 20).  Genau hier greift eine der Stärken der Rockets. Denn sie führen die Liga sowohl in Steals, als auch bei den gegnerischen Turnovern an. Schaffen die Rockets es viele Ballverluste zu provozieren, besteht eventuell eine Möglichkeit, dass sie die Warriors zumindest ein wenig ärgern können. Im Gegenzug dazu sollte aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Rockets den Dreier, den Golden State so gut wie kein anderes Team in der NBA trifft, sehr schlecht verteidigen. Auch sind sie auch selber relativ turnoveranfällig, was Golden States schnellem Spielstil ebenfalls sehr entgegen kommt.
Interessant wird auch die Rolle von Dwight Howard sein. Kann er die Golden State Warriors am offensiven Brett vor Probleme stellen? Ist er überhaupt spielbar, wenn die Warriors klein gehen und ihn zwingen an der Dreierlinie zu verteidigen?

6. Kann Memphis ein Spiel gewinnen?
San Antonio Spurs (2) vs Memphis Grizzlies (7)

Mit Mike Conley und Marc Gasol haben die beiden besten Spieler der Grizzlies ihre Saison schon lange beendet. Memphis gewann von den letzten 17 Saisonspielen nur drei und wird auch in den Playoffs wohl nichts mehr gegen die Spurs ausrichten können. Schon die komplette Saison haben die Grizzlies mit riesigen Spacingproblemen zu kämpfen. Nun geht es in den Playoffs ausgerechnet auch noch gegen das Team, welches die Dreierlinie am besten verteidigt.
Allerdings muss man es den Grizzlies zu Gute halten, dass sie trotz des schwachen Spacings und des dezimierten Kaders seit dem Allstarbreak geschafft haben, immerhin eine durchschnittliche Offensive zu stellen. Dies liegt vor allem daran, dass sie es  schaffen sehr viele Abschlüsse in der Zone zu nehmen.
Auch in der Defensive werden sie gegen die Spurs große Probleme haben. Das eigentlich für seine Grit-and-Grind-Mentalität bekannte Memphis ist in dieser Saison nur auf einem neunzehnten Rang in der defensiven Effizienz. Auch hier bereiten ihnen die Ausfälle von Gasol und Conley große Probleme.

7. Wie sehr wird Dallas gegen OKC switchen?
Oklahoma City Thunder (3) vs Dallas Mavericks (6)

In der Serie zwischen den Thunder und Mavericks dürften es interessant werden, wie die Matchups aussehen. Wie viele Cross-Matchups werden die Mavericks in der Defensive vornehmen? Werden sie ihren vermeintlich besten Perimeter-Defender Wesley Matthews gegen Westbrook stellen oder es erstmal mit Deron Williams versuchen? Wird Nowitzki gegen Adams gestellt, damit er weniger im Pick&Roll verteidigen muss als gegen Ibaka? Kann Rookie Justin Anderson sich einigermaßen gegen Kevin Durant behaupten? Damit Dallas die Serie eng gestalten könnte, würde es einen großen Leistungssprung in der Defensive benötigen.
Ebenfalls problematisch für Dallas könnte der Kampf unter den Brettern sein. Mit einer Offensivreboundrate von 31.1 führen die Thunder die Liga mit weitem Abstand an. Vor allem Steven Adams und Enes Kanter, aber auch Serge Ibaka, Russell Westbrook und Andre Roberson erkämpfen für die Thunder immer wieder zweite Chancen.
Auch ein Faktor dürften die Benchunits werden. Die zweite Garde der Thunder hat in der Defensive oft große Probleme, welche die offensivstarke Bank der Mavericks attackieren könnte. Die zuletzt sehr starken Felton und Barea könnten Enes Kanters Schwächen in der Pick&Roll-Verteidung mit ihrem guten Zug zum Korb ausnutzen.

8. Kann Portland das Spacing nutzen?
Los Angeles Clippers (4) vs Portland Trailblazers (5)

Der Backcourt von Portland aus Lillard und McCollum zählt zumindest offensiv zu den besten der Liga. Die größte Stärke der beiden ist ihr sicherer Wurf aus dem Dribbling. Unter den Spielern, die mehr als acht Würfe pro Spiel aus dem Dribbling nehmen, haben nur Stephen Curry und Kevin Durant eine bessere eFG% als CJ McCollum. Lillard nimmt nach Curry die meisten Dreier aus dem Dribbling und trifft von 4.8 Versuchen pro Spiel solide 34 Prozent. In der Pick&Roll-Verteidigung wird das für Center DeAndre Jordan bedeuten, dass er nicht wie sonst gerne tief in die Zone absinken kann, sondern er aus seiner Komfortzone herauskommen muss. Dies öffnet das Spiel für Portlands Offensive und schafft viel Platz für die abrollenden Big Men. In der Defensive stehen Portland schwierige Matchups bevor. Einer von Lillard und McCollum kann vielleicht noch gegen Luc Mbah a Moute einigermaßen versteckt werden, doch einer von den beiden wird entweder gegen Paul verteidigen müssen oder Redick über Screens verfolgen. Aufgrund der schwachen Perimeterdefense lässt Portland schon die komplette Saison über sehr viele Drives zum Korb zu, was oft zum Kollabieren der Defense und offenen Dreiern führt.
Eine weitere interessante Frage ist, ob Portland die statistische Überlegenheit an den Brettern ausnutzen kann. Die Blazers sind mit einer Offensivreboundrate von 25.9 das viertbeste Team am offensiven Brett, gleichzeitig sind die Clippers mit einer Defensivreboundrate von 73.8 das Zweitschlechteste.

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1 comment

  1. Julian Wolf

    Gibt’s hier so eine Art Tippspiel für die Playoffs? Möchte mal wieder sehen, wie arg falsch ich mit meinen Prognosen liege.
    Bei den Serien sehe ich eigentlich in jeder das Heimvorteil-Team vorne. Upset-Potential sehe ich eigentlich nur bei den Hornets, Celtics (eingeschränkt) und Blazers (minimal). Den Rest sehe ich relativ klar durch – lasse mich aber gerne überraschen! :stupid:


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