Tournament 2016

Keys to Success – Der Champion

Eine Review des Final Fours für die Villanova Wildcats
Nach einer Niederlage gegen Seton Hall im Big East Tournament gingen die Villanova Wildcats mit einer Niederlage in das NCAA Tournament. Was danach geschah hatte scheinbar nichts mehr mit diesem Team zu tun. Seit nunmehr Jahren dürfen sich Jay Wright und sein Captain Ryan Arcidiacono anhören, dass sie nicht erfolgreich sind, da sie Jahr für Jahr nicht das erste Wochenende des Turnieres überstanden. Nun konnte der Bann gebrochen werden, der Einzug in das Final Four ist perfekt. Doch die Geschichte dieses Wochenendes sollte alles vorher geschehene noch um Längen toppen.

Nach einer Niederlage gegen Seton Hall im Big East Tournament gingen die Villanova Wildcats mit einer Niederlage in das NCAA Tournament. Was danach geschah hatte scheinbar nichts mehr mit diesem Team zu tun. Seit nunmehr Jahren dürfen sich Jay Wright und sein Captain Ryan Arcidiacono anhören, dass sie nicht erfolgreich sind, da sie Jahr für Jahr nicht das erste Wochenende des Turnieres überstanden. Nun konnte der Bann gebrochen werden, der Einzug in das Final Four ist perfekt. Doch die Geschichte dieses Wochenendes sollte alles vorher geschehene noch um Längen toppen.

All Nova

„I just feel bad for Oklahoma.“ Diese Aussage von Villanova Head Coach Jay Wright zeigt sehr deutlich, was in den vorangegangen zwei Stunden passiert ist. Es gab bereits viele Superlative in diesem Turnier, doch was in der ersten Final Four-Partie im NRG-Stadium passiert ist, konnte niemand vorhersehen.

Jegliche Experten waren sich einig: Villanova gegen Oklahoma ist das bessere Halbfinal-Matchup und es wird erst auf den letzten Metern zu einer Entscheidung kommen. Aber wie das so ist, lag damit jeder, und wirklich jeder, falsch. Villanova gelang nicht nur in absoluten Zahlen die beste Offensivleistung der Saison, denn die Wurfquoten waren schlicht und ergreifend rekordverdächtig. 71,4 Prozent aus dem Feld war die beste Wurfleistung in der Final-Four Geschichte des College Basketballs. Zwar hat das 1985er Team der Wildcats die Meisterschaft gewonnen und dort auf dem Papier das einzige Spiel 648px-Jay_Wright_140507-D-HU462-384_(cropped)mit einer besseren Quote geliefert (78 Prozent), doch zu dem Zeitpunkt gab es weder eine Dreipunktelinie, noch eine Shotclock und somit kann man dort praktisch von einer veralteten Form des College Basketballs reden. Während der Schnitt für die Dreipunktwurfquote im NRG-Stadium in den bisherig dort gespielten Final Fours bei 27,6 Prozent lag, traf das Team von Jay Wright 61,1. Doch nicht nur die Offense war herausragend. Die 51 erzielten Punkte waren mit Abstand das schlechteste Ergebnis der Sooners in diesem Jahr. Wichtig dabei war vor allem die Leistung von Starspieler Buddy Hield. Der Naismith Player of the Year verbuchte nur neun Punkte und blieb erst das zweite Mal in dieser Spielzeit einstellig. Dabei traf er wenige Sekunde nach Beginn des Spiels gleich den ersten Wurf. Niemand konnte erahnen, dass dies der letzte Dreier in Buddy Hield’s College Karriere sein würde. Er traf nur 1 von 8 aus der Distanz und 4 von 12 aus dem Feld. Sein Punkteschnitt in den vier Turnierspielen bis dahin: 29,25. Die Defense der Wildcats konnte also eine ähnliche Leistung vollbringen, wie gegen Kansas, als man Big Man Perry Ellis komplett aus dem Spiel nahm.

Vielseitigkeit als Schlüssel

Und niemand konnte dies am Samstag besser aufs Feld bringen als Josh Hart. Neben seinen 23 Punkten (10/12 FG, 1/1 3P) konnte der Junior seine Statline mit acht Rebounds, vier Assists und zwei Steals garnieren. Eine vollkommene Leistung des Guards, wobei die Defense oftmals bei seinen Drives zusammenbrach, was zu freien Würfen von Außen führte. Allerdings war dies eines der Spiele, in denen dann auch noch genug Aktionen gelangen, die normalerweise eher nicht zum Erfolg führen bzw. als schlechte Würfe gelten, wenn er sie nicht trifft. Neben Schützen wie Archidiacono und Jenkins lieferte Hart immer wieder Aktionen, die insbesondere in der ersten Halbzeit den Vorsprung ausbauten. Und abschließend kann man an eben genau solchen Aktionen erkennen, dass es schwierig wird, einen Basketballer an diesem Tag zu stoppen.

Teambasketball als Erfolgsrezept

arcidiaconoDoch auch wenn eben diese Aktionen von Josh Hart zu vielen Punkten und freien Würfen führten, hatten seine Mitspieler ebenfalls einen hervorragenden Tag erwischt. Jeder Spieler
der Wildcats, der zwei Würfe oder mehr genommen hat, traf mindestens 60 Prozent aus dem Feld. Ryan Arcidiacono und Kris Jenkins hatten dabei eine Ausnahmestellung, denn gerade ihr Spiel ermöglicht Coach Wright, seine Wildcats offensiv so auflaufen zu lassen. Wenn sein Point Guard Arcidiacono gut (5/6) aus dem Feld trifft, ist er einer der besten Aufbauspieler des Landes. Gerade seine gute Größe (6’3“) und Übersicht lassen ihn zur Verlängerung des Coaches werden. Der Senior war in jedem seiner vier Jahre ein Captain im Team.

Kris Jenkins ist der vielleicht wichtigste Spieler des Teams, der am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt. Zwar fehlen dem Forward, den Wright häufig auf der Vier einsetzt, einige Zentimeter, dies macht er aber durch Masse und Spielintelligenz wett. Er trifft im Tournament 15 von 31 Dreiern und ist somit in seiner Rolle als Stretch-Four von hoher Bedeutung für das Team. Da `Nova eh sehr gerne in einer 4-Out-Aufstellung spielt, macht ihn dies in jedem System zu einem guten Fit.

An dieser Stelle sollte man eventuell noch das wohl beste NBA Prospect des Teams erwähnen, Mikal Bridges. In diesem Jahr kommt der Freshman zwar als Energy-Guy von der Bank, sollte aber spätestens kommende Saison für Aufruhr sorgen. Ihm gelang ein sehr guter Auftritt mit sehr unterschiedlichen Aktionen, die seinem Team halfen. Doch neben Spacing sorgte Bridges auch für das Highlight des Abends und wenn man das Level an Schwierigkeit mal genauer betrachtet eines der besten Plays des Jahres.

Villanova gelang mit 95 zu 51 der mit Abstand höchste Sieg in der Final Four-Geschichte und so richtig erklären kann sich dies noch immer niemand. Sicherlich hat Oklahoma einen denkbar schlechten Tag erwischt, aber die Leistungen der vergangenen Wochen zeigen nun kontinuierlich, dass diese Villanova Wildcats ganz zu recht im Finale standen.

The perfect ending of a perfect tournament

Es ist definitiv nicht einfach, einen analysierenden, objektiven Text zu schreiben, kurz nachdem man dieses Finale gesehen hat. Es war genau das, was sich alle Fans und Experten nach den deutlichen Halbfinalspielen erhofft hatten. Der Showdown zwischen den zwei besten Teams im Land (nach kenpom.com) wurde erst in der letzten Sekunde entschieden und wer bei diesem Ende ruhig sitzen bleiben konnte, hat entweder keine Emotionen oder Nerven aus Stahl. Kris Jenkins, X-Faktor und Stretch-Four der Villanova Wildcats trifft den sensationellen Gamewinner zum Sieg kurz nachdem Senior-Captain Marcus Paige einen akrobatischen Dreier zum 74:74 erzielen konnte.

Es ist sehr schwer, alle Details dieses Spiels an dieser Stelle wiederzugeben, denn man sollte es einfach gesehen haben. Dennoch gab es sehr wichtige Aspekte, die dazu geführt haben, dass beide Teams eine Minute vor Schluss in der Situation waren, gewinnen zu können.

Länge gegen Vielseitigkeit

Man könnte meinen, dass Wildcats-Center Daniel Ochefu alleine auf weiter Flur war. Gegen das Quartett an Big Men aus Brice Johnson, Kennedy Meeks, Isaiah Hicks und Joel James sah die Villanova Big Man-Rotation recht kläglich aus. Einzig Darryl Reynolds kann aushelfen und dieser hatte keine gute Partie. Dennoch war Ochefu einer der wichtigsten Akteure im Turnier und auch hier konnte er einen guten Eindruck hinterlassen. Sehr häufig gelang es Jay Wright, ihn gut in Szene zu setzen. Dabei platzierten sich alle anderen Spieler häufig oberhalb der Freiwurflinie am Perimeter, sodass es sehr schwer gemacht wurde, auszuhelfen.

Brice Johnson und Kennedy Meeks kamen zusammen lediglich auf 18 Punkte und 15 Rebounds. Dafür, dass die Bigs der Tar Heels normalerweise deren Stärke sind, war dies ein schlechter Abend. Auch Hicks (vier Punkte und vier Rebounds) und James (0 Punkte und ein Rebound) konnten kaum Akzente setzen. Das Reboundduell konnten die Tar Heels aber trotz alledem deutlich für sich entscheiden (33:23). Ganz 14 Offensivrebounds führten dazu, dass dieses Spiel so knapp wurde. Wenn man jetzt in Betracht zieht, dass Marcus Paige & Co. auch noch mehr Dreier (11/17) getroffen haben, dann kommt die Frage auf, wie Villanova gewinnen konnte.

Effizienz

Der Schlüssel zum Sieg für die Wildcats, im gesamten Turnier. Erneut waren die Quoten überragend: 58,3 Prozent aus dem Feld und 57,1 Prozent aus der Distanz). Zu Beginn sah es erst stark danach aus, dass vor allem Joel Berry II das Spiel mit seinen Distanzwürfen entscheiden könnte. 15 Punkte erzielte der Guard in der ersten Hälfte, neun davon durch Dreier. Am Ende des Spiels war es dann Paige, der dort fast alle seiner vier Würfe von Downtown traf. So konnte die schlechtere Halbzeit des jeweils anderen Guards durchaus kaschiert werden. Doch vor allem Phil Booth hielt dagegen. Es gibt praktisch in jedem Final Four einen Spieler, der seinem Team einen unerwarteten Leistungspush bringt und dieses Jahr war es der Sophomore. Über die Saison gelangen ihm im Schnitt 7 Punkte, in dem vielleicht wichtigsten Spiel seiner Karriere waren es 20 (6/7 FG, 2/2 3P).

Taktisch gesehen hat insbesondere das Pick & Roll großen Schaden anrichten können. Mehrfach konnte Ryan Arcidiacono scoren, wenn Brice Johnson oder Kennedy Meeks beim Screen fast an ihrer Position in der Zone stehen geblieben sind. So blieb immer wieder Raum in der Mitteldistanz oder an der Dreierlinie für den Senior.

Gleichzeitig mussten die Tar Heels dann bei Abschluss aus der Midrange sehr plötzlich aushelfen, was Ochefu die Möglichkeit für Offensivrebounds gegeben hat.

Man kann klar sagen, dass die Mischung aus Dominanz beim Rebound und gutem Shooting für das tolle Spiel der Tar Heels gesorgt hat. Villanova hat sich auf die bewährten Mittel berufen und in den schweren Phasen auf Star-Spieler Josh Hart zurückgegriffen, der immer wieder für wichtige Würfe gesorgt hat.

Verdienter Sieger

Nach diesem Turnierverlauf war es zu erwarten, dass wir ein Finale mit mindestens einem Underdog haben würden. Doch nun waren es die beiden besten Teams, die bereits in der Preseason Top 10 standen und jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt der Spielzeit die AP Top 25 angeführt haben. So schade es für Marcus Paige und Brice Johnson ist, umso mehr darf man sich für Jay Wright und Senior Guard Ryan Arcidiacono freuen. Nach so einem historischen Finale ist es zwar traurig, dass wir nun für mehr als ein halbes Jahr auf College Basketball verzichten müssen, jedoch werden diese beiden Teams schon kommende Saison wieder ganz oben mitmischen und das macht Lust auf mehr.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben